Solaria

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Summary

Die Erde stirbt. Jahrzehntelange Kriege, zerstörte Ökosysteme, Ressourcenknappheit und Naturkatastrophen haben die Menschheit an den Rand ihrer Auslöschung gebracht. Staaten zerfielen. Meere verschlangen Küsten. Der Himmel der alten Welt wurde grau. Als letzte Hoffnung startet die Menschheit das Projekt ELYSION. 600 Menschen verlassen die sterbende Erde an Bord eines gigantischen Kolonieschiffes, auf der Suche nach einem neuen Anfang. Ihr Ziel: Solaria — ein fremder Planet voller gewaltiger Wälder, unbekannter Ozeane und geheimnisvoller Lebensformen. Doch Solaria ist kein Paradies. Etwas beobachtet sie aus der Dunkelheit. Etwas lebt unter den Meeren. Und über allem wacht der rätselhafte Mond Synnra, dessen Existenz keiner wissenschaftlichen Logik zu folgen scheint. Während die Kolonie versucht zu überleben, stoßen sie auf uralte Ruinen, unbekannte Erze, heilende Pflanzen und Wesen, die niemals hätten existieren dürfen. Doch je tiefer sie Solaria erforschen… desto stärker beginnt Solaria auch sie zu verändern. Freundschaften entstehen. Geheimnisse erwachen. Und langsam wird klar: Die Menschheit ist auf Solaria vielleicht nicht allein. Und möglicherweise waren sie niemals die Ersten hier. SOLARIA Ende einer Ära, und ein Neubeginn. Band 1 — Kapitel 1 bis 12

Status
Ongoing
Chapters
12
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Kapitel 1: Die letzte Reise der Erde.

Die Erde war laut geworden.

Nicht nur durch Kriege. Nicht nur durch Maschinen. Nicht nur durch Menschen.

Sondern durch Angst.

Jeder wusste es inzwischen. Die Ressourcen wurden knapper. Die Meere stiegen. Staaten zerfielen. Und selbst der Himmel wirkte nachts oft grau.

Doch mitten im Chaos gab es einen Mann, der nicht auf die Erde blickte.

Sondern zu den Sternen.

Caris stand schweigend vor der riesigen Panoramascheibe seines Raumschiffes. Das blaue Licht der Anzeigen spiegelte sich in seinen Augen wider.

Hinter ihm summten Maschinen. Vor ihm lag das endlose Schwarz des Weltraums.

Und irgendwo dort draußen … lag Solaria.

„Papa?“

Die leise Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

Er drehte sich um und lächelte leicht.

Elaine stand barfuß im Eingang der Kommandozentrale und hielt ihren kleinen Stoffhasen fest an sich gedrückt.

„Kann ich die Sterne sehen?“

Caris kniete sich zu ihr herunter.

„Natürlich.“

Er hob sie vorsichtig hoch und setzte sie auf den Sitz vor der Scheibe.

Sofort begannen ihre blauen Augen zu leuchten.

„So viele …“

Caris sagte nichts.

Er beobachtete nur still ihr Gesicht.

Denn genau dafür tat er das alles.

Nicht für Ruhm. Nicht für Geld. Nicht für Macht.

Sondern für eine Zukunft.

Eine Zukunft, die die Erde längst verloren hatte.

Die Tür hinter ihnen öffnete sich zischend.

„Die letzten Vorbereitungen laufen.“

Irigna trat in den Raum und hielt mehrere digitale Datenplatten unter dem Arm.

Wie immer wirkte er müde. Und wie immer glänzten seine dunkelblauen Augen vor Neugier.

„Die Kryokammern sind stabil. Nahrungssysteme ebenfalls. Aber ehrlich gesagt interessiert mich etwas anderes deutlich mehr.“

Caris musste leicht schmunzeln.

„Natürlich.“

Irigna trat näher an die Scheibe heran.

„Dieser Planet … ergibt keinen Sinn.“

Mit einer Handbewegung aktivierte er ein schwebendes Hologramm.

Ein grün-blauer Planet erschien zwischen ihnen.

Solaria.

Gigantische Ozeane. Dichte Wälder. Unbekannte Kontinente.

Und ein seltsam gelblicher Mond.

„Die Atmosphäre ist nahezu perfekt.“ Irigna runzelte die Stirn. „Fast zu perfekt.“

Elaine streckte neugierig ihre kleine Hand nach dem Hologramm aus.

„Dürfen dort Tiere leben?“

Irigna sah sie kurz an.

„Sehr wahrscheinlich.“

„Und Monster?“

Für einen Moment wurde es still.

Dann antwortete Caris ruhig:

„Das werden wir herausfinden.“

Plötzlich ertönte ein dumpfer Alarm durch das Schiff.

Eine künstliche Stimme hallte durch die Gänge.

„Startsequenz beginnt in T minus zehn Minuten.“

Das Licht der Kommandozentrale wechselte auf tiefes Rot.

Draußen öffneten sich langsam die gigantischen Schleusen der orbitalen Werft.

Caris blickte ein letztes Mal auf die Erde.

Von hier oben wirkte sie friedlich. Fast wunderschön.

Doch er wusste, wie viel Leid dort unten herrschte.

Wie viele Menschen hofften. Wie viele Angst hatten.

Und wie viele niemals die Chance bekommen würden, diesen Planeten zu verlassen.

Elaine bemerkte seinen Blick.

„Werden wir wiederkommen?“

Caris schwieg lange.

Zu lange.

Dann strich er ihr sanft durchs Haar.

„Eines Tages vielleicht.“

Aber tief in seinem Inneren kannte er bereits die Wahrheit.

