Desert World: Back To You

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Summary

Er würde die Tochter Bhandaraks heiraten. Als ihr Mann ihr beichtete, dass er die junge Frau aus der mächtigsten Familie des Landes zur Zweiten Gemahlin nehmen würde, um durch ein Bündnis beider Häuser den Frieden zu sichern, war Joy Neapolis fassungslos. Wie konnte er nur...?! Doch er hatte es getan. Er hatte diese dahergelaufene Kh'elvanerin geheiratet. ~~~ Carson Neapolis ist es endlich gelungen, die Aufrührer zu fassen und den Aufstand niederzuschlagen: Der monatelange Bügerkrieg, der das Land verwüstet hat, ist damit beendet. Frustriert und verausgabt kehrt er nach Kaēa zurück, darauf hoffend, dass Joy ihre Ablehnung ihm gegenüber vielleicht nun aufgibt, auch wenn ihm klar ist, dass sie ihm die Zweckehe mit Nurya elh-Bhandarak nicht einfach so verzeihen wird: Dafür ist zu viel geschehen... ~~~ Zwei Menschen, die für einander bestimmt waren. Eine Liebe, die stark genug war, eine neue Welt zu erobern. Bis er einen Schritt getan hat, den er nun bitter bereut... Carson Neapolis, Fürst und Ratsmitglied, Heerführer von Kh'elvarh, Herr über die Ebene Kaēa und Ehemann von zwei Frauen, von denen die erste ihn verachtet, weil er ein zweites Mal geheiratet hat, und die zweite deshalb, weil er genau sie geheiratet hat, steht nun am Punkt „Null“ und will um seine große Liebe Joy kämpfen. Doch hat diese überhaupt noch Gefühle für ihn?

Status
Complete
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

victor devictus

Kapitel 1 – VICTOR DEVICTUS


„Macht das Tor auf!“

Der Wächter auf den Zinnen traute seinen Augen nicht. „Es ist unser Herr“, schrie er über den Hof – „Lord Kaēa ist zurück!“

Eilig bemühten sich etliche Hände, das schwere Tor zu öffnen. Die Angeln ächzten, dann schwangen die Flügel einen Spalt breit auf. Sofort lenkte Carson Neapolis sein Yaka durch die Öffnung und bis in den großen Innenhof, während das Burgtor hinter ihm schon wieder geschlossen wurde.

Der Ruf hatte für einige Aufregung gesorgt, obwohl es bereits dunkel war: Diejenigen Mitglieder des Haus­halts, die in der Nacht im Haupthaus Dienst hatten, strömten nun nach draußen, einige hielten Fackeln und Öllampen, und das Yaka scheute vor der Menge, die sich inzwischen versammelt hatte.

Er beruhigte das Tier. Jemand hielt ihm die Zügel, dann sprang er zu Boden und schüttelte den Sandstaub ab. Sofort wurde er umringt.

„Willkommen zuhause, Herr – wir haben Euch noch gar nicht erwartet. Was ist geschehen...?“

Er blickte in die fragenden Gesichter um ihn herum. „...Wir haben gesiegt,“ entgegnete er müde, dann straffte er sich erhob seine Stimme: „Die Allianz der Zehn ist geschlagen. Es wird endlich wieder Frieden sein..“

Einen Moment lang herrschte atemlose Stille.

Sein Blick fiel auf das Schwert seines Feindes, das er immer noch mit der Linken umklammert hielt, doch er merkte nicht, wie das Metall der Klinge in seine Hand schnitt. Impulsiv reckte er die erbeutete Waffe nach oben.

„Der Krieg ist zuende!“ schrie er heiser, bevor Jubeln und Freudenrufe ihn übertönten.

Im Anschluss hatte er seine Schritte zum Haupthaus gelenkt. Auf dem Weg dorthin entledigte er sich seines Umhangs, drückte ihn dem erstbesten in die Hand, der ihm gefolgt war, ebenso das erbeutete Schwert, dann steuerte er auf die Küche der Burg zu.

„...Herr – was kann ich für Euch tun?“ erklang hinter ihm eine wohlbekannte Stimme.

„Nichts...“ erwiderte er grimmig, ohne sich umzusehen, und rieb seine Hand.

„Herr – “

Jetzt drehte er sich um. Es war Arka, der ihm gefolgt war.

