Hinter dem Schleier

All Rights Reserved ©

Summary

Vivian und Clarissa betreten als Erste eine fremde, instabile Welt, in der Realität und Zeit aus den Fugen geraten. Während sie versuchen, ihre neu erwachenden Kräfte zu begreifen, erkennen sie, dass ein wachsendes Chaos die Welt zerfrisst. Dessen Ursprung ist Yevrah, der sich zum Chaosreiter wandelt und beginnt, die Wirklichkeit selbst zu verzerren. Schon bald werden auch die anderen hineingezogen, und gemeinsam müssen sie sich Yevrah stellen — und der drohenden Auflösung der Ordnung.

Genre
Fantasy
Author
Amirasa
Status
Ongoing
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
18+

Die Ankunft

Vicky stöhnte auf als sie hart auf dem Boden aufkam. Clarissa purzelte neben ihr über die Wiese und kam schnaufend auf die Knie. „Was war das denn jetzt?“ Sie lief langsam zu Vicky und zog sie hoch. Dann sah sie sich suchend um.

„Wo zum Geier hat uns Magissa hingeschickt?“ Vicky klopfte das Kleid ab und schaute sich dabei ebenfalls um. Das war keinesfalls Irland, stellte sie ernüchternd fest und schüttelte langsam den Kopf.

Clarissa stand bebend vor ihr und ihre Hand griff suchend nach hinten, um Vicky zu erfassen. Flüsternd, fast ehrfürchtig wandte sie sich zu Vicky. „Wo sind wir? Das ist nicht Irland! Ist das überhaupt die Erde?“ Vicky zitterte wie Espenlaub und schlang ihre Arme um Clarissas Arm, der eben noch Halt bei ihr suchen wollte. „Iiich weiß nnicht wwoo…oo wir sind…“ stammelte sie.

Langsam rutschte sie an Clarissas Arm herunter und ließ sich auf ihren Allerwertesten fallen. Fast wäre sie wieder hochgeschreckt, denn das eben noch gelbe Gras, was ziemlich verwelkt wirkte, wechselte die Farbe. Nach einem milden Luftzug erstrahlte es in einem schimmernden Lila. Clarissa rieb sich die Augen, war es vielleicht Heide und sie hatten sich getäuscht?

Sie beugte sich zum Gras hinab und fuhr mit der Hand über die Halme. Doch auch jetzt wechselten sie die Farbe von gelb auf Lila, je nachdem wie sie bewegt wurden. Mit einem erschreckten Ausruf wich Clarissa zurück.

„Das ist verrückt! Magissa, was zum Teufel hast du angestellt?“ Vicky stöhnte auf. Sie fuhr sich mit der Hand über die Hüfte. Sie spürte etwas. Als wenn es in ihr lebte. Nein, nicht in ihr… AN ihr. Mit zitternden Händen zog Vicky das Kleid bis zu ihrer Hüfte hoch. Doch an der Stelle, wo das Gefühl saß war nichts. Ein Nachhall, eine Spur Wärme breitete sich jedoch von der Stelle aus, über ihren ganzen Körper.

„Ich glaube Magissa kann nicht dafür. Da ist etwas …“ Vicky lief langsam los und ließ Clarissa einfach stehen. „Was stimmt denn mit dir nicht? Wieso läufst du einfach los?“ Clarissa hatte zu tun mit Vicky Schritt zu halten. Immer schneller wurden deren Schritte, bis sie fast einem leichten Lauf glichen.

„Vicky!“ schrie Clarissa ihr hinterher und Vicky blieb abrupt stehen. Sie drehte sich zu Clarissa um und schaute sie erstaunt an „Wo sind wir hier?“ Clarissa sah sie an als wäre sie ein Alien „WAS?“ schrie sie los. „Bist du jetzt irre oder was?“ Clarissa stampfte wutentbrannt zu Vicky und gab ihr eine saftige Ohrpfeife. „Bist du jetzt wieder munter?“ Vicky rieb sich die Wange und guckte Clarissa ganz verdattert an „Wofür war das denn jetzt?“

„Das fragst du noch“ Clarissa stemmte ihre Hände in die Hüfte und stellte sich breitbeinig vor Vicky auf: „Erst stammelst du rum und klammerst dich wie ein Affe an mich, dann ziehst du dein Kleid bis fast zur Brust und auf einmal rennst du los, wie von der Tarantel gestochen. Und da soll ich ruhig bleiben?“

Vicky bekam große Augen „Was hab ich gemacht?“ dabei fuhr sie sich mit den Händen über die Hüfte. „Oh, da war etwas…“ Sie spürte wieder die Wärme und den Nachhall und wollte gerade wieder loslaufen, als sie Clarissas Hand an ihrem Handgelenk bemerkte. Sie sah hoch und direkt in Clarissas Gesicht. „Na? Wollten wir wieder losstampfen?“

Vicky nickte langsam: „Da ist etwas, ich spüre es …es ruft mich“ Vicky drehte sich langsam wieder um wollte weiter gehen. Doch Clarissa hielt sie eisern fest.

