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Das Ritual

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Summary

Runa ist die Kräuterheilerin des Dorfes Jarlhof. Aufgrund ihres Berufes ist Runa bei ihren Mitmenschen gefürchtet und verpönt. Auf mysteriöse Weise verschwinden aus der Gemeinde Bewohner. Während ihrer nächtlichen Suche nach Kräutern trifft Runa auf ein Ereignis, dass sie und die Natur um sie herum zutiefst erschüttert.

Genre
Fantasy
Author
Carolin
Status
Complete
Chapters
4
Rating
5.0 (2 reviews)
Age Rating
16+

Kapitel 1

In ihrer kleinen Hütte am Rande von Jarlshof kehrte Runa soeben die letzten hartnäckigen Staubschichten von ihrem Boden. Sie bückte sich und hob einen vertrockneten Thymianzweig auf, den sie mit einer fließenden Bewegung durch die geöffnete Tür ins Freie beförderte. Zufrieden begutachtete Runa ihr Werk. 

Ihr kleines Haus hatte zwei Stuben. Der große Raum, in dem sie sich befand, diente hauptsächlich als Wohn- und Arbeitsraum. In der rechten hinteren Ecke war eine Kochnische mit einer Feuerstelle. Vor der Kochstelle stand ein Tisch und zwei Sitzmöglichkeiten.

An der gegenüberliegenden Wand waren Regale aufgereiht, die mit unterschiedlichen Gefäßen bestückt waren. Die Behältnisse beinhalteten verschiedene Salben, Tinkturen und getrocknete Kräuter, die sie für ihre Arbeit als Kräuterkundige und Heilerin des Dorfes benötigte. Aus diesem Grund nannten sie einige Dorfbewohner eine Hexe.

Im hinteren Abschnitt des Raums führte ein Durchgang in ein kleineres Zimmer. In diesem schlief Runa in einem schlichten Bett. Neben der Eingangstür war im linken Teil des Hauses eine weitere Tür, die in den Garten einlud. Die Grünfläche beherbergte die verschiedensten Pflanzen und Gewächse, die Runa für ihre Salben pflegte.

Traurig dachte sie an ihre Mutter, die sich in vergangener Zeit um den Garten gekümmert hatte.

Die Heilerin lebte allein in dem Häuschen. Ihre Eltern waren vor sechs Sommern verstorben, als sie achtzehn Jahre alt war. Sie konnte sich gut an den Tag erinnern, als der Dorfvorsteher zu ihr kam, um die traurige Nachricht zu überbringen. Beim Sammeln von Kräutern waren ihre Eltern in einem Steinbruch ums Leben gekommen. Über ihnen habe sich schlagartig ein Stein gelöst, der beide unter sich begraben hatte.

Runa trauerte lange Zeit um ihren Verlust. Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm sie die Rolle der Heilerin im Dorf. Diese hatte ihr all das Wissen über die Kräuter und die Botanik beigebracht und so hielt sie die Arbeit ihrer Mutter in Ehren. Die Dorfbewohner respektierten die Tätigkeit einer Heilerin, doch sie waren abergläubisch und von ihren eigenen Ansichten überzeugt. Der Beruf ihrer Mutter wurde des Öfteren mit dunkler Magie verglichen und so kam es, dass nicht selten böse Zungen die Familie verunglimpften. Dass Runas Vater Schreiner war und viele Häuser erbaut und repariert hatte, konnte die Meinung der Menschen nicht ändern.

Runa war froh, dass ihr Häuschen am Rand des Dorfes stand und sie aufgrund der Entfernung ihre Ruhe vor den Dorfbewohnern hatte.

Die Kräuterheilerin trat vor ihre Feuerstelle und rührte in dem Topf, der über dem Feuer hing. Ein Eintopf köchelte im Inneren und der Geruch ließ ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen. Bevor das Essen genießbar war, musste es noch einige Stunden über dem Feuer köcheln.

Mit einer fließenden Bewegung schob sie eine verirrte Haarsträhne zurück in ihren braunen Zopf. Zudem klopfte sie sich den Staub von ihrem grünen Kleid, das ihren schlanken Körper umspielte. Mit ihren Augen, in der gleichen Farbe, spähte Runa aus dem Fenster. Ein Ruf hatte ihr Interesse geweckt und sie trat zu ihrer Haustür.

