Gefangen im Dilemma der Liebe

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Summary

Kimani ist 19 Jahre alt und verbringt neben der Schule fast jede freie Minute am Fußballplatz. Seit dem Tod ihres Vaters läuft zuhause nichts mehr wie früher und das Verhältnis zu ihrer Mutter wird immer schwieriger. Gemeinsam mit ihrem Bruder Kay und dessen Freundin Leonore versucht sie, irgendwie mit dem Chaos ihres Lebens klarzukommen. Zwischen Fußballtraining, Schule und neuen Begegnungen gerät Kimani immer tiefer in ein emotionales Liebesdilemma. Zu viele Jungs. Zu viele Gefühle. Und die Frage, wem ihr Herz eigentlich wirklich gehört.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Chapter 1


Der Regen hatte erst vor wenigen Minuten aufgehört, trotzdem rochder Kunstrasenplatz noch nach nassem Gummi und kalter Herbstluft. DieFlutlichter spiegelten sich auf dem feuchten Boden und irgendwo am anderen Endedes Platzes schrie ein Trainer irgendeinem Kind hinterher, es solle endlichzurück in die Verteidigung laufen.

Ich zog meine Ärmel über meine Hände und setzte mich auf dieoberste Tribünenreihe.

Freitagabend in Feldkirchen.

Früher hätte ich nie gedacht, dass dieser Ort einmal meinLieblingsort werden würde.

Unten am Kunstrasenplatz trainierte die U10 meines Bruders. Kaystand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und diskutierte mit einemanderen Trainer über irgendeine Aufstellung, die wahrscheinlich niemand außerden beiden verstand. Die Kinder rannten kreischend über den Platz, als würdensie gerade Champions League spielen und nicht ein verregnetes Training in derSteiermark.

Ich musste grinsen.

Fußballplätze hatten etwas Beruhigendes. Vielleicht lag es daran,dass ich hier alles vergessen konnte. Schule. Zuhause. Meine Mutter. Michselbst.

Hier war alles einfacher.

Ein Ball. Neunzig Minuten. Keine Fragen.

„Du schaust schon wieder so depressiv.“

Ich drehte mich erschrocken um. Leonore, die Freundin von meinemBruder Kay, ließ sich neben mich fallen und stellte einen warmen Pappbecher Teezwischen uns ab.

„Danke“, murmelte ich und nahm einen Schluck.

„Bitte. Kay meinte, du bist seit Tagen komisch drauf“

„Kay hält auch einen verstauchten Knöchel für lebensbedrohlich.“

Leo lachte leise und zog ihre Knie an die Brust.

Für einen Moment schwiegen wir beide und beobachteten dasTraining. Das Flutlicht tauchte alles in dieses typische gelbliche Licht, dasjeden Fußballplatz gleichzeitig traurig und schön aussehen ließ.

„Kommst du morgen eigentlich zu diesem Vereinsfest?“ fragte sieirgendwann.

„Mal schauen.“

„Kimani.“

„Was denn?“

„Du musst mal wieder unter Menschen.“

Ich verdrehte die Augen.

„Ich bin gerade unter Menschen.“

„Kinder zählen nicht.“

Ich wollte gerade etwas erwidern, als plötzlich Gelächter vomParkplatz herüberhallte. Eine Gruppe Jungs kam Richtung Platz gelaufen. Alleungefähr in meinem Alter oder älter. Kapuzenpullis, Fußballtaschen, diesestypische selbstsichere Auftreten von Männern, die wissen, dass sie gutaussehen.

Leonore bemerkte sofort, wie mein Blick automatisch zu ihnenwanderte.

„Aha.“

„Halt die Klappe.“

„Der Blonde schaut zu dir rüber.“

„Nein tut er nicht.“

Tat er aber doch.

Nur ganz kurz.

Trotzdem trafen sich unsere Blicke für einen Moment.

Und irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl, als würde etwasbeginnen, obwohl ich noch nicht wusste, was genau.

„KIMANI!“

Ich hob genervt den Kopf, als Kay einmal quer über den Platz nachmir schrie.

„Was denn?!“

„Kommst du kurz?“

„Nein.“

„Doch.“

Ich seufzte laut, stand von der Tribüne auf und ging langsam überden feuchten Asphalt Richtung Spielfeldrand.

„Du bist mir unglaublich sympathisch heute“, meinte Kay grinsend,als ich bei ihm angekommen war.

„Und du störst mich beim Nichtstun.“

Leonore lachte im Hintergrund.

Kay ignorierte meinen Kommentar und begann damit, irgendwelcheTrainingssachen zusammenzuräumen, während die letzten Kinder langsam von ihrenEltern abgeholt wurden.

Die Jungs vom Parkplatz standen mittlerweile etwas weiter hintenbeim Vereinsgebäude und redeten laut durcheinander. Ich versuchte krampfhaft,nicht nochmal hinzuschauen.

Natürlich tat ich es trotzdem.

Der Blonde bemerkte es kurz.

Und grinste. Super.

„Morgen kommst du aber wirklich mit, oder?“ fragte Kay plötzlich.

„Ihr seid ja schlimmer als Verkäufer im Einkaufszentrum.“

„Das ist kein Nein.“

„Vielleicht komme ich.“

Leonore sah mich kurz an, dieses typische vorsichtige Anschauen,das Menschen hatten, seit bei uns zuhause alles kompliziert geworden war.

„Es würde dir guttun“, sagte sie leiser.

