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Bad Omens

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Summary

❗️Leseprobe Amazon Buch ,,Sie sagen, wer gesehen werden will, muss etwas opfern.“ Marina betritt ein Internat. Schüler die sich freiwillig verändern. Und überall dieselbe Frage… Wie weit würdest du gehen, um endlich gesehen zu werden? Hier gibt es… Nur Hingabe. Nur Kontrolle. Nur ihn. 🩸Für Leser von Dark-Academia und Kultgeschichten. Bald wirst auch DU gesehen…

Status
Complete
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
18+

San Velario

Der Regen hört nicht auf. Er fällt in dichten, grauen Fäden vom Himmel, legt sich auf meine Haut, kriecht unter meine Kleidung, als würde er mich prüfen wollen, bevor ich überhaupt angekommen bin. Ich gehe den schmalen Weg hinauf, der sich durch die Hügel von Ligurien zieht, irgendwo oberhalb von Genua. Das kleine Dorf Valdombra liegt hinter mir, verschwommen im Nebel, als hätte es mich bereits vergessen. Vor mir erhebt sich das Internat. San Velario. Ein Name, der sich schwer anfühlt. Fremd. Und trotzdem… endgültig. Meine Ballerinas sinken in den aufgeweichten Boden. Schlamm zieht an meinen Füßen, macht jeden Schritt langsamer, als würde mich etwas zurückhalten wollen. Meine knielangen Socken kleben kalt an meiner Haut, durchnässt, während mein grauer Rock an meinen Beinen haftet. Das Jacket sitzt eng auf meinen Schultern, das weiße Hemd darunter zeichnet jede Bewegung meines Atems nach. Ich sehe an mir herunter.

»Perfekt. Genau so sollte ein Neuanfang aussehen. Mit 17 bin ich hier.« Meine Stimme klingt hohl. Als würde sie nicht mehr ganz zu mir gehören. Ich bin achtzehn. Und trotzdem fühlt es sich nicht so an, als würde ich mein eigenes Leben betreten. Eher, als würde ich in eines hineingeschoben werden, das jemand anderes für mich ausgesucht hat. Nach dem Tod meines Vaters ist alles auseinandergefallen. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern still. Meine Mutter hat sich zurückgezogen, ist irgendwo in sich selbst verschwunden, und ich… ich stand einfach daneben und habe zugesehen, wie unser Zuhause leer wurde, obwohl wir noch darin lebten. Und dann kam meine Großmutter. Mit diesem Blick, der keine Widerrede duldet.

»Du wirst dorthin gehen, Marina.« »Es ist das Beste für dich.« Das Beste. Ich presse meine Lippen zusammen, während der Regen stärker wird, gegen mein Gesicht schlägt, als wollte er jede Erinnerung aus mir herauswaschen.

»Du verlangst immer so viel von mir«, flüstere ich leise. Aber sie hört es nicht. Sie hört mich nie. Wir verstehen uns nicht. Nicht wirklich. Vielleicht haben wir das nie getan. Für sie bin ich etwas, das funktionieren muss. Etwas, das sich formen lässt. Und San Velario… Mein Blick hebt sich langsam. Das Gebäude wirkt größer, als es sollte. Dunkler. Die Mauern sind alt, fast schwarz vom Regen, als hätten sie die Feuchtigkeit über Jahre hinweg in sich aufgenommen. Fenster spiegeln nichts zurück. Kein Licht. Kein Leben. Nur Stille. Ich bleibe kurz stehen. Mein Herz schlägt langsamer. Schwerer. Ich wollte weg. Weg von allem, was mich kaputt gemacht hat.

