Kapitel 1 : Der Schatten von YAK
In den kalten Regionen dieser Welt lebt ein Wesen von außergewöhnlicher Kraft, ein Nahkämpfer, der im Rudel auf die Jagd geht.
Es lebt in kleinen Gruppen, in einem Tal, das man nur unter dem Namen YAK kennt.
Weit entfernt von diesem Tal befindet sich ein Krieger, der keinen Namen trägt. Er ist auf der Jagd, um seiner Familie Nahrung zu bringen.
Vor ihm steht eine riesige Bestie. Sechs Tonnen schwer. Große Stoßzähne. Dichtes Fell.
Der Krieger schaut das mächtige Monster direkt in die Augen, und rennt auf es zu. Mit seiner Stoßwaffe versucht er, in die Kreatur einzudringen.
Die Kreatur versetzt ihm einen heftigen Stoß gegen die Schulter. Der Krieger fällt zu Boden.
Er liegt jetzt im kalten Schnee. Seine Beine schwer. Seine Schulter stark blutend. Die Verzweiflung ist groß, doch der Gedanke an seine hungernde Familie im Tal ist stärker. Mit letzter Kraft steht er wieder auf. Der Schnee färbt sich rot.
Er wechselt seine Kampfstellung, um die blutende Schulter zu schützen, und stößt mit allem, was ihm noch bleibt. Er durchbohrt den Brustkorb der Bestie. Die sechs Tonnen fallen mit einem gewaltigen Knall zu Boden. Die Erde bebt.
Dann, Stille.
Der Krieger bewegt sich auf das tote Monster zu, kniet nieder und legt seine Hand auf einen der Stoßzähne. Er schaut in den Himmel.
Ihm wird klar: Er kann die sechs Tonnen nicht transportieren. Also beginnt er, die Bestie zu zerteilen, und nimmt so viel Fleisch mit, wie er tragen kann.
Er macht sich auf den Heimweg.
An einem anderen Ort, weit vom Krieger und vom Yak-Tal entfernt, existiert eine andere Zivilisation, in einem heißen, trockenen Land namens SAR. Eine Zivilisation, die ständig wächst.
Es sind schnelle Krieger. Weniger Muskelmasse, dafür jagen sie in großen Gruppen, ihre Waffe: der Wurfspeer.
Eine Gruppe ist aufgebrochen. Sie verfolgen ein Rudel Berglöwen seit Stunden. Schließlich folgen sie dem Rudel bis in eine kleine Höhle. Es riecht nach Verwesung, nach dem süßen Geruch des Todes.
Dann, aus dem Nichts: Ein großer Löwe springt aus der Dunkelheit. Er packt gezielt einen Krieger im Nacken. Man hört das Knacken des Genicks. Blut spritzt aus dem Hals und färbt den staubigen Boden rot.
Die Gruppe versammelt sich um den Löwen. Speere fliegen. Einer trifft ihn direkt am Kopf. Blut fließt. Der Löwe fällt regungslos zu Boden.
Die Gruppe versammelt sich um den gefallenen Krieger. Sie reichen sich die Hände, bilden einen Kreis. Einer tritt in die Mitte, kniet nieder, legt seine Hand auf die Brust des Mannes.
Einige Kilometer vom Yak-Tal entfernt kämpft sich der namenlose Krieger weiter in Richtung seines Tales. Seine Schulter blutet noch immer. Sein Weg ist gezeichnet, rote Spuren im weißen Schnee. Die Taschen schwer vom Fleisch der Bestie.
Er kommt an einer kleinen Klippe vorbei. Seine Beine wiegen schwer wie Stein. Er nutzt den Moment, setzt sich an den Rand der Klippe und schaut in den Himmel. Sein Atem kommt mühsam. Seine Gedanken sind weit.
Aber sie sind bei seiner Familie im Tal.
Er steht auf. Und geht weiter.
Nach einigen Stunden erreicht er das Tal. Die Beine tragen ihn kaum noch. Mit letzter Kraft legt er das Fleisch an der Feuerstelle ab, und bricht dort zusammen. Regungslos.
Andere aus seinem Volk sehen ihn dort liegen.
Niemand hält inne. Sie gehen einfach an ihm vorbei.
In SAR ist die Gruppe von der Jagd zurückgekehrt. Ihre Beute: ein Löwe. Ihr Verlust: ein junger Krieger.
