Kapitel 1.
Klirrendes Metall das aufeinander schlägt, Gejubel und Geschrei ist zu hören. Es versetzt mir mit jedem Schlag eine Gänsehaut.
Zitternd falte ich meine Hände und Bete zu Gott, dass ich heute nicht sterbe. Die Ritter in der schweren Rüstung kämpfen bis aufs Blut, einer davon ist noch sehr jung, vielleicht in meinem Alter. Sie nennen ihn den Raben. Er trägt eine Pechschwarze Rüstung und bewegt sich schnell, der andere jedoch ist schon erschöpft. Er soll ein Verbrecher sein, ein Mann der den König dieses Landes verleugnet.
Die Festliche, fröhliche Musik spielt im Hintergrund weiter, als ich es höre, das Geräusch von spritzendem Blut und die erschrocken Stimmen.
Ich sehe nicht direkt hin, und doch erkenne ich wie der ältere Mann seinen Kopf verloren hat.
Ich schlucke und presse meine Lippen aufeinander um nicht erschrocken Luft zu holen.
Nur wenige Sekunden danach höre ich nur noch lauteres Gejubel und fast alle der Zuschauer klatschen.. Meine Augen wandern zu dem König der alles grinsend beobachtet und seinem Raben die Hand ausstreckt.
Diese Gehste soll Stolz und Glück aus drücken.. schrecklich.
Neben ihm sitzt der Prinz, ein Junge mit düsterer Miene. Sein goldgelbes Haar steht verwuschelt in alle Richtungen.
Als ich ihn noch genauer mustere ich bilde ich mir ein, noch Lippenstift an seinem Hals zu erkennen. Es ist wohl nicht schwer zu erraten wo er die letzten Stunden verbracht hat.
Ich wende meinen Blick ab und schaue mich um. All diese jubelnden und hungrigen Gesichter.
Ich erschaudere bei dem Gedanken, vor diesen Augen muss ich gleich stehen, beobachtet von all denjenigen die gerade einen Mord bejubelt haben.
Eine kalte Hand legt sich auf meine nackte Schulter. „Bist du bereit?" Fragt mich Lumina, eine wunderschöne Frau, ohne der ich sicher nicht mehr unter den lebenden wäre. Sie hat sich vor wenigen Jahren für mich eingesetzt als mein Dorf überfallen würde, wäre sie nicht gewesen, hätte man mich höchstwahrscheinlich damals schon vergewaltigt und getötet.
Ich nicke ihr zu, auch wenn ich meine Angst und mein Zittern stark unterdrücken muss.
Lumina hat wunderschöne schwarze lange Haare und Augen so blau wie das Meer.. wir tragen beide nur dünne seidige Stofffetzen die uns umgelegt wurden. Sie trägt die Farbe Rot wie das Blut in ihren Adern und ich habe ein ungewöhnliches Türkis an meiner Haut. Die Männer die es mir angelegt haben meinten es würde dem Prinzen am besten gefallen. Auch wenn ich finde das es meine Haut nur blasser wirken lässt als sie eh schon ist.
„Wir schaffen das, heute Abend weht der Wind mit uns, ich spür's."
Heute Abend.. sie meint unsere Flucht, in ein freies Leben. Wir planen es schon so lange und ich kann mir nicht vorstellen dass sie es heute durchziehen will. Wenn wir das hier überleben, sollten wir uns glücklich schätzen. Sie verschwindet auf ihre Seite der Fläche.
Nach kurzer Zeit ertönt ein neues Lied und Lumina gibt mir ein Zeichen. Wir treten aus unseren Zelten und laufen mit langen eleganten Schritten aufeinander zu, tanzen und schlängeln uns hin und her. Wir verwenden Tücher die im Wind fliegen und drehen uns wie wir es geprobt haben.
Nur nebenbei höre ich das Geklatsche und Gepfeife der Leute. Als ich ab und an in die Gesichter des Publikums sehe, sehe ich häufig einen lüsternen Blick der Männer.
Ein ungutes Gefühl breitet sich in mir aus. Lumina dreht sich und dreht sich, als sie näher auf mich zu kommt. Der Staub um uns wirbelt auf und wir sehen aus wie Feuer und Eis das gegeneinander kämpft und sich doch wieder vereint.
„Der Prinz lässt dich nicht aus den Augen.." flüstert sie mir unauffällig zu als wir uns zusammen drehen.
Wir entfernen uns wieder und ich wage es meinen Blick zu heben und zwischen meinen Tüchern hindurch, zum Prinzen hinauf zu schauen.