„Du meinst es gut, Arka,“ erwiderte er ruhig, doch der Zorn brannte deutlich in seinen Augen, „trotzdem – lass’ mich einfach alleine...“

Der maiordomus kannte diesen Blick: Jetzt nicht sofort zu reagieren und zurückzuweichen, war gefährlich, also neigte er nur ergeben den Kopf.

Carson Neapolis hatte gleich darauf die Küche erreicht, wo er sich die Hände wusch, Wasser ins Gesicht spritzte und mit dem nächstbesten Tuch, was er finden konnte, abtrocknete, dann warf er das Tuch beiseite und wählte den Weg Richtung Hinterausgang, während Arka die Dienerschaft anwies, wieder zu ihren Aufgaben zurück­zukehren.

In Nullkommanix hatte er den Hinterhof überquert und den Südturm erreicht: Wuchtig und dunkel ragte das trutzige Bauwerk, der größte Turm der Festungsanlage, vor ihm auf, nur ganz oben drang aus einem der wenigen Fenster ein schwaches Licht. Der Anblick versetzte ihm einen Stich, und er holte tief Luft.

Jetzt oder nie...

Kaum hatte er den Turm betreten, hastete er schon die Treppe hinauf und erreichte den ersten Absatz.

Die dort diensthabenden Soldaten begrüßten ihn, doch er ignorierte sie und stürmte sofort weiter nach oben. Schwer atmend hielt er schließlich im zweiten Obergeschoss an.

Der Eingang zum Wohnbereich war verschlossen und wurde, wie üblich, bewacht.

Als der Wächter ihn im Licht der Lampe erkannte, trat er scheu zur Seite.

„Herr – “ begann er verlegen, denn das war ja nicht das erste Mal, dass Lord Kaēa versuchte, mit seiner Ersten Gemahlin zu reden, „...sie öffnet nicht...“

„Das weiß ich,“ erwiderte Carson Neapolis grimmig und holte tief Luft. „Lass’ mich allein.“

Er wartete, bis die Schritte des Wächters auf der Treppe nach unten verklungen waren, dann trat er vor und klopfte hart mit der Faust gegen das Holz. „Mach bitte auf, Joy, ich möchte mit Dir reden.“

Eine Weile passierte gar nichts.

Erneut donnerte er gegen die Tür. „Joy... Lass mich nicht hier draußen stehen.“

Endlich konnte er Schritte hören.

„Joy...?“

„Warum lässt Du mich nicht in Ruhe?!“ war die Antwort.

Es war zum Verzweifeln... „Joy – bitte – ich möchte mit Dir reden...“

„...Verschwinde!“ Joys Stimme klang wütend.

Das hatte gesessen. Carson Neapolis, nun zunehmend irritiert, suchte nach Worten, versuchte, ruhig zu bleiben. „...Ich – ich wollte Dir nur sagen, dass die Sache mit Nurya vorbei ist. Du hast ja vielleicht mitbekommen, dass ihr Vater zur Allianz der Zehn gehört, die sich gegen den Hohen Rat aufgelehnt hat und auch hinter dem Mord an Senator Kh’eriyon steckt. Der Kampf ist beendet – die Allianz ist geschlagen.“ Er hielt inne.

„...Schön für Dich,“ war Joys Antwort.

Er holte tief Luft. „Joy – ich habe Nurya nach Hause geschickt, zurück zu ihrem Vater.“

Von drinnen kam keine Reaktion.

„Joy – “

Carson Neapolis wusste nicht, ob er über die Ablehnung, die ihm entgegenschlug, nur wütend oder nur getroffen oder aber bei­des zugleich sein sollte. Andererseits hasste er sich selbst für das, was er getan hatte – dass er nachgegeben und mit dieser verfluchten politischen Heirat ein paar Monate Frieden erkauft hatte... Und im Gegenzug Krieg mit Joy.

Auf dem Schlachtfeld hatte er gesiegt, wieder einmal. Hier jedoch, wo es eigentlich viel wichtiger war, hatte er verloren, weil er die Bedürfnisse des Landes über sein Privatleben gestellt hatte...

Der Krieg mit Joy war der viel entsetzlichere, fand er, und die Wunden, die er schlug, die weitaus schlimmeren. Frustriert starrte er auf die schweren Holzbohlen vor ihm.

Was half es...

Neuer Versuch.

„Joy“, begann er erneut, leise. „Es – es tut mir so leid. Ich weiß, dass ich Dich verletzt habe, und ich möchte es wieder gut machen, wenn ich das kann. Bitte, lass’ uns reden...“

Keine Antwort, nur eisige Stille.

