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Eisfront - Leseprobe Teil 1

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Summary

Drei Monate. Fünf Anwärter. Ein Ziel: Die Eliteeinheit KSM. Die 24-jährige Stabsgefreite Eleanor Janssen stellt sich der härtesten Herausforderung ihrer bisherigen militärischen Laufbahn: dem Auswahlverfahren der Kampfschwimmer. Doch zwischen schmerzhaften Trainingseinheiten, einer innigen Freundschaft und psychischer Belastung stößt sie schnell an ihre Grenzen, nicht nur körperlich. Es beginnt ein Kampf gegen Vorurteile, Machogehabe und die ständige Gefahr, aussortiert zu werden. Insbesondere ein Mann steht ihr dabei immer wieder im Weg: General Davis - mit seinen alten Denkmustern und einer persönlichen Agenda. Aber wie behauptet man sich in einem System, das darauf ausgelegt ist, einen scheitern zu sehen? Kann Eleanor wirklich alles haben? Erfolg, Respekt und das Recht - trotz der Umstände - jemandem näher zu kommen?

Status
Complete
Chapters
5
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1

S T U R M F R O N T - R E I H E

Entgegen aller Regeln

– ein Kampf um Herz und Pflicht




Ich stehe vor den großen, eisernen Toren des Marinestützpunktes in Eckernförde bei Kiel und schaue ehrfürchtig hoch auf das dort eingebettete Motto: 'Lerne leiden ohne zu klagen'. Mein Mund ist trocken, und ich schlucke meine Nervosität herunter angesichts der Zeit, die ab heute auf mich zukommen wird. Mein Weg war schon immer steinig, aber ich habe gelernt, mich durchzusetzen, und in einem männerdominierten Beruf bin ich immerhin zum Stabsgefreiten aufgestiegen mit meinen gerade einmal 24 Jahren.

„Hey Mädel, hier wird nicht herumgelungert!", höre ich jemanden rufen und richte meine Aufmerksamkeit auf die Wache im Eingangshäuschen, die mich böse anstarrt. Ich komme hocherhobenen Hauptes näher und halte ihm wortlos meine Unterlagen hin. Er überfliegt sie für einen Moment, dann wandert sein überraschter Blick über mich, und zwar von Kopf bis Fuß.

„Fräulein Janssen will also Kampfschwimmerin werden!?", kommentiert der Mann abfällig, beinahe ungläubig, und belächelt mich dabei. Er sieht gar nicht so viel älter aus als ich, aber seine gerunzelte Stirn und das einhergehende Kopfschütteln sprechen Bände. Einfach typisch für die Sorte von ignoranten Männern, mit denen ich bereits öfter zu tun hatte.

„Ich habe genauso ein Recht, mich für die Ausbildung zu qualifizieren, wie meine Kameraden! Bloß weil die Aufnahme bislang keine Frau geschafft hat, bedeutet es wohl kaum, dass das nie passieren wird!", antworte ich deshalb mit Nachdruck.

„Natürlich erhalten Sie das Recht dazu!" Ich habe nicht bemerkt, dass ein anderer Mann neben mir aufgetaucht ist und blinzle in seine Richtung. Die Sonne scheint mir dabei direkt in die Augen, so dass ich ihn in keinerlei Hinsicht richtig erfassen kann.

„Danke", antworte ich deshalb kurz und richte meine Aufmerksamkeit wieder auf den Wachhabenden. Sein Blick ist nun vielmehr erschrocken und nicht mehr auf mich gerichtet. Die Person neben mir räuspert sich. Ich bin schon leicht genervt, da ich nach der stundenlangen Zugfahrt nur noch aus dem Feldanzug und den Springerstiefeln raus möchte und meine langen, blonden Haare endlich aus dem eng sitzenden Barett befreien will. Auch lässt der Empfang meiner Person im Moment wirklich zu wünschen übrig!

