Das Leuchten in den Wipfeln vergessener Könige

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Summary

Zwischen zwei Atemzügen erwacht sie - Nyra, Seelensucherin und Chronistin des Unsichtbaren. Gerieben von Sehnsucht, gefesselt von Erinnerung, kehrt sie zurück an den Ort, den ihr Herz nie verlassen hat: Myrdenhall. Dort, wo uralte Magie schläft, wo die Bäume flüstern und Glühwürmchen die Schatten küssen, wartet er - Thalern. Wächter, Geliebter. Verloren geglaubt. Und während das Licht der drei Sonnen über die Wipfel vergessener Könige tanzt, entscheidet sich Nyra für das, was sie einst zu fürchten lehrte: Für sich selbst. Für die Wahrheit. Für die Liebe. Doch wer zwischen den Welten wandelt, weiß, jede Rückkehr hat ihren Preis.

Status
Complete
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Es war ein eisiger Tag im Februar, als sie durch den Schnee stapfte. Ihr warmer Atem zauberte kleine glitzernde Wolken in die kühle Luft. Der Himmel war blau und die hochstehende Sonne kündigte immer mehr die Wiedergeburt des Lichts an. Das Erwachen der Seelen auf Erden und der sich damit schließende Kreis des ewigen Lebens. Dennoch mochte sie die Kälte nicht und noch viel weniger konnte sie dem Schnee etwas Schönes abgewinnen. Geboren in einem Krieg, den sie stets ihr Zuhause nannte, war Väterchen Frost ihr ein treuer Freund geworden. Er hielt ihr starkes und tapferes Herz in seinen eisigen Händen und hütete es mit großer Vorsicht. Sie durfte nicht sein, wer sie war. Vor langer Zeit hatte sie dieses Versprechen besiegelt und einen Schwur geleistet, der sie schützen sollte. Sie fühlte sich unverstanden, einsam und verlassen in einer Welt, in der Verrat und Niedertracht ihr täglich begegneten. Sie verstand ihre Mitmenschen nicht. Deren Antrieb, die Art und Weise des Denkens und manchmal glaubte sie, nicht in diese Welt zu gehören. Sie fühlte so viel und konnte sich niemandem mitteilen. Irgendwie wollte sie das auch gar nicht. Alles, das nicht der Norm entsprach, wurde verstoßen. Als psychisch krank deklariert oder stigmatisiert. Und indem sie schwieg, lebte sie ruhig. Versteckt im Schatten ihres Herzens zeigte sich ihre wahre Natur nur selten.

Als sie den Schlüssel zu ihrer Wohnung in das Schloss steckte, freute sie sich nur noch auf ein heißes Bad. Sie pfefferte ihre Tasche in die Flurecke, ließ die nassen Schuhe auf der Hausmatte zurück und ging ins Badezimmer. Das Wasser ergoss sich dampfend aus dem Hahn und ließ reichlich Schaum entstehen, als es sich mit dem Badezusatz vermengte. Honig und Milch, sie liebe diesen Geruch. Als sie durch den Flur ging, um ein bestimmtes Öl aus dem Wohnzimmerschrank zu holen, entledigte sie sich dabei ihrer Kleidung. Darunter offenbarte sich ein vom Leben gezeichneter Körper. Vereinzelt eine Narbe zwar und doch war er ein Werk ihrer selbst. Tief gestochene Bilder ihrer Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen legten dar, wer sie war. Er zeigte, dass sie glaubte. Er zeigte, dass ihr Glauben stark war und nichts mit dem zu tun hatte, was die meisten Menschen im konventionellen Sinne taten. Einen Gott anbeten, der allumfassend sein sollte. Sie hatte sich oft gefragt, wie eine liebende Gottheit all das Leid dieser Welt ertragen konnte.

