Ein neuer Anfang

Summary

Verosika Mayday war schon oft gefallen und immer wieder aufgeschlagen doch was ist wenn sie diese mal jemand auf fangen tut von dem sie nie erwartet hätte das er ihr Herz mal höher schlagen lässt

Genre
Romance
Author
Vortex
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 Scherben

Ein neuer Anfang

Eine Helluva Boss Fanfiction


Das Hotelzimmer lag im zwielichten Orange der untergehenden Sonne der Hölle, die durch die dicken Vorhänge drang und lange Schatten an die Wände warf. Der Geruch von billigem Desinfektionsmittel und abgestandener Luft hing in der kleinen Suite, gemischt mit dem süßlichen Duft von Verosikas Parfüm, der sich noch in den Kissen verfangen hatte. Auf dem Boden verstreut lagen Kleidungsstücke – ein schillerndes Top, ein kurzer Rock, High Heels, die achtlos hingeworfen worden waren, als ob es keine Eile mehr gab, als ob nichts mehr von Bedeutung war.

Verosika Mayday saß auf der Bettkante, die Beine angewinkelt, die Arme um ihre Knie geschlungen. Ihr Körper, normalerweise eine Waffe der Verführung, war jetzt nur noch eine Hülle aus Schmerz. Sie war nackt, aber nicht aus Lust – es war eine Nacktheit der Verletzlichkeit, der Scham. Die Tränen liefen unaufhörlich über ihre Wangen, vermischten sich mit der schwarzen Wimperntusche und tropften auf die weiße Bettwäsche, wo sie kleine, dunkle Flecken hinterließen. Ihr Herz fühlte sich an, als hätte jemand mit einer groben Klaue hineingegriffen und es zerquetscht.

Blitzø.

Der Name hallte in ihrem Kopf wider wie ein schlechter Ohrwurm. Sie hatte ihm alles gegeben – ihre Zeit, ihre Zuneigung, ihre verletzliche Seite, die sie sonst vor der Welt verbarg. Und er? Er hatte sie einfach fallen lassen wie einen lästigen Gegenstand. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, nur diese kalte, gleichgültige Art, mit der er sich abgewandt hatte. Sie hatte in seinen Augen gesehen, dass sie ihm nichts mehr bedeutete. Vielleicht hatte sie ihm nie etwas bedeutet.

Ein Schluchzer entrang sich ihrer Kehle, und sie vergrub ihr Gesicht in den Knien. Die Tränen wollten einfach nicht versiegen. Sie war ein Sukkubus, verdammt noch mal! Sie verführte Dämonen mit einem Lächeln, ließ sie um sie betteln. Und jetzt lag sie hier, allein in einem billigen Hotelzimmer, und weinte um einen Idioten, der sie nicht verdiente. Aber das Herz ließ sich nicht von Logik leiten. Es schmerzte, und dieser Schmerz war so real wie das Brennen in ihrer Kehle.

Sie dachte an die gemeinsamen Nächte, an sein raues Lachen, an die Art, wie er sie manchmal ansah – als wäre sie das einzige Wesen im gesamten Pentagramm. War das alles nur gespielt? War sie nur ein weiteres Abenteuer für ihn gewesen? Die Fragen fraßen sich in ihr Bewusstsein, und jede Antwort, die sie fand, war schlimmer als die vorherige.

Die Zeit verlor ihre Bedeutung. Minuten oder Stunden mochten vergangen sein, als ein leises Klicken sie aus ihrer Trance riss. Das Geräusch einer Tür, die sich öffnete. Sie hob den Kopf, die Augen rot verquollen, das Gesicht nass von Tränen, und ihr Herz setzte einen Schlag aus.

Eine große Silhouette füllte den Türrahmen. Ein Höllenhund – massig, mit grauem und schwarzem Fell, das im schwachen Licht schimmerte. Er trug ein schwarzes T-Shirt, das sich über seiner breiten Brust spannte, eine kurze Cargo-Hose und eine Weste mit roten Stacheln auf den Schultern. Seine Ohren waren aufgestellt, seine Augen – ein warmes, bernsteinfarbenes Gelb – musterten den Raum. Für Verosika jedoch war er in diesem Moment nichts weiter als eine Bedrohung. Ein Fremder, ein Mann, in ihrem Zimmer, während sie nackt und wehrlos war.

