Kapitel 1
Kalt. Das war alles was ich dachte als ich die
verschneiten Straßen langsam lang lief. Es war
dunkel und kalt. Es hatte die gesamte letzte
Woche durchgeschneit und ich hinterließ tiefe
Spuren im Schnee. Ich zog mir meine Kapuze
tiefer ins Gesicht. Zum Glück war es windstill.
Meine Finger waren gefroren und ich wollte nur
schnell nachhause.
Als ich eine Einfahrt zu einem Hinterhof
passierte, kam plötzlich jemand rausgelaufen und
rempelte mich an, sodass ich das Gleichgewicht
verlor und hinfiel. Ohne sich nochmal
umzuschauen lief er weiter. Ich hatte nicht die
Energie mich zu beschweren und rappelte mich
einfach auf. Als ich im Schnee als ich wieder
stand, fiel mir ein Messer auf, das im Schnee
neben mir lag. Die klinge schimmerte im Licht
einer Straßenlaterne rötlich.
Ich runzelte die Stirn und wollte gerade
weitergehen, als ich ein leises Röcheln hörte. Ich
hob das Messer auf und ging in die Richtung des
Röchelns.
Der Hinterhof war recht überschaulich. Auf der
Linken Seite befand sich ein kleiner
Garagenkomplex, der durch einen graugepflasterten Weg mit dem Eingang des
Hinterhofes verbunden war. Der Rest bestand aus
einer großen Wiese, die an der Hauswand mit
Büschen gesäumt war und auf der ich im dunkeln
ein kleines Fußballtor ausmachen konnte.
Nur aus einem Fenster über dem Garagenkomplex
schien noch Licht.
Als ich nach unten sah, erkannte ich im leichten
Schein des Mondes eine Blutspur. Irgendwas
stimmte nicht. Als ich mich umdrehte und zurück
schaute wurde es mir klar. Da waren nur eine
Fußspur. Sie führte über die Wiese zu einem der
Gebüsche. Ich folgte ihr, auch wenn ich nicht
wusste warum. Vielleicht war es Neugier,
vielleicht Dummheit.
Als ich beim Gebüsch ankam sah ich es. Das Bild,
das sich sofort in mein Gehirn gebrannt hatte, um
mich jedes mal zu quälen, wenn ich die Augen
schloss. Es war ein Kind. Es lag
zusammengekauert in einer halb gefrorenen
Blutlache. Das von schwarzen Haaren halb
verdeckte, blasse Gesicht kam mir bekannt vor,
aber ich konnte es nicht einordnen. Ich kniete
mich hin und wollte den Puls fühlen. Die Haut
war nur noch lauwarm und als ich den Hals
berührte spürte ich die Schnittwunde. Das Blut
klebte kalt an meinen Fingern und Ekel breitete
sich in mir aus. Meine Sicht verschwamm und ich
hörte meinen Puls überdeutlich in meinen Ohren pochen. Mir wurde heiß und ich musste einen
Brechreiz unterdrücken. Mir wurde schwarz vor
Augen. Dann wachte ich auf.