Sie bereitete sich eine kleine Kräutermischung zu. Ein wenig Salbei, Rosmarin und Zimtrinde. Ihr Geist war unruhig und müde. Das Räuchern der Kräuter half ihr, Ruhe zu finden. Sie stellte eine kleine Tonschale im Bad auf, stellte eine weiße Kerze dazu und entzündete die Mischung auf ein wenig Feuersand. Sie sog den Duft der verbrennenden Kräuter tief ein und spürte, wie sich ihre Seele aufbäumte. Krieger fanden keinen Frieden. Zumindest nicht in sich selbst. Gelegentlich fanden sie ihn in einem anderen Herzen. Und manchmal durfte es dort Heilung finden. Sie gab ein paar Tropfen Yin Yang Öl ins Wasser, schaltete Musik ein und stieg in das dampfende Bad. Langsam ließ sie ihren Körper hineingleiten, schloss die Augen und versuchte, ruhig zu atmen. Sie ließ ihre Gedanken frei und war neugierig, wohin sie getragen würde. Das hämmernde Trommeln der Musik begann in ihrem Kopf zu dröhnen, und kleine Schweißperlen bahnten sich ihren Weg durch ihr Gesicht. In ihren Gedanken machte sich Leere breit und ihr war, als würde sie schwerelos durch ihr Sein gleiten. An diesem Ort war Väterchen Frost der Fürst ihrer Welt, und sie war stets bedacht darauf, diesen schlafenden Riesen nicht zu wecken. Ein falscher Schritt auf der Daseins morschen Planke konnte ihren Untergang bedeuten. Mit der Zeit hatte sie gelernt, ihn zu umgarnen, sobald er seine Augen öffnete. Doch raubte es ihr viel Kraft und so sang sie in ihren Träumen ihm zu Ehren ein besänftigendes Lied. Er war ein Teil von ihr. Ein Teil, den sie vor langer Zeit zurückgelassen hatte.

Sie ließ sich weiter hinab gleiten und ein Sog von Gedanken ergriff sie. Ihr Herz schlug kräftig und ihre Augen suchten, wonach ihr Geist sich sehnte. Sie konnte ihn hören. Leise zwar, doch fühlte sie, dass ihr Herz antwortete. Das tat es immer. Obgleich sie unsicher war und diese Gedanken argwöhnisch musterte, musste sie sich eingestehen, dass er etwas in ihr auslöste. Begehren und die Sehnsucht, in seine Arme zu flüchten.

Als plötzlich eine kleine Glocke in der Musik ertönte und der Rhythmus sich wie eine Aufforderung anfühlte, sah sie ihn. Sein Gesicht, klar und deutlich, lächelte er ihr entgegen. Sie fühlte Erleichterung. Sie fühlte Wärme in ihrem gefrorenen Herzen und was sie noch fühlte, war die unerträgliche Hitze, die sich in ihrem Schoß breit machte. Die Innenseiten ihrer Schenkel zitterten, kribbelten und verlangten nach seiner Berührung. In ihren Gedanken sah sie ihn am Wannenrand sitzen. Schweigend würde er sie beobachten. Mit den Fingern berührte sie ihre Lippen, die vom Wasser heiß und feucht waren. Spürte den Hauch ihres Atems aus ihrem leicht geöffneten Mund. Ihre Finger folgten einem Pfad den Hals herab und ihre steif gewordenen Nippel gierten nach Aufmerksamkeit. Spitz und tief rot ragten sie aus dem Wasser. Eine zunächst zarte, flüchtige Berührung ließ kleine elektrisierende Wellen durch ihren Körper rauschen und sie endeten in ihrem pochenden Verlangen zwischen den Schenkeln. Sie stellte sich vor, wie er mit seinen Fingern über ihren Bauch wanderte. Einen Kreis um den Bauchnabel zeichnete und tat es ihm gleich. Ihre Hände wanderten weiter und streichelten den Pfad zum inneren Feuer. Ein lustvolles Stöhnen entwich ihr, und sie spürte, wie der erhitzte Punkt ihrer Begierde pochte. Sie wollte ihn und in ihren Gedanken rief sie seinen Namen. Ihre Finger tanzten über den Hügel der Sehnsucht und ihr Herz begann, sich unter der Lust aufzubäumen. Ihr Atem war hastig und voller Begierde. Zärtlich berührte sie ihre empfindlichste Stelle und eine Woge des Wohlgefühls überrollte sie. Sie lächelte und genoss es, als sie diese zwischen zwei Fingern nahm und sanft mit ihr spielte. Ihr Stöhnen wurde lauter, entfesselte ihren Geist und sie hatte das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Das Wasser, das sich wie eine warme Decke über ihren Körper gelegt hatte, schlug unruhige Wellen, als sie sich dem Moment vor dem inneren Zerfall – süß, wild und befreiend hingab. Sie stellte sich vor, wie er ihr dabei zusah. An den Hals fasste und ihr dabei tief in die Augen blickte. Wie er sie küsste und aufforderte, nicht aufzuhören. Ihre Finger suchten sich den Weg in ihre sehnsüchtige Mitte. In diesem Moment hinterfragte sie nicht, was dieser Mann in ihr auslöste. Alles, was sie wollte, war, diesen prickelnden Druck, der sich immer mehr aufbaute, explodieren zu lassen. Sie wollte ihm dabei in die Augen sehen. Sie wollte sich unter ihm winden und mit diesen Gedanken spürte sie tausende winzige Funken unter der Haut. „Das fühlt sich so gut an“, keuchte sie. Unter ihren Händen entfesselte sich ein unaufhaltsamer Sturm, und das Wasser plätscherte über den Wannenrand hinweg. „Ich will mehr …“ Sie keuchte, sie schwitzte, ihr Herz donnerte durch ihr Sein. Mit jedem füllenden Zentimeter ihrer Finger, jeder Berührung ihrer geschwollenen kleinen Perle wollte sie schreien. Plötzlich stockte ihr Atem, Schwindel überkam sie und ein Strom aus Glut riss sie mit sich. Ein süßes Beben ihrer Seele, das sich durch ihren Körper entlud. Sie biss in ihren Oberarm und genoss den Schmerz der Erlösung. Keuchend suchte sie nach Halt und ein wildes Zucken pulsierte durch ihre weiche, vibrierende Blüte. Wogen hallten durch ihren Körper und entrissen sie ihren Gedanken.

