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Haus der Schatten

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Summary

Tritt ein ins Haus der Schatten - wenn du es wagst Mein Name ist Giles Favell. Ich wurde von einem rätselhaften Mann adoptiert und lebte für einige Jahre in seinem Anwesen im Moor, weit im Norden Englands. Ich lernte Victor kennen. Ich machte seltsame Entdeckungen - im Haus und um das Haus herum. Denn Marmond House war mehr als mein Zuhause - es wurde zu meinem Schicksal. Dies ist meine Geschichte. Wenn du sie liest, dann schließe die Türen und mach alle Lichter an. Denn alles, was ich erzähle, ist wahr.

Status
Excerpt
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog


16. Juli 1807

Meredith Favell zügelte sein Pferd und glitt aus dem Sattel. Es war weit nach Mitternacht, die Lichter auf Marmond House längst gelöscht. Nicht einmal die unermüdliche und scheinbar nie schlafende Dienerschaft würde noch auf den Beinen sein. Favell grinste anzüglich, wenn er daran dachte. Duncans Wünsche kannten keine Uhrzeit, und es war gut möglich, dass trotz der Dunkelheit noch jemand im Haus wach war. Er konnte sich vorstellen, warum. Bei dem Gedanken daran griff er nach den drei Flaschen Gin, die in der Satteltasche steckten. Sie waren nicht als Gastgeschenk gedacht, und Duncan würde keine Freude daran haben.

Der Mond schien hell genug, um den schmalen angelegten Pfad zum Haus zu finden. Meredith achtete darauf, nicht auf den knirschenden Kies zu treten, sondern setzte seine Schritte bedacht auf die Rasenfläche. Das Gras war stumpf und trocken und knisterte unter den Sohlen von zu wenig Regen in den vergangenen Wochen; es war ein ungewöhnlich heißer Sommer. Schweiß rann über seinen Nacken, und die Stechmücken schwirrten gierig um ihn herum. Er widerstand der Versuchung, nach ihnen zu schlagen, und dachte stattdessen an Duncan und wen er wohl gerade bei sich hatte. Duncan schlief selten allein in dem großen Bett, und obwohl Meredith nicht gerade der anhänglichste seiner Bettgenossen war, fühlte er doch einen Stich der Eifersucht, als er an das Schlafzimmer dachte: die besten Momente seines Lebens hatte er darin verbracht, das musste man dem Baron lassen. Duncan war nicht zimperlich, und er war eine Naturgewalt im Bett. Nicht verweichlicht oder zurückhaltend wie die anderen Mitglieder des niederen Adels, mit denen man hin und wieder verkehrte, nicht spröde oder wortkarg oder gar zurückhaltend, wenn es darum ging, seine Vorlieben deutlich zu machen. Und er war ein Bild von einem Mann: stattlich, groß, mit einem Gesicht wie gemeißelt und einem Körper wie eine der verdammten Statuen, die überall im Haus herumstanden.

Diese verfluchten Bilder überall, mit ihrem ewigen Lobgesang auf Anmut und Schönheit. Erotischer Schönheit, wohlgemerkt. Es war das erste, was Meredith aufgefallen war, nachdem Duncan ihn bei einer Begegnung in London zum Gespielen auserkoren und nach Marmond eingeladen hatte: Duncans Schätze, die er in allen Teilen der Welt fand und sie hier auf Marmond zusammentrug wie in einem Museum. Fast nebensächlich hatte Duncan ihm einiges davon gezeigt, mit der kühlen Nonchalance des Exzentrikers, der er war, und Meredith war mit offenem Mund dagestanden und hatte sich gefragt, wie ein Mann wie der Baron einem angesehenen Beruf nachgehen konnte, wenn er nur mit den Fingern zu schnippen brauchte, um seinen feudalen Landsitz bis hinauf zum First mit verruchter Kunst vollzustopfen.

