Face my Race

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Summary

Er kontrolliert die Straßen. Sie soll ihn zu Fall bringen. Logan Martínez – unantastbar, eiskalt, König der illegalen Rennen. Er plant alles. Kontrolliert alles. Vertraut niemandem. Bis Marla auftaucht. Zu talentiert. Zu ruhig. Zu perfekt. Er misstraut ihr vom ersten Moment an. Überprüft ihre Vergangenheit. Sucht nach Rissen in ihrer Geschichte. Und findet keine. Was er nicht weiß: Marla trägt selbst ein Geheimnis, das alles zerstören kann.

Genre
Drama
Author
aldiana
Status
Ongoing
Chapters
12
Rating
n/a
Age Rating
18+

Marla

Marla…

Als ich aufwachte, war es nicht das Licht, das mich weckte. Es war die Kälte.

Sie kroch durch meine Kleidung, biss sich in meine Haut, saß schwer in meinen Knochen. Für einen Moment wusste ich nicht, wo ich war. Dann sah ich die grauen Wände. Das Metall. Die Gitterstäbe.

Gefängnis.

Mein Atem hing als blasser Nebel in der Luft. Ich zog die Knie an die Brust, doch es half kaum. Alles in mir wollte nur eines: raus. Weg von hier. Weg von dieser Stille, die lauter war als jedes Schreien.

Aber ich wusste, ich konnte nicht.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich von einer Seite auf die andere zu drehen, die Arme eng um mich geschlungen, und tief durchzuatmen. Ein. Aus. Ein. Aus



Logan

Ich trat näher an die Gitterstäbe und sah zur Zelle nebenan.

Ein zierliches Mädchen war eingetroffen. Sie wirkte fehl am Platz hier – zu ruhig, zu in sich gekehrt.

Sie beachtete mich kaum. Kein Blick, kein Zögern. Sie war ganz auf sich selbst konzentriert, als würde der Rest der Welt nicht existieren.

Und genau das zog meine Aufmerksamkeit auf sie.

Ich war es nicht gewohnt, übersehen zu werden.

Versteht mich nicht falsch – ich bilde mir nichts ein. Aber dort, wo ich herkam, bedeutete mein Name etwas. Ich hatte mir etwas aufgebaut. Etwas, das mir Ruhm und Status verschaffte.

Und sie?

Sie tat so, als wäre ich unsichtbar.


Marla

Ich sah ihn. Er war es. Ich wusste es, als ich ihm kurz meines Blickes würdigte – doch er hatte keine Ahnung, mit wem er es zu tun hatte.

Ich wollte das alles nicht, und doch bin ich hier, auf mich allein gestellt.

Doch ich weiß, was zu tun ist. Ich bin immer vorbereitet.

Und trotzdem hatte ich etwas anderes erwartet. Ich wusste zwar, wie „er“ aussieht, doch seine Art – wie selbstbewusst er ist – ließ mich erzittern, und immer wieder musste ich mich innerlich beruhigen.

Ich nahm es zuerst gar nicht wahr – jemand anderes betrat die Zellen.

„Marla?“

Ich hörte meinen Namen, doch ich reagierte nicht.

Nicht reagieren. Kein Zeichen von Schwäche. Er darf nicht merken, dass ich Angst habe.

„Marla… Marla, Marla, Marla“, sagte er und schritt langsam an den Gitterstäben auf und ab. Sein Blick brannte in mir, Wut und Verachtung zugleich.

Beruhige dich. Atme. Kein Zeichen von Schwäche.

„Du kleine Diebin, ich hab dir gesagt, ich werde dich kriegen“, sagte der Kerl auf der anderen Seite der Gitterstäbe.

Merlon. Der Mann, der mich geschnappt hatte. Reicher Geschäftsmann aus New York.