Die Wellen des Wassers wurden zum Spiegel ihrer Sehnsucht. Sie versuchte ruhig zu atmen und öffnete die Augen erst, nachdem der Schwindel nachgelassen hatte. Als sie ihren Oberarm begutachtete, musste sie feststellen, dass ein kleines Andenken in Form eines blauen Fleckes zurückgeblieben war. Sie lächelte und genoss die Erschöpfung. Während sie zurück in das warme Wasser glitt, fragte sie sich, was es war, dass sie in seinen Bann zog. Sie war nun schon lange allein und hatte kein Problem damit. Es war eine Form der Anerkennung, den eigenen Gedanken zuhören zu können. Sie vermisste im Grunde nichts. Zumindest dachte sie das. In ihrem Kopf entstand ein Strudel, und sie hatte das Gefühl, ihn nicht bändigen zu können. Sie wollte ihn. Ihr Herz rief nach ihm. Ganz egal, was der Verstand auch sagte, dieses Mal wirkte sein Gift nicht.

Sie war viel und an einigen Tagen zu viel für sich selbst. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es jemanden gab, der sie tragen konnte, wenn ihre Beine mal nachgaben. Sie war wie eine Wand, gegen die man ankämpfte. Und sie gab nie nach. Sie hoffte, eines Tages würde jemand kommen und sie sehen, sie hören und sie verstehen. Selbst dann, wenn sie mal blind, taub und stumm war. Väterchen Frost schützte nicht die Kriegerin in ihr. Der Titan ihrer Welt beschützte das kleine Mädchen, das tief in ihrem Herzen verborgen war. Eines, das nie geliebt wurde. Eines, dass nicht wusste, wie man liebte. Er war sie und alle Gewalt, welche sie in sich trug. Doch würde sie ihre Waffen fallen lassen und Väterchen Frost „Lebe wohl“ sagen, wenn jemand käme und ihr zeigte, dass sie so viel mehr sein konnte, als bloß ein kalter Wächter.

