Vorwort
Ich bin Lato, Sohn des Luht, Daimyō der Weißen Berge, Schwertmeister im Dienst meines Hauses und Träger der Neunten Klinge. Siebenundsechzig Jahre zähle ich nun, da ich diese Worte niederschreibe. Meine Hände zittern nicht, doch sie sind langsamer geworden. Bisweilen spüre ich noch den harten Griff meines Schwertes in der Rechten, aber ich fürchte, ich vermöchte es nicht mehr zum Kampfe zu ziehen. Und es ist gut so. Ein Mann meines Alters soll nicht länger mit Stahl sprechen, sondern mit Erinnerungen an glorreichere Tage. Wenn Euch diese Zeilen erreichen, so nicht, um meinen Namen zu mehren oder den meines Hauses. Denn ich erzähle nicht meine Geschichte, sondern die von Elias und Andromachi und davon, wie sie den Tod zurück in unsere Welt brachten. Es ist eine traurige Geschichte, geboren im Zeitalter des Lebens. Eine Geschichte von unermesslichem Leid, von Verzweiflung und Verrat, von Hoffnungslosigkeit und Hass, von Grausamkeit und Gier, von Wahnsinn und Wut. Seit meiner Rückkehr vom Mittleren Kontinent habe ich mehr als einmal von Elias und Andromachis berichtet: Am Hofe, für die Archive des Shōguns, denen ich meinen Bericht diktierte, auf dass die Schreiber ihn bis zur Unkenntlichkeit verfälschten und in den Hallen meines Bruders im Weißen Schloss, vor Kriegern, Mönchen und Höflingen. Man hörte mich an, man verneigte sich, man stellte höfliche Fragen. Doch geglaubt hat man mir nicht. Ich selbst hätte mir nicht geglaubt, hätte ich nicht alles, was ich berichte, mit eigenen Augen gesehen. Was Ihr nun erfahren werdet, wird Euch begleiten, ein Leben lang. Es wird sich in Eure Gedanken setzen wie Schatten im kalten Rauch, und es wird Euch nicht wieder verlassen. Und dennoch schreibe ich. Denn die Geschichte von Elias und Andromachis muss erzählt werden. Das schulde ich ihm. Meinem Herrn. Meinem Waffenbruder. Meinem Freund.