Max
Draußen tobte ein Schneesturm. Der Wind riss an den Fensterladen. Das Herdfeuer kämpfte gegen die eindringende Winterluft. Wir lagen in Decken und Felle gehüllt um den Herd.
Vater war seit dem Sommer so anders zu mir. Ich hatte Angst.
Als der Frühling kam, wurde er noch schweigsamer. Früher liefen wir über die Wiesen. Papa zeigte mir die Welt. Unsere kleine Welt. Freigeboren und doch gefangen. Doch in dem Jahr war alles anders. Mein Geburtstag. Ein Tag im April. Am Sonntag nahm er mich beim Arm. „Du wirst am Donnerstag Sechzehn und Sonntag wird geheiratet.“ Ließ mich los und stapfte davon. Ich stand wie versteinert. Geheiratet? Hatte er das wirklich gesagt? Irgendwann würde es kommen und die Burschen im Dorf machten schon länger ihre Witze. So dumm bin ich nicht. Aber. Heiraten? Wen?
„Welchen Geist hast Du denn gesehen?“ Anna stand plötzlich vor mir. „Heiraten soll ich. Am Sonntag.“ „Ja, klar, alle wissen das. Du wirst Sechzehn, da wird geheiratet. Dein Max ist ein fescher Kerl.“
Völlig außer Atem kam ich am Waldrand wieder zu mir. Die Tränen liefen und ich versteckte mich im Gestrüpp. „Max? Dieser grobschlächtige Bauer? Er ist Achtzehn.“
Wie bei Vater und Mutter damals. Warum musste sie nur so früh sterben? Im Kindbett mit dem Bruder, den ich mir so gewünscht hatte.
Ich wusste, ich muss Vater gehorchen.
Später rief er nach mir. Zornig. „Wo warst Du den ganzen Tag? Das Haus besorgt sich nicht von allein.“ Beim Sonnenuntergang saßen wir vor dem Haus. Er legt seinen Arm um mich. „Sei glücklich. Max ist eine gute Partie und Du bist ihm von Geburt an versprochen. Die Höfe grenzen aneinander. So ist es Sitte und so wird es sein. Alles andere wird sich fügen.“
Sich fügen. Ich musste mich fügen. Gehorchen. Früher hat er sich ständig geprügelt. Eine gute Partie. ‚Ein grober Klotz ist er. Die anderen Jungs haben Angst vor ihm. Vielleicht sind sie mir deshalb aus dem Weg gegangen. Alle wussten es. Alle. Nur ich nicht.’ Tränen.
Sonntag. Ich trug mein bestes Kleid und an Max waren ausnahmsweise alle Kleidungsstücke am richtigen Platz. Der Pfarrer gab seinen Segen und danach wurde gefressen, gesoffen und getanzt. Max trat mir ein paar Mal kräftig auf die Füße. Es war ein Spaß.
Wir haben kein Wort miteinander gesprochen.
Allein. Unter all den Menschen ganz allein.
Am Ende nahm er mich hoch und schleppte die Beute zu seinem Haus.
Setzt mich ab, sieht mir tief in die Augen und küsst mit fettigen Lippen meine Hände.
„Ich liebe Dich, seit ich denken kann. Sei mir gut, ich werde Dich immer beschützen.“