Fünf Jahre war das nun her, und sie waren nicht freundlich zu Meredith gewesen. Er war noch keine dreißig, aber Trunksucht und zügelloser Opiumkonsum hatten sein Gesicht gezeichnet; ihm fehlten vier Zähne, sein Fleisch war schlaff, und sein Mund besaß den Zug dekadenten Müßiggangs, der den unmäßigen Genussmenschen verriet. In diesen fünf Jahren war er jeden Sommer nach Yarborough gefahren, pflichtbewusst und begierig zugleich wie ein Hund, der seinen Herrn erwartet. Er wusste, dass er nicht der einzige war, der Asquiths Einladungen folgte; Duncan besaß viele Freunde, und jeder von ihnen wusste, was ihn dort auf Marmond House erwartete: ein offenes Haus, ein großzügiger Gastgeber, und eine Fülle sinnlicher Freuden, die Meredith sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt hätte. Drei Monate im Jahr erwachte Marmond House zum Leben, um dann, nach der Abreise des Barons zurück in die Staaten, wieder in Dornröschenschlaf zu versinken.

Doch dieses Jahr war keine Einladung eingetroffen. Meredith fuhr trotzdem. Auf Marmond House machte Duncan ihn mit Christina Ashbrooke bekannt, einer rothaarigen Schönheit mit vollen Lippen und spöttisch funkelnden Augen. Die Art, wie sie ihn von oben bis unten musterte, ließ Meredith selbst jetzt noch vor Schmach erglühen. Schlimmer jedoch waren die Gäste, die überall im Haus herumschwirrten und Meredith daran erinnerten, wie er selbst einmal gewesen war: jung, schön, unschuldig und dabei so herrlich verdorben.

„Steht dir der Sinn jetzt nach Knaben? Oder willst du mit dem Flittchen sesshaft werden? Eines von beidem muss es wohl sein.“ Es war der falsche Weg, einen Streit mit Duncan anzufangen. Streit mit Duncan war ganz und gar unmöglich. Die blauen Augen musterten ihn abschätzig, und ein Mundwinkel zuckte in kaum verhohlenem Amüsement. Der Baron bot Meredith ein Glas Port an.

„Jemand sollte dir den Mund mit Seife auswaschen“, sagte er dabei nachsichtig. „Deine Wortwahl lässt wie immer zu wünschen übrig.“

„Meine Wortwahl war es nicht, die dich davon abgehalten hat, mich in dein Bett zu holen.“

Duncan hob eine Augenbraue. Sein Blick ruhte mit enervierender Gelassenheit auf Merediths von der Reise zerknittertem Anzug; er hatte nicht die Gelegenheit gefunden, sich umzuziehen, was Meredith nun bereute. Er kam sich vor wie ein gerupfter Gockel inmitten von stolzierenden Pfauen. Ohne nachzudenken, stellte er den Port auf einem der runden Beistelltische ab und griff nach Duncans Hand. Warm, kräftig, aber feinnervig; die Hände eines Arztes. „Ich habe auf deine Einladung gewartet. Ich wusste, dass du kommen würdest, aber du hast kein Wort von dir hören lassen. Stattdessen finde ich dich hier mit einer Frau und einer Horde Stutzer, die kaum alt genug sind, um sich rasieren zu müssen.“

„Eifersucht steht dir nicht“, stellte Duncan lakonisch fest. „Da du nun einmal da bist, steht es dir frei, mein Gast zu sein. Wenn deine Vorlieben noch dieselben sind, empfehle ich dir, dich mit Lord Boswell bekannt zu machen.“ Er nickte in Richtung eines in der Nähe stehenden grobschlächtigen Mannes in einem Seidenhemd und schreiend bunter Krawatte, der sich sichtlich amüsierte. „Ich höre, er ist einer von der mehr… handfesteren Sorte.“

Meredith spürte sein Blut brodeln. „Ich bin nicht gekommen, um mich zu vergnügen, Duncan.“

„Dann sehe ich keinen Grund für dich, zu bleiben.“ Er war im Begriff, sich abzuwenden, aber Meredith hielt ihn zurück. „Was ist los mit dir? Warum bist du so kalt zu mir? Habe ich das wirklich verdient, nach allem, was zwischen uns gewesen ist?“

„Du warst nie der einzige“, bemerkte Duncan, ein spöttisches Glitzern in den Augen. „Und selbst, wenn es so wäre, so muss ich dir mit Bedauern mitteilen, dass deine Anwesenheit mich langweilt. Deine Erbärmlichkeit langweilt mich. Seit wann konsumierst du Rauschgift? Du solltest es aufgeben. Es bekommt dir nicht.“

„Immer der fürsorgliche Doktor“, höhnte Meredith, doch die Worte klangen hohl. „Ich brauche weder deinen Rat noch deine Empfehlung, um mich zu amüsieren. Oder behandelst du deine Liebhaber wie deine Patienten? Das könnte interessant werden.“

