Kapitel 1 – Der Hausmeister, welcher die Wirklichkeit unbeabsichtigt zertrümmerte
Inhaltsverzeichnis:
Kapitel 1 – Der Hausmeister, welcher die Wirklichkeit unbeabsichtigt zertrümmerte
Kapitel 2 – Willkommen in Klepto 3 (bitte lassen Sie Ihr Gehirn am Eingang zurück)
Kapitel 3 – Die Liga der Zeitentgleisten
Kapitel 4 – Nullburg oder: Die Stadt, in der offiziell nie etwas passiert
Kapitel 5 – Pimmelgrad oder: Der Ort, an dem Gedanken kriminalisiert werden
Kapitel 6: Maultown – Wo jede Wahrheit gelogen ist, aber trotzdem stimmt
Kapitel 7 – Der Algorithmische Dschungel von Influenzia
Kapitel 8 – Die Bank der Zeitverbrechen
Kapitel 9 – Der Kalenderkrieg von Chronologika
Kapitel 10 – Die Stille Minute
Kapitel 11 – Zentralkonfusion
Kapitel 12 – „Die Orientierungslosigkeit in 37 Akten“
Kapitel 13 – Akte, Akten, Aktenkoller
Kapitel 14 – Zwischen Aktenstaub und Wahnsinn
Kapitel 15 – Die Klammer
Kapitel 16 – Die Dunkelkammer der Geschichte
Kapitel 17 – Der Speicher des Schweigens
Kapitel 18 – Zentrum absoluter Fakten
Kapitel 19 – Der Humor der Apokalypse
Kapitel 20 – Fahrt nach Bürkel-Bronkeln
Kapitel 21 – Die Stille von Schmirgelbrück
Kapitel 22 – Das Ministerium für Unerklärliches
Kapitel 23 – Der Pfad des Vergessens
Kapitel 24 – Die Pille und der Mann, der nicht war
Kapitel 25 – Die Realität schlägt zurück
Kapitel 26 – Der Weg nach Nirgendwo
Kapitel 27 – Dazwischen und danach
Kapitel 28 – Eintrittskarte ins Absurde
Kapitel 29 – Die Ordnung schlägt zurück
Kapitel 30 – Die Realitätsschleuse
Kapitel 31 – Die Verschwörung der Sinnlosen
Kapitel 32 – Willkommem in Schnarchfurt
Kapitel 33 – Zentrum für Formverlust
Kapitel 34 – Der Freizeitpark des Wahnsinns
Kapitel 35 – Frustland: Die Festung der gesüßten Diktatur
Kapitel 36 – Die Spalten in der Himmelsdecke
Kapitel 37 – Rechenherz
Kapitel 38 – Die Chronoschmiede
Kapitel 39 – Der Maschinenkern
Kapitel 40 – Turm des Letzten Protokolls
Epilog – Urlaub am Ende der Zeit
DANKSAGUNG – ODER: WER SCHULD IST
Kapitel 1 – Der Hausmeister, welcher die Wirklichkeit unbeabsichtigt zertrümmerte
Guten Tag.
Ich heiße Jeff Erbstein. Ich bin 35 Jahre alt, habe lange schwarze Haare, die ich meist zu einem Zopf binde, und blaue Augen – so ein Blau, das aussieht wie Glas, das einmal das Meer gesehen hat, aber dann in einem alten Klo gelandet ist.
Ich bin Hausmeister. Bei Veridien Dynamics.
Veridien Dynamics ist so geheim, dass du bei deiner Bewerbung nicht einmal weißt, wofür. Es steht nur Folgendes: „Technischer Dienst im Bereich Gebäudestrukturpflege“. Hört sich unbedenklich an. Ist es ebenfalls. Solange du keine Fragen einreichst.
Das hat Bedeutung.
Meine Aufgabe ist einfach:
– Keine Fragen stellen. – Sprich mit niemandem. – Berühre nichts.
Wenn dir das nicht gelingt, bist du raus. Oder, noch schlimmer: Du bist weg. Ganz einfach. Wie derjenige, der die Kaffeemaschine in den „roten Raum“ gebracht hat. Ich hörte ihn noch pfeifen. Danach war er verschwunden. Er ist ein Tabuthema. Seinen Namen weiß ich nicht einmal mehr.