Als die Gruppe von seinem Tod berichtet, senkt sich Stille über den Ort. Nur der Wind ist zu hören. Die Trauer ist groß, doch sein Opfer war nicht umsonst. Seine Geschichte wird zur Legende: der Mann, der allein einen Löwen bezwungen hat.
Einige Tage vergehen. Eine kleine Gruppe Reisender zieht durch SAR. Sie berichten von einer Kreatur, die sie im Norden gesehen haben wollen. Übermenschlich stark. Sehr muskulös. Ausgezeichnete Kämpfer. Sie sagen, diese Kreaturen bezwingen Bestien im Nahkampf, und sie ähneln ihnen auf eine unheimliche Weise.
Der Anführer von SAR, der auf den Namen Boaboa hört, lauscht dieser Geschichte. Und er fasst einen Plan.
Wenn er diese Kreatur für sich gewinnen könnte, oder besser: ihre Blutlinie, wäre die nächste Generation seines Volkes von unbegreiflicher Stärke geprägt. Er würde sich als Verbündeter ausgeben. Die Blutlinie aufnehmen. Und dann, wenn der Zweck erfüllt ist, das Abschlachten befehlen. Damit sie niemals zur Gefahr werden kann.
Die Bilder verschwimmen.
Verblassen.
Dort, wo einst SAR errichtet war, steht ein Mann mit einer Steintafel in der Hand.
„Boss!", eine Stimme ruft durch die Stille der Ausgrabung. „Ich habe einen weiteren Teil der Tafel gefunden!"
„Sehr gut." Der Mann dreht sich um. „Jetzt können wir mehr rekonstruieren. Ich möchte wissen, was passiert ist, und wer dieser namenlose Krieger aus den Überlieferungen wirklich war."
Er hält inne. Schaut auf die Tafel.
„Wir gehen wieder rein."
40.000 Jahre früher. Yak-Tal.
Ein neuer Tag bricht an.
Der namenlose Krieger kommt langsam wieder zu sich. Er richtet sich auf, setzt sich auf den kalten Boden. Seine Schulter blutet nicht mehr. Er hat Hunger, greift nach dem Fleisch an der Feuerstelle.
Nichts mehr da.
Er schaut sich um. Keiner beachtet ihn. Keiner hat an ihn gedacht.
Er nimmt seine Waffe. Schaut sich kurz um. Etwas in seinem Blick hat sich verändert, schwer zu benennen, aber es ist da. Er geht ins Innere des Höhlensystems, holt etwas. Dann tritt er zurück ins Freie, dreht sich noch einmal um, und verlässt das Dorf.
Stunden vergehen. Die Temperaturen fallen. Der Boden ist tief verschneit, die Kälte frisst sich durch jeden Muskel.
Er findet eine Höhle. Betritt sie.
Aber er ist nicht allein.
Aus der Tiefe der Höhle nimmt er eine Präsenz wahr. Er dringt weiter vor, duckt sich hinter einen Felsen.
Dort liegt sie. Eine 450 Kilogramm schwere Bestie, braun gefärbt, reglos, bis sie nicht mehr reglos ist.
Sie hat ihn bemerkt. Sie steht auf. Unerschütterlich groß. Größer als er. Sie bewegt sich auf ihn zu, mit einem Laut, der durch den Stein hallt.
Der Krieger zeigt keine Regung. Seine Miene bleibt unerschrocken. Doch ihm ist klar: In diesem Zustand könnte dieser Kampf sein letzter sein. Für einen kurzen Moment stockt sein Atem.
Er hebt die Stoßwaffe. Richtet sie auf die Bestie.
Rohe Gewalt allein wird ihm heute nicht reichen.
Die Bestie stürmt auf ihn zu. Er weicht mit einem Schritt zur Seite aus, die Krallen streifen seinen Arm. Blut tropft auf den kalten Höhlenboden.
Jetzt.
Die Bestie steht mit dem Rücken zu ihm. Er stößt die Waffe mit voller Kraft durch ihren Rücken, tief genug, um die Knochen zu durchbohren, tief genug, um die Lunge zu treffen.
Die Bestie fällt. Ihr Atem ist schwer, rasselnd.
Er weiß: Sie könnte noch Stunden so liegen. Also tritt er heran, holt aus, und trifft mit dem letzten Stoß den Schädel. Die Klinge dringt ein. Trifft das Gehirn.
Die Bestie ist auf der Stelle tot.