Chapter 1- Neuanfang
KIM
Ich saß mir erst seit zehn Minuten den Po auf dem senfgelben Sessel platt, doch es fühlten sich an wie endlose Stunden, darauf zu warten, den von Mum und Dad unterzeichneten Anmeldebogen abzugeben. Meine Unterschrift war gar nicht notwendig, weil ich erst Siebzehn war und damit noch nicht volljährig und schulpflichtig. Ich selbst hatte überhaupt nichts zu melden. Null. Nada. Niente. Das war doch nicht fair?! Mit der Einreichung des originalen Formulars war es fix. Ich würde ein knappes Jahr lang in diesem Loch festsitzen. Bei der Vorstellung wurde mir kotzübel. Ich hasste diese Schule jetzt schon. Zugegeben, die Aula war modern und stylish eingerichtet und machte einen netten Eindruck. Ich hatte auf einen trostlosen, kalten Empfang gehofft. Das hätte mir noch einen Anlass gegeben, alles und jeden hier zu hassen und besser zu meiner Mood gepasst. Im Kreis standen große, schwere, senffarbene Sessel um einen kleinen Holztisch. An den Wänden hingen große, bunte, abstrakte Bilder in schwarzen Rahmen. Ein krasser Kontrast zu meiner ehemaligen Schule in Berlin, die ziemlich abgefuckt und bis auf die Knochen renovierungsbedürftig war. Ich stand auf und betrachtete zum Zeitvertreib den Inhalt der übergroßen Glasvitrine. Ich war kurz versucht, meine Faust hineinzurammen, um den Frust abzubauen, der sich in den letzten Tagen amgesammelt hatte. Die Vitrine war überladen mit Sportauszeichnungen- dutzenden Medaillen und Urkunden für Turnmeisterschaften und Ballsportarten wie Handball, Fußball und Volleyball. Die Fußballmannschaft schien ziemlich erfolgreich zu sein, ihr gehörten sogar zwei eigene Glasböden. Ich betrachtete die Mannschaftsbilder, aber das Glas spiegelte und ich erkannte kaum ein Gesicht. Ob ich hier Tennis spielen konnte? Das wäre immerhin ein kleiner Trost. Ich durfte nicht aus der Übung geraten, denn ich hatte meinen alten Tennislehrer bereits zugesichert, dass ich in einem Jahr wieder bei ihm auf der Matte stehen würde. Sobald ich 18 war, meinen Abschluss in der Tasche hatte und aus diesem Nest rauskam. Naja, es war kein seelenverlassenes, abgeschiedenes Dorf, in das ich verschleppt wurde, wie ihr jetzt wahrscheinlich denkt, sondern gemessen an der Einwohnerzahl sogar die drittgrößte Stadt Deutschlands. Aber wenn man aus der Hauptstadt kommt, ist fucking München irgendwie trotzdem ein blödes Nest. Ich war stolze Berlinerin und wollte nie woanders Leben. Ich WOLLTE nicht hier sein. Ich SOLLTE nicht hier sein. Period!
