Kapitel 1
Hallo meine Lieben. 🙋♀️
Hier mal eine etwas andere Geschichte. Lasst mich wissen, wie euch der Anfang gefällt.
Maxana
Ich saß im Schneidersitz und mit geschlossenen Augen auf meinem Bett in meinem Zimmer und bereitete mich mental auf den morgigen Kampf vor.
Das tat ich vor jedem bevorstehenden MMA-Kampf.
Mein Vater, der auch mein Trainer war, hatte mich von klein auf trainiert.
Er selbst war seit Jahren der beste Trainer, den es in unserer Szene gab, und ich war seine beste Kämpferin.
Kurz bevor ich geboren wurde, wurde er entlassen aufgrund seiner extremen und extravaganten Trainingsmethoden, die einige seiner Schützlinge in den Tod trieben.
Seitdem trainiert er Underground-Kämpfer und zu diesen gehörte ich mittlerweile.
Das Training war sehr hart und selbst ich, als eine Frau und seine Tochter, erhielt keine Sonderbehandlung.
Meine Mutter starb, als ich fünfundzwanzig Jahre alt war, an Krebs und ließ mich mit meinem Vater, der so kalt wie Eis war, allein zurück.
Am Anfang war es zwar hart und ungewohnt für mich, doch sobald er merkte, dass seine Methoden Früchte trugen, nahm er mich noch härter ran.
Mit 16 Jahren gehörte ich bereits zu den Besten und konnte es sogar mit ausgewachsenen Männern aufnehmen, doch reichte das meinem Vater noch lange nicht. Er erwartete mehr von mir, viel mehr, weshalb ich bei dem kleinsten Fehler von den anderen Mitgliedern des Fight-Clubs in seinem Namen bestraft wurde.
Ich durfte mich nicht wehren und konnte teilweise mindestens eine Woche nicht mehr trainieren.
Sie brachen mir nie etwas, aber ich spürte unermessliche Schmerzen.
Zur Schule ging ich nur selten, da ich durch das Training und die Underground-Kämpfe. Mein Vater kannte den Schulleiter, der unter anderem auch an den Wetten der Kämpfe gutes Geld verdiente, weshalb das nie zu einem Problem wurde.
Mein Vater war der einzige, den ich hatte, und die Zuneigung, die ich nach einem Sieg von ihm erhielt, war mein Lohn und ließ mich mein Training und meinen Willen zu gewinnen, nie verlieren.
Doch Jahr für Jahr bekam ich immer mehr das Gefühl, eine Marionette zu sein.
Für mich gab es nichts anderes außer den Kämpfen und den Siegen, was mich selbst an meiner Zukunft zweifeln ließ.
Gestern hatte ich meinen dreißigsten Geburtstag, doch statt ihn zu feiern, trainierte mein Vater mich, als wäre es ein Tag wie jeder andere.
Ich sollte daran gewöhnt sein, doch warf das für mich Jahr für Jahr einen weiteren Schatten auf meine gesamte Existenz.
Mein Vater hatte mir damals seinen Willen aufgedrückt und mich dazu manipuliert, alles zu tun, was er verlangte, doch in letzter Zeit wollte er, dass ich absichtlich die Kämpfe verliere, was meinen Geist erschütterte und mich alles infrage stellen ließ.
Genauso wie morgen, da sollte ich wieder verlieren.
Mein Vater hatte über die letzten Jahre ein ganzes Vermögen mit mir und meinen Siegen oder auch Niederlagen mit den eigentlich verbotenen Wetten verdient, doch reichte es ihm nie.
Seine Freunde, die seinen Vorhersagen mit den Wetten folgten, verdienten sich auch eine goldene Nase.
Ich bekam zwar auch gutes Geld, hatte aber mehr und mehr das Gefühl, aufs Ohr gehauen zu werden, weshalb ich selbst anonym Wetten abzuschließen begann und das Geld, das ich dann bekam, verschlug mir die Sprache.
Bis zu diesem Tag hatte ich gerade einmal 10 Prozent von dem Betrag erhalten und fühlte mich betrogen.
Mein Vater wusste genau, was er tat, er hielt mich absichtlich klein und gab mir nur Brocken von dem, was mir eigentlich zustand.
Ich hatte für mich entschlossen, dass es Zeit war, um aufzuhören und einen Schlussstrich zu ziehen. Das Kämpfen war mir überdrüssig geworden.
Als ich das jedoch nur ansatzweise bei meinem Vater erwähnte, lachte er mich aus: „Puma, was willst du denn sonst machen? Du hast nichts. Nicht mal einen Schulabschluss. Willst du etwa als billige Aushilfskraft dein Geld verdienen und dir nicht mal eine vernünftige Unterkunft leisten können? Du könntest dir nicht mal mit diesem Hungerlohn eine ordentliche Mahlzeit leisten können. Wir wissen beide, dass das unter deinem Niveau ist. Nach einer Woche würdest du wieder angekrochen kommen und mich anflehen, dich wieder für Kämpfe anzumelden.“
Seine Worte hatten mich aufgeweckt und mich klar werden lassen.
Den Irrglauben, dass er mich jemals wirklich als seine Tochter akzeptieren und ansehen würde, vergessen lassen.
Er wusste nichts von meinem anonymen Wetten und dem vielen Geld, das ich heimlich beiseitegeschafft hatte, und das war auch gut so.
Auch wusste er nichts von meinem Abiturabschluss, den ich online und heimlich hinter seinem Rücken gemacht hatte. Genauso wenig wusste er, dass ich gestern meinen Abschluss als angehende Anwältin mit Bravour bestanden hatte.
