Crossing the Line

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Summary

Mit zwölf Jahren muss Emily „Milly“ Parker ihr altes Leben hinter sich lassen und zu ihrer Tante ziehen. An ihrer neuen Schule findet sie ausgerechnet in Ava Brooks ihre erste echte Freundin. Es gibt nur ein Problem. Avas Bruder. Alex Brooks. Footballstar. Mädchenschwarm. Und der arroganteste Junge, dem Milly je begegnet ist. Was mit harmlosen Neckereien beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Krieg aus Worten, Sticheleien und verletzten Gefühlen. Während Alex keine Gelegenheit auslässt, sie zur Weißglut zu treiben, weigert sich Milly, ihm auch nur einen Zentimeter nachzugeben. Doch je älter sie werden, desto komplizierter wird alles. Denn hinter den Streitereien verbergen sich Blicke, die zu lange dauern. Momente, die sie nicht vergessen kann. Und Gefühle, die sie niemals haben sollte. Vor allem nicht für ihn. Als eine Reihe von Ereignissen schließlich alles verändert und eine Grenze überschritten wird, die nie hätte überschritten werden dürfen, steht Milly vor einer Entscheidung: Kann man jemandem vergeben, der einen immer wieder verletzt hat? Oder gibt es Fehler, die selbst die Liebe nicht mehr retten kann?

Status
Ongoing
Chapters
31
Rating
n/a
Age Rating
18+

Chapter 1

Ihr Lieben ❤️

Crossing the Line nimmt am Second Chance Schreibwettbewerb teil! 🥹📚

Deshalb freue ich mich über jede Unterstützung ganz besonders. Wenn euch die Geschichte gefällt, lasst gerne ein ❤️ da, kommentiert eure Gedanken und begleitet Milly und Alex auf ihrer Reise.

Jeder Leser, jedes Like und jeder Kommentar bedeutet mir unglaublich viel und hilft der Geschichte weiter. 🫶

Vielen Dank, dass ihr dabei seid! ❤️✨


Milly

Ich hasse den ersten Schultag.

Eigentlich hasse ich Veränderungen allgemein.

Vielleicht liegt das daran, dass sich mein ganzes Leben innerhalb weniger Sekunden verändert hat.

Vielleicht liegt es daran, dass ich seit vier Jahren nirgendwo mehr wirklich dazugehöre.

Oder vielleicht liegt es einfach daran, dass ich heute vor einer Schule stehe, in der mich niemand kennt.

Ich ziehe den Rucksack etwas höher auf meine Schulter und starre auf das große Backsteingebäude vor mir.

Kinder laufen lachend an mir vorbei.

Jemand ruft den Namen eines Freundes.

Eine Gruppe Mädchen steht kichernd am Eingang.

Alle wirken, als würden sie genau wissen, wohin sie gehören.

Nur ich nicht.

„Du schaffst das.“

Die Stimme meiner Tante Sarah lässt mich aufblicken.

Sie steht neben ihrem Auto und schenkt mir ein aufmunterndes Lächeln.

„Und wenn nicht?“

„Dann kommst du heute Nachmittag nach Hause und erzählst mir, wie schrecklich alles war.“

Ein kleines Lächeln huscht über mein Gesicht.

„Und wenn es wirklich schrecklich wird?“

„Dann backe ich Brownies.“

„Mit extra Schokolade?“

„Extra viel.“

„Deal.“

Sie zieht mich kurz in ihre Arme.

Früher hätte ich mich dagegen gewehrt.

Heute nicht mehr.

Heute genieße ich jede Umarmung, die ich bekommen kann.

„Hab einen schönen Tag, Mäuschen.“

Ich nicke.

Dann drehe ich mich um und gehe los.

Mit jedem Schritt fühlt sich mein Magen schwerer an.

Die Stimmen um mich herum werden lauter.

Zu viele Menschen.

Zu viele unbekannte Gesichter.

Zu viele Erinnerungen.

Für einen kurzen Moment höre ich wieder das Quietschen der Reifen.

Sehe Wasser.

Dunkelheit.

Kälte.

