Lärm - 22.11.2025

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Summary

Ich gehe ins Kloster.

Genre
Other
Author
HieroBald
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Lärm

Die Zeit der Vorbereitung hat mich nicht von dem Entschluss abbringen können. Keiner in meiner Familie versteht es. Alle Freunde haben sich von mir abgewandt. Sogar Susanne, die mir viele Jahre wie eine Schwester war. Sie schrie mich an, ich wäre verrückt und wo der Mensch wäre, den Sie geliebt habe.

Heute. Ich reise ohne Gepäck. Im Zug sind Wintersportler, Urlauber, Kinder, Rentner, aufgeregt ungebändigte Menschen im Fortpflanzungswahn. Alle reden vom Après-Ski und machen schlüpfrige Andeutungen. Ich sitze mittendrin. Schaue aus dem Fenster. An meiner Station steige ich als einziger aus. Hier ist nichts. Ein Weg zeigt in den Wald, steil bergauf. Der Schnee, weiß wie ein unschuldiges Betttuch. Ich stemme mich gegen den Wind. Schritt für Schritt in die Ewigkeit. Den Pfad hinauf in eine andere Welt. Verschwitzt komme ich an die Pforte und klopfe. Schnee fällt. Schritte. Schlüssel klappern. Das Guckloch klappt auf und wieder zu. Füße in schweren Schuhen entfernen sich. Ich starre auf die mittelalterlich anmutende Tür und friere. Plötzlich öffnet sich ein Fenster. Eine Kapuze, Augen wie Knöpfe, sinnliche Lippen „Du bist gekommen. Willst Du herein?“ Mein Kopf nickt. „Ja.“ „Gut.“ Die Tür öffnet sich einen Spalt und ich husche hindurch. Die Kapuze gehört zu einer braunen Kutte. Ich hole Luft. Der Mönch schüttelt den Kopf und legt einen Finger auf meinen Mund. Stumm folge ich ihm über den Hof. Alles rundum besteht aus dicken Steinen und scheint so alt wie die Welt. Die Gebäude, der Boden, selbst der Himmel, scheint aus diesen Steinen gemacht. Auch drinnen. Überall Stein. Kein Putz, keinerlei Dekoration, nichts. Im ersten Raum bedeutet mir mein Begleiter, mich zu entkleiden. Ich stutze. War das so beschrieben? Ja, ich erinnere mich. Ich ziehe mich aus, Stück für Stück. Lege alles ordentlich auf dem Boden ab und stehe nackt auf den Steinen. Der nächste Raum. Auf einem Stuhl liegt ein Stapel. Brauner Stoff. Grob. Für mich? Ich will mich anziehen. Kopfschütteln. Fragezeichen in meinen Augen, ich will etwas sagen. Die Augen funkeln mich an, die Lippen werden schmal. Er zeigt auf das Zeug und winkt mich weiter. Kopfschüttelnd geht er vor mir her. Meine Füße frieren. Mein Herz rast. Wieder über den Hof. Ein niedriges Gebäude kauert sich an die Mauer. Rund um den Platz. Türen. Verschlossen. Altes Holz. Die Zellen? Eine Öffnung. Der Finger zeigt hinein und ich verschwinde.

Zögernd erkunde ich den Raum. Die Kleidung kratzt. Wie spät ist es? Mein Magen knurrt. Abendessen?

Stille. So sollte es sein. Still! Völlig still? Absolut?

Eine Glocke läutet. Drei Schläge. Ich erinnere mich an den Tagesablauf. Den musste ich lernen. Drei Glockenschläge rufen zum Gebet. Die Tür wird aufgestoßen. Eine Hand greift nach mir, reißt mich mit. Auf dem Hof ist eine Prozession im Gange. Was? Wie? Kutten, hintereinander, Schritte, gemessene Schritte. Wir betreten eine Kapelle. Knien nebeneinander im Gestühl. Gesenkte Blicke. Kein Wort. In meinen Ohren hallen noch die Stimmen der Familie. Susannes aufgebrachtes Geschrei. Das Geplapper im Zug. Après-Ski.

Ein Glockenschlag. Wir erheben uns und wandeln durch die Reihen wie Perlen eines Rosenkranzes. Eine Tür. Essensgeruch. Mein Magen macht Radau. Spontanes Kichern steckt wie ein Kloß in meinem Hals. Wieder die Prozession. Wo ist meine Zelle? Einer nach dem anderen verschwindet. Genau nach der Reihe. Jetzt ich. Ich stolpernd biege ich ab und werde weitergeschubst. Jetzt? In der Reihe bleiben. So stand es im Plan. Lernen. Lernen ohne Worte. Die Tür schließt sich. Stille umgibt mich.

Sie wird mir mit den Tagen vertrauter. Der Tag gliedert sich in Gebete und Kontemplation

Das Schweigegelübde