Zwischen Euch Und Mir

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Summary

Lukas Jennings (16) zieht mit seinen Eltern von New York ins südkalifornische Del Mar, wo er nach einigen Monaten auf der Madison High neue Freunde findet. Doch schon bald steht die heile Welt von Lukas a.k.a. Luke auf dem Kopf. Als er auf Liam und Tyler trifft, scheinen seine Hormone verrückt zu spielen und lassen ihn sein ausschließliches Interesse an Mädchen in Frage stellen.

Status
Ongoing
Chapters
31
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Seit sieben Monaten lebe ich nun schon im südkalifornischen Del Mar. So schön das Wetter hier auch meistens ist, fühle ich mich noch immer nicht richtig angekommen. Zumal all meine Freunde über tausende Kilometer entfernt, ihr Leben wie gewohnt weiterleben. Ohne mich. Zugegeben, ich hatte nie viele Freunde. Aber die Paar die ich hatte haben mir vollkommen gereicht. Und auch wenn ich es nie zugeben würde, ich vermisse sie schon sehr. Als meine Eltern mir vor einem Jahr gesagt haben, dass wir von New York nach Kalifornien ziehen werden, war ich erst einmal geschockt. Ich habe bestimmt zwei Tage lang nicht mit ihnen geredet, weil ich einfach nicht verstanden habe wie sie mir das antun konnten. Ich wusste zwar, dass mein Dad immer davon geredet hat eines Tages zurück nach Kalifornien zu gehen, aber ich habe es immer für eher unwahrscheinlich gehalten, dass dieser Fall irgendwann wirklich eintritt. Mein Dad ist in Del Mar aufgewachsen und mit achtzehn nach New York gezogen um zu studieren. So hat er auch meine Mom kennengelernt. Da die Familie von meinem Dad noch immer hier lebt, kenne ich mich durch unsere gelegentlichen Besuche etwas aus. Del Mar ist winzig im Vergleich zu New York. Aber ich mag die Idylle und die Ruhe die ich in New York nur selten genießen konnte. Dank meiner Grandma haben meine Eltern schnell ein Haus in einer recht schönen Gegend gefunden. Da sie scheißreich und überglücklich ist, dass ihr geliebter Sohn, mein Dad, endlich wieder in ihrer Nähe ist, hat sie meinen Eltern finanziell ordentlich unter die Arme gegriffen um ein schönes Haus zu finden. Meinen Eltern geht es finanziell nicht schlecht aber Del Mar ist teuer und eher was für Reiche. Als wirklich reich würde ich uns nicht bezeichnen, eher obere Mittelschicht. Mom arbeitet als Ärztin im Naval Medical Center in San Diego und mein Dad ist Finanzberater bei irgendeiner Investmentgesellschaft. Hier ist vieles anders, so habe ich in New York nie ein Auto gebraucht. Na ja, ich bin auch erst sechszehn geworden, kurz bevor wir ans andere Ende des Kontinents gezogen sind. Man konnte alles mit der Metro oder mit dem Fahrrad erreichen. Doch als wir hergezogen sind hat Dad mir erst mal ein paar Fahrstunden gegeben, da es hier ohne einen Führerschein einfach nicht geht. Als ich meinen Führerschein dann endlich hatte, wollte meine Grandma mir zur bestandenen Prüfung und mit Sicherheit auch weil sie sich einschleimen wollte, ein neues Auto schenken, was meine Eltern ihr aber ausgeredet haben. Ich hasse sie jetzt noch dafür! Stattdessen darf ich mir den Wagen von meinem Dad hin und wieder leihen. Meistens fahre ich aber eh mit meinem Fahrrad. Ich gehe auf die Madison High und wirklich viele Freunde habe ich hier nicht. Hin und wieder treffe ich mich nach der Schule mit Sarah. Sie ist in meiner Klasse und hat mich recht schnell mit ihren Freundinnen Becky und Penelope bekannt gemacht. Aber dennoch bin ich häufig alleine unterwegs. Heute nach der Schule schnappe ich mir Dads Wagen und fahre zum Blacks Beach um mir die Paraglider, die von den steilen Klippen springen, anzuschauen. Ich war da bereits vor ein paar Wochen, als ich durch Zufall dort vorbeigefahren bin und völlig fasziniert von den Paraglidern und der atemberaubenden Aussicht war.

