Foreign Affairs

All Rights Reserved ©

Summary

Jonathan kennt die Regeln in Washington. Loyalität, Diskretion, Pflicht – sie haben ihn weit gebracht im US-Außenministerium. Bis die undurchsichtige Cecily in sein Leben tritt und seine Welt vollkommen auf den Kopf stellt. Was als leidenschaftliche, verbotene Affäre beginnt, wird schnell von ungewöhnlichen Vorgängen überschattet. Unstimmigkeiten häufen sich, Informationen geraten in falsche Hände – und alles deutet auf einen Maulwurf mit Verbindungen nach Russland hin. Während Jonathan sich immer mehr in Cecily verliebt, führen alle Spuren nach und nach ausgerechnet zu ihr. Zufall? Intrige? Oder eine Wahrheit, die er nicht sehen will? Als sich die Situation zuspitzt, gerät Jonathan in einen gefährlichen Loyalitätskonflikt: Zwischen der Frau, die er liebt und dem Land, dem er geschworen hat zu dienen. In einer Welt aus Täuschung, Macht und geopolitischem Kalkül ist Vertrauen die wohl gefährlichste Währung.

Genre
Romance
Author
MaryLaure
Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Wenig gab es auf dieser Welt, das Jonathan Doyle mehr hasste als Unvorhergesehenes. Was einigermaßen absurd anmuten mochte, bedachte man seine berufliche Stellung als juristischer Berater der Außenministerin, ein Job, der eigentlich aus nichts anderem bestand als darin, eine plötzliche Überraschung nach der anderen zu jonglieren. Eine unerwartete Planänderung hier, eine politisch brisante Lage da, das alles warf ihn schon lange nicht mehr aus der Bahn. Hatte er doch in den vergangenen Jahren wiederholt sein unerschütterliches Talent gezeigt, auch in Krisenmomenten und unter größtem Druck einen kühlen Kopf zu bewahren, ruhig zu bleiben und mit nach außen getragener, entspannter Selbstsicherheit die Situation zu meistern - immer mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen, immer mit einer verbindlich freundlichen Miene und immer mit der souverän-beherrschten Art, die sich nunmal für einen Mann in seiner Position gehörte. Sein stets makellos gepflegtes Äußeres war dabei sicherlich nicht gerade hinderlich, genauso wie seine einwandfreien Manieren, die er mit einer Selbstverständlichkeit nach außen trug, wie es nur die Menschen schafften, die von Kindesbeinen an in den Genuss einer entsprechenden Erziehung gekommen waren. Eigentlich war er bereits sein ganzes Leben lang darauf vorbereitet worden, irgendwann eine Stellung wie diese zu bekleiden, wichtige Entscheidungen einer der ranghöchsten Politikerin des Landes zu begleiten und dabei zu sein, wenn auf dem ganz großen Parkett der politischen Weltbühne Geschichte geschrieben wurde. Nein, unerwartete Wendungen gehörten nun wahrlich zu seinem Alltag und waren nichts, was den 38jährigen noch irgendwie groß aus der Fassung bringen sollten. Solange sie nur nicht ihn persönlich betrafen. Und genau das war die Krux an der Sache, die seine Vorgesetzte, die Außenministerin Cynthia Evans höchstpersönlich, gerade nonchalant in einem Nebensatz während ihrer morgendlichen Kurzbesprechung hatte fallenlassen. Dass er seine Irritation über ihre Aussage nicht gerade dezent versteckte wurde ihm in dem Augenblick bewusst, in dem die Ministerin mitten in ihren Ausführungen zum anstehenden Pressetermin stockte und ihn mit überrascht erhobenen Augenbrauen musterte.

„Habe ich Sie verloren, Mr. Doyle?“, fragte sie mit spitzer Stimme.

Heiß schoss ihm unvermittelt die Scham durch den gesamten Körper als sich alle Augen im Raum auf ihn richteten, doch Jonathan überspielte es mit einem souveränen Lächeln, reckte seine ohnehin schon geraden Schultern noch ein wenig gerader und verschränkte seine Hände auf dem Besprechungstisch vor sich während er seine Stirn leicht kräuselte.

