It's Only Acting

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Summary

Einmal an der Seite eines Hollywoodstars auf dem Roten Teppich stehen und alle Blicke auf sich ziehen: Wovon viele nur träumen, wird für Andie Realität, als Schauspieler Logan sie zur Filmpremiere einlädt. Allerdings ist das Ganze nur Teil einer Abmachung, nichts als Show für die Öffentlichkeit und Logans Ex-Freundin. Doch manchmal sind Gefühle stärker als jeder Deal ...

Genre
Romance
Author
Silva M.
Status
Ongoing
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
13+

Kapitel 1

„Denkst du, es hat mir nichts ausgemacht, zuzusehen wie du angeschossen wurdest?“ Logans Blick war durchdringend. Unausweichlich. „Oder dass es leicht war, im Krankenhaus darauf zu warten, dass die Kugel aus deinem Körper entfernt wird? Und sich dabei auch noch für alles verantwortlich zu fühlen?“

Ein Zittern lag in seiner Stimme, nur leicht, aber vielleicht klang es gerade deshalb umso intensiver. Seine Brust hob und senkte sich gut wahrnehmbar bei jedem einzelnen Atemzug. Andie konnte sich nicht von der Stelle rühren, sie versuchte mit der Wand hinter ihr zu verschmelzen.

„Nein“, lautete die leise Antwort.

Daraufhin ging eine subtile Änderung in Logans Miene vor. Mit einem Mal wirkte er entschlossener.

„Dann sag mir nicht, dass ich nicht wüsste, was man dabei empfindet!“

„Danke, Andie“, flüsterte Lynn ihrer Assistentin zu und riss diese damit endlich aus ihrer Trance. Sie klappte das Drehbuch zu, aus dem sie die Zeilen von Logans Gegenüber vorgelesen hatte. Logan selbst hatte während der letzten Minuten nicht ein einziges Mal ins Skript schauen müssen.

Wortlos nickte Andie und sah zu, dass sie nun schleunigst aus dem Raum kam.

„Vielen Dank, Logan. Das war großartig“, hörte sie Lynn noch sagen, bevor sie die Tür hinter sich schloss.

Andies Job in der Casting-Agentur brachte es zwangsläufig mit sich, dass sie schon vielen Leuten aus der Schauspielbranche begegnet war. Meist handelte es sich dabei eher um diejenigen, die den großen Sprung noch vor sich hatten. Die richtigen Stars, sogenannte „A-Lister“, wurden oft gar nicht mehr gecastet, sondern direkt von Produzenten oder manchmal auch Regisseuren angefragt. Doch ab und zu kam es vor, dass namhaftere Schauspielerinnen und Schauspieler den Weg in die Agentur fanden. Logan Faulkner war einer davon.

Zu Beginn hatte Andie, die meist am Empfang saß und organisatorische Aufgaben zu erledigen hatte – sie hasste es, wenn man sie „Sekretärin“ nannte und bevorzugte die Bezeichnung „Assistentin“ – eine vorgefertigte Meinung zu Logan gehabt. Seit fast zwei Jahrzehnten war der Mann schon ein bekannter Name im Showbiz, ohne es je zu absolutem Starruhm gebracht zu haben, der nur wenigen vorbehalten war. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich aufzuführen, als wäre das Gegenteil der Fall. Von dem Moment an, als Logan vorhin die Agentur betreten hatte, hatte er sich in jeder Geste, jedem Wort anmerken lassen, dass es nur eine reine Formalität war, die Rolle zu bekommen. Als sei es unter seinem Niveau, extra hierher zu kommen, um noch dafür vorzusprechen.