“Guten Morgen Luke!”– lächelt mich Sarah an.„Wie war dein Wochenende? Ich dachte wir wollten zu Barry’s Shaved Ice und die neuen ekligen Sorten ausprobieren?”

Oh Fuck. Das habe ich total vergessen. –„Tut mir leid! Ich... ich musste meiner Mom bei der Gartenarbeit helfen”– Ich hoffe das kauft sie mir ab. Es ist ja nicht so, dass ich keine Zeit mit Sarah verbringen möchte, aber ich fühle mich trotz ihrer herzlichen Art immer noch nicht richtig zugehörig.

Sarah lehnt sich grinsend und mit einer Augenbraue hochgezogen an den Spint neben meinem –„Schon gut Luke, aber schreib mir das nächste Mal doch einfach eine kurze Nachricht oder ruf mich gerade an. Ich bin dir nicht böse wenn’s mal nicht klappt! Ich weiß ja mittlerweile, dass du ein kleiner Freak bist.”– lächelt Sarah verschmitzt.

Als ich ihr gerade antworten will sehe ich wie Tyler Bennett den Flur in unsere Richtung entlangläuft. Ich fühle mich manchmal von ihm beobachtet. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Ich bin schließlich etwas strange in solchen Dingen. Aber ich habe immer das Gefühl, dass er mich anstarrt und wenn ich zurückschaue schaut er ganz schnell in eine andere Richtung. Tyler Bennett gehört zu den beliebteren Typen auf der Madison High. Er spielt in der Football Mannschaft der Schule und dementsprechend sieht er auch aus. Mit seinen grünen Augen, haselnussbraunen Haaren, die ihm leicht wellig ins Gesicht fallen, könnte er in einer dieser Teenie Rom Com’s die Hauptrolle spielen. Als Tyler sich uns nähert ist da wieder dieser Blick.

Ich kann nicht einordnen ob er mich gleich beleidigen will oder sich gerade ein freundliches Lächeln in seinem Gesicht bildet. Und schon wieder wendet er seinen Blick ruckartig ab. Schnell schaue ich in eine andere Richtung damit ich nicht wie ein Creep rüberkomme, als ich einen dumpfen Schmerz an meinem Oberarm spüre. –„Luke!”Sarahs fragender Blick holt mich zurück in die Realität.„Ich spreche mit dir!”– Sarah lächelt immer noch.„Bitte entschuldige, ich war gerade mit den Gedanken schon bei Mathe.”– antworte ich noch etwas verdutzt. Als Becky und Penelope sich plötzlich zu uns gesellen fängt Becky sofort an sich genervt und lautstark zu beschweren. –„Ich hasse ihn...ICH hasse IHN!”– Sarah schaut Becky mit fragenden Augen an. –„Ich werde nie wieder nett zu ihm sein! Ich habe Tyler eben gegrüßt und war sehr höflich dabei! Es war das erste Mal, nach dem er mit mir schlussgemacht hat, dass ich mit ihm gesprochen habe!”– Sarah schaut mit großen Augen erst Penelope und dann mich an –„Ja und dann?”– fragt sie ungeduldig.„Er hat einfach nur „Hi!” gesagt und ist weitergelaufen!”– Plötzlich füllen sich Beckys Augen mit Tränen und sie fängt an zu weinen.

„Warst du höflich oder Becky-höflich?”– frage ich, als mich vier trockene und zwei feuchte Augen geschockt anstarren. Sarah und Penelope müssen sich das grinsen verkneifen und auch ich kämpfe gegen das aufsteigende Lachen an. Man muss dazu sagen, dass Becky nicht gerade die feinfühligste Person ist und häufig eher arrogant wirkt. Aber im Grunde ist sie eine nette.

Die Doppelstunde Mathe ging wie im Flug vorbei und es gab zum Glück auch keine Hausaufgaben, was eher die Ausnahme bei Mr. Lewis ist.