Weg von diesem Gefühl, dass nichts mehr Sinn ergibt. Und jetzt bin ich hier. Dann drücke ich die Tür auf. Drinnen ist es dunkler, als ich erwartet habe. Nicht nur schummrig – es ist eine dichte, schwere Dunkelheit, die sich wie ein Schleier über alles legt. Der Regen prasselt weiter gegen die hohen Fenster, doch kaum Licht dringt hindurch. Die Scheiben sind milchig, fast blind. Als hätte man entschieden, dass niemand hier draußen sehen soll. Oder hinaus. Ich schlucke und ziehe meinen Koffer hinter mir her.

»Okay… Büro finden«, murmele ich leise, mehr zu mir selbst als zu irgendwem. Meine Schritte hallen gedämpft durch den Flur. Türen reihen sich aneinander, alle gleich, alle geschlossen. Kein Lachen. Keine Stimmen. Nur dieses unnatürliche Schweigen, das sich in meine Gedanken schiebt. Dann sehe ich sie. Sie steht plötzlich vor mir, als wäre sie einfach aus der Wand getreten. Eine Frau. Streng. Aufrecht. Ihr graues Haar ist zu einem makellosen Dutt gebunden, kein einziges Haar hat sich daraus gelöst. Ihre Haut wirkt blass, fast zu glatt, und ihre Augen… kühl. Prüfend. Als würde sie mich in Einzelteile zerlegen. Sie trägt eine rubinrote Uniform. Ein sauber geschnittener Rock, ein enganliegendes Oberteil, makellos. Kein Fleck. Kein Faltenwurf. Ich bleibe stehen, ziehe den Koffer näher zu mir.

»Entschuldigung, ich…«, sage ich.

»Signora Valenti«, unterbricht sie mich scharf, ihre Stimme ruhig, aber durchzogen von etwas Hartem. »Mentorin dieses Hauses.« Ein kurzer Moment Stille, dann hebt sie leicht das Kinn.

»Warum bist du noch hier?«, fragt sie. Ich blinzle.

»Ich… ich suche das Büro. Ich bin neu und…«, versuche ich.

»Das ist offensichtlich.« Ihre Augen gleiten über mich, über meine durchnässte Uniform, meine Haare, die an meinem Gesicht kleben.

»Du sollst deinen Koffer in dein Zimmer bringen und anschließend in den Unterricht gehen. Alle sind bereits in der Klasse.« Ihre Stimme lässt keinen Raum für Diskussion. Ich zucke leicht zusammen.

»Ich wusste nicht, wo...«, sage ich.

»Dann lernst du es schneller.« Ihre Worte schneiden durch die Luft. Ich öffne den Mund, doch in diesem Moment ertönt eine zweite Stimme. Ruhiger. Wärmer.

»Ich übernehme das schon.« Ein Mann tritt aus dem Halbdunkel des Flurs. Blondes Haar, ordentlich zurückgelegt. Sein Anzug sitzt perfekt, als wäre er maßgeschneidert. Und trotzdem wirkt er… anders als sie. Seine grünen Augen treffen meine – ruhig, fast freundlich.

»Wie Sie wissen, ist sie neu und kennt sich noch nicht aus.« Für einen Moment herrscht Stille. Signora Valenti verengt die Augen leicht.

»Professor De Ricci«, sagt sie schließlich kühl.

»Sorgen Sie dafür, dass sie keine Zeit mehr verschwendet«, redet sie.

»Natürlich.« Er nickt nur leicht. Sie wirft mir noch einen letzten, durchdringenden Blick zu – dann dreht sie sich um und verschwindet den Flur hinunter. Der Mann wendet sich wieder mir zu. Ein kaum merkliches Lächeln.

»Willkommen in San Velario«, sagt er ruhig.

»Mein Name ist Alessandro De Ricci«, sagt er. Ich zögere einen Moment, dann richte ich mich etwas auf.

»Marina… Moretti.« Mein Nachname fühlt sich fremd an in meinem Mund. Er nickt.

»Komm. Ich zeige dir dein Zimmer.« Bevor ich reagieren kann, nimmt er meinen Koffer. Wir gehen zurück zur Tür. Als ich sie öffne, schlägt mir der Regen stärker entgegen als zuvor. Kälter. Härter. Der Himmel ist dunkler geworden. Ich bleibe einen Moment stehen. Zögere. Er bemerkt es, dreht sich leicht zu mir um.

