Claimed in Stony Clove

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Summary

Drei Freundinnen. Eine abgefuckte Waldhütte. Ein Vermieter, der aussieht wie ein Axtmörder auf Rente. Und eine Dorfgemeinschaft mit mehr Geheimnissen als Oma‘s Keksdose. Ela, Elli und Rana wollten einfach nur abschalten – stattdessen landen sie mitten in einem Werwolf-Rudel mit Daddy-Komplexen, Knackärschen, psycho Blicken, Blutritualen und einer Hütte, in der es nachts SELBSTVERSTÄNDLICH klopft. Willkommen in Stony Clove – wo die Männer grunzen, die Frauen fluchen und jede zweite Szene wie ein Fiebertraum wirkt. Diese Geschichte ist ein Werk der Fiktion. Alle auftretenden Figuren, Handlungen, Dialoge und Konflikte sind frei erfunden. Auch wenn reale Ortsnamen wie Stony Clove verwendet werden, dient dies ausschließlich der atmosphärischen Gestaltung. Die dargestellten Ereignisse, Charaktere und Handlungen stehen in keinerlei Verbindung zu realen Personen, Institutionen oder tatsächlichen Begebenheiten. Inhaltshinweis: Diese Geschichte enthält Inhalte, die für manche Leser*innen belastend oder verstörend sein können, darunter: explizite sexuelle Darstellungen düstere, psychologisch aufgeladene Beziehungskonflikte Drogen- und Alkoholkonsum vulgäre Sprache toxische oder obsessive Beziehungsmuster emotionale und körperliche Grenzüberschreitungen Die Inhalte sind bewusst intensiv, verstörend oder überzeichnet – dies dient der künstlerischen Freiheit und Darstellung fiktionaler, extremer Szenarien. Diese Geschichte stellt keine Empfehlung oder Verherrlichung solcher Verhaltensweisen dar. Vielmehr dienen sie der spannungsgeladenen, dramatischen Erzählung innerhalb eines fiktionalen Rahmens.

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Chapter 1




(Ela)

Musik dröhnte aus den knisternden Boxen von Ellis rostigem Chevy irgendein vergilbter Countrysong, der klang, als hätte ein betrunkener Cowboy gerade seine Gitarre erbrochen.

„Girl … MÜSSEN wir das hören?“ Rana rieb sich mit dramatischer Verzweiflung die Schläfe, als würde die Melodie ihr physisch wehtun. „Ich schwöre, noch ein Lied über ’nen verdammten Traktor und ich esse das Lenkrad.“

„Du weißt doch, Elli steht auf Pferde“, murmelte ich grinsend, „…zum Reiten. Wenn du verstehst, was ich meine.“

„BITTE!“ Elli warf uns einen Blick über die Schulter zu, ihre Sonnenbrille spiegelte unsere sarkastischen Gesichter. „Pferde sind edle Tiere, okay? Und Country ist Seele, Baby. Seele mit Hut.“

„Dann setz dir deine Seele gleich auf den Kopf, aber dreh das runter“, lachte ich und kurbelte das Fenster ein Stück auf – kalte Herbstluft biss mir sofort ins Gesicht, aber es war besser als dieser Klang von Gitarrenseiten, die sich schämten, gespielt zu werden.

Wir waren irgendwo in den Catskills, laut GPS kurz vor Stony Clove Notch. Ich hatte den Namen nur einmal im Netz gesucht und sofort wieder vergessen, weil die ersten Treffer sowas wie „verfluchter Pass“, „verschwundene Camper“ waren. Aber jetzt – zwischen dichten Nadelbäumen, Nebelschwaden und einer Straße, die so eng war, dass sie wie aus einem schlechten Horrorfilm wirkte kroch dieses Unbehagen langsam unter meine Haut.

Ich schüttelte den Gedanken ab. Nein. Das hier war ein Girls-Trip. Girls-Trip-Regel Nummer 1?

Keine Gedanken an Mörder, Monster oder männliche Muskelmaschinen, die im Wald auf dich warten, um dich gegen einen Baum zu drücken.

Zumindest noch nicht.