Nach der Schule mache ich mich auf den Weg zum Blacks Beach, wo ich auf dem großen sandigen Parkplatz schon die vielen Paraglider in der Luft sehe. Mit Kopfhörern im Ohr und einem großen Caramel Frappuccino in der einen, und einem Buch in der anderen Hand mache ich es mir auf der Wiese oberhalb der Klippen bequem. Zum Glück hat Dad im Kofferraum immer eine Picknickdecke, welche wohl eher für richtige Strandbesuche gedacht ist. Der Blick über den Pazifik haut mich jedes Mal um. Ich muss an meine Freunde in New York denken. Wenn sie nur hier wären um mit mir diesen Moment zu genießen. Wobei ich eigentlich auch ganz froh bin diesen Ort nur für mich selbst zu haben. Okay, da wären noch die verrückten Extremsportler, die Wanderer und Strandbesucher die sich die Klippen hoch und runter quälen. Aber die blende ich mal aus. Immerhin kennt mich hier niemand und ich muss mich mit keinem unterhalten.

Unterhalb der Klippen, von denen die Paraglider abspringen, befindet sich ein langer Sandstrand an dem ich aber noch nie war. Ich habe letztes Mal einmal kurz drüber nachgedacht, aber der Abstieg hat mich abgeschreckt. Aber viel schlimmer ist ja der Rückweg! Der Weg nach unten besteht aus unregelmäßigen, in den Felsen geschlagenen Stufen die sich steil die bestimmt hundert Meter hohe Klippe hinunter schlängeln. Jetzt werde ich aber erst mal meinen Kaffee, das Buch und den warmen Wind genießen. Nach etwa einer halben Stunde werde ich plötzlich durch einen hefigen Schlag am Hinterkopf aus der Versunkenheit meines Buches gerissen. Ich erschrecke mich so sehr, dass ich das Buch fallen lasse und mit meinem linken Arm den, noch dreiviertel gefüllten, Frappuccino auf meinem Unterarm und der Picknickdecke verschütte. Ich drehe mich ruckartig um und will gerade fluchen und aufspringen als ein Typ nur in Badehose und weißen Turnschuhen in meine Richtung läuft und die Hände über seine Stirn legt. –„Sorry Bro! Fuck! Das tut mir leid! Ich wollte den Ball eigentlich meinem Kumpel da drüben zu werfen!”Er hockt sich zu mir und da sehe ich ein paar Meter neben mir den Ball liegen der mich getroffen hat.„Hat ja nicht so gut geklappt!”– Zische ich sichtlich genervt.„Ich besorge dir selbstverständlich einen neuen Shake!”– sagt er peinlich berührt.

„Caramel Frappuccino!”– schaue ich ihn immer noch leicht geschockt an.

Meinen Arm mache ich gerade mit der Picknickdecke sauber als er mir seine Hand entgegenstreckt.„Ich bin Liam, Schön dich kennenzulernen!”– Ich gebe ihm die Hand und antworte„Luke.”– als ich das wohl breiteste und freundlichste Lächeln was ich jemals gesehen habe in Liams Gesicht entdecke.

„Was machst du hier überhaupt?”fragt Liam mich und setzt sich wie selbstverständlich neben mich auf die Decke.

Ich lese.... na ja, zumindest habe ich es versucht.” –Liam muss lachen.

„Und was machst du hier? Außer fremde Leute mit Bällen abzuwerfen?!”– Ich lache und sehe wie Liams Kumpels bereits weitergelaufen sind.„Deine Jungs gehen übrigens ohne dich.”– scherze ich.

„Ach, die sehe ich nachher sowieso wieder. Mit den meisten von denen wohne ich quasi unter einem Dach. Wir waren den halben Tag unten am Strand und haben Beachball gespielt und waren Schwimmen.”

Liam ist braungebrannt, hat dunkelblondes kurzes Haar und ist schlank aber dennoch muskulös. Die große Brille mit dem dünnen Gestell macht aus ihm eine Mischung aus Nerd und dem typischen California Beach Boy. Ich würde schätzen, dass er 1,85 Meter groß ist da ich mit meinen 1,79 Meter ein ganzes Stück kleiner bin als er. Auch mein Körper ist eher schlank als muskulös und meine Haut eher hell als goldbraun. Jedem wird auffallen, dass ich nicht an den Stränden Kaliforniens aufgewachsen bin. Mein blondes Haar und meine blauen Augen könnten noch am ehesten auf meine fünfzigprozentige kalifornische Herkunft deuten. Ich könnte aber auch ebenso gut aus Norwegen stammen, wenn man wieder meine helle Haut miteinbezieht. Dann doch lieber zugezogener Yankee.