Andie hatte ihrer Chefin gerade Getränkenachschub gebracht, als Logan eine emotionale Szene vorspielen sollte. Wow, war der Typ überzeugend. Anstatt den Raum gleich wieder zu verlassen, hatte Andie sich bemüht, möglichst diskret im Hintergrund zu bleiben und auch noch den Rest mitzubekommen. Sie musste sich eingestehen, dass Faulkner vielleicht doch nicht ganz zu Unrecht so viel von seinem eigenen Talent hielt. Zwar hatte Andie da überhaupt kein Wörtchen mitzureden, doch es hätte sie eher gewundert, wenn Logan die Rolle nicht bekommen würde.

Nun nahm sie ihren Platz am Empfang wieder ein. Sie war sicher, dass Logan sie eben übersehen hatte, dass er zu sehr in die Rolle geschlüpft war, um irgendetwas außer Lynns Stichworte mitzubekommen. Als der jedoch wenig später ebenfalls aus dem Raum kam, hatte er ein wissendes Lächeln auf den Lippen. Zwar versuchte Andie, ihn höflich und möglichst unbeeindruckt zu verabschieden. Der Ausdruck in Logans Augen allerdings verriet ihr, dass sie nicht unbemerkt geblieben war.

Schon wandte sich Logan zum Ausgang, nur um sich dann doch in letzter Sekunde umzudrehen und Andie zu fragen, ob sie ein gutes Café oder Restaurant in der Nähe kennen würde.

Nur knapp eine halbe Stunde später saßen beide in einem kleinen, etwas abseits gelegenen Café. Der geschmackvoll eingerichtete, hauptsächlich in dunklem Holz und hellem Grün gestaltete Raum war dezent beleuchtet und wenig besucht. Ein appetitlicher Duft nach Gebackenem war Andie schon beim Betreten in die Nase gestiegen.

Sie hatten sich einen Platz in einer Ecke ausgesucht, Logan auf einer gepolsterten Sitzbank und Andie auf dem Stuhl gegenüber. Auch die Bedienung erkannte Logan offenbar, war jedoch professionell genug, ihn nicht anders als andere Gäste zu behandeln.

Das glänzende braune Haar trug Logan locker nach hinten gekämmt und der Fünf-Tage-Bart verlieh seinem Gesicht Kontur, dem man die Anfang Vierzig nicht ansah. Wobei er diesbezüglich möglicherweise nachgeholfen hatte … Seine dunkelbraunen Augen schienen jede Regung von Andie zu verfolgen, ja, sogar ihre Gedanken lesen zu können.

Es wäre gelogen gewesen, wenn Andie behauptet hätte, dass sie keine Aufregung verspürte. Verdammt, sie saß hier mit Logan Faulkner, und der hatte sie nach einer Verabredung gefragt – oder was auch immer das werden sollte. Denn kaum war die Bestellung aufgegeben und die Kellnerin außer Hörweite, kam Logan nach kurzem Smalltalk gleich zur Sache.

„Würdest du mich zur Premiere meines neuen Films begleiten? Zu beiden, genau genommen. Erst hier und drei Tage später zur Europapremiere.“

Was Andie eigentlich erwartet hatte, hätte sie nicht mal mit Bestimmtheit sagen können. Das war es jedenfalls nicht.

„Ich?!“

„Siehst du hier sonst noch jemanden an diesem Tisch?“

Das musste Andie erstmal sacken lassen. Natürlich wusste sie, dass Logan aktuell Single war. Die Frauengeschichten von Faulkner, vor allem in seinen jüngeren Jahren, waren geradezu legendär. Umso überraschender war es daher gewesen, als die Beziehung zu seiner ebenfalls sehr erfolgreichen Kollegin Geraldine O’Connell bekannt geworden war. Diese hatte dann immerhin fast vier Jahre gehalten, bis sie vor wenigen Monaten in die Brüche gegangen war. Nicht, dass Andie sich für solchen Klatsch und Tratsch groß interessierte, über rein berufliche Neugier hinaus. Wehe, jemand würde das Gegenteil behaupten.

Andie musterte Logan genau, um ein Anzeichen zu finden, dass es nur ein blöder Scherz war. Wäre sie gefragt worden, ob sie mit zu Logan kommen wolle, allein für Sex, hätte sie das wahrscheinlich weniger überrascht.

