Tannenzauber mit Tierbesetzung

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Summary

Eine kleine Weihnachtsgeschichte :)

Genre
Humor
Author
Ravence
Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Tannenzauber mit Tierbesetzung

In Annas Wohnzimmer passieren selten unvorhergesehene Dinge. Bücherstapel wachsen kontrolliert, Kaffeetassen tauchen dort auf, wo sie abgestellt wurden. Selbst die Schatten verhalten sich ruhig. Nichts Ungewöhnliches. Zumindest nichts, was eine Thrillerautorin innerlich den Stift anspitzen lässt.

Doch an diesem Morgen ist etwas anders. Anna kann es noch nicht greifen, was aber irgendetwas stimmt nicht. Sie sieht sich im Wohnzimmer um. Lässt den Blick schweifen. Der Bücherstapel neben dem überfüllten Regal - Irgendwann muss sie ein Neues kaufen. Der bunt leuchtende Weihnachtsbaum neben der Terrassentür. Der wackelnde Ast in eben diesem Baum. Die Schale mit Nüssen und Lebkuchen auf dem Couchtisch. Moment. Wackelnder Ast? Annas Blick schnellt zurück zum Baum. Äste sollten in einem Weihnachtsbaum nicht wackeln. Zumindest nicht in einem Wohnzimmer, wo die Fenster geschlossen sind. Wieder wackelt der Ast mitsamt seinen Kugeln. Lametta fällt zu Boden.

Anna stellt die Kaffeetasse ab und nähert sich vorsichtig dem Baum. Das kann ja wohl nicht wahr sein! Mit jedem Schritt rechnet sie damit, von was auch immer angesprungen zu werden.Wieder wackeln ein paar Äste. Wieder geraten die Kugeln ins Wanken.“Ich will doch nur ein ruhiges Weihnachten. Ohne einen Baum mit Eigenleben.”Vorsichtig schiebt sie einen Zweig zur Seite. Erschrocken macht sie zwei Schritte zurück. Da sind eindeutig Augen.

“Max!”, ruft Anna, ohne den Blick vom Baum abzuwenden. “Da wohnt etwas im Baum!” Ihr Bruder taucht im Türrahmen auf, ebenfalls mit einer Kaffeetasse in der Hand. “Wenn’s eine Spinne ist, passe ich. Auch ich habe Grenzen”, sagt er und nimmt einen Schluck Kaffee. “Nein, keine Spinne. Das hier hat nur zwei Augen”, murmelt Anna, immer noch den Baum anstarrend. Max tritt näher heran, schiebt ein paar Zweige weg und … lacht. Ihr Bruder lacht. Anna ist verwirrt. “Was ist so lustig? Da wohnt etwas in unserem Baum.” “Jap. Ein Eichhörnchen. Premium-Stadtversion würde ich sagen.”

Das Tier zuckt, springt einen Ast weiter und bringt einige Kugeln zum Fallen. Anna seufzt. “Na super. Wie ist es dahin gekommen?” “Najaaaa”, sagt Max gedehnt. “Dein Baum steht wie ein Hotel für Waldtiere da. Warm. Gemütlich. Glitzer und Nüsse.” “Die Nüsse wolltest du an den Baum hängen!”, schießt Anna zurück. Doch Max zuckt nur mit den Schultern. “Marketing.”

Das Eichhörnchen zupft interessiert an einem Lamettastreifen und lässt ihn zu Boden sinken.“Okay. Wir holen es da raus. Ohne Drama und ohne große Schäden”, entscheidet Anna. “Einverstanden.” Max nimmt noch einen Schluck Kaffee. “Was ist unser Plan?” “Hm, du denkst und ich sorge dafür, dass der Baum nicht umfällt.” “Also der Klassiker”, nickt Max.

Das Tier beobachtet sie aus dem Baum heraus. Anna und Max schauen zurück. Alles auf Augenhöhe. Wie bei einem Showdown. Nur mit mehr Fell.

“Was mögen Eichhörnchen?”, fragt Anna. “Nüsse”, kommt prompt von Max, während er eine aus der Schale vom Couchtisch angelt. “Sagtest du nicht eben noch, mein Baum sei ein Hotel für Waldtiere? Füllst du jetzt die Minibar auf oder was hast du vor?” Max wirft ihr einen verständnislosen Blick zu, muss aber schmunzeln über diesen Gedanken. “Wir locken es raus, Anna.”

Er hält die Nuss hoch und zeigt sie dem Tier. Das Eichhörnchen hält inne. Beobachtet. Seine kleine Nase wackelt. Der buschige Schwanz zu einem Fragezeichen gebogen. “Wir haben Kontakt,” flüstert Max und legt die Nuss auf den Boden. Das Eichhörnchen folgt seinem Tun. Er holt noch mehr Nüsse aus der Schale. legt eine Spur zur Terrassentür, öffnet diese und nimmt einen Schluck Kaffee, so als würde er das jeden Morgen machen.

Anna betrachtet das Spektakel skeptisch. “Der Plan steht auf wackeligen Füßen.” “Genau genommen sind es Eichhörnchenfüße. Die sind flink”, erwidert Max mit einem Grinsen. Es kommt Bewegung in das Tierchen. Entschlossen hüpft es aus dem Baum, landet auf dem Boden, schnappt sich die Nuss und rennt los. Direkt auf die Terrassentür zu.

“MAX!”, kreischt Anna. Das Eichhörnchen bremst abrupt, analysiert die Situation, geht drei Schritte zurück, nur um dann durch die Tür nach draußen zu schießen. Schnell zieht Max die Tür wieder zu.

Stille. Die Weihnachtskugeln am Baum schwingen noch leicht nach. Einige liegen am Boden. Die Lichterkette hängt halb herunter. Der Stern auf der Spitze sitzt schief.

“Na toll”, murmelt Anna, während sie das Chaos betrachtet. Max stellt sich neben sie. “Geht noch als kreativ durch, würd’ ich sagen.” Sie lacht leise. Gemeinsam räumen sie auf, setzen die Kugeln wieder an ihren Platz, richten den Stern gerade und hängen die Lichterkette neu auf. Der Baum war am Ende nicht perfekt, aber welcher Baum ist das schon? Und dieser Baum hat diesmal sogar eine Geschichte .„Nächstes Jahr“, sagt Anna, „kaufen wir einen künstlichen Baum.“„Klar“, erwidert Max. „Und dann wohnt halt ein Roboter drin.“