Beschworen in eine Welt voller Märchen

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Summary

In der Light Novel Beschworen in eine Welt voller Märchen wird der junge Japaner Nanako Yuki plötzlich aus seinem Alltag in Tokio in eine fremde Welt namens „Duitsland“ beschworen. Die Familie, die ihn herbeigerufen hat Vater Peter, Mutter Mira sowie die Schwestern Katrin und Emi erklärt ihm, dass sie ein Beschwörungsritual als Belohnung von einem verletzten Engel erhielten, um Hilfe bei der Feldarbeit zu bekommen. Doch die vermeintlich idyllische Bauernhof-Welt trügt. Yuki besitzt die besondere Fähigkeit, Dämonen zu sehen, die sich als harmlose Märchengestalten tarnen. Als er auf dem Feld ein kleines Mädchen entdeckt, das mit Streichhölzern spielt und in Flammen aufgeht, versucht er zu helfen – nur um festzustellen, dass es sich in Wahrheit um einen Dämon handelt. Da normale Menschen diese Wesen nicht sehen können, gerät Yuki sofort in Erklärungsnot gegenüber Peter, der ihn mit einer Streichholzschachtel in der Hand am brennenden Feld vorfindet. Während er versucht, sich in die Familienstruktur zu integrieren, bleibt die ständige Bedrohung durch den Dämon, der nun weiß, dass Yuki ihn enttarnt hat.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Prolog: Ein anderes Zimmer

Gähn.

Es war noch früh am Morgen, als auf einmal etwas Ähnliches wie eine Sirene erklang. Schon wieder ein Erdbeben? In letzter Zeit gab es wieder vermehrt Erdbeben hier in Tokio, weswegen die Sirene mich nicht wirklich aus der Fassung gebracht hat. Nur eins war etwas wunderlich. Eigentlich spüre ich die Erdbeben immer als einer der Ersten, da ich direkt am Meer lebe und das Haus bei jedem kleinen Beben leicht wackelt. Doch heute war das anders. Kein Vibrieren unter dem Bett, kein Klirren von den Figuren auf meinem Regal, kein leises Knarren der Wände. Die Sirene heulte einfach nur weiter, als würde sie mich aus einem Traum reißen wollen, der eigentlich gar keiner war.

Soll mir recht sein, dann kann ich in Ruhe weiterschlafen.

Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass doch etwas nicht stimmte. Ich öffnete meine Augen und der Raum, in dem ich war, erschien mir völlig fremd. Nun doch geschockt stand ich auf und schaute mich um. Das Zimmer war etwas kleiner als mein eigenes zu Hause, aber auf eine fast zu perfekte Weise gemütlich. Alles stand genau an seinem Platz, als hätte jemand jede Kleinigkeit mit großer Sorgfalt arrangiert. Ein großer Mosaik-Teppich lag auf dem Boden, so einen hatte ich noch nie gesehen. Die warmen Rot- und Brauntöne zeigten alte Bauernhöfe und in der Mitte erhob sich ein mächtiger Baum, dessen Äste sich weit ausbreiteten, als würden sie die ganze Welt verbinden. Feine Linien in der Rinde erinnerten fast an ausgebreitete Flügel, wenn man genau hinsah. Ich strich mit den Zehen darüber und spürte die raue Wolle, die sich fast wie Sandpapier anfühlte.

Ein großer Schrank aus dunklem Holz stand an der Wand, voll mit Büchern in einer mir fremden Sprache. Die Buchstaben sahen aus wie die in Serien aus dem Westen, Lateinische Buchstaben oder so. An der Wand hing ein kleines Bild mit einem Bauernhof und lauter Leuten in komischen alten Klamotten, die alle lächelten, als wäre dort immer alles perfekt. Neben dem Bett stand ein kleiner Nachttisch mit einer Kerze drauf, die schon halb runtergebrannt war, und daneben lag ein Buch, das aussah, als wäre es oft gelesen worden. Der Geruch von altem Holz und etwas wie Lavendel hing in der Luft. Das Licht, das durch das große Fenster fiel, war unnatürlich warm und golden, fast als würde es von innen heraus leuchten und alles ein bisschen zu schön machen.

Wo bin ich hier nur?