Er wartete eine Weile, horchte schließlich an der Tür, doch er konnte nichts wahrnehmen.

„Joy, bitte...“

Er stieß die Luft, die er angehalten hatte, geräuschvoll aus. Ihr Schweigen machte ihn rasend, und er fühlte nun, wie der Zorn erneut in ihm hochstieg.

„Joy!“ Er donnerte mit der Faust auf das Holz.

„Geh weg! Lass mich in Ruhe!“ schrie sie zurück.

Einen Moment lang überlegte er, ob er eine Axt holen und die Türflügel gewaltsam aufbrechen sollte, während Wut, Schmerz und Enttäuschung um die Vorherrschaft über seine Gefühle rangen, doch dann hielt er inne, erschrocken über sich selbst – das war nicht nur jenseits von Gut und Böse, nein, sie würde ihn dafür nur noch mehr hassen...

Seine Gedanken rasten.

...Und wenn er hierbleiben würde? Hier vor ihrer Tür? So lange, bis sie irgendwann mal herauskommen musste – doch er verwarf den Gedanken sofort wieder.

Es war so sinnlos.

Wie betäubt starrte er noch eine ganze Weile auf die massive Holzkonstruktion, als könnte er sie mit seinen Blicken durchdringen, bevor er sich schließlich abrupt umdrehte und ging.

Am Hintereingang zum Haupthaus wartete Arka auf ihn, doch er ignorierte ihn und lenkte seine Schritte ungedul­dig in Richtung seiner Wohnräume. Gefolgt von dem Kh’elvaner, riss er die Türflügel auf, einen um den anderen, marschierte quer durch den Vorraum, betrat das Wohnzimmer und blieb erst vor dem Durchgang zum Schlafzimmer stehen.

Die Hand auf dem Riegel, hielt er inne, drehte sich um.

Ein Blick genügte, um den maiordomus zum Rückzug zu bewegen, dann schob Carson Neapolis langsam die Tür auf und betrat sein Schlafzimmer.

Joys und sein Schlafzimmer. Zu glücklicheren Zeiten.

Nachdem er die Tür hinter sich wieder verschlossen hatte, ließ er seine Blicke schweifen, blieb endlich an dem großen Bett hän­gen. Die Decke war zurückgeschlagen, die dunklen Polster aufgeschüttelt: Sicherlich hatte Arka in der Zwischenzeit alles vorbereiten lassen.

Normalerweise würde Joy ihn jetzt dort erwarten, und er würde zu ihr unter die Decke schlüpfen, sich über sie beugen und...

Normalerweise.

Er seufzte.

Langsam, schwerfällig, machte er ein paar Schritte vorwärts und ließ sich auf der Bettkante nieder.

Eine bleierne Müdigkeit überkam ihn. Er fühlte sich elend, verspannt, seine Muskeln schmer­zten. Stück für Stück begann er, die kh’elvanische Rüstung abzulegen, die er immer noch trug, entle­digte sich nacheinander des Kettenhemdes, des Gambesons und schließlich auch noch seiner Tunika, doch selbst jetzt, wo er völlig unbekleidet war, schien das Gewicht der Panzerung nicht von seinen Schultern zu weichen.

Seine linke Hand hatte wieder zu bluten begonnen, und so stand er auf und suchte nach einen Stoff­stück, dass er als provisorischen Verband benutzen konnte. Die Schnittwunde dick umwickelt, betrat er schließlich das Bad und ging zum Spiegel. Doch das Bild, das ihn im Spiegelglas entgegenblickte, war auch nicht dazu angetan, seine Stimmung zu bessern: Die Haare zerrauft, verklebt, eine lange blutige Schramme, die sich von der linken Augenbraue aus über die Stirn bis zum Haaransatz zog, dunkle Ringe unter den Augen, in denen eine Mischung aus Zorn und Schmerz loderte... Diverse blaue Flecken und Kratzer überall dort, wo die kh’elvanische Rüstung den Körper nicht voll­ständig abdeckte: Spuren des Kampfes. Und eine Anspannung, die nicht nachlassen wollte. Außerdem war er magerer geworden.

Er zuckte die Schultern und ging unter die Dusche.

Das warme Wasser hatte nicht, wie erhofft, die Verspannung gelöst, sondern den dumpfen Schmerz in den Muskeln und das Gefühl der Zerschlagenheit verstärkt. Frustriert schlang er sich ein großes Handtuch um die Hüften, nachdem er sich abgetrocknet hatte.

