UFOs am Himmel! Die Rache der Zombiehexe!

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Summary

Ein unheimlicher Wind weht durch die Straßen Nachtfalls, eine Fachwerkstadt im Jahre 1666, wo die Sterne am Firmament wie Glühwürmchen tanzen. Pfarrer Thomas Traumtod ist angereist, um ein junges Mädchen vor dem Hexenfeuer zu bewahren. Das Mädchen wird beschuldigt, den jungen Grafen Grabesruh von den Toten zurückgeholt zu haben. Doch Traumtod hält von diesen Anschuldigungen nichts. Er ist willens, mit geballten Fäusten in den Hexenprozess einzugreifen.

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Traumtod I

Eine Dezembernacht im Jahre 1666 – Schnee fiel auf die Dächer der urigen Fachwerkhäuser. Ein unheimlicher Wind wehte durch die unlichten Straßen von Nachtfall, einer Stadt der Grafschaft Grabesruh. Emsigen Schrittes, begleitet vom stetigen Klopfen auf kaltem Kopfsteinpflaster, wanderte der Pfarrer Traumtod seinem Ziel entgegen, sein Weg nur vom Schein seiner Handlaterne erhellt.

Als Thomas Traumtods Ohren die Geschichten vom Horror erreicht hatten, der sich in Nachtfall zugetragen hatte, hatte er auf schnellstem Wege eine Kutsche genommen, dem Grusel auf den Grund zu gehen. Und kaum am Gasthaus angekommen, hatte er sich auch schon auf den Weg zum Gerichtshaus gemacht. Denn der ansässige Ortspfarrer, Gottfurcht Grobherz, verweigerte der Angeklagten den geistlichen Beistand. Keine Seele sollte den Torturen der Hexenprozesse alleine ausgeliefert sein, dachte er.

Spees Cautio Criminalis gelesen und zu Herzen genommen, war es dem breitschultrigen Pfarrer ein Anliegen, in den Prozess mit geballten Fäusten einzugreifen. Die Angeklagte, ein Mädchen von erst 14 Jahren, wurde beschuldigt, den jungen Grafen in ein untotes Monstrum verwandelt zu haben. Hier sah Traumtod Bedarf in der Anwesenheit eines Mannes der Vernunft wie ihm selbst. Denn viel zu oft siegte die Unvernunft, was zu den Verbrennungen viel zu vieler Unschuldiger führte. Dies muss ein Ende haben, dachte Traumtod. Es war dem Mann eine Mission, das Mädchen vor dem Feuer zu bewahren.

Thomas Vokuhila wehte in ergrautem Glanz im Winterwind. Seinen Bart rasierte er in eine Reihe von Kruzifixen, außer dem Schnurrbart, der sich zwirbelte. Für einen Mann seines Alters, in der Mitte seiner Sechziger, war er von mächtiger Statur. Seine Schultern waren breit und seine Oberarme prall. Die ärmellose Pfarrerschaube, die Apfelbaummuster zierten, trug er grellrot. Seine Stiefel waren kniehoch und dunkel. Auf dem rechten stand in silberner Frakturschrift nach unten geschrieben Gott sei, und auf dem linken mit Dir.

Zielstrebig wanderte er durch die nächtlichen Gassen, als er etwas Eigenartiges sah. Ein paar der Sterne tanzten wie Glühwürmchen am Firmament. Verdutzt dachte der Pfarrer im Nachthimmelblick: Ist das bloß Einbildung? Oder vielleicht ein Zeichen Gottes, dass meine Sache gerecht ist?

Kopfschüttelnd tat er es ab. Schritt für Schritt trat Traumtod entschlossen voran.