Rana grinste breit, stopfte sich ein Kaugummi in den Mund und sagte: „Ich schwör’s euch, ich hab ein paar Dildos dabei, die kleben auf dem Boden – dann können wir Häschenhüpf spielen.“

„Bitte nimm deine Fetische mit zurück nach Queens“, sagte Elli trocken, „wir sind hier wegen frischer Luft, nicht wegen deiner kranken Fantasien.“

Ich lehnte mich zurück. Die Mädels waren irre. Aber sie waren meine Irren. Und was auch immer dieses Wochenende bringen würde – ich wusste nur eines:

Es würde definitiv nicht normal.

Wir fuhren eine Weile, der Wald wurde dichter, der Himmel grauer und Elli fuhr so, als hätte sie gerade aus Versehen Satan überfahren und wollte fliehen, bevor er’s merkt.

„Pack den Joint aus, Rana“, sagte sie plötzlich, ohne den Blick von der Straße zu nehmen.

Rana grinste wie ein Teufel auf Droge. „Endlich sagt’s mal jemand! Eine Frau mit Geschmack! Aber erst, wenn wir da sind, Baby. Erstmal abchecken, ob der Ort auch ‘high-vibe’ safe ist.“

„Okay drei Minuten noch. Dann können wir uns wegballern, bis wir Elche sehen.“

Ich lehnte mich nach vorne zwischen die Sitze, runzelte die Stirn.

„Warte. Wer soll nochmal da sein?“

„Der Vermieter“, antwortete Elli.

„Bist du dir sicher, dass es wirklich einen Vermieter gibt?“ Ich sah sie an, ein bisschen skeptisch, ein bisschen ready zu rennen, falls der Typ mehr nach Texas Chainsaw als Seriöser-Host aussah.

„Jaaaa“, antwortete Elli, langgezogen wie ein schlechter Lügner im Verhör. „Ich hab doch geschrieben mit ihm. Also … glaub ich.“

Elli drehte sich halb um, ihre Sonnenbrille rutschte ihr auf die Nasenspitze. „Und selbst wenn nicht – ist doch geil. Vielleicht gibt’s hier nen perversen Axtmörder, der uns nicht nur seine Axt zeigen will … sondern gleich was anderes reinjagen will.“

Sie zwinkerte.

Rana lachte.

Ich verschluckte fast meine Zunge.

„Elli!“ Ich kreischte, gleichzeitig schockiert und beeindruckt.

„Was denn?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich bin Single. Offen. Neugierig. Lass mich leben.“

Wir alle lachten. Laut. Frei. Schrill.

Wie Mädchen, die nicht wussten, dass das die letzte Minute war, in der sie noch dachten, sie hätten die Kontrolle.

Doch dann –

der Rastplatz.

Elli lenkte den Wagen auf den schlammigen Seitenstreifen.

Der Motor verstummte.

Still.

Kein Licht, keine Bewegung. Der Asphalt war rissig, feucht, alles wirkte vergessen.

Ein paar vermoderte Bänke standen schief im Dreck, ein halb eingestürzter Mülleimer rostete vor sich hin.

An einer alten Holzwand hing eine zerfetzte Karte – verwittert, fast unlesbar.

In das Holz war etwas geritzt.

Tief.

Mit Gewalt.

RUN.

Ich starrte darauf.

Das R brannte sich in meine Stirn wie eine Warnung.

Ich leckte mir die Lippen. Trockener als der Humor von Elli.

„Also … warum machen wir das hier nochmal?“ fragte ich, die Ironie zitterte mir zwischen den Rippen.

Elli und Rana drehten sich gleichzeitig zu mir um. Ohne Worte. Kein Lächeln.

„Für DICH“, sagten sie.

Im Chor.

Kein Blinzeln.

„Damit du diesen Bastard endlich vergisst! Der Typ, der dich mit deiner verdammten Stiefschwester betrogen hat!“, schnauzte Rana, als wär sie kurz davor, ein Auto anzuzünden – nur fürs Gefühl.

„Und vielleicht“, fügte Elli trocken hinzu, „finden wir mal jemanden, der beim Vögeln nicht stöhnt wie ein sterbender Wal und danach ‘Sorry, war ein Ausrutscher’ sagt.“

Ich schnaubte.