»Du gewöhnst dich daran«, sagt er ruhig. Dann gehe ich ihm nach. Hinter dem Hauptgebäude öffnet sich ein weiterer Bereich. Ein zweites Gebäude steht dort, etwas niedriger, aber genauso grau, genauso vom Regen durchtränkt. Wasser läuft in dünnen Strömen die Wände hinab.

»Hier sind die Zimmer«, er, während wir uns nähern.

»Getrennt. Jungs auf der rechten Seite, Mädchen auf der linken«, sagt er. Ich folge seinem Blick. Zwei Türen. Schwer. Dunkel. Neben der Tür der Jungs ist ein Symbol. Es ist mit roter Farbe auf das Mauerwerk gemalt. Dick. Unnatürlich glänzend, als würde der Regen es nicht berühren können. Kein Tropfen verwischt es. Ich trete einen Schritt näher.

Das Symbol besteht aus einem Kreis, gezogen in einem einzigen, ungebrochenen Strich. In seinem Inneren kreuzen sich mehrere Linien – scharf, fast aggressiv, wie Schnitte. In der Mitte… ein längliches Zeichen, das entfernt an ein Auge erinnert. Oder an etwas, das beobachtet. Die rote Farbe wirkt zu intensiv. Zu lebendig. Ich starre darauf. Und für einen Moment habe ich das Gefühl…, dass es zurückstarrt. Er öffnet die Tür, ohne zu zögern. Ein leises Knarren, dann tritt er zur Seite und lässt mich zuerst eintreten. Ich bleibe einen Moment im Türrahmen stehen. Das Zimmer ist… klein. Nicht unordentlich. Nicht vernachlässigt. Einfach reduziert. Als hätte man alles Überflüssige konsequent entfernt. Ein schmales Bett an der rechten Wand. Ein schlichter Schreibtisch aus hellem Holz. Ein Stuhl. Ein schmaler Kleiderschrank. Mehr nicht. Keine Bilder. Keine Farben. Keine Persönlichkeit. Meine Augen bleiben am Fenster hängen. Ich trete langsam näher. Draußen fällt der Regen dichter denn je. Direkt gegenüber liegt das Hauptgebäude, dessen Fenster genauso blind wirken wie von innen. Grau. Verschlossen. Ein Ort, der alles schluckt. Alessandro tritt ein, stellt meinen Koffer neben das Bett und richtet sich wieder auf.

»Frühstück ist um sieben. Wer es verpasst, geht hungrig in den Unterricht. Der Unterricht beginnt um acht Uhr. Und endet um fünfzehn Uhr dreißig. Danach habt ihr Freizeit«, fährt er fort.

»Innerhalb des Internats.« Seine Worte bleiben kurz hängen. Innerhalb.

»Samstag und Sonntag sind frei«, sagt er weiter.

»Es sind die einzigen Tage, an denen ihr das Gelände verlassen dürft«, redet er. Ich spüre, wie sich etwas in meiner Brust leicht lockert. Doch es hält nicht lange.

»Allerdings, müsst ihr bis spätestens zweiundzwanzig Uhr wieder zurück sein. Signora kontrolliert alle. Also immer pünktlich im Zimmer sein«, spricht er. Ich atme aus. Langsam. Meine Finger streifen über den Stoff meines nassen Jackets, drücken es leicht zusammen.

»Du kannst dich umziehen, wenn du möchtest«, sagt er hinter mir. Ich drehe mich leicht zu ihm um. Er steht noch immer an der Tür, mein Koffer neben ihm. Sein Blick wandert kurz zum Fenster, dann zurück zu mir.

»Aber hier«, fährt er fort, während er einen flüchtigen Blick nach draußen wirft, wo der Regen in dicken Strömen gegen die Scheibe schlägt.

