Der Biker Boy

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Summary

Nach dem Tod ihrer Eltern zieht Jeana nach Hannover – allein, verletzlich und voller Geheimnisse. Doch dann trifft sie Jeano, den mysteriösen Motorradfahrer, der sie schützt… und gleichzeitig alles in ihr zum Beben bringt. Zwischen Verrat, dunkler Vergangenheit und tödlicher Gefahr entfacht eine leidenschaftliche, gefährliche Liebe. Wird sie überleben – und sich ihm ganz hingeben?

Status
Excerpt
Chapters
13
Rating
n/a
Age Rating
13+

Chapter 1

Der Regen fiel in endlosen, feinen Tropfen, die auf die Bahnsteige der Hannoveraner Hauptstation prasselten. Die Stadt wirkte grau, leblos, und doch pulsierte sie unter der trüben Oberfläche wie ein Herz, das nie wirklich zur Ruhe kam. Jeana zog die Kapuze ihres Pullovers tiefer ins Gesicht. Die Tropfen klebten an ihren Wimpern, und ihr Atem bildete kleine Wolken in der kalten Herbstluft.

Sie hatte sich auf diesen Moment vorbereitet – oder dachte zumindest, dass sie es getan hatte. Alles, was sie hinter sich ließ, war voller Erinnerungen an Schmerz, Verlust und eine Welt, die ihr genommen wurde. Österreich war jetzt nur noch eine verblasste Erinnerung, ihr Elternhaus ein zerstörter Ort voller Schatten, die nie wieder verschwinden würden. Sie konnte die Schreie hören, das Glas, das unter den Schlägen zerbrach, die Angst, die in jedem Winkel klebte.

„Komm, Liebling“, hörte sie die Stimme ihrer Tante. Jeana hob den Kopf, ihre Tante stand am Bahnsteig, die Schultern angespannt, das Gesicht von einer Mischung aus Erleichterung und Sorge geprägt. „Du bist jetzt sicher hier.“

Sicher. Dieses Wort klang wie Hohn in ihren Ohren. Sicher vor wem? Vor dem Mörder ihrer Eltern, der immer noch nicht gefasst war? Vor den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit? Oder vor dem Verrat, der noch kommen würde?

Die Fahrt mit der Straßenbahn in das Viertel ihrer Tante war still. Jeana starrte aus dem Fenster, sah die Lichter der Stadt, die nassen Straßen, die Reflexionen in den Pfützen. Alles wirkte fremd, als würde sie in einem Traum wandeln, der zugleich greifbar und surreal war. Sie griff nach ihrem Handy, öffnete TikTok und scrollte durch die endlosen Videos. Ihre Finger zitterten leicht, obwohl sie sich nichts anmerken lassen wollte.

Dann blieb sie hängen. Ein Video, das etwas in ihr auslöste: ein Motorrad, schwarze Lederjacke, dunkle Augen, die sie zu durchbohren schienen. Jeano. Sein Lächeln war nur ein Schatten, ein kurzes Aufblitzen von etwas, das gefährlich und gleichzeitig faszinierend wirkte. Unter seinem Video ein Kommentar, der sie erschaudern ließ:

„Fahr nie zu schnell, sonst holen dich die Schatten.“

Es war, als hätte er direkt in ihre Seele gesprochen. Ohne zu wissen warum, drückte sie auf „Folgen“. Sie ahnte noch nicht, dass dieser Schritt sie auf einen Weg führen würde, der alles verändern würde.


Zu Hause bei ihrer Tante war die Wohnung warm, fast zu warm für Jeanas Geschmack. Alles roch nach alten Möbeln, Reinigungsmitteln und der Perfektion eines Hauses, das keine Geheimnisse zu haben schien. Doch für Jeana war es ein Gefängnis. Sie konnte die Stille nicht ertragen, die Wände schienen sie zu beobachten, und in jeder Ecke lauerte die Erinnerung an das, was sie verloren hatte.

„Willst du etwas trinken?“ fragte ihre Tante und hielt eine Tasse Tee hoch. Jeana nickte stumm, nahm die Tasse, doch die Wärme konnte den eisigen Knoten in ihrem Bauch nicht lösen.

Später, allein in ihrem Zimmer, öffnete sie wieder TikTok. Sie scrollte mechanisch, bis ein weiteres Video auftauchte – wieder Jeano, diesmal auf seinem Motorrad, die Straße leer, das Licht der Stadt hinter ihm verschwimmend. Etwas in seinem Blick, dunkel und schwer, ließ Jeanas Herz schneller schlagen. Sie konnte nicht wegsehen.

Eine Nachricht blinkte auf:

„Du spielst mit Feuer, Jeana. Und du weißt es.“

Sie sprang zusammen. Wer wusste das? Wer konnte es wissen? Und warum fühlte sie, dass diese Worte gleichzeitig Warnung und Einladung waren?


Am nächsten Morgen war die Stadt unter einem grauen Schleier versteckt. Jeana zog sich an, bereit, das Leben aufzunehmen, das ihr aufgezwungen wurde. Sie verließ die Wohnung, um einen kleinen Spaziergang zu machen, als sie plötzlich das tiefe Brummen eines Motorrads hörte. Die Straßen waren leer, nur der Regen tropfte auf das Kopfsteinpflaster.

Dann sah sie ihn. Jeano. Schwarz gekleidet, Helm unter dem Arm, die Augen verborgen unter den Schatten seiner Kapuze. Er bewegte sich mit einer Präsenz, die jeden Raum beherrschte, jede Straße zu seiner Bühne machte. Er blieb stehen, sah sie an – und in diesem Blick lag Gefahr und Faszination zugleich.

„Du bist neu hier“, sagte er leise, die Stimme tief, rau, wie ein Flüstern, das durch die Dunkelheit schneidet.

„Ja…“ Ihre Stimme war kaum hörbar.

„Pass auf dich auf.“

Er drehte sich um, stieg wieder auf sein Motorrad, und bevor sie reagieren konnte, war er verschwunden, nur das Echo des Motors hallte in ihren Ohren.

Etwas hatte sich verändert. Jeanas Herz schlug wild, nicht nur aus Angst, sondern aus etwas anderem. Etwas, das sie noch nicht benennen konnte, aber das sie zu ihm zog – gefährlich, dunkel und unaufhaltsam.