„Heilige Scheiße.“ Ich lachte. Hart.

Weil’s besser war, als zu heulen.

Weil Wut wenigstens warm ist.

Denn Cedric …

Cedric war wie Zahnschmerzen.

Du merkst erst, wie schlimm’s war, wenn’s vorbei ist.

Und dann tut’s trotzdem noch weh.

Ich sah’s noch vor mir.

MEIN Bett.

MEINE Decke.

SEINE Hände an IHR.

Und dieser Blick, als ich reinkam –

nicht überrascht.

Nicht mal schuldig.

Nur leer.

So leer, dass ich mich gefragt hab, ob ich überhaupt je drin war.

In seinem Herz. Seiner Lüge. Seinem Bett.

Das war der Moment, in dem was in mir kaputtging.

Und jetzt?

Jetzt steh ich auf nem verlassenen Rastplatz, irgendwo im Nirgendwo, mit zwei durchgeknallten besten Freundinnen –

und wir suchen eine Waldhütte,

damit ich ihn vergesse.

Oder wenigstens betrunken genug werde, um’s nicht mehr zu fühlen.

„Da kommt einer“, sagte Elli plötzlich und deutete mit zwei Fingern in die Ferne, als würde sie gleich eine Erscheinung beschwören.

Ein alter, staubiger Pickup tuckerte über den Schotterplatz, als hätte er einen Lungenflügel verloren. Die Tür quietschte, der Motor röchelte – und dann stieg er aus.

Ich schwöre dir, ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht laut loszuprusten.

„Ist das…?“ murmelte ich. „Ist das Schlangenleder?“

Der Typ – locker Mitte 50, Schnurrbart à la Western-Pornostar 1983, Cowboyhut schief auf dem Kopf – trug tatsächlich eine Schlangenlederhose.

„Bitte lass das Imitat sein“, flüsterte ich.

Elli kicherte neben mir. „Guck mal seine Schuhe! Die haben ZUNGEN.“

„Der liebt Schlangen … zu sehr“, hauchte Rana mit einem zuckenden Mundwinkel.

Der Mann kam näher, seine Schritte knackten auf dem Kies, und sein Blick glitt prüfend über uns. Seine Augen waren groß – zu groß. Und sein gezwirbelter Schnauzer zuckte verdächtig.

„Herr … Rodinfuli?“ fragte Rana vorsichtig.

Er grinste. Und was für ein Grinsen. Goldzahn vorne.

„Yeah, Baby, das bin ich.“

Elli schnappte hörbar nach Luft. Ich vergrub mein Gesicht in meinem Schal, um nicht loszuprusten. Rana trat mir gegen den Fuß.

„Also … Sie wollen meine extra coole Waldhütte?“

„Ja“, sagte Elli und nickte, als würde sie versuchen, ihn nicht direkt auszulachen. „Wir haben geschrieben. Ich bin Elli. Das ist Ela. Und Rana.“

„Aha.“ Rodinfuli nickte langsam, wie ein Alligator, der seine Beute studiert. „Schöne Namen.“

Elli drückte ihm einen Hunderterstapel in die Hand. Er kramte in seiner Hosentasche – tief – viel zu tief – und zog dann einen rostigen Schlüssel hervor. Der Schlüsselanhänger? Natürlich.

„Oh“, sagte Elli betont freundlich. „Sie mögen Tiere? Besonders … Schlangen?“

„Oh, ich liebe sie“, sagte er und hob die Augenbrauen. „Die Art, wie sie sich winden … still … aber tödlich.“

Ich biss mir auf die Lippe. Der Mann war literally eine wandelnde Serien-Doku über Menschen, die du meiden solltest.

„Danke, Herr Rodin … Rodisnü… Rodipuff?“ versuchte Rana.

„Rodinfuli“, sagte er stolz. „Wie Rodin … nur voller … Fuli.“

„Genau das“, nickte Rana ernst. „Aber sorry, ich muss ganz dringend aufs Klo. Wie weit ist die Hütte?“

„Tja“, sagte er und deutete auf einen dunklen Waldpfad. „Da lang. 15 Minuten zu Fuß. Auto bleibt hier. Keine Straße. Nur Pfad. Wildnis.“

„Na toll“, murmelte ich. „Klingt ja sicher.“

„Hat uns sehr gefreut“, sagte Elli schnell und zog uns Richtung Auto.