Die Tür zum Sekretariat wurde endlich geöffnet. „Der nächste!“ Eine brünette, große Frau mittleren Alters trat hervor. Ich stand mürrisch auf, schließlich war nur noch ich übriggeblieben. Sie winkte mich herein, setzte sich an ihren Schreibtisch und legte Ihre schmalen, rot lackierten Finger an die Tastatur. Ich betrat den Raum und erblickte einen großen Typen mit goldbraunen Haaren und markantem Gesicht, braun gebrannt wie nach einem zweiwöchigen Ägypten-Urlaub. Er lehnte sich lässig an den Tresen und tippte gedankenverloren, mit flinken Fingern auf seinem Smartphone herum. Um seinen Hals baumelte eine funkelnde Silberkette. Unter seinem engen T-Shirt zeichneten sich seine Muskeln ab. Er war einfach hinreißend. „Du musst Kim sein?!“ Die nette Sekretärin blätterte in einer Akte. Ich wandte den Blick schnell von IHM ab und nickte widerwillig. "Mhm." „Herzlich Willkommen am Montfort Gymnasium." Sie lächelte freundlich. „Wir haben ja bereits alles telefonisch besprochen. Ich habe schon alles für dich vorbereitet. Die hier liest du bitte in Ruhe durch und unterzeichnest sie.“ Sie überreichte mir irgendwelche Formulare und einen Kugelschreiber und deutete auf den Wartebereich. „Anschließend erhältst du deinen Stundenplan, den Bezahlchip für die Kantine und deinen Schülerausweis.“ „Danke“ sagte ich und bemühte mich gar nicht erst zu einem Lächeln. Der gutaussehende Typ schaute von seinem Handy auf und unsere Blicke trafen sich. Einen Moment lang war ich wie versteinert. Gefangen von seinen braunen Rehaugen, die von seinen dichten, schwarzen Wimpern umrandet waren. Dann fiel mein Blick auf seine vollen rosafarbenen Lippen. Mein Mund wurde trocken. Scheisse, er sah aus wie ein typisches Pinterest Model. Er war ganz klar der attraktivste Typ, der mir je vor die Augen gekommen war. Äußerlich eine glatte Zehn. Dagegen stinkte sogar Pedro ab, mein Ex. Die Sekretärin räusperte sich. „Ich warte draußen“ meinte der Typ, während er mich mit verengten Augen langsam von oben bis unten musterte. Ich bereute es sofort, dass ich ein weites, abgetragenes, beigefarbenes Adidas T-Shirt und eine lockere, blaue Mom-Jeans angezogen hatte. Meine langen, braunen Haare waren zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden à la Ariana Grande und ich trug ausnahmsweise kein Make-up, wodurch ich aussah wie eine wandelnde Leiche. Hätte ich geahnt, dass ich an einem Freitagnachmittag um diese Uhrzeit noch jemanden außer Lehrern und Sekretärinnen antreffen würde, wäre ich nicht wie ein Penner mit tiefen Augenringen vor die Tür getreten. Bei seinem Anblick wurde ich unsicher und fühlte mich unwohl, obwohl ich sonst ziemlich selbstbewusst war. Er lief grinsend an mir vorbei durch die Tür, als dachte er dasselbe. Super! Ich erinnerte mich an den Stapel Formulare in meiner Hand und verließ seufzend hinter ihm den Raum.
Ich setzte mich auf denselben Platz wie zuvor. Aus dem Augenwinkel konnte ich erkennen, dass er auf dem Sessel gegenüber Platz nahm. Er wippte geistesabwesend mit dem Fuß hin und her und kaute auf seiner vollen Unterlippe. Ich nahm mir fest vor, ihn nicht wieder anzustarren und begann angestrengt mit dem Lesen der Unterlagen. Als ich fertig war und alle unterzeichnet hatte, zog ich mein Handy aus der Hosentasche und schrieb eine Nachricht an meine beste Freundin Leyla. In Wahrheit wollte ich beschäftigt wirken und vor allem seinem Blick ausweichen. Diese Augen... Himmel! „Du bist also neu hier“ stellte er plötzlich fest. Ich zuckte zusammen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mich ansprechen würde. Seine Stimme war angenehm weich, fast beruhigend. „Ja“ entgegnete ich zögernd und hob nun doch den Blick. Er sah aus wie die perfekte Mischung aus Justin Bieber und Noah Beck. Atemberaubend. Er beugte sich langsam zu mir nach vorne, sodass sich der Abstand zwischen uns verringerte. "Was verschlägt dich hier her, Kim?