Panik schoss durch ihre Adern wie flüssiges Feuer. Sie schrie nicht – die Angst würgte ihre Stimme ab. Stattdessen wich sie zurück, drückte sich gegen das Kopfteil des Bettes, zog die dünne Decke mit zitternden Händen bis zum Kinn hoch. Ihre Stimme, als sie endlich kam, war nur ein heiseres Flüstern, das vor Furcht brach.

„Bitte … ich hab nur Geld in meinem Geldbeutel …“ Sie deutete mit einem zitternden Finger auf die Kommode, wo ihre Handtasche lag. „Nimm es, wenn du willst. Aber bitte … tu mir nicht weh.“

Ihre Augen waren weit aufgerissen, der Blick eines gejagten Tieres. Sie erwartete das Schlimmste – hatte es schon so oft erlebt in der Hölle, dass Freundlichkeit eine Seltenheit war und Hinterhältigkeit an der Tagesordnung.

Der Höllenhund jedoch rührte sich nicht. Er stand da, sah sie an, und in seinen Augen lag keine Gier, keine Bosheit. Stattdessen zeigte sich Überraschung, dann Verständnis, und schließlich etwas, das wie Mitgefühl aussah. Er hob langsam beide Hände, die Handflächen nach vorne gerichtet, eine universelle Geste der Friedfertigkeit.

„Hey, hey, beruhig dich“, sagte er mit einer tiefen, ruhigen Stimme, die überhaupt nicht bedrohlich klang. Eher wie ein sanftes Grollen, das sie einhüllte. „Ich tu dir nicht weh. Ganz ehrlich. Ich dachte nur, das Zimmer wäre frei für mich. Die Rezeption hat mir den Schlüssel gegeben – muss ein Missverständnis sein.“

Er machte einen langsamen Schritt ins Zimmer, dann einen zweiten, aber immer mit dieser bedächtigen Ruhe, die keine Eile zeigte. Sein Blick wanderte kurz über die verstreuten Klamotten auf dem Boden, dann blieb er an ihrem zitternden Körper hängen, der sich unter der Decke verbarg. Er wandte den Blick ab, um ihr nicht das Gefühl zu geben, beobachtet zu werden, und begann, sich zu bücken.

Mit einer Sanftheit, die man einem so massigen Wesen kaum zugetraut hätte, hob er ihre Kleidungsstücke auf – das Top, den Rock, die Schuhe. Er achtete darauf, nichts zu knittern, und legte alles ordentlich auf das Fußende des Bettes, wo sie es leicht erreichen konnte. Dann richtete er sich wieder auf und sah sie nicht direkt an, sondern eher an ihr vorbei, aus dem Fenster.

„Da“, sagte er leise. „Ich geh dann mal. Tut mir leid, dass ich dich erschreckt hab. Ich klär das an der Rezeption.“ Er drehte sich um und wollte gehen.

Verosika starrte ihn an, die Angst langsam einer dumpfen Verwirrung weichend. Er wollte wirklich nichts von ihr? Keine Gegenleistung, keine Drohung? Einfach so gehen? Sie sah auf die Kleider, die er ihr hingelegt hatte, und ein kleiner Funke von Wärme durchbrach die eisige Kälte in ihrer Brust. Er hatte sie nicht ausgenutzt, nicht einmal hingesehen, als sie nackt war. Er hatte sie respektiert. In der Hölle war das eine Seltenheit.

„Warte“, hörte sie sich selbst sagen, bevor sie nachdenken konnte. Ihre Stimme war noch immer brüchig, aber fester als zuvor. „Du … du brauchst nicht zu gehen. Ich meine, es ist dein Zimmer, wenn es ein Missverständnis gab. Ich … ich mach das schon. Ich zieh mich an und dann …“ Sie verstummte, wusste nicht, wie sie den Satz beenden sollte. Dann kroch sie vorsichtig, die Decke um sich gewickelt, zum Fußende des Bettes, griff nach ihren Sachen und zog sich unter der schützenden Hülle so gut es ging an. Es war unbeholfen, und sie spürte seinen Blick nicht auf sich – er stand immer noch mit dem Rücken zu ihr, wartete geduldig.

Als sie fertig war – das Top saß schief, der Rock war verrutscht, aber es bedeckte sie – räusperte sie sich. „Ich bin fertig.“ Ihre Stimme klang immer noch belegt von den Tränen.

Er drehte sich um. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Schnauze. „Alles klar. Dann geh ich jetzt mal runter und klär das. Du kannst hier bleiben, solange du willst. Ich find schon was anderes.“ Er nickte ihr kurz zu, dann öffnete er die Tür und trat hinaus, schloss sie leise hinter sich.

