Prolog
Was ist hier gerade los?
Der Gedanke hämmert so laut gegen meinen Kopf, dass ich kaum noch klar denken kann.
Wie bin ich überhaupt in diese Situation gekommen?
Mein Rücken drückt gegen die Matratze.
Mein Herz schlägt viel zu schnell.
Und er liegt über mir.
Zu nah.
Viel zu nah.
Das Zimmer liegt fast komplett im Dunkeln. Nur das fahle Licht der Straßenlaterne fällt durch die halb geöffneten Jalousien und streift sein Gesicht in unruhigen Schatten.
Ich sehe hauptsächlich seine Augen.
Dunkelgrün.
Und vollkommen auf mich fixiert.
Mein Atem bleibt irgendwo zwischen Panik und Sprachlosigkeit hängen, als seine Hand langsam nach meiner greift.
Er sagt nichts.
Nicht sofort.
Das macht alles nur schlimmer.
Er umfasst mein Handgelenk vorsichtig, aber fest genug, dass ich sofort spüre, wie leicht er mich festhalten könnte, wenn er wollte.
Er hebt meine Hand etwas an.
Erst jetzt sehe ich das Blut.
Ein dünner roter Streifen zieht sich über meine Haut und läuft langsam zwischen meine Finger.
„Du..."
Meine Stimme klingt leiser, als sie sollte.
Fast unsicher.
Sein Blick senkt sich auf die Verletzung.
Dann passiert etwas, womit ich niemals gerechnet hätte.
Er beugt sich langsam vor.
Sehr langsam.
Als würde er genau wissen, dass ich mich nicht bewegen kann.
Seine Lippen streifen meine Hand.
Ich zucke sofort zusammen.
Und im nächsten Moment leckt er das Blut von meiner Haut.
Mein Atem stockt komplett.
„Was zur Hölle machst du da—?"
Der Satz zerbricht halb in meiner Kehle.
Nicht nur wegen dem, was er gerade getan hat.
Sondern wegen der Art, wie er mich danach ansieht.
Dieses verdammte Grün in seinen Augen wirkt in der Dunkelheit fast unmenschlich.
Besitzergreifend.
Gefährlich.
Als würde irgendetwas in ihm langsam die Kontrolle verlieren.
Ich presse mich automatisch weiter in die Matratze.
Angst schießt durch meinen Körper.
Echte Angst.
Und trotzdem kann ich nicht wegsehen.
Sein Daumen fährt langsam über mein Handgelenk, genau dort, wo mein Puls vollkommen außer Kontrolle geraten ist.
„Du blutest", sagt er leise.
Als wäre das die eigentliche Katastrophe hier.
Nicht er.
Nicht die Tatsache, dass er über mir liegt wie eine verdammte Bestie.
Nicht die Tatsache, dass ich vergessen habe, wie man richtig atmet.
Nur das Blut.
Für einen Moment bleibt es vollkommen still zwischen uns.
Dann hebt er den Blick wieder.
Direkt zu mir.
Und plötzlich wird mir klar, was mir noch viel mehr Angst macht als er selbst.
Er sieht mich nicht an, als wollte er mir wehtun.
Er sieht mich an, als würde er jedem wehtun wollen, der es sonst tut.