„Hören Sie …" Ich drehe mich zu dem zweiten Mann um, der jetzt unmittelbar vor mir steht, und an eine Vollendung dieses angefangenen Satzes ist gar nicht erst zu denken. In der Sekunde stockt mir der Atem, und mein blödes Gehirn legt mir nichts, dir nichts eine sofortige Zwangspause ein. Mein starrer Blick gleitet langsam an dem Fremden hoch. Ich beobachte ihn bloß schweigend und mit geweiteten Augen, wie ein kleines, dummes Schaf.

Dieser Mann überragt mich fast um einen Kopf, ist also ungefähr 1,95 m groß, und sein muskulöser Körperbau erscheint selbst unter der hellgrauen Uniform gut sichtbar. In Anbetracht seiner breiten Schultern könnte ich mich sogar hinter ihm verstecken, und keiner würde es bemerken. Darüber hinaus wird das markante Gesicht sehr vorteilhaft von der hellen Mittagssonne beleuchtet. Es wirkt, als ob ein verdammter Scheinwerfer aus dem Theater auf ihn gerichtet ist, um jeden noch so kleinen Vorzug von ihm zu präsentieren.

Trotzdem sieht der Fremde einige Jahre älter aus als ich. Das verraten mir die ganz leichten Fältchen auf seiner Stirn. Ich bin jedoch weit davon entfernt, sein tatsächliches Alter einschätzen zu können. Die sichtbaren Stoppeln seines Drei-Tage-Barts passen zumindest gut zu den dunkelbraunen, seitlich kurz geschnittenen Haaren. Mehr kann ich wegen des bordeauxroten Baretts nicht erkennen. Meine ganze Aufmerksamkeit ruht allerdings ziemlich schnell auf seinen funkelnden, eisblauen Augen, die mich wohl genauso intensiv von oben bis unten betrachten, wie ich ihn kurz zuvor. Letzten Endes wirkt er ausgesprochen einschüchternd durch die angespannte, gerade Körperhaltung, den verkrampften Kiefer und die zusammengezogenen Brauen. Zumal er mich zwischenzeitlich mit einem steinernen Blick fixiert, von dem ich mich aber auf keinen Fall irritieren lassen will.

Das Gefühl, als wäre ich in dem Moment, während ich mich zu ihm drehte und in seine Augen sah, vom Blitz getroffen worden, überwältigt mich plötzlich. Allerdings, seien wir mal ehrlich: Wer glaubt schon an Liebe auf den ersten Blick? Trotzdem starre ich ihn weiterhin wortlos an, bemerke aber Sekunden später aus dem Augenwinkel seinen Dienstgrad. Oh, verdammter Mist! Peinlich berührt gleitet mein rechter Arm unverzüglich hoch, und ich salutiere vor ihm. Das wirft mit Sicherheit kein gutes Licht auf mich ...

„Frau Stabsgefreiter Janssen, rühren und mitkommen", sagt er mit einer gewissen Distanziertheit und scheint eher unbeeindruckt wegen meiner unangenehmen Fixierung zu sein. Am liebsten würde ich im Boden versinken, schnappe mir jedoch rasch die Unterlagen von der hämisch grinsenden Wache zurück und renne hinter meinem Vorgesetzten her, um mit ihm Schritt zu halten. Eine unangenehme Nervosität macht sich auf einmal in meinem Magen breit, während meine Hände die Dokumente fest umklammern.

„Sie sind spät dran", bemerkt er kühl, als ich ihn mittlerweile einhole und wir nebeneinander herlaufen, um das Marinegelände zügig zu überqueren. Ich hole tief Luft, damit ich erklären kann, dass mehrere Züge auf der Fahrt zur Ostsee hin ersatzlos gestrichen wurden, aber er hebt prompt seine Hand, um mich zu stoppen.

„Ihre neuen Kameraden sind wesentlich früher eingetroffen und haben sich im 'Wohnheim 3' eingerichtet." Mein Vorgesetzter macht eine kurze Pause, bevor er schließlich weiterspricht und das ohne irgendeine ersichtliche Emotion in seiner Stimme: „Da Sie die einzige Frau in diesem Ausbildungszweig sind, haben Sie wohl Verständnis dafür, dass wir Ihnen keinerlei Vorzug geben werden. Es gibt zudem bereits Studien, die diese Tatsache sogar belegen." Ich bin mir nicht einmal sicher, was genau er damit meint, und nicke deswegen bloß. Lieber keine blamablen Fragen stellen ...