„Ehrlich, ich fühle mich geschmeichelt“, gestand Andie und dehnte die Worte dabei. „Aber wieso gerade ich?“

Eine Antwort erhielt sie nicht sofort, da die Kellnerin den bestellten Kaffee und Espresso brachte. Logan wartete erneut, bis sie sich weit genug vom Tisch entfernt hatte, dann zuckte er lässig mit den Schultern.

„Warum nicht? Du bist eine attraktive Frau und ich brauche eine Begleitung. Falls du also am 27. und 30. nichts Besseres vorhast …“

Der erste Termin war schon Ende nächster Woche. Irgendwie beschlich Andie die Ahnung, dass sie wohl nicht die Erste war, die Logan fragte. Wieso sollte er auch, waren die beiden sich doch vor dem heutigen Tag erst zweimal begegnet. Ein Aufeinandertreffen war ebenfalls in der Agentur passiert, vor zwei Jahren ungefähr. Das erste Mal war während einer Party gewesen, als Andie noch bei einem Catering-Service gejobbt hatte. Allerdings hatte Logan ihr da natürlich wenig Beachtung geschenkt und Andie glaubte nicht, dass er sich überhaupt daran erinnerte.

„Wir kennen uns doch kaum.“

„Ist ja auch nicht nötig. Wichtig ist, dass es so wirkt, als würden wir uns gut kennen.“ Logan räusperte sich. „Sag mal, du bist doch solo, oder?“

„Momentan schon. Macht das für dich denn einen Unterschied?“ Den provokanten Tonfall wählte Andie mit Absicht, nahm ihre Kaffeetasse in die Hand und schaute Logan herausfordernd über deren Rand hinweg an. Hatte der Kerl solche Spielchen wirklich nötig, wenn er eine Frau ins Bett kriegen wollte?

„Tja, es sollte schon halbwegs glaubwürdig rüberkommen, dass wir ein Paar sind“, erwiderte Logan und griff ebenfalls nach seiner Tasse. Aha, da kamen sie der Wahrheit also schon näher. „Eigentlich bist du gar nicht mein Typ.“

Klar doch.

Oder meinte Logan das etwa ernst? Andie wandte ihren Blick nach links, um ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe zu betrachten. Viel auszusetzen hatte sie nicht. Nahezu perfekte Haut mit einem gesunden Teint und volle Lippen. Auf ihre langen und kräftigen dunklen Haare war sie ebenfalls stolz. Sie trank den ersten vorsichtigen Schluck aus der Kaffeetasse. Einen kleinen Stich in der Magengegend verspürte Andie dann doch, auch wenn Logan sie eben noch als „attraktiv“ bezeichnet hatte. Wieso wollte der unbedingt eine Frau zur Filmpremiere mitnehmen, auf die er gar nicht wirklich stand?

„Okay …“ Fast hatte Andie sich die Zungenspitze verbrannt und stellte die Tasse gleich wieder ab. Langsam, aber sicher begannen die Puzzlestücke in ihrem Kopf sich zusammenzusetzen. „Warte mal, hat das irgendwas mit Geraldine O’Connell und ihrem Neuen zu tun?“

Zwar hatte die offizielle Version gelautet, Logan und Geraldine hätten sich freundschaftlich und in beiderseitigem Einvernehmen getrennt. Dennoch war die öffentliche Meinung schnell in die Richtung gekippt, er sei der Verlassene. Dass seine Ex-Freundin schon kurz nach der Trennung häufig mit einem anderen Mann zu sehen gewesen war, angeblich ihrem Makler, hatte sicher dazu beigetragen.