Still und regungslos lag sie im warmen Wasser. Sanft spiegelte es die Sehnsucht auf ihr Herz. „Soll ich es tun oder lieber nicht?“, fragte sie sich und starrte an die Decke. Nervös fummelte sie an ihren Fingern. Es war gefährlich. Das wusste sie, nachdem es vor zwei Wochen furchtbar schiefgegangen war. Sie war in einem Albtraum gelandet und hatte in ihrer Panik fast vergessen, der Spur zum Ausgang zu folgen. Sie erinnerte sich noch dunkel an die Wesen und Geräusche, die ihr eine Heidenangst eingejagt hatten. Seitdem war sie nicht mehr dort gewesen und ignorierte die stillen Rufe ihres Herzens. Heute jedoch war der Drang ein anderer. Sie hatte Angst davor, er könne sie vergessen, wenn sie noch länger fortbliebe.Vielleicht ist die Angst der Preis für dich oder eine Prüfung, dachte sie. Mutig und entschlossen stieg sie aus der Wanne. Sie brauchte ihn. Seine weisen Worte und die stille Verbindung von Geborgenheit in seiner Nähe.

Das Wasser lief in kleinen Rinnsalen an ihrem Körper herab und zeichnete feuchte Bilder eines Labyrinths auf ihrer Haut. Bilder längst vergessener Gottheiten zierten ihren Körper. Runen, die mit dem Universum sprachen und Bildnisse des Schicksals an sie weitergaben. Manchmal, wenn sie die Augen schloss, zeigte ihr Geist Fragmente von Geschehnissen, die noch in der Zukunft lagen. Sie hörte Wortfetzen jener, die in der Zwischenwelt lebten. Nyra war eine Sucherin. Eine Wandelnde zwischen den Welten. Eine Seelenschreiberin, die dem Licht Botschaften aus der Dunkelheit offenbarte.

Ich brauche Salz, überlegte sie und eilte in die Küche. Im Schrank neben der Spülmaschine sollte noch welches zu finden sein. Es musste reines, unbehandeltes Meersalz sein. Grob und naturbelassen. Nur diese Form des Minerals war stark genug, um eine Linie zwischen den Welten zu bilden. „Gott sei Dank, es ist noch welches da“, flüsterte sie erleichtert, als sie die fast leere Pappschachtel aus dem Schrank holte. Ihr Herz schlug aufgeregt in ihrer Brust. Es war eine Mischung aus Angst vor einem erneuten Albtraum und der Vorfreude auf ihn. Wie sehr sie ihn doch endlich wiedersehen wollte. Diese Sehnsucht brannte wie ein zerstörerisches Feuer in ihren Gedanken. Hastig eilte sie mit dem Salz zurück ins Bad. Schnell räumte sie die Räucherschale beiseite und stellte die Musik ab. Es musste schnell gehen. Alles, was sie jetzt noch tat, war, ihrem inneren Ruf zu folgen.Ob er mich schon hören kann,dachte sie, und lächelte ein wenig. Er würde wütend sein, weil sie nicht auf ihn hörte. Seinem Befehl nicht Folge leistete. Aber in diesem Moment war es ihr egal. Sie gab einen guten Esslöffel Salz in das Badewasser und legte ihren Obsidian dazu, den sie stets um den Hals trug.Mist, ich habe das Lavendelöl vergessen, dachte sie, und ärgerte sich. Es war nicht zwingend nötig, verstärkte aber den Schutz des Salzes.Konzentriere dich, ermahnte Nyra sich. Sie musste darauf achten, wie das Salz sich löste. Es war der Moment der Verbindung. Ungeduldig beobachtete sie die kleinen Kristalle und einen Augenblick später wurde das Mineral unsichtbar. „Na endlich“, sagte sie und stieg wieder in die Wanne. Das Wasser war nicht mehr heiß. Eher lauwarm, aber ausreichend für ihre Zwecke. Es war wichtig, ihren ganzen Körper mit dem Wasser zu bedecken. Das Salz würde sie reinigen und den versteckten Erinnerungen ihrer Zellen helfen, den Weg zurück in ihren Geist zu finden. Nyra hielt den Atem an und tauchte ihren ganzen Körper in das Wasser. Eine Taufe, die sie erden und sie zurückrufen würde, wenn ihre Seele sich zu weit von ihr entfernte. Einen Moment war sie umgeben von Stille. Nur ihr Herz hörte sie unter Wasser schlagen. Kraftvoll und einem uralten Rhythmus folgend, schlug es ihrer Sehnsucht entgegen. Als sie schnaufend wieder aufgetaucht war, blieb sie einen Augenblick sitzen.Ich darf keine Angst haben. Ich schaffe das, dachte sie, und klopfte mit zwei Fingern auf ihr Brustbein. Die Verbindung zwischen ihr und der Zwischenwelt musste fest sein. Das leichte Klopfen auf ihrer Mitte half ihr, den Weg durch das Labyrinth ihrer Seele zu finden. Sie schloss die Augen und sprach: „Ich bin geschützt. Ich bin klar. Ich bin nur das, was ich bin.“ Danach atmete sie tief durch und stieg aus der Wanne. „Es ist so weit“, flüsterte sie.