„Das fürchte ich in der Tat, Madam Ministerin“, sagte er und sah sie mit einem so offenen Blick wie möglich an. „Vielleicht können Sie mich gerade noch einmal abholen bei dem vorherigen Thema, ich fürchte ich habe da etwas missverstanden…“

„Oh nein, das haben Sie nicht“, unterbrach ihn Ministerin Evans mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht ganz erreichte. „Oder habe ich mich etwa missverständlich ausgedrückt?“

„Nein Madam Ministerin, das haben Sie keinesfalls. Ich verstehe nur nicht so ganz wie Sie das gemeint…“

„So wie ich es gesagt habe“, ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter, entfernte sich noch ein wenig mehr von ihren Augen. „Sie bekommen Verstärkung und werden sich Ihre Stelle in Zukunft in Doppelbesetzung teilen. Keine Sorge Mr. Doyle, auf Ihr Gehalt wird das keinerlei Auswirkungen haben. Mir erschien es lediglich in Anbetracht der steigenden Arbeitsbelastung und den sich abzeichnenden Themen der nahen Zukunft sinnvoll, noch eine weitere Person mit Ihren Aufgaben zu betrauen. Miss Whitlock wird noch heute zum Team stoßen.“

Sie zögerte einen winzigen Augenblick, dann lehnte sie sich kaum merklich zu ihm herüber, senkte ihre Stimme gerade in dem Maße, in dem es angemessen war um nicht ins Verschwörerische abzugleiten.

„Außerdem schulde ich ihrem Vater noch einen Gefallen. Die Rutherford-Geschichte, Sie wissen schon. Dennoch“, sie richtete sich wieder gerade auf und sah mit einem strengen Blick in die Runde, „ändert dies nichts an den Kompetenzen und Fähigkeiten Ihrer neuen Kollegin. Sie ist ein Gewinn für unser Haus, dessen bin ich mir sicher. Und nun…“, sie wandte sich ohne Jonathan auch nur eines Blickes zu würdigen erneut dem Thema des Pressetermins am Nachmittag zu.

Es kostete Jonathan alle Mühe sich nichts von seiner Überrumpelung, allem voran aber seinem Unmut anmerken zu lassen. Er zwang sich zu einem ausdruckslosen Lächeln, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und widmete sich mit gewohnt akribischer Konzentration der weiteren Besprechung. In seinem Inneren jedoch, brodelte es gewaltig.


„Hast du davon gewusst?“, zischte er eine halbe Stunde später Simon zu als sie nach dem Ende der allmorgendlichen Besprechung die ausladende Steintreppe im Foyer des Ministeriums nach oben eilten. Simon Riley, seines Zeichens Presseberater und damit ebenfalls Teil des Stabs um die Ministerin, schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, Mann. Das hätt‘ ich dir doch gesagt. Oder glaubst du ernsthaft ich würde dich einfach so ins offene Messer laufen lassen?“

Jonathan gab ein undeutliches Brummen von sich. Simon hatte recht. Zwar waren sie Kollegen, in erster Linie jedoch gute Freunde und das nicht erst seit sie beide zufällig mit Beginn der Amtsperiode in den erlauchten Kreis der unmittelbaren Berater aufgestiegen waren. Vor Urzeiten gemeinsam im Debattierclub auf dem College kennengelernt verband die beiden Männer seither eine enge Freundschaft.

„Und dann auch noch die Tochter vom alten Whitlock, das ist doch wohl ein schlechter Scherz“, stieß Jonathan leise zwischen den Zähnen hervor.

„Du kennst sie doch noch gar nicht“, wandte Simon ein. „Und dass du Whitlock Senior nicht leiden kannst, wäre mir irgendwie neu.“

„Was ich nicht leiden kann ist offen zur Schau getragener Nepotismus, das weißt du.“

Simon bedachte ihn mit einem leicht amüsierten Blick.

„Und was war dann der Anruf deines Onkels bei unserem Senator damals?“

Jonathan rollte genervt mit den Augen. „Das war doch was komplett anderes! Da ging’s um einen Ferienjob!“

„Ein Ferienjob, der den Grundstein für eine glänzende Karriere gelegt hat“, erwiderte Simon achselzuckend.

Mittlerweile waren sie am Treppenabsatz angekommen.

