Geistm eigenem Haus
Es beginnt leise.
Nicht mit einem Knall.
Sondern mit einem Raum,
der sich ein wenig weiter anfühlt als sonst.
Ein Schritt klingt hohl.
Zu hohl.
Als würde der Boden nicht ganz glauben,
dass ich da bin.
Ich gehe durch Räume,
die meine sind.
Aber nichts gehört wirklich mir.
Nicht mal das Echo.
Stimmen im Flur.
Lachen in der Küche.
Tellerklirren.
Leben passiert.
Mein Name fällt nicht.
Als wäre ich Luft.
Durchsichtig.
Da. ja
Und nicht da.ja
Ich stehe im Türrahmen.
Warte auf einen Blick.
Einen, der hängen bleibt.
Nur kurz.
Aber Augen gleiten über mich
wie über Möbel.
Nützlich vielleicht.
Aber nicht bemerkenswert.
Als würde ich als Einzige sehen,
wie niemand mich sieht.
Ich spreche.
Worte verlassen meinen Mund
und werden sofort kalt.
Sie fallen zu Bodenwie Atem im Winter.
Keiner hebt sie auf.
Du bist doch hier, sagen sie. Warum fühlst du dich so?
Und ich suche nach Worten für etwas, das keine Form hat. Nur Temperatur.
Vom Winde verweht. Der Kälte nah. Fenster offen. Innen Winter.
Kälte ist nicht nur kalt. Kälte ist langsam. Sie beginnt an den Fingerspitzen und fragt nicht, ob sie bleiben darf.
Sie setzt sich zwischen die Rippen. Atmet mit. Macht alles enger. Leiser.
Leerer ist nicht leer.
Leerer ist ein Raum nach einem Umzug. Abdrücke auf dem Teppich, wo einmal etwas stand, das wichtig war.
Leerer ist ein Glas, aus dem eben noch getrunken wurde. Restwärme fehlt. Nur Stille bleibt zurück.
Leerer ist ein Herzschlag im Ohr, weil sonst nichts antwortet.
Ich sitze mitten im Leben und fühle mich wie ein Geist im eigenen Haus.
Ich sehe, wie alle sich sehen. Wie sie einander finden mit Blicken, mit Berührungen, mit selbstverständlichen Gesten.
Und ich sehe, wie ich übersehen werde.
Nicht aus Bosheit. Nicht aus Absicht.
Sondern wie man ein Bild an der Wand so lange nicht mehr ansieht, bis man vergisst, dass es einmal etwas bedeutet hat.
Ich winke. Ganz leicht. Fast unsicher, ob ich überhaupt noch Wellen schlagen kann.
Meine Hand geht durch Gespräche hindurch. Durch Nähe. Durch Wärme, die mich nicht erreicht.
Und das Seltsame ist, dass sie es ehrlich nicht verstehen.
Sie sehen mein Gesicht. Aber nicht das Fehlen dahinter.
Sie hören meine Stimme. Aber nicht das Zittern, das nur innen ist.
Und ich weiß nicht, wie man Unsichtbarkeit erklärt für Menschen, die nie durch sich selbst hindurchgesehen haben.
Also werde ich stiller. Langsam. Unmerklich.
Wie Staub im Licht, der erst auffällt, wenn ein Sonnenstrahl genau richtig fällt.
Und selbst dann wischt ihn jemand fort, ohne zu wissen, dass er da war.
Und das Schlimmste ist nicht, dass sie mich nicht sehen.
Sondern, dass ich anfange zu glauben, ich wäre wirklich nicht da.
Und irgendwann höre ich auf, mich selbst zu rufen.
Meine Schritte machen kein Geräusch mehr. Nicht einmal für mich.
Ich lerne, durch Wände zu gehen, ohne Widerstand.
Ich lerne, weniger Platz zu brauchen. Weniger Luft. Weniger Sein.
Bis selbst mein Schatten nicht mehr sicher ist, ob er mir noch folgen soll.
Und vielleicht war ich nie ein Geist in diesem Haus.
Vielleicht war ich nur langsam dabei, zu verschwinden.
Vielleicht werde ich zu der Pause zwischen zwei Herzschlägen.
Zu dünn für Erinnerung. Zu still für Verlust.
Nur ein kaum spürbarer Riss im Gewebe der Welt, wo etwas fehlte, das nie laut genug war, um vermisst zu werden.
Bis selbst das Fehlen eine Form bekam. Ich wurde die Lücke.