Ich schließe kurz die Augen.

Nicht jetzt.

Bitte nicht jetzt.

Als ich sie wieder öffne, stehe ich direkt vor der Eingangstür.

„Hey!“

Ich zucke zusammen.

Ein blondes Mädchen kommt auf mich zugelaufen.

Sie trägt ihre Haare zu einem hohen Pferdeschwanz und grinst, als hätte sie gerade im Lotto gewonnen.

„Du bist Milly, oder?“

Ich blinzle verwirrt.

„Ja.“

„Super.“

„Super?“

„Meine Mom hat deiner Tante versprochen, dass ich auf dich aufpasse.“

„Oh.“

„Keine Sorge. Ich beiße nur dienstags.“

„Heute ist Dienstag.“

Sie lacht.

Und zum ersten Mal an diesem Tag muss ich ebenfalls grinsen.

„Ich bin Ava.“

„Milly.“

„Ich weiß.“

„Stimmt.“

„Komm. Ich zeige dir die Schule.“

Bevor ich protestieren kann, hakt sie sich bei mir unter.

Als würden wir uns schon ewig kennen.

Normalerweise mag ich sowas nicht.

Aber bei Ava fühlt es sich irgendwie leicht an.

Natürlich kennt sie schon gefühlt jeden Menschen auf diesem Planeten.

Alle grüßen sie.

Alle winken ihr.

Alle lächeln.

„Bist du berühmt?“

„Fast.“

„Aha.“

„Mein Bruder behauptet jedenfalls, ich wäre es.“

„Und dein Bruder hat immer recht?“

„Definitiv nicht.“

„Gut.“

„Warum?“

„Ich mag Leute nicht, die immer recht haben.“

„Dann wirst du ihn lieben.“

„Das klingt nicht besonders überzeugend.“

„Warte einfach ab.“

Ich hätte auf die Warnung hören sollen.

Wir biegen gerade um eine Ecke, als jemand rückwärts aus einer Klassenzimmertür kommt.

Und direkt mit mir zusammenstößt.

Meine Bücher landen auf dem Boden.

„Au!“

„Pass doch auf.“

„Ich? Du bist in mich reingelaufen!“

„Weil du mitten im Weg standest.“

„Ich stand an der Wand!“

„Details.“

Ich hebe den Blick.

Und starre direkt in zwei blaue Augen.

Der Junge vor mir ist groß.

Viel zu groß.

Dunkle Haare.

Freches Grinsen.

Und offenbar ein Ego von der Größe eines Landes.

„Alex!“, ruft Ava genervt.

Er schaut von mir zu ihr.

„Oh.“

„Oh?“

„Du bist die Neue.“

„Messerscharf erkannt.“

Ava presst die Lippen zusammen.

Ich glaube, sie versucht nicht zu lachen.

Verräterin.

Alex mustert mich.

„Du bist kleiner, als ich dachte.“

„Und du bist nerviger, als ich dachte.“

Für einen Moment herrscht Stille.

Dann grinst er.

„Die hat Biss.“

„Und du hast offenbar kein Benehmen.“

„Stimmt. Hat meine Schwester für uns beide bekommen.“

„Alex!“

Er hebt unschuldig die Hände.

„Was denn? Ich unterhalte mich nur.“

„Du nervst.“

„Siehst du? Genau sowas meine ich.“

Ich sammle meine Bücher vom Boden auf.

Dabei spüre ich seinen Blick.

„Wie heißt du überhaupt?“

„Warum?“

„Neugier.“

„Milly.“

„Milly.“

Er wiederholt meinen Namen langsam.

Als würde er testen, wie er klingt.

Dann nickt er.

„Okay.“

„Okay?“

„Du bist weniger langweilig als die anderen Neuen.“

„Wow. Danke. Jetzt fühle ich mich geehrt.“

Sein Grinsen wird breiter.

Und ich beschließe sofort, dass ich dieses Grinsen nicht leiden kann.

Überhaupt nicht.

„Komm schon“, sagt Ava und zieht mich weiter.

„Wir kommen zu spät.“

Ich werfe Alex noch einen letzten Blick zu.

