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Kontrollverlust

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Summary

Cian Callahan stammt aus einer Familie, in der das NYPD seit Generationen mehr ist als ein Beruf – es ist eine Berufung. Als Streifenpolizist lebt er denselben Grundsatz wie sein Vater und seine Brüder: Menschen zu schützen, ihnen zuzuhören und ihnen selbst in den dunkelsten Momenten Hoffnung zu geben. An der Seite des erfolgreichen Strafverteidigers John Miller glaubt Cian schließlich auch privat den Ort gefunden zu haben, an dem er Verantwortung abgeben und einfach nur vertrauen darf. Gemeinsam scheinen sie das perfekte Leben zu führen. Doch manchmal genügt ein einziger Augenblick, um alles infrage zu stellen. Kontrollverlust ist ein bewegender Roman über Vertrauen, Familie, Liebe und die Frage, wie viel von einem Menschen bleibt, wenn das Leben plötzlich eine völlig andere Richtung einschlägt.

Status
Complete
Chapters
47
Rating
4.8 (6 reviews)
Age Rating
18+

Kapitel 1

Der Sommer hatte New York fest im Griff. Seit Tagen kletterten die Temperaturen auf vierunddreißig Grad, und selbst jetzt, als die Sonne langsam zwischen den Hochhäusern verschwand, schien die Hitze noch immer über dem Asphalt zu flimmern. Die feuchte Luft legte sich wie eine schwere Decke über die Stadt und verwandelte jede Bewegung in eine schweißtreibende Anstrengung. Für die Beamten des NYPD bedeutete das vor allem eines: Stunden in dunklen Wolluniformen und unter schweren Schutzwesten, die längst jede Kühle verloren hatten.

Die Cop-Bar "Blue Shield" in Manhattan war um diese Uhrzeit gut besucht. Zwischen dunklen Holzvertäfelungen, vergilbten Fotos ehemaliger Einsatzgruppen und den zahllosen Abzeichen an den Wänden drängten sich Polizisten aus den unterschiedlichsten Revieren. Die Klimaanlage summte unermüdlich, schaffte es jedoch kaum, gegen die Wärme der dicht besetzten Räume anzukommen. Der Geruch von Bier, frittierten Zwiebelringen und verschwitzten Uniformen vermischte sich mit dem Klang klirrenden Glases, lauter Gespräche und klassischem Rock aus den Lautsprechern.

Cian saß mit vier Kollegen an einem der großen Tische nahe der Bar. Vor ihnen standen mehrere Biergläser, manche bereits leer, andere noch halb gefüllt. Die Anspannung des Dienstes wich langsam ausgelassener Stimmung. Einer erzählte mit viel Gestik von einem Taschendieb, der ausgerechnet versucht hatte, einen Detective zu bestehlen. Ein anderer imitierte den cholerischen Lieutenant ihres Precincts so treffend, dass der gesamte Tisch in schallendes Gelächter ausbrach.

Cian lehnte sich entspannt zurück und schüttelte lachend den Kopf. Das dunkelblaue Uniformhemd klebte ihm am Rücken, und feine Schweißperlen liefen über seine Schläfen. Mit dem Handrücken wischte er sich die Stirn trocken, bevor er einen langen Schluck Bier nahm. Das kalte Glas fühlte sich angenehm kühl in seiner Hand an und beschlug innerhalb weniger Sekunden erneut.

„Ich schwöre“, stöhnte einer der Kollegen und zupfte genervt an seinem Hemd, „wer auch immer Wolluniformen für New Yorker Sommer erfunden hat, gehört eingesperrt.“

Erneut ging ein Lachen durch die Runde.

„Die Schutzweste macht den Rest“, ergänzte ein anderer. „Ich glaube, ich habe heute fünf Liter ausgeschwitzt.“

„Und trotzdem riechst du immer noch schlimmer als gestern“, konterte Cian grinsend.

Die Männer lachten, hoben ihre Gläser und stießen an.

Während die Gespräche weiterliefen, wanderte Cians Blick beinahe beiläufig zur großen Wanduhr über der Theke. Die Zeiger standen auf 18:15 Uhr.

Er ließ den Blick einen Moment darauf ruhen, nahm anschließend einen weiteren Schluck Bier und wandte sich wieder seinen Kollegen zu. Niemand am Tisch schenkte der Uhr besondere Beachtung. Der Abend hatte gerade erst begonnen, und für alle schien er einer jener seltenen Feierabende zu werden, an denen die Einsätze, die Hitze und der Lärm der Stadt für ein paar Stunden in den Hintergrund rückten.

„Mal ehrlich“, sagte einer der jüngeren Beamten und hob sein Glas in Cians Richtung. „Ich verstehe bis heute nicht, wie du es schaffst, jeden Verrückten zum Reden zu bringen. Irgendwann verrätst du uns dein Geheimnis.“

Cian winkte sofort ab.

„Da gibt’s kein Geheimnis.“

„Natürlich gibt’s eins“, mischte sich Frank grinsend ein. Der grauhaarige Sergeant saß neben ihm und hatte die Unterarme auf den Tisch gelegt. Sein wettergegerbtes Gesicht verriet mehr Dienstjahre, als man zählen wollte. Bereits Cians Vater hatte ihn damals auf Streife ausgebildet, lange bevor Cian überhaupt daran gedacht hatte, selbst Polizist zu werden.

„Ihr kennt doch den Einsatz heute Nachmittag auf der Williamsburg Bridge.“

Mehrere nickten.

„Der Auffahrunfall?“

Frank nahm einen Schluck Bier.

