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Zufälle gibt es nicht

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Summary

Manchmal reicht ein einziger Sommer, um ein Leben für immer zu verändern. Sie war die Tochter aus gutem Hause – behütet, reich und gefangen in den Erwartungen ihrer Familie. Er war der Junge, über den man tuschelte – zu arm und nicht gut genug Was als heimliche Liebe begann, wurde zu etwas, das niemand erfahren durfte. Und dann lag alles in Trümmern. Jahre später kehrt sie zurück in die kleine Stadt, die sie einst hinter sich lassen wollte. Doch auch er ist zurück. Ausgerechnet jetzt und hier. Zwischen alten Wunden, unausgesprochenen Gefühlen und Erinnerungen, die nie verblasst sind, wird schnell klar: Manche Herzen vergessen nie. Eine gefühlvolle Small-Town-Second-Chance-Romance über verbotene Liebe, alte Fehler und die Frage, ob manche Menschen trotz allem füreinander bestimmt sind.

Genre
Romance
Author
YaraLumi
Status
14d ago
Chapters
32
Rating
n/a
Age Rating
18+

Schlussstrich

Bevor ich die Haustür aufschloss, hielt ich mein Ohr gegen das Türblatt und lauschte. Als ich keine Geräusche ausmachen konnte, wagte ich es, den Schlüssel im Schloss zu drehen und die Tür vorsichtig aufzudrücken.

Zu meinem Leidwesen stellte ich fest, dass noch immer der Fernseher lief und die Chance, auf sie zu treffen, sofort um einiges anstieg.

Ich bemühte mich nicht auf meine Anwesenheit aufmerksam zu machen. Nachdem ich mich beinahe geräuschlos von meinen Schuhen und meiner Jacke befreit hatte, verschwand ich in der Dunkelheit der Küche, wo ich blind nach einer Wasserflasche griff.

Durstig öffnete ich den Verschluss, entlockte der Flasche ein Zischen, ehe ich sie an meinen Lippen ansetzte und die kohlensäurehaltige Flüssigkeit trank.

Kaum stellte ich die Flasche ab und ging in den Flur, hielt ich in der Bewegung inne. Noch bevor ich Lisa richtig erkannte, ging das Licht an und ermöglichte mir den Blick auf ihre abweisende Haltung. Die Arme hatte sie demonstrativ vor ihrer Brust verschränkt, die Augen verengt und die Lippen zusammengepresst. Freude über meine Anwesenheit sah definitiv anders aus.

Doch um ehrlich zu sein, konnte ich es ihr nicht verübeln.

In den vergangenen Wochen - wenn nicht sogar Monaten – hatte ich den Kontakt so gut es ging gemieden. Da kam mir das Referendariat und die damit einhergehenden Verpflichtungen gelegen. Ich nutzte jede Möglichkeit mich von dieser Wohnung – von ihr -fernzuhalten, völlig darüber im Klaren, welche Auswirkungen das haben würde.

Wie festgewurzelt stand ich an Ort und Stelle, überlegte welche Worte in dieser Situation angebracht wären. Doch so sehr ich auch darüber nachdachte, mir fielen keine ein.

Die Stille hing schwer zwischen uns. Sorgte dafür, dass mir das Atmen zunehmend schwerer fiel. Die ersten Schweißtropfen bildeten sich auf meiner Stirn, die ich mit meinem zittrigen Handrücken wegwischte.

Lisa quittierte dies lediglich mit einer hochgezogenen Augenbraue. Kurz glitt ihr Blick zu dem Handy in meiner Hand, ehe sie die Lippen aufeinanderpresste.

„Ich schätze, wir sollten reden.“

Ja, das war längst überfällig. Doch wenn ich ehrlich war, hatte ich es bisher nicht ohne Grund gemieden.

Ich schluckte gegen den immer größer werdenden Kloß in meinem Hals an, ehe ich schwerfällig schluckte und meinen Kopf schüttelte.

„Ich denke…“

„Seit wann betrügst du mich?“, wurde ich unterbrochen.

Warte, was?

Ungläubig blinzelte ich und musste mir das Lachen verkneifen. Scheiße, ich war vielleicht kein Heiliger, aber betrügen war nicht meine Art.

„Gar nicht.“, stellte ich daher unmissverständlich klar und schob meine zittrigen Hände in meine Hosentaschen.

„Das mit uns funktioniert einfach nicht und es tut mir leid, dass ich es nicht früher zugeben konnte.“ Meine Stimme wurde mit jedem Wort fester, da mir zunehmend bewusst wurde, dass ich nichts zu befürchten hatte. Zumindest nicht das, was mir mein Kopf einreden wollte.

Jetzt war sie es die mich ungläubig ansah und empört aufschnaufte.

„Das meinst du nicht so.“, erwiderte sie. Dabei klang sie genauso unsicher, wie das Fundament unserer Beziehung. Wobei das zwischen uns ohnehin kaum noch das Recht hatte, als Beziehung bezeichnet zu werden.

Wir lebten zusammen, ja. Aber eher wie Mitbewohner, die sich kaum sahen und sich genauso wenig zu sagen hatten.

Ich konnte mich nicht mal mehr daran erinnern, wann wir uns das letzte Mal geküsst - geschweige denn miteinander geschlafen - hatten. Verflucht, wir hatten nicht mal mehr im selben Bett geschlafen!

„Du weißt genauso gut, dass kein Weg drumherum führt, Lisa.“

„Wir schaffen das.“ Ein Schluchzen entkam ihrer Kehle.

Ich schloss die Augen. Das war das Problem. Während ich schon längst aufgegeben hatte, glaubte sie noch immer an das, was wir mal hatten.