Er lehnt inzwischen an der Wand.

Arme verschränkt.

Dieses selbstzufriedene Grinsen noch immer im Gesicht.

Idiot.

Absoluter Idiot.

„Ignorier ihn einfach“, sagt Ava.

„Machst du das?“

„Nein.“

„Warum sollte ich dann?“

Sie lacht.

„Du wirst hier schon reinpassen.“

Zum ersten Mal an diesem Tag fühlt sich meine Brust nicht mehr ganz so schwer an.

Vielleicht wird diese Schule nicht perfekt.

Vielleicht werde ich nie wirklich dazugehören.

Vielleicht werde ich die Menschen hier irgendwann wieder verlieren.

Aber als Ava ihren Arm in meinen einhakt und mich Richtung Klassenzimmer zieht, habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, dass dieser Ort vielleicht doch ein Zuhause werden könnte.

Und genau deshalb ahne ich noch nicht, dass der größte Idiot dieser Schule irgendwann auch der Mensch sein wird, der mir am meisten wehtut.

Nachdem Ava mich zu meinem Klassenzimmer gebracht hat, verschwindet sie in ihren eigenen Unterricht.

„Wir sehen uns in der Pause!“, ruft sie noch.

Dann bin ich allein.

Wieder.

Ich suche mir einen Platz am Fenster und versuche, die neugierigen Blicke der anderen Kinder zu ignorieren.

Neu zu sein ist blöd.

Alle starren.

Alle tuscheln.

Alle wollen wissen, wer du bist.

Dabei weiß ich selbst manchmal nicht mehr so genau, wer ich eigentlich bin.

Mein Name ist Emily Parker.

Aber alle nennen mich Milly.

Ich bin zwölf Jahre alt.

Und vor drei Wochen ist meine Welt untergegangen.

Seitdem wohne ich bei meiner Tante Sarah.

Alle sagen, ich hätte Glück gehabt.

Glück.

Ich hasse dieses Wort.

Denn wenn man seine Eltern verliert, seinen kleinen Bruder verliert und plötzlich allein auf der Welt ist, fühlt sich nichts daran wie Glück an.

Also nicke ich einfach, wenn die Leute so etwas sagen.

Weil sie es nicht besser wissen.

Weil sie nicht wissen, wie es ist, morgens aufzuwachen und für einen Moment zu vergessen, dass alles vorbei ist.

Bis die Erinnerung zurückkommt.

Immer wieder.

Jeden einzelnen Tag.

Ich vermisse meine Mom.

Ich vermisse meinen Dad.

Ich vermisse meinen kleinen Bruder Noah.

Manchmal glaube ich sogar, seine Stimme noch zu hören.

Dann wird mir wieder bewusst, dass das unmöglich ist.

Meine Tante versucht ihr Bestes.

Wirklich.

Sie ist lieb.

Geduldig.

Und sie gibt sich wahnsinnig viel Mühe, damit ich mich hier wohlfühle.

Aber egal wie nett sie ist …

Sie ist nicht meine Mom.

Und dieses Haus ist nicht mein Zuhause.

Zumindest noch nicht.

Vielleicht wird es das irgendwann.

Vielleicht auch nicht.

Im Moment fühlt sich alles fremd an.

Die Schule.

Die Stadt.

Die Menschen.

Sogar ich selbst.

Deshalb verstehe ich auch nicht, warum mein Herz plötzlich einen kleinen Sprung macht, als ich Alex Brooks am anderen Ende der Cafeteria entdecke.

Den größten Idioten dieser Schule.

Eigentlich sollte ich ihn nervig finden.

Und das tue ich auch.

Meistens.

Wahrscheinlich.

Zumindest bilde ich mir das ein.

Und obwohl ich inzwischen gelernt habe, so zu tun, als wäre alles okay, fühlt sich manchmal immer noch alles falsch an.

Früher mochte ich Schwimmen.

Heute nicht mehr.

Früher mochte ich Gewitter.

Heute machen sie mich nervös.

Früher war meine Familie komplett.