„Genau der. Eigentlich nichts Besonderes. Zwei Autos, Blechschaden, jede Menge Stau.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Bis der Kerl ausgestiegen ist.“

Am Tisch wurde es etwas ruhiger.

„Der Typ war völlig außer sich. Hat gebrüllt, die Frau beschimpft, in die er hineingefahren war, und plötzlich packt er sie am Arm. Ehe einer von uns reagieren konnte, schleifte er sie Richtung Brückengeländer und drohte, sie runterzuwerfen.“

„Scheiße“, murmelte einer.

„Das dachte ich auch.“ Frank sah kurz zu Cian. „Ich wollte gerade Verstärkung anfordern, als unser Junior hier einfach losgelaufen ist.“

Cian verzog das Gesicht.

„Frank...“

„Lass mich ausreden.“

Ein Grinsen ging durch die Runde.

„Er hat weder seine Waffe gezogen noch den Helden gespielt. Er blieb einfach ein paar Meter entfernt stehen und fing an, mit dem Mann zu reden. Ganz ruhig. Keine Drohungen. Kein Gebrüll. Einfach ein normales Gespräch.“

Frank hob kurz die Schultern.

„Ich habe keine Ahnung, was genau er gesagt hat. Nach ein paar Minuten ließ der Mann die Frau los, setzte sich auf den Asphalt und fing an zu weinen. Wir konnten ihn festnehmen, ohne dass jemand verletzt wurde.“

Für einen Moment herrschte Schweigen.

„Verdammt“, sagte schließlich einer der Detectives. „Ich hätte darauf gewettet, dass das schiefgeht.“

Frank lächelte.

„Das Beeindruckende ist seine Ruhe. Die bringt selbst Leute runter, die komplett durchdrehen. Ich habe das inzwischen oft genug erlebt.“

Cian spürte, wie ihm die Wärme ins Gesicht stieg. Er hob sein Bier und schüttelte den Kopf.

„Jetzt übertreibst du aber.“

„Tue ich nicht.“

„Der Mann wollte einfach gehört werden.“

„Und genau das meine ich.“

Cian verdrehte lächelnd die Augen.

„Können wir jetzt bitte über irgendetwas anderes reden? Das ist mir langsam peinlich.“

In diesem Moment trat eine Kellnerin an den Tisch und stellte geübt eine neue Runde Bier vor den Männern ab.

„Bitte schön, Gentlemen.“

Cian sah auf und runzelte die Stirn.

„Emily?“

Die junge Frau lächelte.

„Hi, Cian.“

„Wie kommts dass du so früh da bist? Ich dachte, deine Schicht beginnt erst um acht.“

Sie sah ihn überrascht an.

„Tut sie auch.“

„Eben.“

Sie lachte.

„Cian … es ist zwanzig nach acht.“

Er blinzelte.

„Was?“

Sein Blick schoss sofort zur großen Wanduhr über der Theke.

Die Zeiger standen unverändert auf Viertel nach sechs.

„Die Uhr...“

Emily folgte seinem Blick und verdrehte amüsiert die Augen.

„Ach die? Die ist seit ein paar Tagen kaputt. Der Chef sagt ständig, er lässt sie reparieren.“

Für einen Augenblick schien jedes Geräusch in der Bar zu verstummen.

Cian griff hastig nach seinem Handy.

20:21 Uhr.

Sein Magen zog sich zusammen.

„Verdammt.“

Frank sah ihn fragend an.

„Was ist los?“

Cian sprang so abrupt auf, dass sein Stuhl über den Holzboden schrammte.

„Ich hätte um acht zu Hause sein müssen.“

„So schlimm?“

Er fuhr sich nervös durchs Haar.

„John hat heute Abend Gäste eingeladen.“

Seine Stimme wurde immer leiser.

„...und ich bin über zwanzig Minuten zu spät.“

Cian war bereits aus der Bar, bevor seine Kollegen überhaupt begriffen, warum er so überstürzt aufgebrochen war.

„Bis morgen!“, rief ihm noch jemand hinterher.

Er hob nur kurz die Hand und lief weiter.

Die warme Abendluft schlug ihm entgegen, als er auf den Bürgersteig trat. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit hatte die Hitze kaum nachgelassen. Menschen drängten sich über die Gehwege, Taxis hupten ununterbrochen und irgendwo heulte eine Sirene durch die Straßenschluchten Manhattans.

Sein Wagen stand mehrere Blocks entfernt. Fluchend beschleunigte er seine Schritte und zog gleichzeitig sein Handy aus der Hosentasche.

John hob bereits nach dem ersten Klingeln ab.

„Zu spät.“

Nur zwei kleine Worte.

Ruhig ausgesprochen.

Gerade deshalb traf es Cian umso härter.

„John... es tut mir leid. Die Uhr in der Bar war kaputt. Ich habe überhaupt nicht—“

„Du bist zu spät.“

„Ich weiß. Ich bin schon unterwegs. Zehn Minuten, höchstens fünfzehn.“

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause.

„Das wirst du später wiedergutmachen.“

Mehr sagte John nicht.

Die Verbindung wurde beendet.

Cian blieb einen Augenblick mit dem Handy in der Hand stehen. Er kannte diesen Tonfall. John sprach niemals laut, wenn er verärgert war. Gerade seine ruhige Stimme verriet, wie ernst die Sache für ihn war.

„Verdammt...“

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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Strong Dialog

author

Der Einstieg gefällt mir sehr gut und ich bin gespannt, wie es weitergeht 🫶

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das verspricht spannend zu werden. Gutes erstes Kapitel.

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Fängt schon sehr gut an, gefällt mir, bin gespannt wie es weitergeht.

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