“ Ich mochte es, wie mein Name aus seinem Mund klang. Ich lächelte, weil er sich meinen Namen gemerkt hatte. Er war wohl doch nicht so geistesabwesend, wie es schien. „Meine Eltern und ich sind frisch aus Berlin hergezogen." Ich wurde nervös, weil sein Blick mich schier durchlöcherte. Ich erzählte weiter, um meine Nervosität zu überspielen. „Meine Mum hat einen neuen Job bei einer renommierten Münchner Werbeagentur angenommen.“ Meine Stimme klang betrübt. „Berlin. Cool.“ Er grinste doch mein Tonfall war ihm nicht entgangen. „Du hasst es hier" schlussfolgerte er. "Es ist wie es ist." Ich zuckte mit den Schultern. "Die Stadt ist schön" versuchte er. Ich lachte. „Mag sein. Ich habe bisher kaum etwas von München gesehen“ gestand ich. Ich konnte mich die letzten Tage nicht dazu aufraffen, die Wohnung zu verlassen. Ich wollte einfach nur Trübsal blasen und im Selbstmitleid über mein Schicksal versinken. „Und dein Dad?“ wollte er wissen. Ganz schön neugierig, dieser Typ. „Er arbeitet im Außendienst für einen großen Pharmahersteller. Für ihn spielt es keine Rolle, wo wir wohnen. Für ihn ändert sich nur der Flughafen, den er anfährt. Er ist ständig auf Dienstreisen und kaum zu Hause." „Kommt mir bekannt vor“ murmelte er nachdenklich. Ob sein Dad auch ständig auf Geschäftsreisen war? „Scheisse, in einer fremden Stadt neu anzufangen, schätze ich.“ Ich lachte erstickt. Das traf es wirklich auf den Punkt. „Ich hatte überhaupt keine Wahl“ gab ich bitter zurück. Er nickte, als würde er verstehen, dass ich absolut keinen Bock hatte, hier zu sein. Mir würden ohne zu überlegen zwanzig Orte einfallen, an denen ich lieber wäre als hier. Ach was, doppelt so viele. Mein Handy vibrierte und eine Nachricht von Mum erschien auf dem Display. Das war mein Stichwort. Wir hatten vereinbart, dass sie mich nach der Arbeit an der Schule abholte. Ich stand auf, obwohl ich gern noch länger seine Gesellschaft genossen hätte. "Es war schön mit dir zu quatschen, Berlin“ sagte er und bei dem reizenden Lächeln, das er mir schenkte, blieb mir fast die Luft weg. „Finde ich auch“ gab ich heiser zurück und verschwand auf wackeligen Beinen im Sekretariat. Als ich durch die Aula nach draußen schlenderte, war we weg.
„Na, wie ist es?“ fragte Mum, als ich ins Auto stieg. Beschissen, wollte ich sagen, aber ich wollte sie nicht anlügen, also entschied ich mich für die Wahrheit. „Ganz okay“ sagte ich knapp. Die neue Schule und der Umzug waren ein heikles Thema. Ich war immer noch sauer auf meine Eltern, dass ich kein Mitspracherecht hatte, was den Umzug betraf. Mum hatte hart gearbeitet, um die Stelle als Teamleiterin zu ergattern und eigentlich freute ich mich ja für Sie. Wir beide waren ein starkes Team. Durch die Abwesenheit meines Dads waren wir oft nur zu zweit und mussten zusammenhalten. Doch dass sie mich wegen eines blöden Jobs so plötzlich aus meinem gewohnten Umfeld und meinem Freundeskreis gerissen hatte, konnte ich ihr nicht verzeihen. Zumindest noch nicht. Ein knappes Jahr würde ich in München irgendwie überstehen und nach der Schule, wenn ich achtzehn war, allein nach Berlin zurückkehren und mir einen Job suchen oder einen Studienplatz. Meine beste Freundin und ich würden eine Wohngemeinschaft gründen, das hatten wir geplant, seitdem wir zehn Jahre alt waren. Notfalls kam ich bei Oma unter, bis Leyla und ich eine passende, bezahlbare Wohnung fanden. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist ein Fiebertraum.