Heute besteht sie nur noch aus meiner Tante und mir.

Ich schiebe die Gedanken weg.

Darüber nachzudenken macht sowieso alles nur schlimmer.

Stattdessen konzentriere ich mich auf die Dinge, die ich mag.

Bücher.

Musik.

Zeichnen.

Und Tiere.

Vor allem Hunde.

Ich wollte immer einen Hund haben.

Meine Mutter hat immer gesagt, wir könnten darüber reden, wenn ich älter bin.

Jetzt werde ich nie erfahren, ob sie irgendwann Ja gesagt hätte.

„Hey.“

Ich zucke zusammen.

Ein Mädchen aus meiner Klasse lächelt mich an.

„Du bist neu, oder?“

„Offensichtlich.“

Sie lacht.

„Stimmt.“

Zum Glück klingelt es, bevor das Gespräch noch peinlicher werden kann.

Der Unterricht zieht sich endlos.

Doch als endlich Pause ist, wartet Ava bereits vor meiner Tür.

„Da bist du!“

Sie strahlt mich an, als wären wir seit Jahren beste Freundinnen.

Vielleicht werden wir das sogar irgendwann.

„Na? Überlebt?“

„Knapp.“

„Perfekt. Dann gehörst du jetzt offiziell dazu.“

Ich verdrehe die Augen.

„So schnell geht das?“

„Natürlich.“

Sie hakt sich wieder bei mir unter.

„Komm.“

„Wohin?“

„In die Cafeteria.“

„Warum habe ich das Gefühl, dass mir diese Antwort nicht gefallen wird?“

Ava grinst.

„Weil mein Bruder dort ist.“

Natürlich.

Ihr Bruder.

Der Idiot.

Als würden meine Gedanken ihn heraufbeschwören, entdecke ich ihn sofort.

Er sitzt mit mehreren Jungen an einem Tisch.

Alle lachen.

Alle scheinen ihn zu kennen.

Und irgendwie sitzen sie so da, als würde ihnen die Schule gehören.

„Warum sieht er immer so selbstzufrieden aus?“, murmele ich.

Ava lacht.

„Weil er Alex ist.“

„Das erklärt gar nichts.“

„Doch.“

Leider tut es das tatsächlich.

Alex ist vierzehn.

Zwei Jahre älter als Ava und ich.

Und offenbar ziemlich beliebt.

Nicht, dass ich verstehen würde, warum.

Okay.

Vielleicht ein kleines bisschen.

Er sieht gut aus.

Das muss ich widerwillig zugeben.

Seine dunklen Haare stehen in alle Richtungen ab.

Seine blauen Augen funkeln ständig, als würde er irgendeinen Blödsinn planen.

Und dieses Grinsen…

Dieses dumme, nervige Grinsen.

Ich hasse dieses Grinsen.

Wirklich.

Also größtenteils.

Vielleicht.

„Du starrst.“

„Tue ich nicht.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Ich seufze.

„Du bist anstrengend.“

„Das sagt mein Bruder auch.“

„Dann hat er wenigstens einmal recht.“

Ava lacht so laut, dass mehrere Schüler sich umdrehen.

Im selben Moment hebt Alex den Kopf.

Unsere Blicke treffen sich.

Und sofort grinst er.

Natürlich grinst er.

Idiot.

Ich rolle mit den Augen.

Er grinst noch breiter.

Und plötzlich passiert etwas Merkwürdiges.

Etwas, das ich überhaupt nicht mag.

Mein Bauch macht einen komischen Hüpfer.

Ganz kurz.

Nur eine Sekunde.

Aber lange genug, damit ich es bemerke.

Was zum Teufel war das denn?

Sofort schaue ich weg.

Bestimmt Hunger.

Ja.

Ganz sicher Hunger.

Oder Stress.

Oder beides.

Das hat definitiv nichts mit Alex Brooks zu tun.

Gar nichts.

Nicht mit seinem Grinsen.

Nicht mit seinen Augen.

Nicht mit der Art, wie er mich gerade ansieht.

Auf keinen Fall.

Leider bin ich mir selbst nicht besonders überzeugend.