Duncan bedachte ihn mit einem teils mitleidigen, teils kummervollen Blick, der, wie Meredith wusste, nur Fassade war. Im Innern war Duncan kalt und egoistisch, und es war Teil seines gottverdammten Charmes. Es war das, was Menschen an ihn zog wie das Licht die Motten. „Geh nach Hause, Favell“, sagte er, „schlaf deinen Rausch aus und nimm die nächste Kutsche nach London.“

„Warum hast du mir nicht geschrieben?“

Duncan sah sich kurz um, als befürchte er unliebsame Zuhörer. Sollte er, dachte Meredith grimmig. Sollten doch alle erfahren, wie Baron Duncan Asquith seine Liebhaber abservierte, sobald sie ihm nicht mehr gut genug waren.

„Ich dachte, wir wären uns einig. Keine Briefe, keine Sentimentalitäten.“

„Ich habe dich vermisst. Ich hoffte, dir würde unsere Verbindung etwas bedeuten.“

„Ich habe dich ausgehalten“, erwiderte Duncan kühl. „Ich habe deine Rechnungen bezahlt und die schäbige Kanzlei deines Vaters vor dem Ruin bewahrt. Erzähl’ mir nicht, dass ich dir noch etwas schuldig bin.“

Meredith fühlte sich wie ein abgekanzelter Schuljunge. Nur Duncan brachte es fertig, seinen gerechten Zorn in hilflose Wut zu verwandeln, an der er zu ersticken drohte. Fassungslos sah er zu, wie der Baron nach einer Klingel griff, um seinen Butler zu rufen. „Wirfst du mich auf die Straße?“

„Ich hätte dich nie in mein Bett lassen sollen.“ Duncan zückte seine Brieftasche und drückte Meredith ein paar Scheine in die Hand. „Das dürfte dir den Abschiedsschmerz versüßen. Nimm dir vom Buffet, was du willst, und dann verschwinde.“

Lady Ashbrooke kehrte mit einem Glas Champagner zurück und hängte sich wie selbstverständlich bei Duncan ein. „Macht er dir Schwierigkeiten?“

„Er ist grade im Begriff, uns zu verlassen.“ Duncans Stimme klang spröde. Und obwohl Meredith nun endgültig wusste, wie aussichtslos seine Pläne von vorneherein gewesen waren und wie jämmerlich unterlegen er ihm war, lechzte er plötzlich danach, Duncan zu packen und ihn in sein Schlafzimmer im oberen Stock zu zerren und die perfekt sitzende Kleidung in Fetzen zu reißen; er wünschte sich, seine Finger in Duncans Haar zu versenken und es zu zerwühlen, und er wollte tiefe Kratzer auf seiner makellosen, glatten Haut hinterlassen, während er ihn-…

Er musste damit aufhören. Meredith schloss die Augen und zwang sich, tief durchzuatmen. Er würde vor diesem Weib nicht die Beherrschung verlieren, nur, weil Duncan ihn – wieder einmal – provoziert hatte.

„Nun?“ Lady Ashbrooke nippte an ihrem Champagner, während sie sich mit betonter Herablassung an ihn wandte. „Gehen Sie, oder muss Jarvis Ihnen den Weg zeigen?“

Bevor der Butler sich unauffällig seinen Weg durch die Menge auf sie zu gebahnt hatte, stürmte Meredith durch eine offene Glastür hinaus in den Garten. Er brauchte ohnehin frische Luft.

„Hat er Sie abblitzen lassen?“

Meredith fuhr herum. Hinter ihm stand ein junger Mann, der ihm bereits im Salon aufgefallen war. Auf eine exotische Weise sah er gut aus, tadellos gekleidet, rauchend. Als er Merediths begierigen Blick bemerkte, zog er ein silbernes Etui aus seinem Jackett und bot ihm eine Zigarette an. „Nehmen Sie es nicht allzu persönlich. Duncan ist sehr unbeständig, was seine Zuneigung betrifft.“

„Was geht das Sie an?“ knurrte Meredith ungehalten. Er mochte es nicht, belauscht zu werden.

