Dunkelheit

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Summary

Dunkelheit. Schwärze. Sie ist in uns allen

Genre
Drama
Author
Ravence
Status
Ongoing
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Schließ die Augen, dann weißt du, was dir gehört.

Dieser Satz dürfte jedem bekannt sein. Ob gehört oder selbst gesagt, ganz egal. Jeder kennt ihn. Nur wird er meist belächelt. Als daher gesagter Scherz aufgefasst. Dabei scheinen wir alle zu vergessen, wie viel Wahrheit dahinter steht. Ein einzelner Satz und doch so wahr, dass es fast schon weh tut. Denn was ist es, was uns am Ende noch bleibt? Was hinter jedem noch so hellem Licht auf uns wartet? Was hereinbricht sobald die Sonne untergeht? In jeder einzelnen Seele verborgen ist? Sei es noch so versteckt, vergraben, verdrängt. Sie ist immer da, treu ergeben. Dunkelheit. Schwärze. Bei dem Einen sind es Lügen. Bei dem Anderen vielleicht ein kleiner Ladendiebstahl. Aber ungeachtet der Taten, denn sie sind nur das Ergebnis davon. Es beginnt immer mit einem Gedanken. Ein dunkler Gedanke, der sich festsetzt und nicht mehr verschwindet. Jeder hat sie. Jeder denkt darüber nach. Aber die Wenigsten gestehen sich ihre eigene Dunkelheit ein. Nehmen sie an. Egal wie hell ein Licht scheint, wie hell eine Seele leuchtet. Es wird immer ein Schatten geworfen. Man muss sich ihm nur bewusst sein. Ihn akzeptieren als Teil von sich. Nur dann kann man damit arbeiten, ohne dass er einen zu übermannen droht. Wir alle beginnen in Dunkelheit. Eine Fötus im Mutterleib. Wir alle enden in Dunkelheit. Der Tod. Auf dem Weg dazwischen begegnen wir ihr immer wieder. Ein stummer Begleiter.

Schließ die Augen, dann weißt du, was dir gehört.

Ich öffne die Augen und blinzle gegen das Licht an. Der Himmel ist wolkenlos. Die Sonne blendend hell und angenehm warm. Es ist wahrscheinlich der letzte Sommertag, bevor der Herbst hereinbricht. Bevor die Blätter sich endgültig ihrem Ende nähern und zu Boden fallen. Bevor die Tage kürzer, die Nächte länger werden. Womit wir wieder bei Dunkelheit wären. In den kalten Monaten ist sie viel präsenter. Seufzend hebe ich die dampfende Teetasse an meine Lippen. Ich liebe Tee. Auch im Sommer. Der Außenbereich des Cafés, in dem ich sitze, ist gut besucht. Die meisten Menschen hier wollen noch ein letztes Mal die Sonne genießen, bevor die dunkle, kalte Jahreszeit kommt und sie in ihre warmen Eigenheime flüchten. Mich stört es nicht. Ich war schon immer eher den kalten, dunklen Jahreszeiten zugetan. Es gibt nichts Schöneres, als sich Halloween und Weihnachten zu widmen. Den sprichwörtlichen Lichtblicken mit seinen beleuchteten Kürbissen, dem bunten Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, dem Adventskranz auf dem Tisch. Vielleicht haben einige auch noch einen Kamin, in dem ein kleines Feuer vor sich hin knistert. Aber auch für die Seele ist es ein Lichtblick. Die Familie kommt zusammen. Man ist ausnahmsweise mal weniger mit sich selbst als mit der Frage: Was schenke ich meinen Geschwistern zu Weihnachten? beschäftigt und mit der rechtzeitigen Besorgung davon. Einerseits stressig. Andererseits eine willkommene Ablenkung von sich selbst. Einer der schönsten Momente im Jahr ist damit verbunden. Die leuchtenden Augen, wenn das Geschenk geöffnet wird. Egal von wem. Sei es die freudige Erwartung vom Beschenkten oder die Neugier auf dessen Reaktion seitens des Schenkenden. Beides wundervolle und wertvolle Momente. Auch ich freue mich auf die Weihnachtszeit. Klar, es ist noch etwas früh, um darüber nachzudenken. Aber ist es nicht jedes Jahr gleich? Weihnachten kommt immer ganz plötzlich. Ohne Vorankündigung. Schmunzelnd betrachte ich die Menschen um mich herum. Sauge die Eindrücke in mich auf. Das Klirren von Geschirr, wenn die Tasse abgestellt wird. Das leise Murmeln, des in ein Gespräch vertieftes Pärchen am Nachbartisch. Die Bedienung, die zwischen den Tischen umher wuselt, um die Bestellungen aufzunehmen oder nach dem Rechten zu fragen. Ich nehme noch einen Schluck von meinem Tee. Stelle die nun leere Tasse wieder auf den Tisch. Winke die Bedienung zum Bezahlen ran. Selbstverständlich gebe ich Trinkgeld. Es bereitet mir immer wieder Freude zu sehen, wie sich dieser Mensch darüber freut. Ein kleiner heller Funke in meiner dunklen Seele. Leise summend mache ich mich auf den Weg die Straße hinunter. Rechts von mir fließen die Autos nur so über die Straße. Eilig. Denn nur die Zeit zählt. Links von mir fließt ein kleiner Fluss. Plätschert vor sich hin, als wenn er alle Zeit der Welt hätte. Die hat er wahrscheinlich auch, denke ich bei mir. Am Ende der Straße biege ich in eine Seitengasse. Hier sind nur Garagen. Viele vermieten sie. Einige parken ihre Autos darin. Einige nutzen sie als Lagerräume, um Vergangenes, von dem sie sich nicht trennen konnten, zu lagern. Einen kleinen Stein vor mir her kickend spaziere ich auch diese Straße entlang. Die Sonne verschwindet allmählich hinter den Hausdächern. Bereit, der Dunkelheit Platz zu machen. An der letzten Garage angekommen, krame ich den Schlüssel aus der Tasche hervor. Entriegel das Schloss. Lasse das Tor hochfahren. Trete ein. Das einfallende Licht sperre ich mit dem Schließen des Tores wieder aus. Ein Stöhnen durchdringt die Schwärze. Von der Decke hängt eine nackte Glühbirne, welche ich mit einem Ruck an einem Seil erleuchten lasse. Die Person darunter blinzelt mich an. Ruckt auf dem Stuhl, an dem ich sie gefesselt habe, herum. Als ihre Augen sich an das Licht gewöhnt haben, erkenne ich Angst in ihnen. Es kümmert mich nicht. Ich nehme den Knebel ab. Lass ihn der Person um den Hals hängen. Ein Wimmern erfüllt den Raum. Ich wende mich ab und gehe auf die hölzerne Werkbank zu. Mit meinen Fingern streiche ich sanft über den dort liegenden Hammer. Nehme ihn in die Hand und drehe mich um. Der ängstliche Blick wird panisch. Der Versuch, sich zu befreien, wird hektischer. Die Person fällt mitsamt dem Stuhl um. "Bitte! Ich gebe Ihnen alles, was ich habe!” Nachdenklich drehe ich mein Werkzeug in der Hand. Überlege mir meine Antwort gut. Gebe mich der Dunkelheit hin und hole mit den Worten “Schließ die Augen, dann weißt du was dir gehört!” aus.