Larina - Flucht aus Far-Hedras

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Summary

Larina ist ein Mädchen, welches frei von Sorge, friedlich und glücklich in Far-Hedras aufwächst. Vom großen Krieg, der in ihren Landen herrscht, bekommt sie hier, weit im Landesinneren nur wenig mit. Doch da nichts von Dauer ist, holt sie das Grauen des Krieges schließlich eines Tages ein. Nun hält das Böse Einzug in ihre bis dahin heile Welt und wandelt diese, unweigerlich, in ein Martyrium aus quälendem Leid und unerträglichen Opfern.

Genre
Fantasy
Author
Gevrin
Status
Complete
Chapters
8
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1 'Larina'


»Larina.«, hallte es verzweifelt durch den Stadtpark. »Wo zum Teufel steckst du nur? Bist du überhaupt noch hier?«

Doch Larina gab keinen Mucks von sich. Lautlos verbarg sie sich, einige Meter über dem Boden, im Geäst einer alten Steineiche. Es war das perfekte Versteck. Das Blattwerk des Baumes war so dicht, das selbst wenn man aus geringster Entfernung zu ihr aufsah, nichts weiter als unendlich viele Blätter sah.

»Oh Larina, ich habe keine Lust mehr. Du hast gewonnen. Schon wieder.«

Jetzt war die Stimme so nah, sie musste von direkt unter ihr kommen. Vorsichtig lehnte sie sich etwas vor und hielt sich dabei mit einer Hand fest. Jetzt konnte sie ihre Freundin erkennen. Sie ist mir so nah und doch bemerkt sie mich nicht.

»Puh, ich gehe jetzt nachhause. Das ist langweilig und doof.«

Schnell hielt sie sich die freie Hand vor den Mund, denn sie musste kichern, als sie sah wie ihre Freundin genervt die Augen verdrehte.

Doch das war ihr nicht entgangen und nun entdeckte sie Larina in ihrem perfekten Versteck und rief: »Da bist du! Wie kommst du denn da hoch?«

Gelächter war zu hören, dann ein lautes Rascheln und schon lugten Larinas Beine aus dem dichten Blattwerk hervor. Ein Augenblick später, sauste sie hinunter und landete geschmeidig auf der Wiese.

»Buh!«, rief sie laut.

»Das ist nicht lustig!«, meckerte sie. »Ich suche dich schon eine Stunde lang und du sitzt da oben auf einem Baum und schaust mir dabei zu?«

Wütend drehte sie sich um und wollte verschwinden, doch Larina hielt sie am Arm fest. »Entschuldige Tamilia, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Bitte verzeih mir.«

Tamilia drehte sich zu ihr und antwortete: »Du bist doof Larina.«

»Und trotzdem sind wir die besten Freundinnen, oder?«, entgegnete sie darauf und strahlte sie an.

»Ja sind wir. Doch doof war es trotzdem.«

»Damit kann ich Leben.«, sagte sie und zwinkerte ihr zu. »Gehen wir noch rüber zum Brunnen?«

Sie wusste, das Tamilia den Brunnen und das geschehen um ihn herum mochte und schlug dies, als eine Art Wiedergutmachung vor. Tamilia war das völlig klar und nur alleine, weil sie ihr das vorschlug, obwohl Larina es dort nicht sonderlich mochte, ließ es ihre Wut auf sie verfliegen.

Larina machte zwei Schritte vor, drehte sich zu Tamilia um, machte große Augen und rief: »Wer zuerst da ist!«

Dann rannte sie los und Tamilia folgte ihr.

Der Brunnen befand sich inmitten des großen Marktplatzes und dort tummelten sich eine Menge Leute, zwischen den zahllosen Ständen der Händler. Hier war immer etwas los, denn der Markt von Far-Hedras war in ganz Terellion bekannt und so kamen Händler aus dem ganzen Lande her, um hier ihre Waren zu veräußern. Schnitzereien aus dem Rotwald, Edelsteine aus dem Rhodan Gebirge, feinste Stoffe, Weine, Gemüse und Früchte aus dem ganzen Königreich fand man hier. Ebenso wie man hier obskures und erstaunliches zu Gesicht bekommen konnte. Was auch der Grund für Tamilia war, weshalb sie so gern ihre Zeit am Brunnen verbrachte. Zusammen mit Larina hat sie hier schon Illusionen von Magiern in den schillerndsten Farben bestaunt und Wesen bewundert und auch berührt, die scheinbar einem wundervollen Traum entsprungen waren.