„Nathaniel Cavendish“, stellte der andere sich vor. „Ich bin ein Freund von Lord Mere. Tatsächlich habe ich ihm zu einer Einladung verholfen, nachdem ich dem Baron im letzten Sommer begegnet bin. Leider besitzt Lord Mere im Gegensatz zu mir den Vorteil einer engelsgleichen Anmut, so dass meine Hoffnungen hinsichtlich eines…“ – er zögerte – „… Gefallens von Duncans Seite zerschmettert wurden, sobald Duncan meinen reizenden Begleiter zu Gesicht bekam.“

„Er hat Sie also auch abgewiesen.“ Meredith konnte einen Hauch von Schadenfreude nicht unterdrücken.

Der Fremde blies einen Rauchschwaden empor zu dem sternenklaren Himmel. „Ich hatte mir mehr von dem heutigen Abend versprochen, das ist wahr“, gab er zu. „Duncan hatte mir Versprechungen gemacht, doch Lord Mere scheint mehr nach seinem Geschmack zu sein.“

Es tat gut, unter Leidensgenossen zu sein. Meredith fühlte sich verstanden. „Das rothaarige Ding an seiner Seite, ist sie auch nach seinem Geschmack?“

„Lady Ashbrooke?“ Cavendish lachte auf. „Eine Beilage zum Hauptgericht, nichts weiter. Ich hörte, sie sei unersättlich – und sie liebt hübsch angerichtete Speisen. Am meisten liebt sie den Anblick davon; und Duncans Haus ist voll mit Leckerbissen.“

Grimmig stellte Meredith sie sich in Duncans Schlafzimmer vor. Cavendishs Worte ließen kaum einen Zweifel darüber, wie der Abend enden würde. Es fragte sich nur, wer den Nachtisch bekommen würde. „Wird er sie heiraten?“

„Gütiger Himmel, nein.“ Cavendish schüttelte den Kopf. „Sie ist bereits verheiratet. Ihr Gatte weilt auf einem Kongress irgendwo in der Nähe. Henry Ashbrooke ist ein Kollege von Duncan. Er wird ziemlich überrascht sein, wenn er erfährt, dass seine Frau den Abend auf einer Orgie verbringt, anstatt brav im Hotel auf ihn zu warten.“

„Sie wissen erstaunlich gut Bescheid für einen Gast.“

Cavendish zog an seiner Zigarette. „Duncan hat es mir gesagt. Ich traf früh am Nachmittag hier ein, und er hatte die Güte, mich… einzuweihen.“

Meredith begriff und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, was, wie er hoffte, Mitgefühl ausdrückte. Er wusste nicht, was er sagen sollte, und räusperte sich unbehaglich, während er seine Schuhspitzen betrachtete.

„Kein Grund, neidisch zu sein, alter Knabe“, sagte Cavendish in jovialem Ton, „ich entsprach, wie ich schon erwähnte, nicht ganz seinen Erwartungen. Wir brauchten eine Weile, bis wir uns darüber einig waren.“

Unerwartet um einen Verbündeten reicher, kam Meredith eine Idee. „Haben Sie Lust auf einen Drink? Im Dorf gibt es einen Gasthof. Warum spülen wir uns nicht den Geschmack von Dekadenz und Arroganz aus den Kehlen?“

*

Der Alkohol löste ihre Zungen und führte von anfänglichen Schmähreden zu immer heftigeren Hasstiraden gegen den Baron und seine Gäste und die Unzucht, die sie schamlos untereinander trieben, bis der Wirt sie mit hochrotem Gesicht aufforderte, sein Lokal zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war der Plan ausgereift genug, um zur Tat zu schreiten; Cavendish kaufte dem Wirt ein paar Flaschen Gin ab, bevor sie sich zu Pferd auf den Weg zurück machten und die Hügel hinaufritten, um in dem Wäldchen nahe des Parks auf das Verlöschen der Lichter zu warten. Einige der Gäste fuhren durch das schmiedeeiserne Tor in Richtung Dorf ab, andere blieben. Der engelsgleiche Lord Mere würde unter ihnen sein, dessen war sich Meredith sicher. Um ihn tat es ihm nicht leid, und auch nicht um die Kunstwerke, die in Marmond House so ungeniert ausgestellt waren. Er dachte an die feuerroten Locken von Lady Ashbrooke und wie sie zur lebenden Fackel werden sollte; an Duncans perfekten Körper und das dunkelblonde Haar, beides so vergänglich wie eine vorübergehende Laune. Meredith schnaufte bei der Vorstellung daran.