„Haben Sie das verstanden, Frau Janssen?", fragt er jedoch nachdrücklich, hält inne und dreht sich zu mir, während sein prüfender Blick aufmerksam auf mir ruht. Mit diesem Augenkontakt habe ich einfach nicht gerechnet.

„Ähmm, ja, Sir ... n-natürlich ...", antworte ich unbeholfen und könnte mich selbst ohrfeigen für dieses Gestammel. Schließlich gibt es für jemanden mit vier Metallemblemen in einem Eichenlaubkranz in Gold auf der Schulter nur eine richtige Anrede: Herr General!

Verdammt! Mein erster und sogar auch zweiter Eindruck bei dem höchstrangigen Soldaten, der mir je untergekommen ist, scheint alles andere zu sein als sonderlich gut oder gar vorbildlich!

Dieser zieht jetzt fragend eine Augenbraue hoch und seufzt resigniert. „Okay, halten wir eines fest: Lassen Sie sich von den Kameraden in keinem Fall unterbuttern und stehen Sie Ihren Mann, dann ist es wahrscheinlich einfacher, akzeptiert zu werden." Ich schaue ihm äußerst überrascht und ohne Umschweife in seine eisblauen Augen.

„Vielen Dank für Ihren Tipp", erwidere ich lächelnd und bin zugleich mit einer undefinierbaren Euphorie erfüllt. Er scheint mich keineswegs direkt aufgegeben zu haben, das ist doch schon mal etwas!

„Gewöhnen Sie sich gar nicht erst daran!" Die Antwort des Generals ist überaus harsch. Im selben Moment wendet er sich von mir ab und öffnet mit einem Ruck die große Glastür eines unscheinbaren Gebäudes und damit wohl zu meinem neuen Zuhause für die kommenden Monate. Mein Lächeln gefriert augenblicklich, unsicher, was ich von all dem halten soll ... unsicher, was ich von ihm halten soll!?

Der General führt mich jetzt schnellen Schrittes einen sterilen, langen Korridor hinunter, und wir kommen kurze Zeit später vor der offenen Tür eines Schlafsaals zum Stehen.

Ich höre inzwischen mehrere Männerstimmen zu uns dringen. Sie reden und lachen ausgelassen. Ich hingegen atme tief durch und wage dann einen ersten Blick hinein. In dem Raum gibt es fünf Betten, von denen zwei Doppelstockbetten bereits belegt sind mit allerlei Zeug wie Handys, Klamotten und Rucksäcken. Meine vier neuen Kameraden stehen davor und nehmen mich direkt in Augenschein. Sie sehen ziemlich amüsiert aus, als ich hinter dem General langsam den Raum betrete und mich neugierig umschaue.

Na toll, es ist hier ja fast so wie im Heim, wo ich einige Jahre leben musste … Ein Geruch von Zitrusreiniger, vermischt mit Desinfektionsmitteln, steigt mir in die Nase, während ich argwöhnisch den dunkelblauen Linoleumboden, die gelben Wände und die einfache Einrichtung aus Buchenholz betrachte. Sie erinnern mich nicht ausschließlich an meine Ausbildung bei der Bundeswehr, aber ich habe keine Zeit, weitere Gedanken daran zu verschwenden.

„Frau Stabsgefreiter Eleanor Janssen", stellt der General mich flüchtig vor, und ich nicke den erwartungsvoll aussehenden Männern nacheinander zu. Nicht mal ein „Hallo“ bekomme ich aus meiner trockenen Kehle gepresst - wie peinlich! Auch die plötzlich eingetretene Stille wird immer unangenehmer.

„Soldaten, in einer Stunde ist das Treffen auf dem Trainingsgelände! Ich muss kaum erwähnen, welche Kleidung verlangt wird!", ruft unser Vorgesetzter bereits im Weggehen in die Runde.

