Chapter 1
Zii stand in der Mitte ihrer neuen Wohnung, umgeben von Türmen aus Pappkartons, die aussahen, als würden sie sie verurteilen. Es roch leicht nach frischer Farbe und Möglichkeiten. Es war ihre erste Wohnung, ganz allein ihre eigene.
Und sie hatte absolut keine Ahnung, was sie da eigentlich tat.
Langsam ging sie eine Runde durchs Wohnzimmer und versuchte sich vorzustellen, wo was hingehörte. Das Sofa? Wahrscheinlich an die Wand. Der Fernseher? Vielleicht gegenüber vom Sofa. Die Pflanzen, die sie impulsiv gekauft hatte? Das war schwieriger. Sie brauchten Sonnenlicht, aber sie war sich nicht sicher, ob sie zu der Sorte gehörten, die Sonne liebte, oder zu der, die sie nur tolerierte. Sie nahm sich vor, das später nachzuschlagen.
Ihre erste echte Aufgabe war zu entscheiden, welchen Karton sie öffnen sollte. Sie hatte sie zwar selbst beschriftet, aber irgendwie fühlten sich „Küchenzeug“ und „Mehr Küchenzeug“ jetzt nicht mehr besonders hilfreich an. Sie wählte einen nach dem Zufallsprinzip, schnitt das Klebeband auf und fand … drei Tassen, einen Schneebesen und eine einzelne Socke.
Sie starrte die Socke an.
Die Socke starrte zurück.
„Okay“, sagte sie laut. „Das fängt ja stark an.“
Während sich der Nachmittag in die Länge zog, gab es kleine Siege. Sie fand heraus, wie man das Thermostat einstellte, ohne die Wohnung in eine Sauna zu verwandeln. Sie baute einen Esszimmerstuhl zusammen. Und sie schaffte es sogar, ihre erste Mahlzeit in der neuen Küche zu kochen. Instant-Ramen, aber mit Ei.
Zii aß die Ramen im Stehen am Küchentresen. Der Esszimmerstuhl war das einzige Möbelstück, das sie bisher zusammengebaut hatte, und sie war emotional noch nicht bereit, sich darauf zu setzen. Die Nudeln waren etwas zu weich, aber das Essen schmeckte nach Unabhängigkeit. Oder vielleicht nach Salz. Schwer zu sagen.
Sie spülte die Schüssel, stellte sie ins Abtropfgestell und spürte einen kleinen Anflug von Stolz.
Dann drehte sie sich um und sah wieder die Kartons.
Sie ragten im Wohnzimmer auf wie Papp-Wolkenkratzer, jeder einzelne ein Versprechen einer neuen Aufgabe, für die sie sich noch nicht ganz bereit fühlte. Sie seufzte, schnappte sich einen mit der Aufschrift „Schlafzimmer“ und zog ihn in Richtung Flur. Er schrammte über den Boden mit einem Geräusch, bei dem sie zusammenzuckte, aber sie machte weiter. Sie war fest entschlossen, wenigstens ein Zimmer bis zum Ende des Tages wirklich zu ihrem eigenen zu machen.
Im Karton waren Bettlaken, Kissenbezüge, eine Lampe und ein Stofftier, von dem sie dachte, sie hätte es im Haus ihrer Eltern zurückgelassen. Sie drückte den alten, leicht schiefen Fuchs einen Moment lang an ihre Brust. Er roch schwach nach Waschmittel und Kindheit. Vorsichtig legte sie ihn an das Bettgestell, das sie noch nicht aufgebaut hatte.
Die Lampe war immerhin einfach. Sie steckte sie ein, drückte den Schalter, und warmes Licht ergoss sich über das leere Zimmer.
Als Nächstes war das Bettgestell dran. Die Anleitung bestand aus einem einzigen Blatt Papier mit Zeichnungen, die aussahen, als hätte sie jemand angefertigt, der noch nie ein Bett gesehen hatte. Zii setzte sich im Schneidersitz auf den Boden, Holz- und Metallteile um sie herum verstreut wie ein Puzzle, das von einem schelmischen Kleinkind ausgekippt worden war