Er hat sich nach vorn gebeugt und seine Krone trägt er nicht mehr auf dem Kopf, sondern er hält sie zwischen seinen Beinen in der Hand. Ein leichtes Lächeln zieht sich seine Lippen entlang, als wir für einige Sekunden den Augenkontakt halten.
Sofort wende ich meinen Blick wieder ab und drehe mich in die entgegengesetzte Richtung. Meine Hüfte bewegt sich hin und her als der tackt der Musik ruhiger wird.
Ich tänzle von einen, auf das andere Bein und plötzlich erwischt es mich ganz kalt. Daher kommt dieses Gefühl.. nicht vom König, nicht vom Prinzen, oder von all den Leuten hier herum. Der Rabe, der Ritter mit der schwarzen Rüstung steht mir direkt gegenüber, sein Helm ist ab und ich erkenne sein Gesicht, auch er starrt mir entgegen, jedoch sehe ich in seinem Blick nichts von Gefühl. Er starrt mich einfach nur an, kalte Augen die Rot leuchten. Mein Herz beginnt noch schneller zu schlagen und für einen Herzschlag vergesse ich meinen nächsten Schritt.
Warum habe ich plötzlich solch eine Angst? Wird er mein Tod sein?
Lumina tanzt mit ihren Tüchern an meinem Sichtfeld vorbei, das Rot seiner Augen verschmilzt mit der Farbe ihrer Seide und im nächsten Moment ist er verschwunden.
„Was ist los?!" zischt sie, und ich fange mich.
Ich lasse mir nichts anmerken als sie auf mich zu kommt und wir den Tanz abschließen und zur letzten Szene kommen. Sie nimmt eines der Fläschchen an ihrer Hüfte und ich tu es ihr gleich. Gemeinsam pusten wir eine Flamme in die Luft nur das meine Blau aufleuchtet und ihre Flamme, meine Fast verschlingt. So das wir beide jedoch zu Boden gehen und uns vor dem König verbeugen.
Schwer atmend halten wir uns an den Händen. Alle klatschen und ich wage es kaum auf zu sehen. „Okey, wir gehen jetzt langsam rückwärts zurück." flüstert Mina mir zu. Hand in Hand entfernen wir uns bis plötzlich die Musik verstummt.
„Halt!" Die Stimme des Prinzen hallt über laut und tief den Platz.
Wir bleiben wie angewurzelt stehen und drücken unsere Hände. Hat es ihnen doch nicht gefallen?! Was denn nun?!
Mir stockt der Atem. Sie werden uns hinrichten lassen. Ich wusste es..
„Wie ist dein Name, Mädchen das Blaue Flammen spuckt?" Unsicher wen er genau meint hebe ich meinen Kopf, Er starrt mich an, mich?! Auch Lumina Blickt mich schockiert an. Damit hätten wir beide nicht gerechnet.
„Ihr Name ist Cordelia, mein Prinz." Ich verbeuge mich tief und bleibe wie Mina, die für mich geantwortet hat, in dieser Haltung. Der Prinz ist währenddessen aufgestanden und kommt langsam auf uns zu.
„Erhebe dich." Ich spüre wie er uns umkreist, bis er wieder vor mir zum stehen kommt. Kurzes schweigen entsteht und ich sehe wie er meinen Körper mustert.
Eine Gänsehaut breitet sich auf mir aus und ich erzittere.
„Du bist nun Eigentum der Krone. Bringt sie in meine Gemächer!"
Direkt habe ich das Gefühl, mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen. Was sagt er da?!
Ohne dass ich etwas dagegen tun kann, wird in der nächsten Sekunde meine Hand von Lumina gelöst und ich werde an meinen Armen weggezerrt. Lumina bleibt in ihrer Verbeugung doch ich sehe wie Tränen aus ihren Augen in den Sand tropfen.
Nein, nein, nein! Das darf nicht wahr sein!
„Du darfst gehen. Auch dein Tanz hat mir Freude bereitet." Murmelt er, als der Prinz zurück auf seinen Platz geht.
Nein, nein! Mich jetzt zu wehren bedeutet eben so den tot, soll ich das in Kauf nehmen?! Hier, schnell zu sterben, ist vielleicht nur halb so schlimm wie die Sklavin und Hurre des Prinzen zu werden..
„Bleib still." Höre ich eine tiefe Stimme hinter mir. Der Ritter in schwarzer Rüstung schiebt mich weiter den Platz entlang, zum inneren Schlosshof.
Sein Griff ist fest um meine Schultern gelegt und schmerzt. Ich zittere, versuche seinen Griff zu lockern, doch um so mehr ich mich bewege, um so fester wird er.
Das letzte mal schaue ich Lumina mit Tränen in die Augen an, bis uns die Mauer trennt..








