Chapter 1
Mein Name ist Lina Carter. Die meisten im Rudel kennen mich nicht nur als Alex’ kleine Schwester, sondern auch als Tochter von Dr. Carter – dem Rudelarzt.
Morgen werde ich 18.
Allein der Gedanke daran lässt mein Herz schneller schlagen – nicht nur, weil es ein Geburtstag ist, sondern weil es der Geburtstag ist. Der Moment, auf den jeder Werwolf irgendwie wartet. Ab 18 kann sich das Band zeigen. Der Gefährte. Die Person, die irgendwo da draußen existiert und genau für mich bestimmt sein soll. Meine andere Hälfte. Die Seele, die meine ergänzt.
Ich weiß, viele in meinem Rudel tun so, als wäre das keine große Sache. Als würde es einfach passieren oder eben nicht. Aber für mich… bedeutet es alles. Seit ich klein war, habe ich davon geträumt, jemanden zu finden, der mich wirklich sieht – nicht nur die schüchterne Lina, die meistens am Rand steht, sondern die Lina mit all ihren Gedanken, Hoffnungen und dieser viel zu weichen, viel zu großen Herzklappe.
Ich war nie das beliebteste Mädchen im Rudel. Nie die Lauteste, nie die Coolste. Ich habe keine endlosen Freundeskreise oder Drama-Geschichten. Aber ich habe meine Menschen – und das reicht mir.
Bea zum Beispiel. Meine beste Freundin seit wir denken können. Sie ist laut, mutig und hat absolut keine Angst, jemandem die Meinung zu sagen – auch mir nicht. Sie behauptet, ich würde ohne sie vermutlich immer noch am Rand jeder Party stehen und nervös an meinem Getränk nippen. Wahrscheinlich hat sie recht. Sie wird erst in einigen Monaten 18 und kann erst dann ihren Gefährten finden, aber sie nimmt das alles etwas lockerer als ich!
Und dann ist da Simon. Mein bester Freund. Ruhig, loyal und der Einzige, der es schafft, mich zum Lachen zu bringen, wenn ich mich mal wieder in meinem Kopf verliere. Mit ihm fühlt sich alles leicht an. Keine Erwartungen, kein Druck.
Und natürlich gibt es Alex. Mein großer Bruder. Fünfundzwanzig Jahre alt, überfürsorglich und gleichzeitig mein größter Beschützer. Er ist der zukünftige Beta – rechte Hand von Jace Black.
Jace.
Allein sein Name lässt etwas in meiner Brust zusammenziehen, auch wenn ich mir seit Jahren einrede, dass ich ihn nicht mehr ausstehen kann.
Jace und Alex kennen sich, seit sie laufen konnten. Dadurch war Jace schon immer irgendwie Teil meines Lebens. Früher… war er anders. Freundlich. Warm. Er hat mir geholfen, wenn ich hingefallen bin, und mich „Kleine Wölfin“ genannt, als wäre das etwas Besonderes. Und ich? Ich war hoffnungslos in ihn verknallt. Wirklich hoffnungslos. So ein Mädchen-mit-Sternchen-in-den-Augen-Verknalltsein, das einen glauben lässt, Märchen könnten echt sein.
Doch dann änderte sich alles.
Ich war ungefähr vierzehn, als Jace plötzlich… anders wurde. Härter. Kälter. Er fing an, gemeine Sprüche zu machen – besonders über meine Figur. Ich erinnere mich noch, wie sehr es wehgetan hat, obwohl ich so getan habe, als würde es mir nichts ausmachen. Gleichzeitig entwickelte er sich zum absoluten Bad Boy des Rudels. Selbstbewusst, arrogant, unwiderstehlich – zumindest laut den meisten Mädchen. Und er machte seinem Ruf alle Ehre. Eine nach der anderen. Besonders die langbeinigen Blondinen, die scheinbar perfekt in seine Welt passten.
Irgendwann habe ich mir eingeredet, dass ich über ihn hinweg bin. Dass ich ihn vergessen habe. Dass ich ihn nicht leiden kann.
Und meistens funktioniert diese Lüge sogar.
Bis er im selben Raum steht.
Dann werde ich wieder nervös. Meine Hände werden schwitzig, mein Herz stolpert über sich selbst, und ich hasse mich ein bisschen dafür. Weil ich mir doch geschworen habe, dass er mir egal ist.
Vielleicht ändert sich morgen alles. Vielleicht finde ich meinen Gefährten und kann endlich loslassen – die alten Gefühle, die alten Träume, die Version von mir, die immer noch hofft, gesehen zu werden.
Oder vielleicht… wird morgen einfach nur ein weiterer Tag.
Aber tief in mir drin flüstert etwas, dass sich mein Leben bald verändern wird. Und ehrlich gesagt? Ich habe keine Ahnung, ob ich darauf vorbereitet bin.