»… hat es keine große Bedeutung.« Ein schwaches, kaum sichtbares Lächeln zieht über seine Lippen.

»Man wird sowieso in wenigen Sekunden wieder nass«, sagt er.

»Gibt es noch Fragen, Marina Moretti?«, fragt er. Sein Blick liegt ruhig auf mir. Offen. Fast geduldig. Ich schüttle leicht den Kopf. Er nickt.

»Gut.« Ein kurzer Moment vergeht. Dann wendet er sich zur Tür.

»Dann solltest du nicht zu spät zum Unterricht kommen.« Er legt die Hand an die Klinke, hält jedoch noch einmal inne.

»Raum drei. Im Hauptgebäude«, sagt er. Ich bleibe noch einen Moment stehen, dann greife ich nach meinem Koffer, öffne ihn halbherzig, nur um das Nötigste herauszunehmen, und lasse ihn wieder zufallen. Ich ziehe das Jacket etwas enger um mich und verlasse das Zimmer. Der Regen empfängt mich sofort wieder, kälter, lauter, als hätte er gewartet. Alessandro steht ein paar Schritte entfernt, als hätte er gewusst, dass ich nicht lange brauche. Sein Blick hebt sich, als ich auf ihn zugehe. Ich folge ihm schweigend zurück zum Hauptgebäude. Der Weg ist kurz, aber meine Schritte werden langsamer, je näher wir kommen. Vor der Tür bleibt er stehen und dreht sich zu mir. Seine grünen Augen ruhen einen Moment auf mir, als würde er etwas prüfen.

»Ich begleite dich«, sagt er ruhig.

»Der Anfang in einer neuen Klasse… ist nie einfach.« Seine Stimme passt nicht zu diesem Ort. Zu ruhig. Zu verständnisvoll.

»Ich war auch mal jung«, fährt er fort, ein kaum sichtbares Lächeln auf den Lippen.

»Ich kenne das.« Ein kurzer Moment vergeht, der Regen rauscht hinter uns.

»Man wird ausgeschlossen. Man wird nicht beachtet. Man fühlt sich… fehl am Platz.« Sein Blick gleitet kurz an mir vorbei, als würde er sich erinnern, dann wieder zurück zu mir.

»Aber oft ist das nur am Anfang so.« Er öffnet die Tür, und wir treten wieder hinein in die gedämpfte Dunkelheit der Flure. Unsere Schritte hallen leise, während wir nebeneinander gehen.

»Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Und falls du keine Freunde findest…« Er wirft mir einen kurzen Blick zu.

»… dann weißt du, wo du mich findest. In der Mensa«, ergänzt er.

»Ich sitze meistens hinten, nahe den Fenstern.« Fenster. Ich denke an die blickdichten Scheiben. Er geht weiter, als wäre nichts.

»Und mach dir keine Sorgen. Ich habe mich bereits darum gekümmert. Nach dem Unterricht wird ein Schüler zu dir kommen«, erklärt er.

»Er zeigt dir alles. Die Räume, die Mensa, die Kunsträume… alles, was du wissen musst.« Seine Stimme klingt, als wäre alles längst entschieden. Wir bleiben vor einer Tür stehen. Raum drei. Mein Herz schlägt schneller. Er hebt die Hand und klopft. Einmal. Ruhig. Dann sieht er mich noch einmal an.

»Du schaffst das, Marina Moretti.« Für einen kurzen Moment liegt etwas in seinem Blick, das ich nicht einordnen kann. Dann dreht er sich um und geht. Ich bleibe allein vor der Tür stehen. Der Flur hinter mir ist still. Ich atme einmal tief durch. Meine Hand hebt sich, zögert, dann drücke ich die Klinke herunter und öffne die Tür.

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Great Character

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Strong Dialog

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author

Habe ich schon auf meiner Liste, nachdem ich es gestern auf Insta gesehen habe :-)

3 months
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