„Vicky! Sei vernünftig, bevor wir blind irgendwo hin rennen, müssen wir herausbekommen wo wir sind. Und vor allem wie wir wieder nach Hause kommen.“ Vicky drehte sich langsam wie in Trance zu Clarissa und nickte leicht. „Jetzt zeig mir mal die Stelle, die du dir vorhin angeschaut hast“ versuchte Clarissa nun, Vicky wieder ins hier und jetzt zu holen.

Vicky schaute Clarissa an als ob sie ihre Worte nicht verstehen würde. Clarissa stöhnte entnervt auf. „Zeigen, die Stelle!“ dabei deutete sie auf ihre Hüfte. Ein Erkennen erhellte Vickys Gesicht und geschäftig begann sie wieder ihr Kleid zu heben.

„Wooah“ stieß Clarissa aus „Seit wann bist du tätowiert?“ Clarissa kam näher „Oder ist das ein Branding?“ erschrocken fuhr sie zurück „Jessas, das bewegt sich?“ Vicky nickte „Ich sagte, es ruft“

Leichenblass sah Clarissa Vicky an „DAS meintest du? Ich dachte irgendwas da draußen“ dabei zeigte sie auf die Landschaft vor ihnen, die noch immer sehr unwirklich wirkte.

Vicky ließ ihr Kleid wieder nach unten fallen und schüttelte zaghaft den Kopf. Ein Knurren verunsicherte Clarissa und sie schaute sich ängstlich um. „Das war ich“ beruhigte sie Vicky. „Ich hab mordsmäßig Hunger“ Sie sah sich suchend um. „Wir wissen ja nicht einmal was wir hier essen können.“ Clarissa sah sie entgeistert an „Scheiße daran hab ich noch gar nicht gedacht, wir brauchen Proviant. Also gut, dein Instinkt war wohl der bessere, hier zu bleiben macht wenig Sinn. Wir brauchen Wasser und Nahrung. Ok, dann mal los. Immer deiner Nase nach.“

Vicky lächelte sie an und fragte schnippisch „darf ich dir dann jetzt auch eine reinhauen?“ Clarissa bleib erschrocken stehen „Entschuldige, das wollte ich nicht, nein quatsch, ich wusste nicht, wie ich dich wieder zur Besinnung kriegen soll“

Vicky lachte los „Schon gut, Alleine dein Gestammel jetzt, ist Wiedergutmachung genug.“ Kichernd begann sie den Weg über die endlos scheinende gelb-lila Wiese. Nachdem sie eine Weile gelaufen waren, bemerkten sie am Horizont eine Veränderung. Der Himmel, der sich vom heimischen nicht unterschied, bekam langsam einen grünlichen Schimmer. Die Silhouette eines Berges oder Waldes erschien in weiter Ferne und die Luft begann anders zu riechen. Seltsame Düfte schwebten in der Luft. Ein Hauch von Minze gepaart mit Räucherduft. Die Luft wirkte schwer und beide schwitzen schon merklich, obwohl ein lauer Wind wehte.

Ihre Schritte wurden schleppender, doch Vicky trieb der nagende Hunger vorwärts und Clarissa die Gewissheit, dass sie hier verenden, wenn sie nicht bald etwas finden würden. Ein Haus, eine Quelle oder einen Brunnen. Irgendetwas.

Clarissa schleppte sich den kleinen Hügel hinauf, der sich vor Ihnen auftat. Vivian lag etwas hinter ihr auf dem Rücken und keuchte. Ihre Haare klebten schweißnass an den Schläfen und das Oberteil des Kleides hatte keinen trockenen Faden mehr.

Sie drehte sich langsam zu Clarissa und bemühte sich, ihr mit den Blicken zu folgen. Clarissa drehte sich noch einmal zu Vivian und wagte dann den letzten Schritt der sie von der Spitze des Hügels trennte.

