Heartless Wonderland

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Summary

Als Alice einem flackernden roten Licht in den Wald folgt, reißt ein unsichtbarer Spalt die Welt unter ihren Füßen auf. Sie stürzt in ein verzerrtes Wunderland, das längst nicht mehr märchenhaft ist. Zeit verhält sich feindlich, Magie fordert Opfer, und jeder Atemzug hat einen Preis. Ein schwarzes Kaninchen führt sie tiefer in das Herz des Reiches. Die Raupe verlangt Erinnerungen. Die Katze spielt mit ihr wie mit einer neuen Beute. Und die Herzkönigin spürt ihre Ankunft sofort – denn Alice trägt etwas in sich, das das Wunderland verändern könnte. Doch die größte Gefahr wartet im Schatten einer verrückten Teeparty. Der Hutmacher, schön und unberechenbar, rettet sie mehr als einmal. Aber er fordert Nähe, Wahrheit und ein Stück von ihrem Herzen. Ein Handel, der sie an ihn bindet und gleichzeitig von ihm wegstößt. Je tiefer Alice fällt, desto stärker wird der Sog zwischen ihnen. Doch als sie einen Verrat entdeckt, der ihre Vergangenheit berührt, muss sie die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen: Wem gehört ihr Herz? Und wem sollte sie es niemals geben? In einem Reich voller Lügen, Blut und Wahnsinn kann ein einziger Fehler alles zerstören. Auch sie selbst.

Status
Complete
Chapters
13
Rating
n/a
Age Rating
16+

Prolog

Es begann mit einem Riss.

Nicht laut, nicht sichtbar. Ein leiser Schnitt durch die Welt, so dünn wie ein Haar, so scharf wie eine Klinge, die nur das Schicksal selbst führen konnte. Niemand sonst hörte ihn. Niemand sah, wie das Licht am Rand des Risses zuckte. Nur sie.

Alice stand mitten im Wald, die Hände kalt, das Herz unruhig. Der Tag war eigentlich hell gewesen, doch als der Riss erschien, kippte das Licht. Die Farben wurden dunkler, der Wind verlor seine Richtung und der Boden vibrierte, als würde etwas darunter lebendig werden.

Sie wollte zurückgehen. Sie wollte laufen. Aber Neugier und Angst hielten sie fest. Zwei Gefühle, die sich wie ein Griff um ihre Brust legten.

Der Riss öffnete sich weiter, still und gierig. Ein rotes Licht glitt aus ihm heraus wie Rauch, der wusste, wohin er wollte. Es schlang sich um ihre Knöchel, wärmte ihre Haut, lockte sie näher.

Alice hätte schreien sollen.

Sie tat es nicht.

Ihre Schritte bewegten sich, als gehörten sie nicht ihr. Die Luft schmeckte metallisch und süß zugleich. Ein Gefühl stieg in ihr auf, vertraut und fremd. Etwas fehlte. Etwas, das sie nicht benennen konnte. Eine Lücke, die zu früh in ihrem Leben entstanden war. „Komm“, flüsterte eine Stimme aus dem Licht.

Vielleicht hatte sie es sich eingebildet. Vielleicht auch nicht. Es spielte keine Rolle.

Denn der Riss öffnete sich endgültig.

Ein Atemzug.

Ein Herzschlag. Ein Sturz.

Alice fiel. Nicht wie ein Mensch im freien Fall. Es war ein Gleiten durch Schichten von Farben, die sich wanden wie lebendige Schatten. Schwarze, rote, goldene Fäden zogen an ihr vorbei, und irgendwo tief in der Dunkelheit hörte sie ein Lachen.

Nicht fröhlich.

Nicht freundlich.

Ein Wahnsinn, den sie kannte, bevor sie ihn kannte.

Als sie den Boden berührte, war die Welt anders. Schärfer. Weicher. Falscher und zugleich echter als alles zuvor.

Bäume ragten wie verdrehte Finger in den Himmel. Der Himmel selbst pulsierte. Ihr Herz hämmerte wie eine Warnung.

Und dann hörte sie Schritte.

Nicht menschlich. Nicht tierisch. Leicht, gehetzt, und doch zu genau, um Zufall zu sein.

Ein Kaninchen. Schwarzhaarig. Mit einer Uhr, die tickte, obwohl die Zeiger rückwärts liefen.

Es sah sie an.

Und in diesem Blick lag kein Schreck, keine Überraschung.

Nur Wissen.

„Du bist zu früh“, sagte es.

Alice wollte fragen, was das bedeutete, aber der Wald vibrierte erneut, und der Riss hinter ihr schloss sich wie ein Mund, der endlich genährt worden war.

Nun gab es keinen Weg zurück.

Nur einen Weg nach vorn.

Und im Schatten zwischen den Bäumen bewegte sich jemand. Ein Mann. Ein Hut. Augen wie gesplitterte Spiegel. Ein Lächeln, das sie gleichzeitig fesselte und warnte.

Alice war gefallen.

Er hatte gewartet.

Und das Wunderland hatte endlich seinen Herzträgerkind.