Kapitel 1 - Die Stille des Waldes
Die Sonne sank langsam hinter den sanften Hügeln, und ihr Licht brach sich in den Blättern des Waldes, tauchte alles in ein warmes, flackerndes Orange. Für die meisten Menschen war dieser Wald nur ein Ort der Ruhe, vielleicht ein wenig unheimlich, doch für Sarah Mickley war er Heimat. Sie liebte die Stille, das Rascheln der Blätter unter den Füßen, das entfernte Heulen eines Rudelmitglieds, das sichere Wissen, dass sie sich hier bewegen konnte wie kein anderer.
Sarah war Anfang zwanzig, schlank und athletisch gebaut Ihre langen, hellblonden Haare leuchteten im schwachen Sonnenlicht wie Silber, und ihre smaragdgrünen Augen funkelten vor Aufmerksamkeit und Neugier. Schon als Kind hatte sie gelernt, jedes Geräusch, jeden Geruch, jede Bewegung wahrzunehmen Fähigkeiten, die in ihrem Rudel von unschätzbarem Wert waren. Doch selbst für sie war dieses Gefühl, das heute durch ihren Körper zog, ungewöhnlich: Es war eine Mischung aus Unruhe, Vorahnung und etwas, das sie nicht genau benennen konnte.
„Zu viel Fragerei”, hatte ihr Vater am Morgen gesagt, als er ihr die Aufgabe übertrug, Kräuter für die Heilerin zu sammeln. „Ein Mädchen wie du soll gehorchen, nicht den Mund aufreißen.”
Sie hatte den Kopf geschüttelt, die Lippen zusammengepresst und war losgelaufen, wild entschlossen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie liebte ihren Vater, doch oft fühlte sie sich von seinen Regeln gefangen, als wären sie Ketten, die sie nicht sehen durfte.
Der Wald empfing sie mit der gewohnten Ruhe, doch unter der Oberfläche spürte sie etwas Fremdes. Ein Rascheln ließ sie innehalten. Ihre Sinne, geschärft durch jahrelanges Training, warnten sie: Da war etwas oder jemand , der nicht hierher gehörte.
„Wer ist da?” rief sie, ihre Stimme fester als sie sich fühlte.
Zuerst kam keine Antwort. Dann ein Schritt. Leicht, fast lautlos, doch unüberhörbar für jemanden, der es gewohnt war, jede Bewegung zu spüren.
Aus den Schatten der Bäume trat eine Gestalt hervor.
Groß, schlank, die schwarze Kleidung ließ ihn mit der Dunkelheit verschmelzen. Sein Haar war tiefschwarz, leicht zerzaust, und seine silbergrauen Augen schienen direkt in ihre Seele zu blicken. Sarahs Herz schlug schneller, ihr Körper reagierte sofort, ihre Muskeln spannten sich an. Sie wusste: Er war kein Mensch. Kein Wolf.
„Du hast keine Angst?” fragte er ruhig, und seine Stimme war tief, klar und gleichzeitig geheimnisvoll.
„Sollte ich?” erwiderte Sarah, bemüht, ihre Unsicherheit zu verbergen.
Er lächelte leicht nicht spöttisch, sondern fasziniert. „Die meisten rennen sofort.“”
Sarahs Augen verengten sich. Sie hatte die Geschichten gehört, die ihr Vater am Feuer erzählte: Vampire, uralt, mächtig, gefürchtet und todbringend. Doch in diesem Moment stand einer vor ihr Damien Blackwood. Ein Name, der auf seltsame Weise zu ihm zu passen schien.
„Warum bist du hier?” flüsterte sie, die Stimme kaum hörbar.
„Weil etwas mich hierher geführt hat”, antwortete er, sein Blick auf sie fixiert, durchdringend. „Vielleicht ein Zufall, vielleicht etwas anderes... vielleicht du.”
Ihre Wangen brannten. Sie wollte weglaufen, ihr Rudel alarmieren, den sicheren Abstand suchen. Aber etwas an ihm hielt sie fest. Seine Prasenz war... intensiv. Er strahlte Kraft aus, die sowohl bedrohlich als auch faszinierend war.
„Ich... muss gehen”, stammelte sie, ihr Instinkt warnte sie, doch sie konnte sich nicht losreißen.
Damien trat einen Schritt näher, die Distanz zwischen ihnen schmolz, und Sarah spürte einen Hauch von Kälte, der sich wie Strom durch sie zog. „Du wirst wiederkommen”, flüsterte er.
Sarahs Herz schlug so heftig, dass es ihr den Atem raubte.
Sie wusste instinktiv, dass er recht hatte tief in ihrem Inneren verspürte sie bereits eine Anziehung, die stärker war als jede Vernunft.
Noch bevor sie sich umdrehte und in Richtung Rudelhaus rannte, warf sie einen letzten Blick über die Schulter.
Damien stand noch immer da, ruhig, unnahbar und gleichzeitig unglaublich verlockend.
Und so begann etwas, das kein Wolf, kein Vater, keine Regel jemals hätte verhindern können: Ein Band zwischen ihnen, gefährlich und doch unwiderstehlich, das ihr Leben für immer verändern würde.