Verosika stand mitten im Zimmer, umgeben von der Stille, die er hinterlassen hatte. Sie fühlte sich … seltsam. Nicht mehr so allein. Nicht mehr so wertlos. Ein wildfremder Höllenhund hatte ihr mehr Anstand gezeigt als der Mann, den sie geliebt hatte. Ein bitterer Gedanke, aber auch ein kleiner Hoffnungsschimmer.

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Unten in der Lobby des Hotels war es heller. Kitschige Kronleuchter aus falschem Kristall hingen von der Decke, und an der Rezeption thronte eine Dämonin mit tiefroter Haut und geschäftsmäßigem Lächeln. Sie tippte gelangweilt auf ihrem Computer herum, als der große Höllenhund an den Tresen trat.

„Entschuldigung“, begann er, seine Stimme tief und angenehm. „Da gab es wohl ein Problem mit dem Zimmer. Ich hab den Schlüssel für 204 bekommen, aber da war schon jemand drin. Eine junge Frau. Sie war …“

Die Rezeptionistin unterbrach ihn mit einem genervten Seufzer. „Ach verdammt, schon wieder die Verwechslung. Tut mir leid, Sir. Wir haben das System umgestellt und da sind ein paar Nummern durcheinandergeraten. Ihr Zimmer wäre eigentlich 205 gewesen. Soll ich Ihnen den Schlüssel dafür geben?“

Vortex – so hieß der Höllenhund – schüttelte den Kopf. „Nein, lassen Sie. Ich will der Frau da oben nicht noch mehr Umstände machen. Haben Sie vielleicht ein anderes Zimmer frei? Oder ich such mir was in der Nähe.“

Die Dämonin zuckte die Achseln. „Tut mir leid, wir sind ausgebucht. Heute ist ja das große Konzert von Azmodius in der Stadt. Aber wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die Adresse eines anderen Hotels geben, nur zwei Straßen weiter.“

Vortex nickte. „Ja, das wäre nett.“ Er nahm die hingekritzelte Adresse entgegen, bedankte sich und wollte gerade gehen, als er innehielt. „Die Frau da oben … wissen Sie, wie lange sie schon hier ist? Sie sah … ziemlich mitgenommen aus.“

Die Rezeptionistin hob eine Augenbraue. „Das geht Sie was an?“

Er zuckte die Schultern. „Nur so. Sie wirkte, als ob sie jemanden zum Reden brauchen könnte. Aber vergessen Sie’s.“ Er wandte sich ab und ging zur Tür.

Oben im Zimmer packte Verosika derweil ihre Sachen. Sie warf die Kleidungsstücke, die sie zuvor so achtlos fallen gelassen hatte, in ihren Koffer, zusammen mit Kosmetikartikeln und ein paar persönlichen Dingen. Ihre Hände zitterten noch immer, aber sie zwang sich zur Ruhe. Sie würde nicht hierbleiben, nicht in diesem Zimmer, das nach Erinnerungen roch, die sie nicht haben wollte. Sie würde gehen, sich ein anderes Hotel suchen, vielleicht morgen wieder nach Hause fahren.

Als sie ihre Handtasche durchsuchte, um nach ihrer Kreditkarte zu sehen – sie musste bezahlen –, durchfuhr sie ein kalter Schreck. Die Karte war nicht da. Sie kramte hektisch in allen Fächern, leerte den Inhalt aufs Bett. Lippenstifte, ein kleiner Spiegel, ein Notizblock, Kaugummi – aber keine Karte. Ein Fluch entwich ihren Lippen. Sie hatte sie doch noch gehabt, als sie eingecheckt hatte. Oder? Die Panik kehrte zurück, aber diesmal war es nicht Angst vor einem Fremden, sondern die Sorge um ihre finanziellen Mittel. Ohne Karte war sie aufgeschmissen.

Vielleicht ist sie im Auto runtergefallen, dachte sie. Oder ich hab sie an der Rezeption liegen lassen. Sie nahm ihren Geldbeutel – zum Glück war noch etwas Bargeld drin – und beschloss, runterzugehen und nachzufragen. Vielleicht war der Höllenhund noch da.

Sie verließ das Zimmer und trat auf den Flur. Und tatsächlich: Er kam gerade die Treppe herauf, direkt auf sie zu. Für einen Moment zögerte sie, dann fasste sie Mut.

