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Die letzte Stunde - 59 Reisen ins Unheimliche

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Summary

Zwei Freunde machen einen Ausflaug aufs Meer, von dem nur einer zurückkehrt. Influencer treffen im Moor auf Content, den sie lieber nie gefunden hätten. Ein Priester, der einen verborgenen Friedhof hütet und eine Sage vom König im See, die mehr Wahrheit beinhaltet, als die Touristen ahnen. In 59 kurzen Geschichten wird der Schleier zurückgezogen, mit dem der Alltag die Realität verbirgt. Und zeigt eine Gemeinsamkeit, die wir alle teilen: Irgendeine Stunde - wird unsere letzte sein.

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
13+

59 - Ein Tag auf dem Meer

Ich hätte nicht lachen sollen. Die beiden Polizisten sehen mich an mit einer Mischung aus Verwunderung und schlecht verborgenem Zorn. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Nicht ihren Zorn und nicht, dass sie mich seit acht Stunden durch die Mangel drehen.

Wenn in der Früh zwei Männer für einen Angelausflug aufs Meer fahren und am Abend nur einer zurückkommt, weckt das unweigerlich das Interesse der Polizei. Und auch wenn ich es ihnen nicht sagen kann – sie haben recht. Ich trage die Schuld an Sörens Tod, wenn auch nicht auf die Weise, wie sie glauben. Niemand mochte Sören mehr als ich. Wir waren Freunde, hatten gemeinsam die Pubertät durchlitten, Gras geraucht, fürs Studium gelernt. Sören war erfolgreicher als ich, bei Frauen, im Job. All das spielte keine Rolle, ich hatte kein Motiv für den Mord, den mir die beiden unterstellen, und den ich nicht begangen habe.

Der Plastikbecher mit Kaffee ist leer. Ob ich um einen fünften bitten soll? Sie sehen nicht aus, als wären sie in Geberlaune. Für einen Moment die Augen schließen. Aber dann ist das Bild wieder da. Spüre ich den Meereswind auf den Wangen und schmecke das Salz in der Luft. Sehe Sören, der die Angel an der Halterung anbringt. Sehe sein schnittiges Boot, das langsam auf den Wellen reitet. Sehe die Delfine, die vor Lebensfreude neben uns herspringen. Die Sonne lässt ihre glatte Haut glitzern wie gebrochenes Glas. Ich habe noch nie lebende Delfine gesehen, ihre schmalen Körper, die durch die Luft wirbeln und beim Eintauchen ins Wasser Gischt versprühen. Das Wasser, fern vom Ufer, so klar, und doch ohne Boden. Delfin um Delfin, dicht unter der Oberfläche, sie schwimmen voran. Unter ihnen erstreckt sich die Finsternis. Sören lacht, er ist oft tagelang auf dem Meer, für ihn ein häufiger Anblick, für mich… eine Wunderwelt.

„Ich frage Sie zum letzten Mal, was zum Teufel ist so lustig?“

Der Zorn des Cops ist nicht mal mehr schlecht verborgen. Ich kann es dir so wenig sagen, wie ich es Sören sagen konnte. Dass ich den Blick nicht von den Delfinen lassen konnte. Dass Sören, alter Angeber, der er war, sein Shirt auszog, um mit den Tieren zu schwimmen. Weil er wusste, dass ich zu feig dafür war.

„Willst du mit?“ Natürlich wollte ich, natürlich wagte ich es nicht. Sören, der das Boot anhält. Der zum Rand geht. Mein Blick, der sich nicht von den Delfinen lösen kann, den Delfinen, unter die sich etwas anderes mischt. Zum Verwechseln ähnlich auf den ersten Blick. Länglicher. Größer. Ich sehe genauer hin, versuche, mit dem Blick die verzerrende Oberfläche des Wassers zu durchdringen. Kein Delfin, keine Flossen, zumindest keine, die ich je gesehen hätte. Wurmartige Fortsätze, wie die Karikatur von Händen. Und Münder, offen, voller spitzer Zahnreihen und runde Augen, dunkel wie die Tiefe darunter und blitzend mit Jagdlust.Es muss ein Irrtum sein, schon ist es fort, doch da ist noch eines und noch eines, das mit den Delfinen um unser Boot schwimmt. Ich will rufen, Sören macht sich bereit. Er wird mir nicht glauben. Er wird mich auslachen. Er darf nicht springen!

Sörens Kopfsprung gelingt perfekt und klingt doch wie ein Peitschenschlag. Gleich muss er auftauchen, er muss! Aber er kommt nicht. Die Delfine sind weitergezogen. Rund um das Boot erstreckt sich die schwarze Tiefe. Nichts. Kein Blut. Nichts dringt an die Oberfläche. Bis die Nacht kommt warte ich erstarrt und zitternd. Dann fahre ich zum Hafen zurück. Allein.

Einer der beiden steckt sich eine Zigarette an. Sören hätte mich ausgelacht. Er hätte es auf meine Nerven geschoben. Er wäre nicht an Bord geblieben, nur weil ich Wassernixen gesehen habe. Und darum habe ich gelacht, aber wie soll ich dir, der du sie nicht gesehen hast, das erklären? Dass ich lachen musste. Weil ich ein Trottel bin. Ich hätte Sören retten können. Ich hätte bloß „Hai!“ schreien müssen.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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