Auf dem Sims über dem Bett hatte Arka einen Tonkrug mit Wein sowie zwei Kelche abstellen lassen. Er griff nach dem einen, schenkte sich ein und stürzte die kühle Flüssigkeit die Kehle herunter, dann be­trachtete er das Trinkgefäß in seinen Händen, während seine Gedanken wieder zu wandern begannen.

Stilisierte Blumenranken waren um die Wölbung der Keramik eingeritzt.

Wüstenblumen...

In einem plötzlichen Impuls schleuderte er den Kelch zornig gegen die Wand, wo er splitternd zerbarst.

Eine Decke greifen, die Tür hinter sich zuschlagen und wieder auf den Gang hinaustreten war die Sache eines Augenblicks, und bald darauf hatte er sein Arbeitszimmer erreicht, in dem auch eine schmale Liege stand. Durch das Fenster drang dar fahle Schein des kh’elvanischen Mondes.

Zunächst zögerte er noch, das Licht anzumachen. Eine Weile blieb er unschlüssig am Fenster stehen, schaute hinaus in die Nacht und lauschte den Geräuschen in der Dunkelheit.

Er war müde. Heute war viel passiert, und nicht alles, was geschehen war, war gut... Auch wenn er die heutige Schlacht gewonnen hatte, fühlte er sich dennoch als Verlierer: Er war kurz davor, die Hoffnung aufzugeben.

In diesem Moment riß ihn das Signal des Bildschirms aus seinen Gedanken, also er machte Licht und schaltete das Gerät an.

Auf dem kleinen Monitor erschien Ylanor elh-Anshar und erkundigte sich nach dem Ausgang der Schlacht.

Carson Neapolis rieb sich die Schläfen; eigentlich hatte er keine Lust mehr, die Details zu diskutieren. „In den nächsten Tagen fangen die Beratungen an, um den Frieden vertraglich zu verankern,“ erwiderte er. „Hat der Hohe Rat Dich noch nicht informiert?“

Der Kh’elvaner schüttelte den Kopf, und Neapolis fuhr fort: „Jetzt, nachdem die Allianz der Zehn offiziell geschlagen ist, wird Bhandarak Schwierigkeiten haben, jemals wieder einen Fuß auf den Boden zu­ bekommen...“

Ylanor nickte. „Wenn er nicht zum Exil verurteilt oder ausgestoßen wird. Oder beides.“

„Ich wusste gar nicht, dass diese Strafe heute noch verhängt wird,“ erwiderte Carson Neapolis. „Ausstoßen und Brunnenvergiften – ist das nicht lange vorbei?“

„Das scheint nur so.“ Hinter dem Humor, der in elh-Anshars Augen blitzte, war der alte Kh’elvaner ernst. „Du glaubst gar nicht, wozu wir auch heute noch fähig sind – die Kruste der Zivilisation, die uns von der Barbarei trennt, ist äußerst dünn...“

„Wem sagst Du das... Ich kenne das zur Genüge: Auch die Geschichte von Terra ist voll von Grau­samkeiten.“

„Um so besser, dass jemand wie Du sich um den Frieden kümmern,“ gab der Kh’elvaner zurück. „Was macht eigentlich Dein privater Streit – wenn ich fragen darf...?“

Neapolis versteinerte sofort, und seine Stimme klang nach einer Mischung aus resigniert und ablehnend. „Das ist keine gute Frage, Ylanor...“

Die Augen des Senators forschten im Gesicht seines Gegenübers, und was dort zu sehen war, reichte ihm als Antwort völlig aus. Er seufzte. „Jetzt hast Du doch allen Grund, Bhandaraks Tochter nach Hause zu schicken.“

„Danke – das war das leichter zu lösende Problem von beiden.“ Neapolis, der unwillkürlich die Luft angehalten hatte, atmete nun geräuschvoll aus, unwillig, dieses Thema ausgerechnet mit demjenigen zu diskutieren, der an der Sache maßgeblich beteiligt war.

Elh-Anshar verstand, dem Großen Auge sei Dank. „Na, dann wünsche ich Dir weiterhin viel Glück...“ Er nahm das als Gelegenheit, sich zu verabschieden und das Gespräch zu beenden.

Carson Neapolis blieb nachdenklich eine Weile am Schreibtisch sitzen. Schließlich löschte er das Licht, ging hinüber zu der Liege, wickelte sich in seine Decke und fiel bald darauf in einen unruhigen Schlaf.

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