Am Gerichtshausplatz angekommen, waren die Finsterdächer weiß vom Winterfall. Das Fachwerkgemäuer ragte in den Dunkelhimmel hinauf, wo so manch ein Stern zu tanzen schien. Doch die Tore des Gerichtshauses versperrend, stand eine Gestalt in Schatten gehüllt. Traumtod hob die Handlaterne und erkannte den Fremden sofort. „Guten Abend, Grobherz. Du bist hier, um mich willkommen zu heißen?“

Im Schein der Laterne wirkte Grobherz’ Visage wie die eines Dämons. Sein Haar war lang und schwarz, durchdrungen von einzelnen Strähnen in Grau. Das finstere Messgewand hatte Stickereien blutfarbener Kruzifixe und brennender Hexenhäupter. Und jede Hexenhauptstickerei war Grobherz ein Abzeichen, für eine Frau, die er dem Feuer entgegengeführt hatte.

Traumtod kannte den Pfarrerkollegen gut. Beide hatten in der Vergangenheit vielerlei Hexenprozessen beratend beigewohnt, wobei Grobherz dabei stets eine garstige Figur abgegeben hatte. Immerzu drang er die Gerichtsmänner dazu, Angeklagte wieder und wieder zur Folter zu schicken, auch wenn das Ergebnis des Verfahrens ohnehin schon gewiss war. Grobherz glich einem Teufel im Kostüm eines rechtschaffenden Mannes. Ein Mann, dem Einhalt geboten werden musste.

„Es gibt nichts mehr, was du tun kannst, alter Mann.“ Trotz seiner kleinen Statur, versuchte Grobherz sein Bestes, sich vor Traumtod drohend aufzubauen. „Du kommst zu spät.“

„Es gibt nichts, was ein frommer Mann der Tat nicht tun kann. Und nun hinfort, du Unhold, oder lerne den Rücken meiner Rechten kennen.“

„Deine Drohungen machen mir keine Angst. Seit der junge Graf tot ist, ist Nachfall meine Stadt. Ich entscheide, was Recht und Ordnung ist, und ich entscheide, wer eine Hexe ist und brennt.“

„Du dünkst dir, solch göttliche Gewalt zu walten, wie es dir nach Wunsch und Willen geht? Ein junges Mädchen dem Hexenfeuer entgegenzuführen, auf Grundlage solch hanebüchener Anklagen? Grobherz, du Ungetüm, es wurde kein Pax Westphalia geschlossen, dass du das Evangelium so zur Schande schmeißt.“

„Es muss dir doch aufgefallen sein, vom ersten Herzschlag deiner Ankunft an… Ein bösartiger Schatten schlummert in Nachtfall. Schau hinauf und schaudere vor ihrem Hexenwerk.“ Grobherz zeigte hinauf und die Sterne tanzten um die Silbersichel.

„Etwas Derartiges habe ich mein Leben nicht gesehen, ohne Frage. Ohne Frage jedoch, eine Frage der Astronomie, nicht der schwarzen Magie.“

„Es hat alles vor zwei Wochen angefangen, als der junge Graf verstarb. Das Mädchen, seine Hausmagd, hat ihn kraft eines teuflischen Pakts verwandelt. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Seine Seele schon im Höllenschlund, wandelte sein toter Leib auf Erden fort. Er wütete durch die Straßen der Stadt. Allen frommen Christen, denen er begegnete, fraß er das Fleisch von den Knochen. Unzählige Stadtwachen tötete er, bevor-„

„Ich kenne die Geschichte“, seufzte Traumtod. „Und ich muss sagen, dass ich meine Zweifel habe.“

„Frag die guten Leute Nachtfalls und sie werden alle das gleiche berichten.“

„Das Fußvolk schwätzt dir tausend Kuhhäute voll, wenn du es nur labern lässt.“

„Würdest du noch am Teufel zweifeln, wenn sein Schwefelatem in deiner Nase brennt?“

Starken Armes stieß Traumtod den Grobherz in Schnee und Dreck. „Genug der Worte.“ Er stieg über ihn hinüber und trat die Tore des Gerichtshauses ein, während die Worte Gott sei mit Dir dabei im Mondlicht schimmerten. „Ich werde sie vor dir retten, Kreatur.“

Halb hindurch geschritten, bellte ihm Grobherz hinterher, der wie ein Käfer am Boden lag: „Du kannst sie nicht retten! Sie ist schuldig! Schuldig, sage ich!“

„Das werden wir noch sehen.“