Es gibt auch ein großes Fenster mit Vorhängen, die leicht im Wind wehten. Wenn ich dort raus sehe, sieht man nicht viel von dem Ort, an dem ich bin, nur endlos Felder voller Gemüse und Getreide, die sich bis zum Horizont erstrecken. Die Sonne stand schon ziemlich hoch und tauchte alles in dieses warme, goldene Licht, das ich so früh am Morgen gar nicht gewohnt bin. Keine Hochhäuser, kein Meer, kein Tokyo-Tower in der Ferne. Nur diese ruhige, weite Landschaft, die irgendwie friedlich aussah, aber mich total nervös machte. Meine eigentliche Frage wurde immer noch nicht beantwortet. Wo zur Hölle bin ich hier eigentlich?! Mein Herz schlug schneller und ich spürte, wie meine Hände anfingen zu schwitzen. Das kann nicht real sein. Vielleicht träume ich noch? Ich kniff mir in den Arm, aber es tat weh, richtig weh.

Also habe ich mich auf den Weg gemacht, das kleine, aber feine Zimmer zu verlassen. Die Tür war aus dickem Eichenholz und fühlte sich schwer an, als ich sie berührte. Während ich sie aufmachte, quietschte sie sehr laut, so laut, dass es durch den ganzen Flur hallte. Hoffentlich hat das keiner gehört.

»Hah?«

Eine weibliche Stimme? Ich schaute um die Ecke und sah vor mir ein ca. zwölf Jahre altes Mädchen. Sie schaute mich verdutzt an und war genauso verwirrt wie ich, warum ich in diesem Haus bin. Ihre Augen wurden riesig, sie wich einen Schritt zurück, ihre kleinen Hände ballten sich zu Fäusten und dann rannte sie plötzlich weg und rief mit voller Lunge: »PAAAAAAPPAAAAAAAAA, DA IST EIN FREMDER IN UNSEREM HAUS!« Ihre Stimme war hoch und schrill und hallte durch das ganze Haus.

Ich habe mich erschrocken von diesem Geschrei und hatte keinen Plan, was ich jetzt machen soll. Meine Beine wollten wegrennen, aber ich blieb stehen. Jemand läuft die Treppen hoch, vermutlich ihr Vater. Obwohl ich Angst habe, stelle ich mich lieber ihrem Vater, um alles zu klären, anstatt wie sonst vor all meinen Problemen davon zu laufen. Die Schritte werden immer lauter und ich stehe da wie bestellt und nicht abgeholt. Mein Puls rast und ich spüre, wie mir der Schweiß den Rücken runterläuft. Ihr Vater kommt um die Ecke, sieht mich und mustert mich genau. Er ist etwas größer als ich, hat kurze braune Haare und trägt Arbeitskleidung, die schon ein bisschen dreckig von der Feldarbeit ist. Seine Hände sind groß und schwielig, als würde er jeden Tag hart arbeiten.

»Hallo, mein Name ist Peter, entschuldige die Umstände«, sagte der Vater mit einer ruhigen, fast freundlichen Stimme.

Kein warum bist du hier oder verschwinde. Jetzt war ich noch mehr verwirrt.

»Ähm, öh, mein Name ist Nanako Yuki. Wo b-bin ich hier?« Meine Stimme klang viel zittriger, als ich wollte.

Immer noch voller Angst und mit vielen offenen Fragen stehe ich vor dem Vater.

»Hahaha, entschuldige doch! Ich und meine Frau haben dich hierher beschworen, damit du uns bei unserer Feldarbeit helfen kannst.«

»Wie meinen Sie beschworen? Wie ist das überhaupt möglich? Welches Land ist das hier, wo ist Japan? Warum kann ich sie eigentlich verstehen? Peter ist nun wirklich kein japanischer Name.« Die Fragen purzelten nur so aus mir raus und ich merkte, wie meine Knie weich wurden.

»Ach, das mein Junge, ist eine lange Geschichte. Du bist hier in Duitsland. Von einem Japan habe ich aber noch nie gehört. Komm doch erst mal runter zu dem Rest der Familie, damit wir uns alle kennenlernen. Ich erzähle dir dann das Wichtigste, Yuki.«

»Häääh?«