„Selbst wenn es so wäre – spielt das irgendeine Rolle?“ Wie um seine ausweichende Antwort zu überspielen, beugte Logan sich über den kleinen Tisch näher zu Andie und redete in eindringlichem Ton auf sie ein. „Hast du keine Lust auf ein paar aufregende Abende? Das könnte deine Chance sein, im Business einen Fuß in die Tür zu kriegen. Einflussreiche Leute aus der Branche zu treffen und Kontakte zu knüpfen, die dich weit bringen könnten.“

Daraufhin runzelte Andie die Stirn. „Ich habe jeden Tag Kontakt mit Leuten aus der Branche.“

„Nicht auf diese Weise“, widersprach Logan. Seinen Blick wandte er nicht für eine Sekunde von Andie ab. „Wenn du an meiner Seite bei den Filmpremieren auftauchst, wirst du ganz anders gesehen. Richtig wahrgenommen, verstehst du?“

Nun ja, nicht alle Leute nahmen einen Menschen erst dann wahr, wenn sie selbst etwas von demjenigen wollten. Ohne den Grund genau benennen zu können, sträubte sich etwas in Andie dagegen, einfach „ja‟ zu sagen.

„Aber ich will gar nicht im Business einen Fuß in die Tür kriegen.“

Ein irritierter Ausdruck huschte über Logans Gesicht. „Wie bitte?! Jede Kellnerin in dieser Stadt will Schauspielerin werden, jeder Uber-Fahrer hat ein fertiges Drehbuch auf der Festplatte und ausgerechnet du willst keine Karriere im Showbiz machen?“

Dieses Mal war es Andie, der schulterzuckend reagierte. Beinahe erwartete sie, Logan würde sie fragen, was sie anstelle einer solchen Karriere anstrebte. Doch dafür interessierte er sich anscheinend tatsächlich nicht genug für sie. Stattdessen hob Logan in einer resignierten Geste beide Hände und lehnte sich zurück.

„Also kann ich dich nicht ködern? Keine Chance?“

Wenn sie genau darüber nachdachte, klang es durchaus verführerisch, das musste Andie zugeben. Trotzdem vermutete sie immer noch, dass die Sache einen Haken hatte.

„Hört sich schon interessant an, nur …“ Sie drehte die Tasse auf der Untertasse hin und her, während sie nach den richtigen Worten suchte. „Du musst doch hunderte von Leuten kennen. Warum fragst du keine deiner Kolleginnen?“

Logan winkte zunächst nur ab, um dann zwischen zwei Schluck Espresso Andies Vorschläge abzuschmettern.

„Nein, ich brauche jemanden, bei der sich alle fragen: Wer zur Hölle ist die Frau? Ein frisches Gesicht, klar?“

„Und mit irgendeiner Ex-Freundin von früher erzielst du nicht die gleiche Wirkung. Oder redet keine von denen mehr mit dir?“, fragte Andie ihn halb neckend, halb ernst gemeint.

Darauf antwortete Logan nicht. Er schaute an Andie vorbei, was ihr nur bestätigte, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Andie seufzte und legte den Kopf ein wenig schief.

„Wenn ich ja sage, was ist mit einer Aufwandsentschädigung? Ich müsste mir doch bestimmt ein teures Kleid kaufen oder wenigstens leihen.“

Mit Logans lautem Lachen hatte Andie nicht gerechnet.

„Du willst auch noch bezahlt werden? Damit du der Yellow Press zeigen kannst, dass ich dich angeheuert habe wie eine …?“

„Ich hab auch nichts gegen Bares“, unterbrach Andie ihn. Falls Logan sich Sorgen machte, Andie könnte eine Zahlung beweisen und damit ihre Abmachung öffentlich machen – das ließ sich leicht aus der Welt räumen.

Zögernd nickte Logan. Ganz offensichtlich waren seine Optionen nicht so zahlreich, wie man bei jemandem von seinem Bekanntheitsgrad hätte glauben können. Außerdem sah es danach aus, als ob ihm die Zeit davonlief. Ohne weitere Einwände, wovon Andie selbst überrascht war, stimmte Logan ihrer Bedingung zu.

„Na gut, meinetwegen.“