„Hey“, sagte sie, als er näher kam. „Du bist wieder da?“

Er blieb stehen, ein wenig überrascht, sie zu sehen. „Ich wollte nur kurz nachsehen, ob alles okay ist. Ich hab das mit dem Zimmer geklärt – es war ein Fehler des Hotels. Ich such mir was anderes.“ Er musterte sie kurz. Sie hatte sich notdürftig zurechtgemacht, aber ihre verquollenen Augen und die angespannte Haltung verrieten, dass sie noch lange nicht über den Berg war. „Du siehst aus, als ob du auch gerade gehen wolltest. Alles in Ordnung?“

Verosika seufzte. „Mir fehlt meine Kreditkarte. Ich wollte runter zur Rezeption, vielleicht hab ich sie da verloren.“ Sie versuchte, ein Lächeln zu erzwingen, aber es gelang ihr nicht.

Vortex nickte verständnisvoll. „Komm, ich begleite dich. Wenn sie nicht da ist, kann ich dir vielleicht aushelfen.“ Er machte eine einladende Geste zur Treppe.

Gemeinsam gingen sie die Stufen hinunter. Verosika fiel auf, wie ruhig und gelassen er neben ihr ging, keine Hektik, keine aufdringlichen Fragen. Er war einfach da, eine stabile Präsenz, die ihr unwillkürlich Sicherheit gab.

An der Rezeption war die Kreditkarte nicht aufgetaucht. Die Dämonin zuckte nur mit den Schultern und meinte, sie solle es bei der Bank sperren lassen. Verosika spürte, wie die Verzweiflung wieder in ihr hochstieg. Ein weiterer Schicksalsschlag an einem ohnehin schon beschissenen Tag.

Draußen, vor dem Hotel, wehte ein warmer Wind durch die Straßen der Hölle. Der Himmel war in rot-violette Farben getaucht, und die Lichter der Stadt begannen zu flackern. Verosika lehnte sich gegen die Hauswand, atmete tief durch.

„Hey“, sagte Vortex sanft. „So schlimm? Brauchst du Geld? Ich kann dir was leihen, wenn es hilft.“

Sie sah ihn an, wirklich an. Zum ersten Mal nahm sie ihn richtig wahr: die freundlichen bernsteinfarbenen Augen, das weiche Fell, die entspannte Haltung. Er hatte nichts von dem arroganten Gehabe, das sie von vielen männlichen Dämonen kannte. Er wirkte … ehrlich.

„Danke, aber das kann ich nicht annehmen. Ich kenn dich doch gar nicht“, murmelte sie.

„Ich heiße Vortex. Aber meine Freunde nennen mich Tex“, sagte er und streckte ihr eine große Pfote hin. „Und du?“

Sie zögerte nur einen Moment, dann ergriff sie seine Hand. Seine Berührung war warm und fest, aber nicht aufdringlich. „Verosika Mayday“, sagte sie leise. „Aber meine Freunde nennen mich Vero.“ Ein schwaches Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Schöner Name für eine junge Frau wie dich. Deine Eltern waren sehr kreativ“, sagte Vortex und meinte es ernst.

Verosika spürte, wie eine leichte Röte in ihr Gesicht stieg – etwas, das sie als Sukkubus normalerweise kontrollieren konnte. Aber hier, bei ihm, war sie einfach sie selbst, ohne Maske. „Oh, eh … das ist sehr nett von dir“, stammelte sie.

Er ließ ihre Hand los und deutete auf den Parkplatz. „Mein Wagen steht da drüben. Hör zu, wenn du keine Karte hast und nicht weißt, wohin – ich kann dich nach Hause fahren. Oder wenn du noch nicht allein sein willst, kannst du erstmal mit zu mir kommen. Zum Beruhigen und Ausschlafen, meine ich. Ich hab ein Gästezimmer, ganz für dich allein. Keine Hintergedanken, versprochen.“ Er sah sie offen an.

Sein Angebot traf sie unvorbereitet. Es war so unerwartet, so selbstlos in einer Welt, in der jeder nur an sich dachte. Und doch – etwas in ihr sehnte sich nach dieser Wärme, nach dieser Geborgenheit. Sie wollte nicht allein sein in dieser Nacht, nicht in einem kalten Hotelzimmer, nicht mit den Gedanken an Blitzø, die sie quälten.

