Chapter 1 Verloren im Schnee
Es war wieder einer dieser kalten Tage im Dezember. Nach meinem Albtraum in dieser Nacht zog es mich raus in den tiefen Schnee. Ich zog meine schwarze, gefütterte Jacke an, setzte mir die Mütze und die Handschuhe auf und schnürte mir die braunen Stiefel zu.
Ich lief die Straße entlang, durch das Feld und in den Wald hinein.
Der Schnee schmückte den Wald weiß. Von den Tannen ragten kleine Eiszapfen Richtung Boden. Es war ein schöner Anblick.
Ich sank tief in meine Gedanken und reflektierte meinen Traum, als mich plötzlich das Knacken von Ästen rausholte und ich vor Schreck erstarrte.
Mein Blick wanderte schnell von rechts nach links, nach vorne und nach hinten. Mir war, als wäre hinter mir eine dunkle Gestalt im Wald verschwunden. Da ich sie nicht wieder sah, sagte ich mir: „Das war nur Einbildung."
Ich starrte noch etwa fünf Minuten in der Hoffnung, sie zu erwischen, sollte sie sich bewegen. Aber nichts.
So drehte ich mich wieder um und stampfte weiter.
Die Kälte streichelte meine Wangen und ließ meine Haut leicht zittern. Bei jedem Ausatmen entstand eine kleine Wolke warmen Dampfes.
Nach einer kurzen Weile in meinen Gedanken und in der Kälte hörte ich das Wasser eines kleinen Baches. Es wunderte mich, denn ich hatte diesen Bach noch nie gehört, geschweige denn gesehen.
Ich hob meinen Kopf und merkte plötzlich, dass ich in einem Waldstück stand, das ich bisher noch nie gesehen hatte.
„Hmm, komisch. Ich war wohl so tief in meinen Gedanken, dass ich die Zeit vergessen hatte und hierher gelangt bin."
Ich sah mich etwas um. Tannenzapfen fielen immer mal wieder von den Tannen und hinterließen jedes Mal einen kurzen Schreckmoment in meinen Adern.
„Da schon wieder!"
Ein Knacken der gefrorenen Äste hinter mir ließ mich erneut den Wald absuchen. Und diesmal war es keine Einbildung.
Eine dunkle menschliche Gestalt stand etwas entfernt neben einem Baum.
Ich konnte nicht viel erkennen, nur dass es eine männliche Gestalt war. Er hob immer wieder seine Hand zum Gesicht. Ich ging davon aus, dass er Zigaretten rauchte, da eine dampfende Wolke seinen Kopf umhüllte.
Oder irrte ich mich?
Ich weiß es nicht. Der Wind fing an, den Schnee zu wirbeln. Ich musste mein Gesicht verdecken... nach dem kurzen Sturm hob ich meinen Kopf, öffnete meine Augen leicht, und er war weg?
„Wo ist er hin? Das war doch keine Einbildung... bin ich bescheuert?"
Er war einfach weg. Ich traute mich nicht hinzulaufen, aber die Bäume hier waren allesamt schmal. Er konnte niemals hinter einem stehen.
Ich war wieder total unsicher, ob es nicht doch eine Einbildung war. Mein Kopf war die letzten Wochen sowieso sehr durcheinander.
„War es wirklich eine Illusion?"
Ich rieb meine noch mit etwas Schnee umhüllten Augen sauber und lief in einem etwas schnelleren Tempo wieder Richtung Bach.
Dort angekommen zog ich meine Handschuhe aus und hielt meine noch warmen Hände und Finger ins eiskalte Wasser. Ich spielte mit meinen Fingern... ließ sie etwas zappeln, um die Kälte so richtig einzusaugen.
Ich merkte, wie meine Hand langsam kalt wurde, sogar der Arm leicht hoch.
Ich wollte sie wieder einpacken, aber mein Gehirn sagte mir: „Noch ein bisschen."
Ich wollte die Kälte in diesem Moment spüren.
Nach ein paar Minuten nahm ich sie heraus und packte sie wieder ein. Jetzt kämpften Wärme und Kälte an meiner Hand. Schönes Gefühl.
Ich stand auf und begab mich wieder auf den Rückweg.
Ich war mir erst nicht sicher, weil ich nicht mehr wusste, wie ich hingekommen war, aber die Spuren im Schnee halfen mir zu erkennen, wo ich lang musste.
Nach einer Weile begann es langsam zu schneien. Dicke weiße Flocken fielen auf den Boden. Sie legten sich sanft hin, sodass die Spuren immer mehr verschwanden.
Vor lauter Flocken vor meinen Augen wusste ich auch nicht mehr, wohin ich musste.
Ich denke, ich bin falsch gelaufen, weil ich wieder den Bach hörte.
„MIST... ich habe mich verlaufen."