„Es soll eine Warnung sein“, murmelte Cavendish, der im Dunkeln hinter ihm her taumelte, „wird ihm ein Denkzettel sein, dem feinen Baron…“

Meredith packte ihn am Arm und deutete zum Dienstboteneingang. „Durch die Küche“, raunte er, nicht weniger betrunken als sein Begleiter. In der Dunkelheit war es schwierig, den Eingang zu finden, oder vielleicht hätte er nicht gar so viel trinken sollen.

Cavendish grunzte zustimmend. Mit fahrigen Bewegungen riss er sich die Krawatte vom Hals, um das Stück Stoff mit dem Gin aus der Flasche zu tränken. Dann wickelte er es um einen im Park gefundenen abgebrochenen Ast. „… niemandem schaden“, stammelte er, hoffnungslos betrunken. „Wird ihnen einen gehörigen Schrecken einjagen.“

„Gib her.“ Meredith entriss ihm den Ast und torkelte weiter. Die Tür zum Keller würde unverschlossen sein, und von dort aus gelangte man mühelos ins Haus. Er wollte so nah wie möglich an Duncans Schlafzimmer sein, um ganz sicher zu gehen. Die Treppe war aus Holz und würde brennen wie Zunder, genau wie die Gemälde und Wandteppiche, die dort hingen. Er fummelte nach Streichhölzern und entfachte eine provisorische Fackel, sobald sie in den kühlen Kellergewölben waren. Cavendish folgte ihm stolpernd, blieb aber vor der offenstehenden Bibliothek zurück, wo er vor sich hin fluchend auf einen Sessel sank und sich auf dem Fußboden erbrach. Meredith ließ ihn dort und schlich weiter.

Im ersten Stock befanden sich die Gästezimmer. Kein Laut war zu hören, und es brannte kein Licht; alle schienen zu schlafen. Meredith schlich die Stufen hinauf bis in die nächste Etage. Hier waren Duncans Privaträume, ein Teil der Bibliothek und das Billardzimmer. Bücher gaben gutes Brennmaterial ab; er stieß die Flügeltüren auf, um einen guten Durchzug zu gewährleisten, und tastete sich weiter den Flur entlang. Ganz oben unter dem Dach hausten die Dienstboten, und darunter mochten leerstehende Zimmer sein – Marmond House verfügte um die fünfzig Zimmer, und Duncan besaß zu wenig Personal, um alle zu benutzen.

Zuerst war es mühsam. Die alten Möbel und Teppiche wollten nicht brennen. Meredith zog die Flasche aus seiner Jackentasche und kippte sie, wobei er eine lange Spur Alkohol vom Treppenabsatz bis fast vor Duncans Schlafzimmer hinterließ. Er schüttete den Rest über eine Kommode und weiter die Stufen hinab, bevor er vorsichtig die Fackel daranhielt wie an eine Lunte. Ein blauroter Feuerball flammte auf, der sich rasch über den Teppich fraß und an den Wänden leckte. Zufrieden mit seinem Werk, eilte Meredith die Treppe hinunter. Er fand Cavendish halb bewusstlos in seinem Sessel vor der Bibliothek und nahm ihm die dritte und letzte Flasche ab. Den Inhalt verteilte er auf der Treppe. In wenigen Augenblicken würde sich dort eine Wand aus Feuer gebildet haben und den Weg nach unten versperren.

Es war wie ein Rausch, nein, besser sogar. Verzückt sah Meredith zu, wie sich die Flammen knisternd erhoben und mehr wurden; sie breiteten sich aus und brachten das Gebälk zum Ächzen. Er ergriff Cavendish am Arm und stieß ihn nach draußen durch die Eingangstür. Der Durchzug fuhr in die Flammen und entfachte sie mit neuer Wucht. Es war Zeit, zu verschwinden, aber Meredith konnte sich kaum von dem erhebenden Anblick losreißen. Im ersten Stockwerk zersprang ein Fenster mit einem ohrenbetäubenden Knall. Aufgeregte Stimmen waren unter dem Getöse des Feuers zu hören, dann Schreie.

Neben ihm sank Cavendish auf den Rasen nieder, die Augen weit aufgerissen, die Hände vor dem Mund, schlagartig ernüchtert. „Was haben wir getan… Allmächtiger, was haben wir getan.“

Chapters
1. Prolog
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