Alle vier salutieren unverzüglich und rufen im Chor: „Jawohl, Herr General!" Dann ist er auch schon verschwunden.

Ich schlucke hörbar, nachdem ich bemerke, dass meine neuen Kameraden mich jetzt wieder wortlos anstarren. Um der seltsamen Situation endlich zu entgehen, schlendere ich möglichst lässig zu dem freien Einzelbett herüber und stelle leise fest: „Das ist dann wohl meins!?" Es klingt wahrscheinlich eher fragend, denn ihre Blicke verunsichern mich zutiefst, auch währenddessen ich mein Gepäck und die Unterlagen auf die harte Matratze fallen lasse. Als würden sie ein Einhorn beim Grasen beobachten oder etwas ähnlich Sonderbares.

Allerdings kommt nun einer der Soldaten selbstbewusst in meine Richtung gelaufen, stellt sich direkt neben mich, beugt den Kopf und spricht heiser in mein Ohr: „Gut geschlussfolgert, Barbie!"

Die anderen fangen daraufhin laut und dröhnend an zu lachen. Ich weiß nicht, was unangenehmer ist, ihr feixendes Gelächter oder die Tatsache, dass mir einer von ihnen schon jetzt viel zu nahe kommt. Der Oberkörper des Mannes berührt dabei meinen Arm, und das auf eine mir unerträgliche Weise. In derselben Sekunde fallen mir jedoch die Worte des Generals ein: Ich soll mich im Endeffekt niemals unterkriegen lassen.

Da dieser aufdringliche Soldat der größte von ihnen ist und mich zudem um gute zehn Zentimeter überragt, packe ich ihn genau deshalb blitzschnell im Nacken und drücke seine Schläfe auf das harte Bettgestell. Immer schön die schwerste Herausforderung wählen! Damit hat er definitiv nicht gerechnet, weswegen ich leichtes Spiel habe. In einem direkten Kampf würde er mich bestimmt zerquetschen wie eine Fliege - mit seinem durchtrainierten Körper und den ... na ja, fast protzigen Muskeln, die unter dem weißen Shirt, das er trägt, bereits hervorzuspringen drohen. Nichtsdestotrotz will ich ihnen vor Augen führen, dass ich mich von niemandem hier herumschubsen lasse.

„Mache ja nie den Fehler, mich zu unterschätzen, Meister Proper", presse ich angespannt durch meine Lippen. Der Vergleich sitzt, denn mit seinen eher rundlichen Gesichtszügen und dem kahlrasierten Schädel ist der Spitzname nicht zu Unrecht gewählt. Sofort ist Ruhe im Raum eingekehrt. Ich habe das ungute Gefühl, dass mich mehr Augenpaare anstarren als die, die im Schlafsaal vorhanden sind, aber ich werde durch die Reaktion meines Gegners aus diesem Gedanken gerissen.

„Okay, okay! Bleib mal locker, Püppchen … War doch bloß 'n Witz", ruft der Mann kapitulierend, den ich immer noch mit dem Gesicht nach unten drücke. Beinahe widerwillig lasse ich ihn langsam los und verschränke meine Arme vor der Brust, bevor ich einen missbilligenden Blick in die Runde werfe.

Sie sollen ruhig merken, dass auch ihr Verhalten nicht in Ordnung war, aber hoffe gleichzeitig, mit meiner Aktion deutlich genug gewesen zu sein. Der augenscheinlich Jüngste aus der Gruppe kommt indes breit grinsend auf mich zu und hält mir mit einem Kopfnicken seine Faust entgegen. Mit einem skeptischen Blick schlage ich dennoch ein. Seine grünen Augen funkeln belustigt, als er mir kameradschaftlich auf die Schulter klopft.