„Was machst du denn so außer Bücher lesen, Luke?”– grinst Liam und legt sich auf die Ellenbogen gestützt zurück.

„Ich gehe auf die Madison High in Del Mar. Bin mit meinen Eltern vor sieben Monaten erst hergezogen.”

„Cool! Gefällt es dir hier? Ich komme eigentlich aus Minnesota, gehe aber seit diesem Jahr hier aufs College.”– Liam zeigt auf den Gebäudekomplex ein paar hundert Meter weiter.

„Das mit dem College dauert bei mir noch 2 Jahre, außer ich strenge mich an und schaffe es schon eher. Aber zu deiner Frage... ja, mir gefällt es hier eigentlich ganz gut. Das Wetter ist jedenfalls angenehmer als in New York. Nur kenne ich hier halt noch nicht allzu viele Leute.”

Langsam geht die Sonne über dem Meer unter und ich merke, dass Liam ein bisschen Gänsehaut hat. –„Brauchst du einen Pullover? Ich habe noch einen Hoodie im Auto...”

„Wow! Du bist aber höflich zu mir obwohl ich deinen Caramel Shake umgeschmissen habe! Aber ja, sehr gerne!”

Liam lächelt während ich zum Auto laufe und ihm den Madison Wildhawks Hoodie hole.

Als ich wieder da bin und ihm den Hoodie zu werfe kann ich es mir nicht verkneifen ihn zu korrigieren:„Caramel Frappuccino!”– ich muss grinsen.

Liam zieht den Hoodie über und steht auf.

„Okay, okay New York City Boy, wann und wo?”

Ich weiß nicht was er meint –„Was?”

„Wann und wo treffen wir uns damit ich dir einen Caramel Frappuccino ausgeben kann? Das ist wohl das Mindeste was ich tun kann! Am besten wir tauschen unsere Nummern aus, oder?”– Liam hat sein Handy schon in der Hand.

Nachdem wir unsere Telefonnummern ausgetauscht haben verabschieden wir beide uns und ich verstaue meine Sachen in Dads Auto. Mittlerweile leuchtet der Himmel in sämtlichen orange und lilatönen. Als ich gerade losfahren will vibriert mein Handy, eine Nachricht von Liam...

>> Jo Bro! Danke noch mal für den Hoodie!!! Bringe ich dir frisch gewaschen mit wenn wir uns treffen! Go, go Wildhawks, Go, go! <<

Den Hoodie hatte ich schon völlig vergessen. Mal sehen ob sich Liam wirklich meldet und ich meinen Hoodie jemals wiedersehe. Auf meiner Heimfahrt denke ich noch mal über die Geschehnisse des Tages nach und bin erstaunt, wie offen, relaxed und selbstbewusst Liam doch ist. Ich wäre in Grund und Boden versunken hätte ich einem wildfremden einen Ball an den Schädel gepfeffert und dabei eine riesen Sauerei wegen des Frappuccinos verursacht.

Gut, Liam war es auch sichtlich unangenehm, aber er ist damit so souverän umgegangen, dass ich etwas neidisch bin nicht auch so selbstbewusst zu sein. Er scheint aber ein cooler Dude zu sein. Nach etwa zwanzig Minuten bin ich zurück in Del Mar und die Sonne ist bereits untergegangen. Im Radio läuft gerade einer meiner Lieblingssongs und ich singe so laut ich kann mit. Ich weiß gar nicht wann ich das letzte Mal so unbeschwert und ausgelassen war. Ich fühle mich irgendwie...glücklich, wobei ich gestehen muss, dass ich meinem Caramel Frappuccino schon hinterhertrauere...

Ich biege rechts in unsere Straße ein als blitzartig eine schwarze Gestalt auf der Straße auftaucht und ich reflexartig versuche zu bremsen, was mir mit ach und krach gerade so gelingt. Als ich zum Stehen komme realisiere ich erst, dass ich unbewusst meine Augen fest zugekniffen habe. Langsam traue ich mich meine Augen zu öffnen und sehe was so plötzlich auf der Straße aufgetaucht ist und um Haaresbreite eine Katastrophe ausgelöst hätte. Meine Augen brauchen noch einen kurzen Moment um sich scharfzustellen, als ich die Umrisse langsam erkenne...