„Sieh‘s ein Johnny“, Simon klopfte Jonathan aufmunternd auf die Schulter. „Wir sind doch alle nur verzogene Arschlöcher, die allein deswegen hier gelandet sind, weil sie zufällig das Glück hatten in eine entsprechende Familie hineingeboren worden zu sein. Ob‘s dir gefällt oder nicht, find dich damit ab. Und jetzt gib der kleinen Whitlock eine Chance, ich würd‘s mir an deiner Stelle jedenfalls nicht mit Evans verscherzen.“

Damit war er verschwunden. Jonathan schüttelte missmutig den Kopf, dann machte auch er sich auf den Weg durch die ausladenden Flure in sein Büro. Simon hatte recht. Die nächste Wahl würde kommen und Evans wurde nicht ohne Grund als nächste Präsidentschaftskandidatin gehandelt. Sollte sie tatsächlich erfolgreich sein, dann würde sie auch in ihrem neuen Amt Unterstützung durch altgediente und vertraute Mitarbeiter brauchen. Die Chancen standen nicht schlecht, dass Jonathan noch vor seinem vierzigsten Geburtstag seinen Arbeitsplatz ins Weiße Haus würde verlegen dürfen - allerdings setzte das voraus, dass er auch weiterhin in der Gunst seiner Chefin stand und so würde ihm vorerst nichts anderes übrig bleiben als seinen Unmut herunterzuschlucken und sich mit der kleinen Whitlock gut zu stellen, wie Simon sie gerade genannt hatte.

Dass diese Bezeichnung allerdings alles andere als zutreffend war wurde ihm in dem Moment gewahr, in dem er sein Büro im Westflügel des altehrwürdigen Ministerialgebäudes betrat. Wie vor den Kopf gestoßen blieb er stehen als er die beiden Personen erblickte, die mitten im Raum standen und sich gerade darin umsahen. Eine davon kannte er nur allzu gut, handelte es sich bei ihr doch um Leslie, seine Sekretärin. Ein junges, zartes Ding, dessen äußere Erscheinung ganz im Widerspruch zu ihrer resolut bestimmten Art stand, mit der sie ihm seit nunmehr drei Jahren eisern den Rücken freihielt. Scheinbar hatte sie jedoch beschlossen die Seiten zu wechseln und ihm just in diesem Augenblick in genau diesen zu fallen, wie er sarkastisch dachte als sie sich ihm mit einem aus seiner Sicht diabolisch freundlichem Lächeln zuwandte.

„Mr. Doyle, wie passend“, flötete sie. „Ich zeige Miss Whitlock gerade die Räumlichkeiten. Darf ich Sie direkt miteinander bekannt machen?“

Betont langsam ließ Jonathan seinen Blick zu der hochgewachsenen Frau gleiten, die mit einem Laptop im Arm und einem schlichten Trenchcoat über einem dezenten Hosenanzug bekleidet neben Leslie stand. Überraschend attraktiv war sie, das war das erste was ihm auffiel. Konnte allerdings auch an der merkwürdigen Aura liegen, die sie umgab. Eine elegante, irgendwie beruhigende Ausstrahlung war das, die von einem in sich ruhenden Selbstbewusstsein zeugte, ohne dabei sonderlich überheblich zu wirken. Älter war sie als er erwartet hatte, keinesfalls gerade frisch von der Uni wie es ihm logisch erschienen wäre, bedachte man die Tatsache dass sie immerhin offenbar der Hilfe ihres Vaters bedurft hatte, um sich einen vernünftigen Job zu angeln. Gerade als sich ihre Blicke trafen hoben sich ihre Mundwinkel zu einem Lächeln, bildete sich ein Kranz winziger, fröhlicher Fältchen um ihre Augen. Erst als sie ihm unmissverständlich ihre Hand entgegenstreckte gelang es ihm, sich aus diesem Blick zu lösen.

„Cecily Whitlock, sehr erfreut“, drang ihre Stimme an seine Ohren während sich seine Hand wie automatisch um ihre Finger legte. Warm spürte er ihre Hand in seiner, ihren festen, wenn auch nicht zu festen Händedruck.

„Doyle. Jonathan Doyle. Die Freude ist ganz meinerseits“, log er mit einer so höflichen Miene wie er nur irgendwie aufbringen konnte.

„Ich sehe Sie wurden schon von der IT ausgestattet?“, Jonathan blickte auf den Laptop und das Smartphone in ihrer Hand.