„Mach dir nichts draus. Er ist nur sauer, weil sein jüngerer Bruder es nicht in die Einheit geschafft hat und angeblich ganz oben auf der Warteliste steht. Und du bist wohl kaum die Konkurrenz, die er erwartet hat. Zunächst einmal: 'Hi', ich bin übrigens Mike Winter." Er zeigt abwechselnd auf die beiden anderen Männer. „Der schwarzhaarige Typ ist Max Weber, und der Schlaksige, der die Frisur von Pumuckl geklaut hat, heißt Paul Fischer. Ach ja, und der Schwachkopf neben dir ist im wahren Leben Ben Peters, obwohl ... Dein Spitzname gefällt mir wirklich besser für ihn." Mike lächelt sichtlich amüsiert, während Ben die Augen verdreht und ihm für seinen Kommentar einen leichten Schlag auf den Oberarm versetzt.

„Hey Leute, ich bin Elea", sage ich leicht verlegen und mache eine kurze, winkende Geste mit der rechten Hand. Die anderen beiden Soldaten nicken mir jetzt freundlich zu, derweil Ben sich leise brummend das Gesicht reibt. Ein rötlicher Striemen vom Bettgestell ist noch immer auf seiner Wange sichtbar.

Die dunkelbraunen Augen meines Gegenübers mustern mich erneut viel zu genau, bevor er mir belustigt zuraunt: „Mannometer, du hast einen netten Schwung drauf, Püppchen! Den würde ich aber ganz gerne mal 'woanders' erleben. Ein großes Lob an die Marine, dass sie uns jemanden zum Vergnügen hergeschickt haben. Sogar viel besser als mein dusseliger Bruder."

Ben zwinkert mir zu und lässt seine Blicke offensichtlich an mir hoch und runter gleiten, wobei er sich die blassen, schmalen Lippen leckt. Ein kalter Schauer jagt durch jede Zelle meines Körpers, gefolgt von einer unbehaglichen Gänsehaut. Bevor ich jedoch reagieren kann, stürmt der General plötzlich ins Zimmer, und ich bin mir unsicher, was sich in seinen Augen widerspiegelt, als er sie unmittelbar auf Ben richtet. Er schnappt meinen Kameraden mit einer Hand um dessen Hals und drückt ihn, ohne große Anstrengung, aber mit Schwung rückwärts gegen unsere Spinde.

„Ben Peters, ich warne Sie! Ein falscher Gedanke, eine falsche Bewegung und Sie kriegen es mit mir zu tun! Und glauben Sie mir, das wollen Sie nicht!" Der General lässt den schockierten Soldaten abrupt los, nickt mir kurz zu und verlässt den Schlafsaal ebenso schnell, wie er gekommen ist.

Bens röchelnder Husten reißt mich jäh aus meiner Trance, in der ich diese ganze Szene gerade erlebt habe.

Ich bin so verblüfft, dass ich knallrot werde, eine Entschuldigung stammle und schnellstmöglich aus dem Raum renne, ohne den Jungs einen weiteren Blick zu schenken. Ich eile durch den langgezogenen Flur, atemlos ...

Der General ist schon fast an der Ausgangstür des Wohnheims angelangt, als ich den Rest der Strecke sprinte, um noch vor ihm zum Stehen zu kommen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, während ich ohne Umschweife und äußerst wütend zische: „Was zur Hölle war das gerade? Wie sollen mich die Männer dort drinnen ernst nehmen, wenn ich in den ersten zwei Minuten bereits einen Beschützer brauche?"

Mein Vorgesetzter betrachtet mich anfänglich zutiefst verblüfft. Mit einem Mal ändert sich jedoch sein gesamter Gesichtsausdruck und der General erwidert mit dunkler, drohender Stimme: „Stabsgefreiter Janssen, reden Sie NIE mehr in diesem Ton mit mir und zweifeln Sie NIEMALS wieder an meinem Handeln!"

Ich sehe hoch in seine funkelnden Augen, um mir sicher zu sein, etwas anderes als Verachtung oder Ablehnung in seinem Gesicht ablesen zu können. Allerdings dreht er sich unmittelbar von mir weg und verschwindet durch die schwere Glastür, die er mit einem ohrenbetäubenden Knall ins Schloss schmettert. Ich seufze resigniert.

„Die ist zu", murmele ich vor mich hin.

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