„Wie war’s auf der Arbeit?“ Ich hoffte immer noch, sie würde zur Besinnung kommen und wir würden nach Berlin zurückgehen, wie nach einem einwöchigen Städtetrip. Sie erzählte freudestrahlend von den neuen Kollegen und ihrem ersten Projekt, das sie übernahm und war ganz aus dem Häuschen. Mum brannte für ihren Job. Wenn sie erst einmal davon anfing, war sie kaum noch zu bremsen. Meine Gedanken schweiften schnell ab zu dem Gespräch mit dem schönen Unbekannten, dessen Name ich nicht einmal kannte. Ich hatte ihm meine Familiengeschichte erzählt, obwohl ich keine Ahnung hatte, wer er überhaupt war. Peinlich. Ich musste ihn wiedersehen, auch wenn das bedeutete, dass ich noch länger in München bleiben musste, was eigentlich das Letzte war, das ich wollte. Ich würde ihn doch wiedersehen, oder?
TIM
"Es wird keine Wiederholung geben, okay?" "Schon klar." Ihr Blick sagte etwas anderes. Skeptisch zog ich mir das Shirt über den Kopf und entblößte meinen straffen Oberkörper. Ihre braunen Knopfaugen fixierten meine Bauchmuskeln und wanderten in Zeitlupe hinunter zu meinem Schritt. Ihre Augen wurden größer und größer. "Zieh dich aus" grinste ich. Als sie nur noch in hellblauer Spitzenunterwäsche bekleidet vor mir stand, wurde ich geil. Ich presste sie gegen die Wand, schob ihre schwarzen Haare, die ihr bis zum Schlüsselbein gingen, zurück und küsste ihren Hals. Sie stöhnte, als meine Zunge über ihre helle Haut glitt. "Es ist doch nicht dein erstes Mal, oder?" Meine Hand wanderte von ihrem Hals an ihre flache Brust. "Nein" stöhnte sie und zerrte gierig an meinem Hosenbund. Ich hoffte, dass das stimmte. Ich hatte keine Lust auf eine Jungfrau, die sich in mich verliebte, nur weil ich sie aus Langeweile vögelte. Irgendein nerviger Gefühlsscheiss war wirklich das Letzte, was ich brauchte. Ich stieg schnell aus meiner Hose, zog ein Kondom aus meiner Hosentasche und schob es ihr zwischen die Zähne. Sie kicherte verlegen. Ich packte ihren kleinen Hintern und warf sie auf das winzige Himmelbett. Sie krallte ihre Fingernägel schmerzhaft in meinen Rücken. Bestimmt hinterließ sie rote Striemen auf meiner Haut. Ich machte mich an ihrem BH zu schaffen, aber sie hinderte mich daran, den Clip zu lösen. "Nein, bitte!" flüsterte sie unsicher. "Okay." Meine Finger rutschten unter ihren Slip und steichelte ihre intimste Stelle. Sie riss den Mund auf und bog ihren Rücken durch. "Shit, du bist so feucht" bemerkte ich und drang mit einem Finger in sie ein. "Oh, Tim!" Als ich nach einem kurzen Vorspiel endlich meinen Schwanz in ihr versank, entfuhr mir ein lautes "fuck!"
"Oh Gott, das war so gut!" stöhnte sie und streckte sich. Ich stand grinsend auf, sammelte tonlos meine Kleidung vom Boden ein und schlüpfte schnell hinein. Sie beobachte mich vom Bett aus. "A-also..." stammelte sie. Also, was? Ich hob eine Augenbraue. "Ähm...also..." Ich fiel ihr ungeduldig in's Wort. Ich hatte weder Lust, noch Zeit für Smalltalk, oder was auch immer das werden sollte. "Ich gehe dann. Man sieht sich." Noch bevor sie irgendetwas erwidern konnte, huschte ich aus der Tür und warf einen schnellen Blick auf mein Handy. Denk an die Einkäufe, hatte mich meine Schwester erinnert. Fuck, ich musste noch die Besorgungen für Mum erledigen! Die hatte ich komplett vergessen! Ich rannte los, zum Glück machte das meiner Sportlerlunge nichts aus.