„Ich … würde gerne mit zu dir kommen“, sagte sie zögernd. „Wenn es wirklich keine Umstände macht.“

Vortex lächelte – ein breites, offenes Lächeln, das seine Fangzähne zeigte, aber auf eine charmante Art. „Keine Umstände. Komm, ich hol dein Gepäck.“ Er ging mit ihr zurück ins Hotel, nahm ihren Koffer und trug ihn mühelos die Treppe hinunter zum Parkplatz.

Dort stand ein schwarzer Audi, glänzend und gepflegt. Er öffnete den Kofferraum, verstaute den Koffer und schloss die Klappe. Dann ging er zur Beifahrertür und hielt sie für sie auf. Verosika stieg ein – die Ledersitze waren weich und dufteten angenehm. Vortex setzte sich hinters Steuer, startete den Motor, der leise aufheulte, und fuhr vom Parkplatz.

Durch die beleuchteten Straßen der Stadt glitten sie dahin. Verosika lehnte den Kopf gegen die Kopfstütze und sah aus dem Fenster. Die Häuser, die Leuchtreklamen, die vorbeihastenden Dämonen – alles verschwamm zu einem bunten Band. Neben ihr saß ein Fremder, der sich wie ein Freund anfühlte.

„Magst du Musik?“, fragte Vortex und drehte das Radio leise auf. Aus den Lautsprechern kam smoother Jazz, eine angenehme Untermalung.

„Ja, gern“, murmelte Verosika. Sie schloss die Augen und ließ sich von der Musik und der sanften Fahrt tragen. Zum ersten Mal an diesem Tag spürte sie, wie die Anspannung langsam wich.

Nach einer Weile, als sie eine ruhigere Wohngegend erreichten, brach Vortex das Schweigen. „Du musst nicht reden, wenn du nicht willst. Aber wenn du möchtest, kannst du mir erzählen, was dich so traurig gemacht hat. Manchmal hilft das.“

Verosika öffnete die Augen und sah ihn an. Sein Profil war im schwachen Licht der Armaturen zu erkennen – konzentriert auf die Straße, aber entspannt. Sie spürte, dass sie ihm vertrauen konnte. Vielleicht lag es an der Art, wie er sie behandelt hatte. Vielleicht lag es an ihrer Verzweiflung. Aber sie begann zu sprechen.

„Es ist ein Idiot“, sagte sie leise. „Ein blöder, arroganter Idiot, der mein Herz gebrochen hat. Ich dachte, wir hätten etwas Besonderes. Aber er hat mich einfach … fallen lassen. Ohne ein Wort.“ Ihre Stimme wurde brüchig. „Ich weiß, es ist dumm, wegen so einem Typen zu weinen. Aber es tut so weh, Tex.“

Vortex hörte zu, nickte ab und zu, ließ sie reden. Als sie fertig war, sagte er ruhig: „Es ist nicht dumm. Liebe tut weh, besonders wenn sie nicht erwidert wird. Aber du wirst drüber wegkommen. Und du hast etwas Besseres verdient als jemanden, der dich nicht zu schätzen weiß.“

Seine Worte trafen sie tief. Einfach, aber wahr. Sie spürte, wie eine weitere Träne über ihre Wange lief, aber diesmal war es eine andere Art von Träne – eine, die reinigte.

Der Wagen bog in eine Einfahrt ein, vor einem schlichten, aber gepflegten Haus. Vortex stellte den Motor ab und drehte sich zu ihr. „Wir sind da. Willkommen in meinem bescheidenen Heim.“

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Die Reifen des Audi kamen mit einem leisen Quietschen auf dem gepflasterten Weg zum Stehen. Vortex öffnete die Tür und stieg aus, die kühle Abendluft der Hölle strömte herein – ein Gemisch aus Schwefel und entferntem Blütenduft. Verosika löste sich aus ihrem Sitz, öffnete ihre Tür und trat hinaus. Ihre Beine fühlten sich etwas wackelig an, aber sie atmete tief durch und sah sich um.

Das Haus war ein zweistöckiger Bau im modernen Stil, mit großen Fenstern und einer Terrasse. Im Vorgarten blühten einige feuerrote Blumen, die im Wind zitterten. Es wirkte einladend, ganz anders als die sterilen Hotelzimmer oder ihre eigene, oft chaotische Wohnung.

Vortex holte ihren Koffer aus dem Kofferraum und kam zu ihr. „Na, wie fühlst du dich?“, fragte er sanft.