Nachdem sie alle Vorhänge ihrer Wohnung zugezogen und die Dämmerung damit verbannt hatte, schloss sie die Haustür ab und zündete ein paar Kerzen im Wohnzimmer an. Bevor sie den kleinen Glastisch beiseiterückte, entzündete Nyra Räucherstäbchen. Weißer Salbei und Drachenblut erfüllten den Raum und verdrängten die quälende Realität.Musik, ich brauche noch die richtige Musik, dachte sie. Sie entschied sich für „Die Trommeln der Schattenreise“. Dieser Rhythmus sollte heute der Schlüssel zur Schwelle sein.Das fühlt sich richtig an, dachte sie, und drückte den Play Button. Während ihr Gehirn langsam den Trommelschlägen zu folgen begann, bereitete sie den Schutzkreis vor.Mach langsam und bloß keinen Fehler,dachte sie angestrengt und gab sich alle Mühe, jedem Schritt konzentriert nachzugehen. Den Kreis aus Meersalz legte sie um ihre Liegefläche herum.Nicht dick, nur so viel, dass ich ihn bewusst schließe, entsann sie sich und legte kleine Schutzkristalle in die vier Himmelsrichtungen dazu. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. Vorsichtig trat sie über die Schwelle aus Salz und setzte sich in die Mitte des Kreises. Sie begegnete dem Universum so, wie sie einst geboren wurde – nackt. So zeigte sie dem mentalen Geist der Unendlichkeit ihre Demut. Ihre Dankbarkeit dafür, ein Teil von ihm sein zu dürfen. Auch, wenn dieses Leben sie einsam machte. „Dies ist mein Kreis. Mein Raum. Was nicht aus Licht, Liebe oder Wahrheit besteht – hat hier keinen Zutritt“, sprach sie, legte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Nun begann der schwierige Teil ihrer bevorstehenden Reise. Sie richtete ihre Gedanken auf ihn aus und bat ihr Herz, seinen Namen lauter zu rufen.Ich will zu ihm,dachte sie, und reichte ihrem Herzen den Schlüssel zu seiner Welt – Vertrauen. Mit jedem Trommelschlag der Musik senkte sich ihre Gehirnfrequenz, und sie fühlte die Magie ihres Geistes. Ein Gefühl, nicht mehr ganz da zu sein. Ähnlich dem Moment, wenn man kurz vor dem Einschlafen war. Ihr Körper begann in einen tiefen Schlaf zu fallen, und ihre Atmung war tief und gleichmäßig. Nyra konzentrierte sich darauf, langsam rückwärts zuzählen und visualisierte, wie ihr Körper immer schwerer wurde. Ihr Geist hingegen blieb wach und die Schwere der Gedanken wich langsam dem Drang, fliegen zu wollen. Das war es, was eine freie Seele fühlte – den Flug in die Freiheit. Sie fühlte ein leichtes Vibrieren unter ihrem Brustbein und fing an, nach Bildern einer Treppe zu suchen, die sie in seine Welt führen sollte. Sie fühlte die Stille. Die Weite und das Fremdvertraute. Der Übergang war nicht mehr weit. Im nächsten Moment blickte sie durch einen Schleier. Trüb und kalt umgarnte er ihr Sein. Wolken gleich, die Grenzgänger und Zeugen erloschener Lichter waren. Ein Beben erschütterte diesen raumlosen Zustand und ein Leuchten flutete Nyras Geist. Vorsichtig öffnete sie die Augen. Auf ihren nackten Füßen stehend, starrte sie auf die Treppe vor ihr. „Ich habe es geschafft“, sagte sie lächelnd. Die Trommeln verstummten und Nyra folgte der Treppe eilig in die Tiefe.