Der perfekte Abend - Kurzgeschichte für den 21.12.2025

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Summary

Süße Alpträume Ich habe die Geschichte weitergesponnen. ... und überarbeitet. Zeitform - jetzt alles richtig?

Genre
Fantasy
Author
HieroBald
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Der perfekte Abend

Frisch geduscht und intimrasiert stieg ich in mein, nach süßen Träumen duftendes Bett, kuschelte mich in die Kissen und gab mich Morpheus Armen hin. Absichtslos entspannt. Glücklich. Ich fühlte mich willkommen, freundlich aufgenommen, daheim.

Die Matratze nahm mich auf wie einen guten Freund.

Ich schloss die Augen und augenblicklich fühlte sich mein Körper schwer, als würde er in die Tiefe gezogen, als wäre die Matratze ein Tor in eine andere Welt.

Neumond. Kahle Bäume. Raben krächzen. Wir marschierten. Vorwärts. Ketten klirrten. Drei Männer in grauem Drillich schleppten sich durch die Nacht. Im Gleichschritt, die rechten Knöchel zusammengekettet. Von der Straße zweigt ein Weg ab. Wir folgten ihm, zwängten uns durch ein Tor und standen in einem Gehöft. Kein Licht, kein Laut. Selbst die Raben waren verstummt. Ein Brunnen! Ich bewegte vorsichtig den rostigen Pumpenschwengel. Er antwortete mit lautem Kreischen und gab übelriechendes Wasser. Wir tranken gierig. Zwei Tage waren wir unterwegs. Das war das erste Wasser, es stank wie eine Latrine und schmeckte auch danach. Wir kotzten es wieder aus. Ich pumpte weiter. Es wurde besser. „Wir brauchen Werkzeug!“ Paul sagte, was uns allen klar war. Ein vorsintflutlicher Traktor stand wie ein grinsendes Gespenst vor dem Schuppen. Im Gleichschritt marsch. Die Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit und wir entdeckten Zangen, Sägen, Hämmer, einen Schraubstock und sogar einen Trennschleifer. Strom? Wir suchten nach einem Lichtschalter. Stotternd sprangen die Neonröhren an, die Trafos brummten. Erschrocken schauten wir uns an. Kurze Zeit später waren die Ketten ab. Schnell die Lampen aus. Die Nacht hatte uns zurück. Dunkelheit ist Sicherheit. Vorsichtig erkundeten wir das Haus. Überall Chaos. Entweder sind die Bewohner in Panik geflüchtet oder Plünderer haben gewütet. Wahrscheinlich beides. Die Welt ist aus den Fugen. Alle rennen, keiner weiß wohin. Wir suchten uns Schlafplätze und hofften, dass uns hier keiner überrascht. Völlig erschöpft fiel ich in ein staubiges Bett und schlief sofort ein. Ich träumte, ich stehe unter der Dusche und rasiere mir die Eier.

Eine Explosion reißt mich aus dem Traumland. Mein Körper springt aus dem Bett. Wo bin ich? Mein Kopf dreht sich und wie in Zeitlupe setzt sich die Wirklichkeit zusammen.

Ralf hatte den Heißwasserhahn geöffnet. Die Heizanlage ist explodiert. Jetzt hat das Haus ein großes Loch an der Seite.

Es dämmerte und wir suchten die Küche. Vielleicht fand sich etwas Essbares. Der Kühlschrank lief. Allerdings stand er offen und war leer. Im Schrank lag eine aufgeplatzte Tüte Spirelli. Aus dem Wasserhahn kam braune Brühe und der Abfluss der Spüle fehlte. Eine Sauerei, aber wen kümmerts. Immerhin funktionierte der Herd und mit frischem Brunnenwasser wurden die Nudeln essbar. Wann hatten wir zuletzt eine so köstliche Mahlzeit?

Ein Geräusch von oben. Schritte? Geister? Ein Tier? Erschrocken schauten wir uns an. Mit Küchenmessern bewaffnet erklammen wir die steile Treppe. Der Dachboden schien komplett leer. Eine Ecke war abgeteilt. Wie ein Himmelfahrtskommando schlichen wir zur Tür. Ich trat sie auf. Der Schlüssel fiel auf die Bretter, ein dünner Schrei. Es duftete nach Brot und Käse. Mit einer Fleischgabel bewaffnet saß in der hintersten Ecke ein Kind. Ein Junge? Angst in den Augen, Verzweiflung. Auf dem Tisch stapelten sich Lebensmittel. Schmutziges Geschirr, ein trockenes Brot wellte sich. „Ich habe Durst, bitte …“ Die Stimme kaum hörbar. Wir lachten, packten alles zusammen und stiegen hinunter. Der Brunnen gab frisches Wasser und wir erfuhren, was geschehen war.