Splitter im Sumpf

All Rights Reserved ©

Summary

Wahrheit oder Schrecken? Manchmal ist beides das selbe. Jede Geschichte ist ein Riss der Realität. Traust du dich ,das Licht auszuschalten? Ein Werk aus mehreren Kurzgeschichten

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Splitter im Sumpf

Wo bin ich?

Meine Finger wühlen im dreckigen Schlamm und Matsch.

Der Geruch ist modrig – fast süßlich.

Keine Ahnung, was gestern passiert ist.

Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass irgendein Horrorfilm im Fernsehen lief. Ihr müsst wissen, ich liebe alles, was mit Horror oder True Crime zu tun hat. Dieses Ungewisse – wer es war oder nicht war – das ist einfach so spannend.

Dennoch habe ich keine Ahnung, warum. Vielleicht beruhigt es mich einfach, dass mir sowas nicht passiert. Diese heftigen Sachen, meine ich. Wisst ihr, was ich meine?

Aber jetzt, wo ich hier so liege, bin ich mir gar nicht mehr so sicher.

Ach stimmt, irgendwas war noch. Ich kann mich dunkel erinnern.

Meine Hände fühlen sich seltsam an – irgendwie klebt da was.

Ich meine jetzt nicht den Schlamm. Soweit ich meine Hände betrachte, sind sie zerschnitten und in Rot getaucht. Einige Splitter stecken noch darin.

Kann das sein, dass mein Spiegel zerbrochen ist?

Dieser kleine, süße Spiegel, den ich letztens vom Flohmarkt mitgenommen habe – so ein schöner, silberner, antiker Spiegel. Den konnte ich einfach perfekt in meiner Handtasche verschwinden lassen.

Diesen kleinen Spiegel fühle ich trotzdem in meiner Hand.

Aber warum sind da auch noch Splitter in meiner Haut?

Ich hebe meine schmutzbedeckte Hand nach oben in mein Sichtfeld.

Er ist nur zum Teil zerbrochen.

Aber warum halte ich ihn in der Hand?

Zuletzt war er doch auf meiner Kommode, in meinem Zimmer – oder etwa nicht?

Es wird langsam Zeit, endlich aufzustehen.

Sonst versteinere ich hier noch.

Obwohl das doch eine gute Konservierungsmethode wäre… mit all dem Schlamm.

Mein Kopf brummt, und ich habe noch immer keine Ahnung, wo ich bin.

Die nassen Haare kleben mir an der Stirn.

Ich hangele mich langsam hoch, reiße meine verklebten Augen auf und schaue mich um.

Wo zur Hölle bin ich?

Es ist fast dunkel.Alles wirkt noch düsterer durch die vielen tiefschwarzen Bäume.

Die Blätter hängen herab, als würden sie weinen.

Alles ist in Schwarz getaucht.

Mein Herz pocht mir bis zum Hals. Schweiß tropft mir über die Stirn.

Irgendwie sieht hier alles gleich aus. Sobald ich mich umdrehe, sind da nur diese Bäume und das Sumpfgebiet. Kein Land in Sicht.

Wo bin ich nur? Wie bin ich hier hingekommen?

Endlich schaue ich nach oben.

Irgendwas glänzt da. Das ist doch kein normaler Himmel...

Keine Sterne. Kein Mond. Einfach nichts.

Nur dieses Glänzen – wie ein Spiegel.

Ja... der Spiegel.

Ich schaue hinauf – aber nichts.

Nur mein verzerrtes Gesicht.


Ich blicke wieder nach oben. Ich weiß nicht, was ich da sehe.

Das muss von der Reflektion kommen.

Ein verrücktes Lachen springt mir entgegen.

Ein gemeines, seltsames Grinsen.

Ich schaue zu mir selbst auf – aber dieses Grinsen kommt aus meinem Zimmer.

Und ich bin hier gefangen.