Whitlock nickte. „Ich dachte das erledige ich gleich zu Beginn, um direkt loslegen zu können. Jetzt muss ich nur noch wissen wo ich mir meinen Arbeitsplatz einrichten kann.“

„Ja, diesbezüglich…“, irgendetwas an der gedehnten Art und Weise wie Leslie das Wort betonte gefiel Jonathan überhaupt nicht. „Wie wir alle wissen haben wir derzeit wegen eines Wasserschadens im dritten Stockwerk einen kleinen Büroengpass. Und da Sie ja ohnehin gemeinsam die gleichen Aufgaben betreuen werden war Ministerin Evans recht angetan von der Idee, dass Miss Whitlock vorerst einmal mit hier unterkommen wird.“

Nicht ihr Scheißernst, schoss es Jonathan durch den Kopf. Nicht ihr beschissener fucking Scheißernst. Nur mit Mühe gelang es ihm, keine Miene zu verziehen. Er rang sich ein knappes Nicken ab, zu einem Lächeln brachte er es nun wirklich nicht mehr.

„Sehr schön“, sagte Whitlock.

„Da das ja nun geklärt wäre und Sie miteinander bekannt gemacht sind…“, Leslie trat mit einer gerade so angedeuteten Verbeugung vorsichtig den Rückzug an. Immerhin kannte sie Jonathan mittlerweile gut genug, um zu wissen wie es hinter seiner beherrschten Fassade aussah.

„… würde ich Sie nun alleine lassen. Falls Sie beide noch etwas brauchen: Sie wissen, wo sie mich finden.“

Schon war sie durch die elegante Flügeltür ins Vorzimmer verschwunden. Jonathan brauchte einen kurzen Augenblick um zu realisieren, was dieses winzige Wort beide in ihrer Aussage impliziert hatte. Es war offenbar nicht genug, dass ihm hier so unvermittelt irgendein dahergelaufener Günstling der Ministerin an die Seite gesetzt und sein Büro okkupiert wurde, nein, nun musste er sich offenbar auch noch Leslie mit dieser vollkommen im politischen Business unerfahrenen Person teilen. Es war infam. Dass diese zu allem Überfluss dabei nichtmal sonderlich eingeschüchtert wirkte, machte es eigentlich nur noch schlimmer. Wenn sie dachte sich hier ins gemacht Nest setzen und ihm seine Stelle streitig machen zu können, hatte sie sich aber gewaltig geschnitten.

„Also, Miss Whitlock…“, setzte er so gleichmütig wie möglich zum Sprechen an währen er betont langsam die wenigen Schritte hinter seinen ausladenden Schreibtisch ging - der einzige im Raum, wie er zufrieden dachte - und sich auf dem schwarzen Ledersessel dahinter niederließ. Die Angesprochene hatte in der Zwischenzeit ihren Trenchcoat abgelegt und sich ohne seine Aufforderung abzuwarten an seinem Besprechungstisch niedergelassen, von dem aus sie nun mit erwartungsvollem Blick jede seiner Bewegungen verfolgte. Jonathan ließ sich absichtlich Zeit, lehnte sich in seinem Stuhl zurück, stützte die Ellenbogen auf den Armlehnen ab und legte die Fingerspitzen aufeinander, dann erst blickte er wieder hinüber zu ihr.

„Ich weiß nicht, inwiefern Sie bereits im Voraus informiert worden sind über die Aufgaben, die mit dieser Tätigkeit hier einhergehen. Als juristische Berater stehen wir der Frau Ministerin in allen rechtlichen Belangen beratend zur Seite. Sie haben doch entsprechende juristische Vorkenntnisse, nehme ich an?“

Er hob fragend die Augenbrauen. Ein kaum merkliches, fast schon spöttisches Lächeln huschte über Whitlocks Lippen.

„Selbstverständlich“, antwortete sie. „Auch wenn mein Universitätsabschluss bereits einige Jahre zurückliegt, meine bisherige Tätigkeit in der Amerikanischen Botschaft in Berlin dürfte mich ausreichend auf die Herausforderungen hier im Ministerium vorbereitet haben.“

Jonathan war nicht entgangen wie ihr Blick für einen Moment nach oben gewandert war, über seinen Kopf hinweg in Richtung der Wand hinter seinem Schreibtisch, an der der unverkennbar blauweiße Wimpel seiner Alma Mater, der University of Yale, hing. Genausowenig war ihm entgangen wie sich dabei für einen winzigen Sekundenbruchteil ihre Augenbrauen kritisch gekräuselt hatten.

