Der Garten

Lied:
Kleine Blüten fliegen hoch. Sind Magie in meiner Hand. Halt sie fest, zerdrück sie nicht. Lass sie los, ein Windhauch kommt, er trägt sie fort geschwind.
Dieses Lied klang leise an einem wunderschönen Tag aus einem Garten, der zugewachsen war. Niemand kam hinein und je niemand heraus. Unheimlich war es oft, wenn man an Ihm vorbei ging. So mancher konnte im Wind dieses Lied erklingen hören.
Rosewell sang es immer im Stillen vor sich hin, wenn ihr etwas unangenehm war oder sie mit irgendetwas nicht fertig wurde. Manchmal aber auch nur wenn sie vor sich her träumte. Beschäftigt war mit all den Gedanken denen sie den Tag über begegnete. Heute war ein sonniger Tag, ihre Mutter plante einen Ausflug ans Meer. Es war nicht weit weg von ihrem Haus. Im Wohnzimmer gab es eine breite Fensterbank, dort saß Rosewell gerne. Ein kuscheliges Fell, braun passend zur Fensterbank, die aus Holz war, schmückte es aus und lud zum Verweilen ein. Die Sonne ließ ihre Strahlen oft hineinfallen, um einen an der Nase zu kitzeln oder einen sanft an der Wange zu streicheln. Es tat gut von ihr umarmt zu werden, es barg ein Gefühl der Wärme und geborgen seins.
Dort verweilte das hübsche Mädchen an diesem Morgen. Rosewell, rief es aus dem anderen Zimmer. Bist du fertig, wir wollen ans Meer. Doch sie war in ihren Gedanken komplett wo anders. Rosewell, ertönte es erneut. Komm. Ihren Blick vom Fenster abschweifend, nahm sie ihr Buch, das auf der Fensterbank lag und setze ihren hübschen Hut, auf den am Kleiderhaken im Flur hing. Kommst du endlich!
Mama hatte einen geflochtenen Korb in der Hand, in dem sich ein paar Kleinigkeiten zum Picknick befanden. Es war immer eine schöne Zeit am Meer. Auf dem Weg dorthin, mussten sie an einem Garten vorbei. Etwas unheimlich war er schon, zugleich erweckte er eine gewisse Neugier, an der man nur schwer vorbei gehen konnte. Rosewell lief in langsamen Schritten an Ihm vorbei. Ihr Ohr klebte fast wörtlich an der Hecke, die dort wuchs. Was erwartete sie sich davon! Hoffte sie dieses Lied wieder leise zu hören, oder noch etwas Unerwartetes was sich vielleicht dort befand. Ihre Mutter war schon weiter weg, kaum mehr zu sehen. Da war es wieder. Rosewell viel beinah in die Hecke, konnte sich an einer Ranke gerade noch festhalten. Dieses leise summen, aber heute so anders. Traurig. Als sie wieder den Boden unter ihren Füßen gefunden hatte, die Ranke losließ, wurde sie von einem warmen Strahl geblendet. Sie wunderte sich, die Sonne stand hinter ihr, diese konnte es nicht sein. Rosewell schob die Ranken etwas zur Seite. Holz, Bretter! Was war das, eine Tür verbarg sich hinter all den grünen Ranken. Das Rufen ihrer Mutter war auf einmal so nah. Schnell schob sie die Ranken wieder zusammen, Mutter durfte dies nicht entdecken. Rosewell legte ihre Hand auf die Ranken und flüsterte leise, bis bald ich muss gehen.