„Erschöpft“, gab sie zu. „Aber besser. Danke, dass du mich mitgenommen hast. Das ist wirklich … unheimlich nett von dir.“

Er schüttelte den Kopf. „Ist doch selbstverständlich. Komm, lass uns reingehen. Ich mach dir was zu trinken, und dann kannst du erstmal duschen oder schlafen, ganz wie du magst.“ Er schloss die Haustür auf und ließ sie eintreten.

Der Flur war hell erleuchtet, die Wände in einem warmen Beige gehalten. Ein großer Spiegel hing an der Wand, daneben eine Kommode mit Schlüsseln und Post. Vortex stellte ihren Koffer ab und deutete auf eine Tür. „Das ist das Gästezimmer, gleich hier. Bad ist nebenan. Ich bin im Wohnzimmer, falls du was brauchst. Oder in der Küche – ich hol uns was zu trinken. Magst du Tee? Oder was Stärkeres?“

Verosika lächelte matt. „Tee wäre gut. Danke.“

Sie öffnete die Tür zum Gästezimmer – ein heller Raum mit einem breiten Bett, einem Schreibtisch und einem Kleiderschrank. Die Bettwäsche war in sanften Blautönen gehalten, und auf dem Nachttisch stand eine kleine Vase mit einer einzelnen roten Blüte. Es war einfach, aber gemütlich, und vor allem: Es war nicht ihr Zuhause, nicht der Ort, an dem sie ständig an Blitzø denken musste.

Sie ließ sich auf die Bettkante sinken, stützte die Ellbogen auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. Die Ereignisse des Tages wirbelten in ihrem Kopf durcheinander. Sie hatte einen Fremden kennengelernt, der sich wie ein Freund verhielt. Sie war in seinem Haus, allein mit ihm. Und obwohl sie wusste, dass sie vorsichtig sein sollte, fühlte sie sich sicher. Vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit.

Ein leises Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Vortex steckte den Kopf herein, in den Händen zwei dampfende Tassen. „Tee ist da. Darf ich reinkommen?“

Sie nickte, und er trat ein, stellte die Tassen auf den Schreibtisch und setzte sich auf den Stuhl daneben. Er sah sie forschend an.

„Geht’s? Du siehst aus, als ob du noch viel im Kopf hast.“

Verosika nahm eine Tasse, umarmte sie mit beiden Händen, genoss die Wärme. „Ja, irgendwie schon. Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Du hast mich heute vor etwas bewahrt – vielleicht vor mir selbst. Ich weiß nicht, was ich getan hätte wenn du nicht gekommen wärst.“

Vortex schüttelte den Kopf. „Du hättest dich schon durchgeschlagen. Du siehst stark aus. Aber manchmal ist es gut, Hilfe anzunehmen.“ Er nippte an seinem Tee. „Weißt du, ich kenne das. Auch wenn ich nicht so aussehe, als ob ich oft traurig bin – ich hab auch schon schwere Zeiten durchgemacht. Was mir geholfen hat, waren Freunde, die zugehört haben. Ohne Urteil, ohne Hintergedanken. Und genau das biete ich dir an. Nichts weiter.“

Seine Worte berührten sie tief. Sie sah ihn an – diesen großen, kräftigen Höllenhund, der so sanft sein konnte. In seinen Augen lag eine Wärme, die sie lange nicht gesehen hatte.

„Danke, Tex“, flüsterte sie. „Wirklich. Von Herzen.“

Er lächelte und stand auf. „Ruh dich aus. Morgen sieht die Welt vielleicht schon anders aus. Gute Nacht, Vero.“ Er nahm seine Tasse und ging zur Tür, blieb aber noch einmal stehen. „Oh, falls du was brauchst – ich bin im Zimmer am Ende des Flurs. Klopf einfach.“

Dann war sie allein.

Verosika trank ihren Tee aus, stellte die Tasse beiseite und ließ sich aufs Bett fallen. Die Matratze war perfekt – nicht zu weich, nicht zu hart. Sie zog die Decke über sich und schloss die Augen. Zum ersten Mal an diesem Tag war da keine Stimme in ihrem Kopf, die ihr sagte, sie sei wertlos. Nur die Stille und das Gefühl, dass vielleicht doch nicht alles verloren war.

Draußen vor der Tür stand Vortex noch einen Moment lang, lauschte, ob sie noch wach war. Dann ging er leise in sein Zimmer, zufrieden, dass er einer Seele in Not geholfen hatte. Er wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, aber er wusste, dass er heute das Richtige getan hatte.

Und in ihrem Zimmer, in einem fremden Haus, schlief Verosika Mayday zum ersten Mal seit Tagen ohne Tränen ein.