„Harvard?“, fragte er geradeheraus.

„Columbia“, antwortete sie schlicht.

Jonathan rang sich ein Lächeln ab, dann kam er zurück auf das, was er eigentlich sagen wollte.

„Botschaft in Berlin, sagten Sie? Dann wird Ihnen vermutlich bekannt sein, dass sich die Tätigkeit im Beraterstab keineswegs lediglich auf die juristischen Inhalte beschränkt, sondern auch mit gewissen… gesellschaftlichen Erwartungen einhergeht. Wir begleiten die Frau Ministerin bei sämtlichen öffentlichen Auftritten, bei all ihren Reisen und bei allen weiteren relevanten Terminen, in denen unsere Expertise kurzfristig vonnöten werden könnte.“

Whitlock nickte verbindlich.

„Beispielsweise heute Abend. Der Französische Botschafter hat zu einem Empfang geladen, bei dem die Frau Ministerin auch ein paar Grußworte an unsere Europäischen Freunde richten wird. Das, ähm…“, Jonathan setzte eine bedauernde Miene auf, „ist vermutlich ein wenig kurzfristig für Sie, doch ich bin mir sicher, dass Sie dann dem nächsten vergleichbaren Termin beiwohnen werden können.“

„Oh, ich wäre gerne schon heute mit dabei“, Whitlock setzte sich auf und etwas flackerte dort über ihren Blick, durchbrach ihr sonst so kontrolliertes Auftreten für einen winzigen Augenblick, was Jonathan gleichermaßen irritierte wie auch nervte. Eigentlich hatte er gehofft wenigstens an diesem Abend noch einmal Ruhe zu haben bevor er sie in Zukunft bei vermutlich jedem noch so kleinen Termin an der Backe haben würde.

„Ihnen ist bewusst, dass dies eine Veranstaltung in Abendgarderobe sein wird?“, fragte er und musterte sie leicht spöttisch.

„Das ist kein Problem. Ich wohne nicht weit entfernt, wenn Sie mir eine halbe Stunde Vorlauf geben bevor wir uns an der Botschaft einfinden müssen, dürfte das ausreichen um mich dem Anlass angemessen zu kleiden“, entkräftete Whitlock seinem Einwand.

Jonathan sah seine Felle endgültig davonschwimmem, langsam konnte er seine Wut über die gesamte beschissene Situation nun wirklich nicht mehr unterdrücken.

„Sprechen Sie überhaupt Französisch?“, platzte es deutlich unhöflicher, fast schon pampig aus ihm heraus in einem letzten verzweifelten Versuch, einen Rückzieher ihrerseits zu erzwingen.

Whitlocks Augen weiteten sich überrascht ob seines zugegebenermaßen alles andere als angebrachten Tonfalls, doch dann schien sie sich augenblicklich wieder zu fangen und schenkte ihm ein so charmantes Lächeln, dass es ihm den Magen umdrehte.

„Je suis certain que mes connaissances linguistiques sont tout à fait suffisantes pour répondre aux exigences de la soirée“, sagte sie in akzentfreiem Französisch ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen.

Irgendetwas an dem Klang ihrer Stimme, gepaart mit der Art und Weise wie sie ihn dabei ansah, herausfordernd, selbstsicher und vor allem kein bisschen verschüchtert, löste ein unangenehmes Brennen in seiner Kehle und ein merkwürdiges Pochen in seiner Leistengegend gleichermaßen aus. Scheiße. Vor ihm saß keineswegs das unterwürfige Mäuschen, das dankbar um die ihr eigentlich überhaupt nicht zustehende Stelle parieren würde wie er wollte. Nein, das hier, das war eine ebenbürtige Gegnerin im schmutzigen Geschäft der Politik, das wurde ihm in genau diesem Augenblick bewusst. Und verdammt, triggerte genau das dieses leise Prickeln in seinem Oberkörper, das er immer dann verspürte, wenn es nach weiblich ausgelöstem Nervenkitzel roch. Das hier, das könnte durchaus noch spannend werden, dachte Jonathan während er sich ein Lächeln abrang und die Frau vor sich mit einem mindestens genau herausfordernden Blick bedachte.

„Na dann, Miss Whitlock“, sagte er, äußert zufrieden mit dem leicht süffisanten Unterton, den er dabei zustande brachte, „Herzlich Willkommen in Washington.“