Kapitel 1 - Der Junge vom Feld
Der Wind strich über die Felder von Grünhain und bog das Weizenmeer wie eine goldene Welle.
Zwischen all dem stand der neunzehn jährige Elias, aufgewachsen auf einem kleinen Hof am Rand des Dorfes.
Für die meisten war er einfach nur „der ruhige Farmerjunge“.
Für Marta und Johannes war er ihr Sohn, nicht leiblich aber mit jedem Herzschlag von ihnen.
Sie hatten ihn als Baby in einer kalten Herbstnacht gefunden, eingewickelt in eine Decke, die seltsam kühl war, obwohl kein Frost in der Luft lag.
Kein Auto in der Nähe, keine Fußspuren.
Nur dieses Kind mit ungewöhnlichen klaren, fast silbrig schimmernden Augen.
Und einem Zeichen auf der Schulter, das aussah wie ein Stern aus Eis.
Elias wusste nichts davon, zumindest nicht alles.
Er wusste nur, das er anders war als die anderen.
Als Kind hatte er nie gefroren, selbst im tiefsten Winter arbeitet er ohne Handschuhe, seine Haut schien Kälte nicht zu kennen.
Mit siebzehn hatte er bemerkt, dass er stärker war als andere, nicht nur ein bisschen.
Als ein alter Traktor auf dem Feld umkippte, hatte er ihn instinktiv angehoben, einfach so.
Er erzählte es niemanden, man hebt keine Traktoren hoch.
Man verschweigt so etwas.