Seit sechs Jahren bin ich hier tätig. Keinen meiner Kollegen kenne ich beim Namen. Auch mit niemandem spreche ich. Korridore, Gänge und Labore putze ich. Gelegentlich Wände mit merkwürdigen Kratzmarken. Manchmal Räume, von denen gesagt wird, dass sie nicht existieren.
Mein Wohnort ist der Sektor B-12 der Anlage. Das Frühstück wird automatisch bereitgestellt. Die Dusche wurde sterilisiert. Keine Fensteraussparung. Lediglich ein Monitor mit meteorologischen Nachrichten aus „Zone 17“. Ob es die Zonen 1 bis 16 überhaupt gibt, ist mir nicht einmal bekannt.
Nach der Arbeit gehe ich meist in die Bar „Milde Reaktanz“ am Rand von Sektor G. Es gibt Bier, das lauwarm ist, und aus Automaten erklingt Musik von „Elvis“ – so glauben diese jedenfalls. Ich spreche da nicht viel. Ich sitze, ich nehme einen Schluck und schaue zu.
Hin und wieder stelle ich mir die Frage, ob das alles tatsächlich so ist.
Aber dann kommt der Putzroboter vorbei und piept beleidigt, weil ich es wieder vergessen habe, den Mopp zu desinfizieren. Also: Realität, in der Tat. Nur kurz … kaputt.
Die Nacht, die alles veränderte, begann wie jede andere.
Ich wischtete einen Gang im Bereich „Forschung Gamma-7“. Drei Forscher befanden sich in einem Labor. Der eine war klein und trug zwei Brillen übereinander, als hätte er Angst, die Realität doppelt zu sehen. Der andere war glatzköpfig und kaute unruhig auf einem bunten Klemmbrett. Der dritte – keine Ahnung. Entweder war ich sehr jung oder sehr müde.
Sie waren an einer Maschine tätig. Ich habe ihr den Namen „die Glimmerbombe“ gegeben, weil sie wie ein Wasserspender wirkte, der von innen leuchtete. Der Geruch war der von Strom und frisch geschmolzenem Zucker.
Der Feierabend war schon lange vorbei. Doch die drei waren noch da. Bei Veridien ist es notwendig, Überstunden genehmigen zu lassen. In der Regel handelt es sich um ein 28-seitiges Formular, das von einem „Bevollmächtigten der Ebene C“ zu unterzeichnen ist. Es bedeutete also, dass ihre Anwesenheit entweder nicht rechtens war oder von großer Bedeutung. Mein Vorhaben war es, lediglich am Labor vorbeizugehen. Aber dann… Daraufhin fiel etwas.
Der Glatzenträger warf ein Glas um. Der Inhalt – eine schimmernde, violette Flüssigkeit – traf die Maschine direkt im Kern. Es zuckte. Die Luft schien zu vibrieren. Farben hörte ich.
Ich schwöre, ich hörte Farben.
Blau kreischte laut. Heulen in Grün. Violett summte, ähnlich einer diplomierten Mücke.
Daraufhin: Ruhe.
Dann: Beleuchtung.
Später: Ich selbst. An einem anderen Ort.
Ich befand mich auf einem Felsen.
Der Himmel erstrahlte in Orange, durchzogen von zitternden schwarzen Linien. Mehrere Autos wurden geworfen. Unähnlich Raumschiffen. Eher wie alkoholisierten Waschmaschinen mit Jettriebwerk. Manche fielen aus der Höhe. Ein Flieger prallte rückwärts gegen eine Wand des Hauses und detonierte, wobei sich ein Geräusch wie ein Hupen entfaltete.
Die Stadt, die ich von oben sah, war… Ruiniert. Gebäude, deren Konstruktion schief war. Eins war ein Hochhaus, auf dessen oberster Etage sich ein Baumhaus befand. Dazwischen befanden sich Automaten, die Pommes in Kisten schichteten. Müllhalden, ausgedörrtes Moos, Schilder mit absolut lächerlichen Bezeichnungen.
Ich blinzelte kurz. Rechts neben mir steht ein Schild: „Willkommen in Klepto 3 – Bezirk von Transaktionnero“
Ich stellte mir die Frage, ob ich tot bin, fantasierte oder einfach überarbeitet bin.
Aber dann ging ein Kerl vorbei.
Er war verkleidet als Ziege, fuhr auf einem dreirädrigen Hoverbike und rief:
„DER MESSIAS IST ENDLICH DA! RUF OLGA AN!“
Ich äußerte lediglich: „Scheiße.“
Und so nahm es seinen Anfang.