Entsetzt wich sie taumelnd zurück. Dann rannte sie zu Vivian und zog sie wild entschlossen hoch. „Hoch!“ Sie riss Vivian hoch und diese sah sie erschrocken an. „Was ist denn los? Was zerrst du so?“ Clarissa sah Vivian ins Gesicht und zischte „Wenn wir jetzt nicht Land gewinnen sind wir Geschichte“ und rannte los. Vivian rannte widerwillig mit. Plötzlich riss sie sich von Clarissa los. „Was zur Hölle ist los? Was hast du gesehen, das du hier unbedingt weg willst und wohin willst du sonst, verdammt?“

Clarissa blieb ebenfalls stehen und sah Vivian verzweifelt an. Da unten ist die Hölle los Vivian. Ich weiß nicht wo wir hier sind. Aber das da“ Clarissa zeigte auf den Hügel und fuchtelte wild mit der Hand dabei. „Das ist der Vorhof der Hölle.“ Vivian sah sie trotzig an. „Na und? Wie gesagt, wo willst du sonst hin?“ Vivian sah ihr fest in die Augen. Ihre ganze Erscheinung hatte sich gewandelt. Sie strotzte plötzlich nur so vor Kraft und Clarissa sah sie ungläubig an. „Vielleicht sind wir genau deshalb hier? Ich glaube DAS ist es was mich ruft!“ und schon stapfte sie wild entschlossen den Hügel hinauf.

Clarissa stieg ihr leise schimpfend hinterher. Als Vivian oben angekommen war verschlug es ihr den Atem.

Der grünliche Horizont, den Sie von weitem schon gesehen hatten, war zum Himmel geworden. Überall sah man grünschwarze Nebelschwaden wabern und ein süßlich schwerer Geruch von Tod und Verwesung schwallte zu Ihnen. Clarissa drehte sich würgend weg.

Vivian sah zu ihr und strich ihr sanft über den Rücken „Wir müssen da runter, schaffst du das? Sonst muss ich alleine gehen“ Clarissa schüttelte den Kopf „Auf keinen Fall gehst du allein da runter. Ich bin dein Wächter, Das wird schon klappen. Wenn du sagst du musst da hin, dann gehen wir.“ Nickte sie ihr zur Bestärkung zu.

Vivian ging langsam und vorsichtig, einen Fuß vor den anderen setzend, den Hügel hinab. Je weiter sie nach unten kam, umso dunkler und weniger wurde das Gras. Als sie unten ankamen, standen sie auf einem schwarzen Boden, der zäh wie Teer war. ein heißer Luftzug strömte auf sie ein und nahm ihnen die Luft zum atmen.

Clarissa klammerte sich nun an Vivian fest und flüsterte „Spürst du immer noch den Ruf?“ Vivian nickte leicht und streckte langsam die Hand in die Richtung halb links, vor ihnen.

Clarissa raffte sich auf, ließ Vivian los und stimmte ihr zu „Ok, dann los. Schlimmer wird’s immer“ lächelte sie Vivian zaghaft an.

Vivian nickte und ging langsam in die vorher angedeutete Richtung los. Die Luft wurde immer schwerer zu atmen. Als würde kleine, spitze Nadeln in der Luft schweben, die beim Einatmen mit in die Lunge gesogen werden.

Clarissa krallte sich an Vivians Arm fest. „Nicht so fest.“ Zischte Vivian sie von der Seite an. Clarissa ließ los und sah Vivian entschuldigend an. „Ich sollte eigentlich voran gehen.“ Vivian lächelte „Aber du wirst nicht gerufen!“ Clarissa nickte fast enttäuscht. „Also los, weiter geht es.“ Vivian riss sich einen größeren Streifen vom Saum des Kleides ab und teilte ihn in der Mitte. Den zweiten Streifen gab sie Clarissa in die Hand „Nimm das vor den Mund, dann sollte das Atmen erleichtern“ lächelte sie ihr zu.

Clarissa nahm ihn danken an. “Hätte ich auch mal drauf kommen können.“ Grinste sie Vivian an.

Beide gingen weiter, mit dem Tuch vom Kleid vorm Mund, und blieben abrupt stehen. Die Nebel wurden augenscheinlich größer und dunkler und waberten auf sie zu. Clarissa wollte instinktiv wieder zurückweichen. Doch Vivian hielt sie am Ärmel fest und zog sie weiter nach vorn. Hinein in den Nebel.