Larina erreichte gerade das Ende des Parks, welcher direkt in eine Straße mündete, da holte Tamilia sie bereits ein und zog an ihr vorbei. Auch wenn Larina im Verstecken deutlich talentierter war, im Wettrennen, konnte Tamilia niemand schlagen. Die Straße war kurz und führte direkt zum Marktplatz. Dort angekommen, tauchten die zwei in die Menschenmasse ein und blitzschnell schlängelten sie sich durch sie hindurch.

Larina verlor Tamilia aus den Augen, doch rannte sie weiter wie der Wind Richtung Brunnen. Wenn ich Glück habe, bin ich heute mal vor ihr da, dachte sie und schoss um eine dicke Frau herum. Zu spät zum Anhalten, bemerkte sie den breiten, langsamen Ochsenkarren vor sich. Doch sie wollte nicht aufgeben und so sprang sie, so hoch sie nur konnte, stützte sich am großen Rad des Karrens ab und machte einen Salto über seine Ladefläche. Bis dahin lief es gut, doch dann bemerkte sie, dass für die Landung nicht genug Platz vorhanden war und unvermeidlich krachte sie mit einem großen Mann zusammen.

»Spinnst du Balg!«, schrie er sie an und schubste sie grob beiseite.

Als Antwort bekam er nur eine freche Grimasse und schon tauchte sie wieder in der Menge unter. Als sie schließlich völlig außer Puste am Brunnen ankam, sah sie, wie Tamilia völlig entspannt mit einem Bein im kühlen Wasser und dem Rücken an der wasserspeienden Löwenstatue saß.

»Du kommst auch mal? Ich dachte schon, du bist nachhause gegangen.«, neckte sie Larina.

»Jaja ich bin auch da.«, sagte sie, kniff ihre Augen etwas zusammen und warf ihr einen giftigen Blick zu.

Dann lachte sie lauthals und sprang mit einem Satz, mühelos auf den Rand des Brunnens und setzte sich zu Tamilia.

»Und hab ich was verpasst?«, fragte Larina.

Tamilia schüttelte den Kopf. »Hm nein, gar nichts.«

Larina stellte sich hin und suchte die Menge ab. »Was ist mit dem dort?«

»Mit wem?«

»Na dem haarigen Typen dort. Das ist doch nicht normal, ich meine, es sieht beinahe so aus, als hätte er einen Pelz.«, sagte Larina und lächelte Tamilia zu.

»Vielleicht ist er ja ein Wolfsmensch.«, antwortete sie lachend.

»Ja vielleicht ist er das.«

»Oder aber, er ist einfach nur verwandt mit Tores.«

Kaum da Tamilia es ausgesprochen hatte, lachten sich beide darüber kaputt. Tores war ein Junge in ihrem Alter, der beinahe längere Haare besaß als sie, oder die anderen Mädchen.

Bis langsam die Sonne unterging, verbrachten die zwei noch scherzend ihre Zeit zusammen am Brunnen. Dann verabredeten sie sich noch, wie immer, für den folgenden Tag und jede von ihnen trat den Heimweg an.

Selbst der Heimweg war für Larina ein einziger spaßiger Hindernisparcours. So kletterte sie überall hinauf, hangelte an allem entlang und balancierte auf jedwedem, was dazu taugte. So auch kurz bevor sie das Haus ihrer Familie erreichte. Sie sprang auf das schmale Geländer der Brücke, welche über den kleinen Kanal führte und pfeifend hielt sie, wie selbstverständlich, das Gleichgewicht beim flinken hinübergehen.

Völlig unerwartet, packte sie plötzlich jemand und zog sie schlagartig rückwärts vom Geländer. Ihr zuvor noch so sorgenfreies Pfeifen, blieb ihr buchstäblich im Halse stecken und der Schock, sowie die damit einhergehende Angst, trieb eine Hitzewelle durch ihren Körper. Noch bevor sie wieder festen Boden unter ihren Füßen verspürte, riss sie ihren Kopf herum, um zu erfahren wer oder was sie da gepackt hatte.