Und leider wusste ich, dass sie recht hatte.Zuhause verbrachte meine Mutter die meiste Zeit entweder schreiend oderschweigend und beides war mittlerweile unerträglich geworden.

Vielleicht brauchte ich wirklich Ablenkung.

„Sie kommt“, sagte Leo mit verschränkten Armen.

„Du nervst.“

„Aber ich hab recht.“

Ich schüttelte lachend den Kopf und nahm meine Tasche.

Mittlerweile war es fast komplett dunkel geworden. Die Flutlichtergingen nacheinander aus und der Platz wirkte plötzlich viel ruhiger als nochvor einer halben Stunde.

Für einen kurzen Moment blieb mein Blick nochmal bei der GruppeJungs hängen.

Der Blonde stand etwas abseits von den anderen und hörte nur halbbei irgendeinem Gespräch zu. Als würde er merken, dass ich ihn ansah, hob erden Kopf.

Schon wieder Blickkontakt.

Was war das heute bitte?

Ich drehte mich sofort weg.

„Peinlich“, murmelte Leonore grinsend neben mir.

„Ich hasse dich.“

„Nein tust du nicht.“

Leider hatte sie recht.

Gemeinsam gingen wir Richtung Parkplatz. Kay redete ununterbrochenüber irgendein Fußballspiel vom Wochenende, während ich nur halb zuhörte. MeinKopf war ganz woanders.

Und obwohl ich nicht einmal wusste, wie der Typ hieß, dachte ichauf dem ganzen Heimweg immer wieder an sein kurzes Grinsen unter dem Flutlicht.

Im Auto lief leise irgendein Radiosender, den Kay immer hörte.Irgendein österreichischer Song, den wahrscheinlich jeder außer mir mochte.

Leonore saß vorne am Beifahrersitz und scrollte durch TikTok,während Kay konzentriert durch die dunklen Straßen fuhr.

Während ich mit meiner besten Freundin Carla am Handy schrieb,wurde ich aus meiner Ruhe gezogen.

„Du warst heute ungewöhnlich still“, meinte er plötzlich.

„Ich rede generell nicht viel.“

„Stimmt gar nicht“, widersprach Leonore sofort. „Du redestnonstop, wenn du Menschen magst.“

„Danke für diese wunderschöne Analyse.“

„Bitte.“

Kay grinste nur.

Ich lehnte meinen Kopf gegen die kalte Fensterscheibe undbeobachtete die vorbeiziehenden Straßenlaternen. Feldkirchen war nachtsirgendwie ruhig. Fast zu ruhig.

„Freust du dich jetzt wenigstens ein bisschen auf morgen?“ fragteLeonore nach einiger Zeit.

„Geht so.“

„Das war gerade ein Ja.“

„Da war gerade eine Halt-die-Klappe“

Leo begann zu lachen.

Ich musste automatisch mitgrinsen.

Vielleicht brauchte ich wirklich mal Ablenkung.Die letzten Monate waren anstrengend gewesen. Schule, Training, zuhause,Streit. Manchmal fühlte sich alles gleichzeitig zu viel und trotzdem komplettleer an.

Seit mein Vater gestorben war, hatte sich zuhause alles verändert.Früher hatte meine Mutter gesungen, wenn sie gekocht hatte. Heute knallte siemeistens nur noch Türen. Und Kay? Kay tat so, als wäre alles normal. Vielleichtbeneidete ich ihn manchmal dafür.

Als wir zuhause ankamen, brannte noch Licht in der Küche.Natürlich.

„Oh oh“, murmelte Leonore leise.

Ich wusste sofort, was sie meinte. Sobald meine Mutter wach war,bestand immer die Möglichkeit, dass die Stimmung innerhalb von zwei Sekundenkippte.

„Vielleicht schläft sie eh gleich“, meinte Kay ruhig,wahrscheinlich eher zu mir als zu sich selbst.

Wir gingen hinein.

Meine Mutter stand tatsächlich in der Küche und räumteirgendwelche Sachen weg. Sie hob kurz den Kopf, als wir hereinkamen.

„Auch schon zuhause?“ sagte sie weder freundlich, noch genervt.Einfach leer.

„Ja“, antwortete Kay normal und legte seine Schlüssel auf dieAnrichte.

Ich sagte nichts und zog meine Schuhe aus.

„Kimani.“

Ich blickte auf.

„Was?“

„Du hast morgen doch kein Training, oder?“

„Nein.“

„Dann könntest du wenigstens einmal dein Zimmer aufräumen.“

Da war sie wieder. Diese typische gereizte Stimme.

„Mache ich eh.“

„Du sagst immer ´eh´ und machst es dann trotzdem nicht.“

Ich presste meine Lippen aufeinander. Nicht jetzt. Bitte nichtschon wieder.

„Mama“, mischte Kay sich ruhig ein. „Lass sie kurz ankommen.“

„Ich sag ja nur was.“

„Ja“, murmelte ich leise. „Wie immer.“

Ich ging an ihr vorbei Richtung Zimmer. Ich hörte noch, wie Kayirgendetwas sagte, doch ich machte bereits die Tür hinter mir zu. Endlich Ruhe.Ich ließ mich aufs Bett fallen und starrte an die Decke.Manchmal fragte ich mich, ob Zuhause jemals wieder Zuhause sein würde.

Während Carla sofort begann, mir tausend Fragen über den blondenJungen zu stellen, dachte ich wieder an sein kurzes Grinsen unter demFlutlicht.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit freute ich mich auf morgen.