Wir rannten fast. Kaum außer Hörweite, stürzten wir kichernd zu unserem Kofferraum.

„Puh, Glück gehabt“, flüsterte Rana, während sie ihre Tasche schnappte. „Noch ein Satz und der hätte uns erklärt, wie er nachts mit seinen Schlangen kuschelt und sie mit Zunge füttert.“

Ich schüttelte mich. „Oder wie eine davon in seinem … ach, vergiss es.“

Wir packten unsere Sachen und sahen zum Pfad. Dunkel. Still. Kein Empfang. Und irgendwo dort … lag unsere „Waldhütte“.

Wir liefen.

Und liefen.

Und liefen.

Ich schwitzte wie ein gegrillter Burrito in Lederjacke.

„Rana …Elli!“, keuchte ich. „WARUM habt ihr kein normales Motel gebucht? Eines mit Parkplatz, Rezeption, Dusche und WLAN?“

Sie drehte sich um, ihr Rucksack war doppelt so groß wie sie selbst. Ihr Pony klebte am Gesicht. Trotzdem grinste sie wie ein Goblin mit Partylaune.

„Girl, du weißt doch … Motel = Männer. Creepy Männer. Alkohol + Creepy Männer = meine Beine machen ‘Flughafenmodus’.“

Ich prustete los.

„Stimmt“, sagte Elli trocken und trat über eine Wurzel, „du lebst deine Hoe-Phase ja seit … wie lang?“

„Seit ich Steve in flagranti erwischt hab. Im Duschraum vom Fitnessstudio. Mit dem Trainer. Und dem Trainer seiner Frau.“

Ich blieb stehen. „Wow. Respekt. Hätte ich geweint, du hast direkt gewechselt auf ‘Dramatische Hure mit Reiseziel: Scheiß auf alle’.“

Rana grinste und schnippte mit der Zunge. „Besser als ‘Verletzte Maus in Jogginghose, die immer noch Cedrics Profil stalkt’.“

„Ich stalk ihn NICHT!“, log ich, und beide wussten es.

Elli hustete gerade nach dem Zug vom Joint, den sie sich auf die Lippe geklebt hatte wie ein Profi aus ’nem Indie-Film. „Könnt ihr bitte weniger reden … und mehr ziehen?“

Sie reichte mir den glühenden Stab.

Ich sah ihn an wie eine verlorene Erinnerung.

„Wow … ist ein Jahr her, dass ich das letzte Mal …“

„Probiert hast?“, fragte Rana.

„Abgestürzt bin“, korrigierte ich.

Aber ich nahm ihn trotzdem.

Ich zog.

Langsam.

Tief.

Der Rauch kratzte, aber er fühlte sich auch nach Freiheit an.

Nach „Fick dich, Cedric“.

Nach „Ich bin hier im Wald, high, verletzt, geil und bereit, meine Dämonen zu küssen.“

Wir liefen weiter.

Die Bäume wurden dichter. Der Pfad schmaler.

Elli war vorne. Sie summte wieder Country. Ich schwöre, diese Frau braucht Therapie oder einen Cowboy zum Auspeitschen.

Rana tanzte kurz seitlich, ein bisschen high, ein bisschen Hexe.

Ich … fühlte den Wald.

Nicht im romantischen Sozialmedia-Wander-Mädchen-Sinn.

Sondern wirklich.

Die Stille.

Die Art, wie die Bäume schienen, sich über uns zu beugen.

Wie die Vögel plötzlich … verstummt waren.

Und dann – zwischen zwei Bäumen – sah ich etwas.

Etwas Schwarzes.

Nicht groß.

Aber … falsch.

Wie ein Schatten, der nicht von Licht gemacht war.

Ich blinzelte.

Es war weg.

War das der Joint?

Oder …?

„Seht ihr das da vorne?“ fragte Elli.

Wir blieben stehen.

Die Hütte.

Verwachsen. Alt.

Aber echt.

Und die Tür …

… stand offen.