Ein lautes Klopfen ertönte und Runa öffnete die Tür. Die Kräuterhexe sah auf ein kleines Mädchen in einem braunen Kleid, welches japsend nach Luft schnappte.

»Runa«, sagte das Kind. »Der Dorfvorsteher schickt mich. Er ist krank und benötigt deine Hilfe.«

»Ich danke dir, Klara«, erwiderte Runa und schaute das Mädchen mit einem Lächeln auf den Lippen an. »Kannst du mir erklären, welche Symptome den Dorfvorsteher plagen?«

Mit wenigen Sätzen beschrieb Klara, dass der Dorfvorsteher, der die besten Jahre seines Lebens bereits hinter sich hatte, seit ein paar Tagen im Bett lag und über Schüttelfrost klagte. Dass den Mann häufig die Kälte heimsuchte, war nichts Neues. Doch Klara erklärte, dass am heutigen Morgen ein Fieber den Herrn überrumpelt hatte und sein Zustand sich schnell verschlechterte.

Runa bat Klara kurz zu warten und drehte sich um, um die nötigen Utensilien zusammenzusuchen. Thymian und Schafgarbe wanderten in einen großen Weidenkorb. Zudem zog sie ein kleines Töpfchen von einem der Tische und verstaute dies ebenfalls in dem Korbgeflecht. Mit geübten Handgriffen suchte Runa weitere Utensilien zusammen und nahm den Korb in ihre Arme. Daraufhin wand sie sich Klara zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Haus des Dorfvorstehers.

In Jarlshof gab es knapp hundert Einwohner. Im Zentrum war der Dorfplatz, an dem die verschiedenen Feste der Bürger gefeiert wurden. Um den Dorfplatz herum waren die Häuser der Verwaltung und die große Halle. Direkt über der Halle wohnten der Dorfvorsteher und seine Familie. Alle anderen Gebäude waren ohne Ordnung um den Platz errichtet worden.

Runa und Klara kamen an der Bäckerei des Dorfes vorbei und die Besitzerin namens Kati grüßte sie freundlich.

»Runa!«, rief die Bäckerin und die Kräuterheilerin blieb stehen. Mit wenigen Schritten überbrückte Kati die Entfernung. Kati war ein guter Mensch und die einzige Freundin, die Runa im Dorf besaß. Die Heilerin erinnerte sich gern an die Zeit zurück, in der alle Kinder sie gemieden hatten. Außer Kati. Die Bäckerstochter kam jeden Tag zu ihr, um mit ihr zu spielen und ihre Milchbrötchen zu teilen.

»Hast du schon gehört, dass Constantin verschwunden ist? Er ging vorgestern in den Wald und kam nicht wieder zurück. Seine Frau ist völlig aufgelöst. Heute sind ihm einige Männer in den Wald gefolgt. Bis jetzt hatten sie bei ihrer Suche offensichtlich noch keinen Erfolg und sind nicht zurückgekehrt.«

Die Kräuterheilerin runzelte ihre Stirn. »Das ist ja seltsam. Seine Frau ist doch schwanger und sie erwarten bald ihr erstes Kind.«

»Das stimmt. Es sieht ihm nicht ähnlich, dass er längere Zeit verschwindet. Wir hoffen, dass Constantin in einer Höhle liegt, um seinen Rausch auszuschlafen. Du weißt ja, er sagt nie Nein zu einem guten Bier.«

Runa nickte und pflichtete ihrer Freundin bei. Es war ungewöhnlich, dass ein Dorfbewohner verschwand, vor allem weil seine Ehefrau in Kürze das Wochenbett hütete.

»Ich denke, die Männer werden ihn bald finden«, sagte Runa mit einem Funken Hoffnung in der Stimme und verabschiedete sich von Kati. Klara begleitete Runa bis zum Dorfplatz. Die Heilerin bedankte sich bei ihr und lief allein die Stufen zum Haus des Dorfvorstehers hinauf.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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Strong Dialog

author

So ein Leben als ‚Kräuterhexe' muss echt einsam sein. 🥺
Zu welcher Zeit spielt deine Geschichte?

20 days
1

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