Diese Reise war keine Expedition.

Sie war ein Abschied.

---

Das Schiff begann zu beben.

Triebwerke erwachten. Metall vibrierte. Warnlichter flackerten über die Wände.

Irigna grinste plötzlich wie ein Kind.

„Weißt du eigentlich, dass wir möglicherweise die ersten Menschen werden, die eine völlig neue Welt betreten?“

Caris blickte erneut hinaus in die Dunkelheit.

Dann antwortete er leise:

„Oder die letzten.“

---

Der Alarmton verklang langsam.

Stattdessen erfüllte nun eine ruhige künstliche Stimme das gesamte Schiff.

„Alle Passagiere begeben sich bitte zu den Kryosektionen. Abflug in sechs Minuten.“

Hinter den schweren Sicherheitstüren des Hauptdecks bewegten sich Menschen durch die langen Metallgänge.

Familien. Forscher. Ingenieure. Bauern. Arbeiter.

Über sechshundert Menschen befanden sich an Bord der Elysion.

Nicht als Touristen.

Sondern als die ersten Bewohner einer neuen Welt.

Einige wirkten nervös. Andere voller Hoffnung. Manche schwiegen einfach nur.

Denn jeder wusste: Sobald die Reise begann, gab es kein Zurück mehr.

Elaine hielt Caris fest an der Hand, während sie durch die beleuchteten Gänge liefen.

„Müssen wir wirklich schlafen?“

Caris nickte leicht.

„Nur für eine Weile.“

Irigna lief neben ihnen her und überprüfte dabei weiterhin Daten auf seinem Armbanddisplay.

„Genau genommen zwölf Wochen, drei Tage und ungefähr vier Stunden.“

Caris seufzte leise.

„Du machst Kindern wirklich Mut.“

„Wissenschaft basiert nun mal auf Präzision.“

Zum ersten Mal seit Stunden musste Caris lachen.

Die Kryosektion lag tief im Inneren des Schiffes.

Reihen aus weißen Kammern erstreckten sich durch den gigantischen Raum. Kalter Nebel glitt langsam über den Boden, während blaues Licht von den Kammern reflektiert wurde.

Über jeder Kammer erschienen Namen und Herzfrequenzen.

600 Leben. 600 Hoffnungen.

Elaine sah sich staunend um.

„Das sieht aus wie in einem Traum.“

Irigna grinste leicht.

„Oder wie in einem schlechten Horrorfilm.“

Caris warf ihm einen genervten Blick zu.

„Was denn? War nur Spaß.“

Die künstliche Intelligenz des Schiffes meldete sich erneut.

„Autonomer Flug aktiviert. Ziel: Merinja-System. Planet: Solaria. Voraussichtliche Reisezeit: zwölf Wochen.“

Caris blieb einen Moment stehen.

Merinja.

Das unbekannte Sonnensystem am Rand der kartografierten Sektoren. Fast niemand wusste überhaupt von seiner Existenz.

Und dort … wartete Solaria.

Irigna stellte sich neben ihn und blickte schweigend auf die Reihen der Kryokammern.

„Schon verrückt.“

„Was genau?“

„Dass vielleicht nie wieder Menschen die Erde so sehen werden wie wir.“

Für einige Sekunden sagte niemand etwas.

Dann hob Caris Elaine vorsichtig hoch und setzte sie in ihre Kryokammer.

Sie wirkte plötzlich deutlich kleiner.

„Papa?“

„Ja?“

„Wenn wir aufwachen …“

Sie kuschelte ihren Stoffhasen enger an sich.

„… ist dann schon Solaria da?“

Caris lächelte sanft.

„Ja.“

Langsam schloss sich die gläserne Kammer über ihr.

Blaues Licht flackerte auf.

Herzfrequenz stabil.

Kryoschlaf aktiviert.

Caris blieb noch einen Moment stehen und betrachtete seine Tochter hinter dem Glas.

Dann trat Irigna neben seine eigene Kammer.

„Falls wir sterben, nehme ich dir übrigens übel, dass ich wegen dir eingefroren wurde.“

„Du redest zu viel.“

„Und du denkst zu viel.“

Für einen kurzen Moment grinsten beide gleichzeitig.

Dann legten sie sich in ihre Kammern.

Die KI begann den finalen Countdown.

„Start in zehn … neun … acht …“

Die riesigen Triebwerke der Elysion erwachten mit einem tiefen Dröhnen.

Außerhalb der orbitalen Werft begann das Schiff langsam zu rotieren.

Unter ihnen wurde die Erde kleiner.

Immer kleiner.

Bis sie nur noch ein blauer Lichtpunkt zwischen Dunkelheit und Sternen war.

„Drei … zwei … eins …“

Die Sterne verzerrten sich plötzlich.

Licht zog sich wie endlose Linien durch die Schwärze.

Und die Elysion verschwand lautlos im Hyperraum.

---

Zwölf Wochen später.

Warnlichter begannen in der Dunkelheit zu pulsieren.

Langsame Systeme erwachten.

Die künstliche Stimme erklang erneut.

„Ankunft im Merinja-System erfolgreich. Kryosequenz wird beendet.“

Kalter Nebel strömte zischend aus den Kammern.

Caris riss hustend die Augen auf.

Sein Körper fühlte sich schwer an.

Neben ihm öffnete sich auch Irignas Kammer.

„Ich hasse Kryoschlaf …“

Caris antwortete nicht.

Denn vor ihnen, hinter der gigantischen Panoramascheibe der Kommandozentrale …

erschien zum ersten Mal Solaria.

Und direkt daneben …

der gelbliche Mond Synnra.