Die Angst und der Schrecken, verwandelte sich unverzüglich in Erleichterung und Freude, denn es war das Gesicht ihres Vaters, in welches sie da schaute. Ohne Umschweife sprang sie ihm sofort in die Arme.

»Vater, du hast mich zu Tode erschreckt.«

»Nun mein Engel, jetzt weißt du, wie es mir erging, als ich um die Ecke kam und dich wieder hoch oben auf einem Geländer klettern sah.«, erwiderte er mit einem Lächeln.

»Mir geschieht schon nichts. Ich mach das andauernd, glaub mir, ich kann das.«, versicherte sie ihm.

»Na das erzählen wir mal besser nicht deiner Mutter. Sonst bringt sie uns noch beide um.«, sagte er, setzte Larina ab und lief Arm in Arm mit ihr nachhause.

Dort angekommen, deckte ihre Mutter gerade den Tisch.

»Hi Mum, ich bin zu Hause und sieh mal, wen ich unterwegs getroffen habe.«

»Na mein Schatz, das passt ja perfekt. Lüra hat lecker für uns gekocht und ist gerade gegangen. Setzt euch doch schonmal an den Tisch.«

Ihr Vater wisperte ihrer Mutter etwas ins Ohr, bevor er ihr einen dicken Kuss aufdrückte.

Larina verdrehte angeekelt die Augen und sagte: »Igitt, das ist ja eklig.«

Ihre Mutter schob lächelnd ihren Vater beiseite und griff nach den letzten Schüsseln. Alle setzten sich an den Tisch und gerade als sie begannen zu essen, hörte man ungewöhnlichen Lärm von draußen.

Larina schaute fragend ihre Eltern an. »Was ist da los?«

Als sie aufstehen wollte, um zum Fenster zu gehen, hinderte ihr Vater sie daran.

»Was ist denn Vater?«, fragte sie verwundert.

Ihr Vater hielt den Zeigefinger vor seinem Mund und konzentrierte sich auf die Geräusche. Dann sah er zu ihrer Mutter hinüber, deute mit dem Kopf auf Larina und sagte besorgt klingend: »Lenra, ich schaue nach, bleib du bei ihr.«

Sie nickte und nahm Larina in den Arm, während ihr Vater den Raum verließ und die Tür hinter sich schloss.

»Mama was ist denn los?«

»Keine Sorge mein Schatz. Es ist nichts, alles ist in Ordnung.«, versuchte sie, ihre aufgeregte Tochter zu beruhigen.

Doch bei solch seltsamen Verhalten ihrer Eltern, nicht in Sorge zu geraten, war wohl nicht möglich. Sie wusste, ihre Eltern sind beide erfahrene Soldaten. Sie würden solch ein Verhalten nicht an den Tag legen, wenn wirklich nichts wäre.

Dann sprang urplötzlich die Tür auf und Larina spürte deutlich, wie nicht nur sie zusammenzuckte, denn auch ihre Mutter erschrak heftig. Auch wenn es nur ihr Vater war, der so eilig in den Raum stürmte, hielt die Erleichterung darüber nur kurz an.

»Wir müssen hier weg, Lenra!«, rief er und hielt ihr ihren Speer entgegen.

»Was hast du gesehen Tomaies?«, fragte sie, während sie denn Speer packte.

Larina schaute angsterfüllt ihre Eltern an und fragte mit zittriger Stimme: »Was ist denn nur los? Ich habe Angst.«

Er zog Schwert und Schild und sagte: »Wir müssen hier jetzt verschwinden, bitte kommt. Ich erkläre es euch unterwegs.«

Die Angst in Larina stieg ins Unermessliche und sie fing bitterlich zu weinen an.

Ihre Mutter nahm sie an die Hand und versprach ihr: »Komm Schatz, alles wird gut. Wenn die Angst zu groß wird, dann schließe einfach deine Augen. Ich bin bei dir, ich halte dich.«

Tomaies ging voraus und Lenra folgte ihm mit Larina an der Hand.