Du kleine Diebin…“, begann er mit gespielter Geduld, „weißt du eigentlich, wie viel Ärger du mir gemacht hast? Zwanzig Autos… Zwanzig! Und beim einundzwanzigsten hast du es vergeigt.“

Ich blieb reglos, atmete flach.

Gut so. Nicht reagieren. Kein Wort. Lass ihn denken, er hat die Kontrolle.

Er lachte, ein scharfes, kaltes Lachen.

„Schau dich an. Gefangen, eingesperrt, hilflos… und trotzdem denkst du, du wärst clever. Du bist nichts weiter als ein kleines Kind, das spielt, als hätte es Macht.“

Ich bin nicht hilflos. Ich überlebe das. Ich habe es schon immer getan.

„Weißt du, Marla“, fuhr er fort, sich näher an das Gitter beugend, „ich hätte dich töten können. Einfach so. Niemand hätte dich vermisst. Aber nein… ich will sehen, wie du leidest. Ich will, dass du verstehst, dass ich hier das Sagen habe. Nicht du. Ich.“

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, doch ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Meine Gedanken rasten:

Er spielt mit mir. Das ist ein Spiel für ihn. Er unterschätzt mich. Er glaubt, er hätte gewonnen. Mal sehen, wie lange er denkt, dass er mich brechen kann.

Merlon schritt an den Gitterstäben vorbei, sein Blick brannte noch einmal in mir. Dann blieb er stehen, seine Lippen zu einem kalten Grinsen verzogen.

„Ich werde dich jagen, Marla“, sagte er, bevor er den Raum verließ.

Ich war nicht wirklich im Gefängnis – Untersuchungshaft. Sobald die Kaution gezahlt wurde, würde ich draußen sein.

Kaum war die Tür hinter ihm zu, hörte ich eine raue Stimme, die mir ein seltsames Kribbeln verursachte.

„20 Autos?

Ich hob eine Augenbraue. „21“, korrigierte ich knapp.

„Ich bin Logan“, sagte er, und seine Präsenz füllte den kleinen Raum, als würde er jeden Winkel beobachten.

Ich wollte geheimnisvoll wirken, sagte meinen Namen nicht und nickte nur leicht.

„Warum bist du hier?“

Er lachte – direkt, unverblümt, selbstsicher.

„Vielleicht, weil ich nicht gerade begeistert bin, mit einem Mörder Freundschaften zu schließen“, fügte ich hinzu.

„Wer sagt, dass ich dein Freund sein will?“ sagte er, selbstgefällig, die Schultern locker zurückgelehnt.

Ein Grinsen stahl sich auf meine Lippen. Es war ein kurzes, gefährliches Spiel aus Provokation und Neugier.

Als ich kurz schwieg, beugte er sich leicht vor:

„Verdacht auf Autorennen. Knapp.“

Der Raum fühlte sich enger an, die Luft dicker. Wir standen uns gegenüber, Worte wie kleine Schläge, jeder Blick ein Test, jede Bewegung eine Messung der Stärke. Keine Gitter, keine Mauern konnten die Spannung zwischen uns brechen.

Ein Wärter kam herein, und ich wusste sofort, dass es vorbei war.

„Deine Kaution wurde bezahlt“, sagte der Wärter zu Logan.

Logan nickte knapp, blieb lässig stehen und sah mich an. Dann ging er langsam Richtung Ausgang, doch kurz vor meiner Zelle hielt er inne.

„Manus manum lavat“, sagte er, die Worte wie ein Rätsel in der Luft hängend.

Ich verstand nicht, was er meinte, doch ich sagte nichts. Ich nickte nur knapp, ließ meine Haltung unverändert, als wollte ich zeigen, dass mich nichts so leicht aus der Ruhe bringen konnte.

Sein Blick verharrte noch einen Moment auf mir, beinahe prüfend, dann drehte er sich um und verschwand aus dem Raum. Ich blieb zurück, allein mit meinen Gedanken und dem leisen Klicken der sich schließenden Zellentür.