Clara
Ich sage es, wie es ist: Ich, Clara Schmidt, 28, aufstrebende (oder zumindest: kaffeeabhängige) Grafikdesignerin, hatte ein sehr spezifisches Kriterium für meine neue Wohnung. Es musste eine funktionierende Kaffeemaschine in der Küche haben. Die Maklerin, eine Dame mit einem Lächeln, das so falsch war, dass es schon wieder charmant wirkte, schwor Stein und Bein.
„Charmant alt“, nannte sie das Haus. Ich nannte es „potenzielle Kulisse für einen Low-Budget-Horrorfilm, aber die Miete ist unschlagbar.“
Am ersten Morgen war das Erste, was mir entgegenflog, nicht der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, sondern der Filterkorb meiner brandneuen, stolz präsentierten Kaffeemaschine – der genau gegen meine Stirn knallte.
„Was zum...?!“ Ich rieb mir die rote Stelle. Das Ding hatte gerade abgehoben.
Eine tiefe, leicht genervte Männerstimme hallte durch die leere Küche. „Ach, komm schon! Ich habe dir doch extra den Hinweis auf der Arbeitsplatte hingelegt! Keine billigen Geräte! Ich habe einen gewissen Standard, selbst im Jenseits!“
Ich erstarrte. Ich war allein. Bis auf...
„Wer hat das gesagt? Und was zur Hölle ist das für ein Witz?“ Ich sah mich um. Die Küchenschränke? Der Kühlschrank? Ich war mir nicht sicher, ob ich mit einem Einbrecher oder einem Psychiater rechnen musste.
„Witz? Meine Kaffeekultur ist kein Witz, meine Liebe. Ich bin Leopold. Und ich bin – nun ja – dein unfreiwilliger, dauerhafter Mitbewohner. Der Geist. Hallo.“
Leopold, der Geist. Ich lehnte mich gegen die Spüle und atmete tief durch. „Okay. Leopold. Du bist ein Geist. Und du hast meine Kaffeemaschine attackiert, weil sie nicht gut genug für dein immaterielles Feingefühl ist?“
„Korrekt. Und nur zur Klarstellung: Sie war schlichtweg geschmacklos. Eine Beleidigung für die Bohne. Ich war hier der einzige, der sich über dieses Ding aufregen konnte, also musste ich handeln.“
Ich konnte ihn nicht sehen, aber ich spürte eine Welle von absolut arroganter Verärgerung in meiner Nähe. Der Geist war ein Snob. Ein Kaffeesnob.
„Du bist ein Geist“, wiederholte ich langsam, „der keinen Kaffee trinken kann und sich trotzdem über die Marke beschwert.“
„Es geht ums Prinzip, Clara! Und wie kommst du auf Clara? Habe ich dir meinen Namen gesagt?“
„Ich bin Clara. Das weißt du, weil du meine Gedanken liest, oder? Und ja, du hast deinen Namen gesagt. Leopold.“
„Ah, Mist. Dieses Gedankenlesen ist so unprofessionell von mir. Warte, ich versuche, das abzustellen. Es ist nur, dass deine Gedankenwelt ungefähr so aufgeräumt ist wie ein Flohmarkt nach einem Tornado. Man stolpert ständig über etwas Interessantes.“
„Danke für die charmante Analyse. Leopold, du bist ein Problem. Mein Vertrag erwähnt keine anspruchsvollen, phantomhaften Mitbewohner, die meine Küchengeräte tyrannisieren.“
„Nun, meiner erwähnte auch keine chaotische, aber überraschend gut riechende Sterbliche, die den ganzen Tag in hässlichen Hoodies herumläuft. Das Leben ist voller Enttäuschungen, nicht wahr?“
Ich sah an mir herunter. Der „Hässlicher Hoodie“-Tag war leider zutreffend.
„Hör zu, Leopold“, sagte ich und versuchte, Autorität auszustrahlen, was schwerfiel, wenn man mit einer leeren Wand sprach, „wir müssen Regeln aufstellen. Erstens: Keine Attacken mehr auf meine Kaffeemaschine. Ich kaufe eine neue, aber ich entscheide, welche.“
„Unmöglich. Ich garantiere für nichts, wenn ich eine Espressokanne sehe, die aussieht, als wäre sie aus recycelten Konservendosen gefertigt.“
„Zweitens“, ignorierte ich ihn, „du darfst keine Gegenstände bewegen, es sei denn, ich bitte dich darum. Zum Beispiel, wenn ich meine Schlüssel mal wieder verlege.“
Er seufzte lautstark. „Fein. Aber die Schlüssel von deinem blauen Mantel waren hinter der Couch. Ich habe sie gestern nur zur Sicherheit in deine Handtasche gebeamt.“
Ich blickte in meine Handtasche. Die Schlüssel waren da. Ich hatte sie gestern verzweifelt gesucht.
„Du… hast mir gestern meine Schlüssel versteckt und dann in die Handtasche getan?“
„Nein, ich habe sie gefunden, weil du sie wieder einmal so unlogisch platziert hast, und sie dorthin transferiert! Das ist ein Unterschied! Außerdem war es lustig, wie du geflucht hast.“
Ich schüttelte den Kopf und lächelte leicht, ohne es zu wollen. Ein unsichtbarer, überheblicher Geist, der Dinge verschob und über meine Flüche lachte. Das war... einzigartig.
„Drittens“, fuhr ich fort und holte tief Luft. „Du darfst mich nicht mehr beobachten, wenn ich unter der Dusche stehe.“
Die Luft in der Küche schien plötzlich etwas wärmer zu werden.
„Das war... ein Versehen“, murmelte Leopold, seine Stimme war jetzt merkwürdig kratzig. „Und technisch gesehen war es eine Beobachtung der Dampfentwicklung. Sehr entspannend. Und nein, ich lese das jetzt nicht in deinen Gedanken, Clara. Ehrlich. Aber diese Regel ist genehmigt. Ich habe keinen Vorteil davon, wenn ich ohnehin nichts anfassen kann.“
„Das werden wir ja sehen, Leopold“, flüsterte ich, blickte auf den roten Fleck an meiner Stirn und dann auf den kaputten Filterkorb. Meine neue, witzige Romanze hatte definitiv mehr Drama als jede RomCom. Und sie begann mit einer Katastrophe – der kaputten Kaffeemaschine.