„Wegen dir bin ich überhaupt noch hier.“, warf sie mir unerwartet lautstark vor, was mich zusammenzucken ließ. Diese Konversation schlug eine Richtung ein, die mir nicht gefiel. Somit wandte ich mich von ihr ab und ging geradewegs ins Schlafzimmer, wo ich mir eine Sporttasche hervorkramte und begann, meine Kleidung hineinzupacken.

Dank meines jahrelangen Studentenlebens und der damit einhergehenden finanziellen Schwierigkeiten, besaß ich glücklicherweise nicht viel.

Als ich zurück in den Flur kam, stand Lisa mit verschränkten Armen vor der Tür. Die ersten Tränen liefen über ihre rosigen Wangen, doch konnte ich darauf keine Rücksicht mehr nehmen. Mein Entschluss stand fest. Diese Beziehung war vorbei.

Ich zog mir meine Schuhe und Jacke an, ehe ich schnaubend auf sie zu ging und mich an ihr vorbeischob.

„Jonas!“, rief sie mir hinterher, doch ich reagierte nicht. Lief das Treppenhaus hinunter, als würde mein Leben davon abhängen. Immer wieder hallte mein Name von den kahlen Wänden, bis mit dem Zuschlagen der Haustür endlich Ruhe einkehrte.

Die kühle Januarluft schlug mir hart ins Gesicht, hielt mich aber nicht davon ab, schleunigst das Weite zu suchen.

Der Schnee knirschte unter meinen billigen Turnschuhen, der Wind pfiff mir bitter um die Ohren. Mit hochgezogenen Schultern bahnte ich mir den Weg durch die Leipziger Straßen.

Ich blieb stehen.

Ich hatte mich wirklich von Lisa getrennt.

So schwer es mir auch fiel, fühlte sich das Atmen plötzlich leichter an.

Ich verfluchte mich mit jedem Schritt mehr dafür, diesen Wahnsinn derart lange mitgemacht zu haben. Fragte mich, was zum Teufel mich überhaupt geritten hatte, ihr Verhalten mir gegenüber auszuhalten - teilweise sogar zu rechtfertigen.

Kopfschüttelnd befreite ich mich von den großen Schneeflocken, die sich auf meinem viel zu lang gewordenen Haar niedergelassen hatten. Die kreisenden Gedanken wurde ich damit zu meinem Leidwesen nicht los.

Ein Seufzen entfuhr meinen spröden Lippen, als das Haus meines besten Freundes in Sicht kam.

Kaum hatte ich meinen eingefrorenen Finger auf die Klingel gedrückt, wurde die Tür auch schon geöffnet.

Das grelle Licht blendete mich zunächst und ließ mich die Augen unweigerlich zusammenkneifen.

Ein mir nur allzu bekanntes Lachen ertönte, weshalb ich aufsah.

„Du siehst scheiße aus.“, begrüßte er mich charmant, wie eh und je, als ich mich an ihm vorbei in seine Wohnung drängte.

Schnaubend ließ ich meine Sporttasche fallen, ging zum Kühlschrank und nahm mir eine Flasche heraus. Zischend löste sich der Kronkorken und fiel klappernd zu Boden. Anschließend setzte ich die Flasche an meine Lippen an und genehmigte mir mehrere Schlucke der süßen Limonade.

Als ich die Flasche abgestellt hatte, kam Marco um die Ecke, klopfte mir brüderlich auf die Schulter und sah mich mit leicht verengten Augen an.

„Spuck’s schon aus. Was ist los?“

Unbehaglich setzte ich mich an den Tisch, stellte meine Ellenbogen auf den Knien ab und schüttelte den Kopf, ehe ich ihn ansah.

„Ich brauche für eine Weile deine Couch.“, begann ich und erntete wie erwartet einen verwirrten Blick. Marco mochte zwar intelligent sein, dennoch tat er sich manchmal schwer damit, offensichtliche Dinge sofort zu begreifen.

„Habt ihr euch gestritten?“, fragte er, als ihm das Licht aufzugehen schien. Mein Blick glitt zu der Sporttasche, die unweit von uns auf dem Boden stand. Mit den Händen rieb ich mir über das müde Gesicht und sah ihn an.

„Ok, verstehe.“, erwiderte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Augenverdrehend gab ich ihm mit einer Handbewegung zu verstehen, freien Lauf zu lassen. Immerhin kannte ich ihn besser als jeden anderen Menschen auf dieser Welt.

Prompt klatschte er begeistert in die Hände.

„Das schreit nach einer Party.“, murmelte er, während er das Handy aus der Hose zog und Gott weiß wen alles informierte.

Warum war er nochmal mein bester Freund? Ach genau. Weil er trotz dieser beschissenen Situation dazu in der Lage war, mir ein dämliches Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Marco war noch nie ein Fan von Lisa gewesen, was er mich bei jeder Gelegenheit hatte wissen lassen. Natürlich unterstützte er mich trotzdem, wie es sich für einen Freund eben gehörte. Dennoch sagte er mir genauso frei heraus, was er von dieser Beziehung hielt. Und das war im Grunde nichts. Dementsprechend trommelte er die anderen Jungs zusammen, um die erfreulichen Neuigkeiten gebührend feiern zu können.

Seine Worte, nicht meine.

Unrecht hatte er damit nicht. Trotzdem hatte ich lange gehofft, dass es irgendwann besser werden würde. Dass ich vielleicht doch noch das letzte fehlende Puzzleteil für ein erfülltes Leben gefunden hatte.

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Good Writing

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