Ich wollte das alles, ihn, die Kämpfe und meine Vergangenheit hinter mir lassen.
Morgen sollte mein letzter Kampf sein.
Ich wollte nach der arrangierten Niederlage still und heimlich verschwinden.
Das Einzige, was mich immer noch schwanken ließ, war mein Freund Marian.
Mit seiner 1,80 Meter großen Statur überragte er mich um zwei Köpfe, doch ließ er mich mit meinen 1,65 Metern nie klein fühlen.
Er hatte kurz rasierte dunkelbraune Haare, einen muskulösen, trainierten Körper und gehörte zu den Mitgliedern des Fight-Clubs „Legendary Fighters“ meines Vaters, doch war er der Einzige, der nicht zu meinem Verprüglern gehörte.
Marian war mein Halt, der immer an meiner Seite war, wenn ich nicht mehr konnte.
Er war die einzige Liebe, die ich je hatte, und der einzige Mann, der meinem Vater nicht Folge leistete, was auch ihn einige Prügel einstecken ließ.
Seine liebevollen kastanienbraunen Augen zeugten immer von Liebe und Sorge.
Er war immer da, wenn ich zweifelte, und hielt mich über Wasser, wenn ich das Gefühl hatte, zu ertrinken.
Sowohl im Club als auch bei den geheim gehaltenen MMA-Kämpfen bemerkte niemand die geheime Bindung zwischen uns, nicht einmal mein Vater, der mich immer gut im Auge hatte und mit aller Kraft verhinderte, dass ich Freunde fand.
Wenn er auch nur etwas ahnte, erstickte er es im Keim und sagte: „Freunde sind nur Ablenkung, du musst dich auf dein Training fokussieren, alles andere stürzt dich nur in eine Niederlage.“
Genau das führte dazu, dass er jede Person, die auch nur annähernd zu mir nett war, verjagte oder sogar bedrohte, weshalb Marian und ich unsere Beziehung zueinander geheim hielten.
Jeder, der von meinem Vater oder den Clubmitgliedern zuvor eingeschüchtert worden war, wollte etwas mit mir zu tun haben, was mich immer mehr isolierte und mich störte.
Ich wollte das nicht mehr.
Ich wollte nicht mehr kontrolliert und gemieden werden.
Verdammt noch mal, ich war dreißig Jahre alt und hatte nicht einen einzigen Freund außer Marian.
All diese Gedanken ließen meinen Fokus schwinden und mich die geschlossenen, konzentrierten Augen öffnen.
Ich raufte mir meine langen braunen offenen, leicht gewellten Haare und gab einen genervten Laut von mir.
Mit schüttelndem Kopf seufzte ich: „Nur noch eine Nacht, dann bist du frei.“
Marian war zwar mein heimlicher Freund und Geliebter, aber dennoch hatte ich ihm bisher nichts von meinem Fluchtplan erzählt.
Es gab immer einige wenige Momente, in denen ich an ihm zweifelte.
Kleine Anmerkungen von ihm oder wenn ich ihn und meinen Vater mal allein erwischte, denn dann waren sie sehr offen und fast schon brüderlich.
Immer wenn ich sie allein sah, sahen sie keinesfalls feindlich gesinnt aus wie sonst. Sie unterhielten sich entspannt und sogar lachend, was mich immer mehr an beiden zweifeln ließ. Im Club tat mein Vater immer so, als könnte er ihn überhaupt nicht leiden und ein Blick auf Marion reichte, dass jeder glaubte, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte.
Ein Seufzen entkam meinen Lippen, als ich aufstand und einen Blick auf meinen XXL-Kleiderschrank warf.
Meine gepackte Tasche mit dem Nötigsten stand bereits darin, hinter meinen Kampf-Outfits versteckt.
Ich hasste die Outfits. Sie waren viel zu offen und gaben mehr als nur Fantasie preis.
Die Maske, die ich immer aufhatte, war der eines Pumas ähnlich, die ich bei jedem Kampf trug, daher auch mein Spitzname Puma.
Mein Magen knurrte und zeigte, dass es Zeit für die nächste Mahlzeit war.
Mein trainierter schlanker Körper brauchte seine Kohlenhydrate.
Ich warf einen Blick in den Spiegel an meinem XXL-Kleiderschrank und meine eisblauen Augen leuchteten vor Vorfreude auf.
In meinem schwarzen Jogginganzug trat ich aus meinem Zimmer und folgte der schmalen Treppe hinunter, doch bevor ich die letzte Stufe erreichte und rechts in die Küche einbiegen konnte, hielten mich unverkennbare Stimmen abrupt an.
Mein Vater lachte: „Ach Marian, du weißt genau, wie du unseren Puma an der kurzen Leine hältst.“
Marian lachte ebenso, aber voller Schalk: „Eine gut gefickte Frau lässt sich eben leichter kontrollieren, das hast du mir doch beigebracht. Sie tanzt nach meiner Pfeife, sei unbesorgt.“
Meine Hand krampfte sich ums Holzgeländer, als mein Vater antwortete: „Sie wird dir morgen die tolle Energie-Limonade aus der Hand fressen und dann verrecken. Sie ist zu alt und scheint skeptisch zu werden. Sie wird niemals damit rechnen, dass du es sein wirst, der sie ausknockt. Und ihr morgiger Gegner wird sie so hart treffen, dass ihre Organe versagen. Danach übernimmt unser Neuankömmling die Kämpfe und wird uns weitere Milliarden einbringen.“
Mein Körper gefror zu einem Eisblock.