Vorwort - Einführung
Hallo liebe Leser, in diesem Buch möchte ich mit Euch hier in Europa, unserer Hauptstadt, die Jubiläumsfeier zur Einbürgerung von Samantha und Maxine Jakobi vor 25 Jahren besuchen. Die Scharfschützin hat vor kurzem einige Berühmtheit erlangt, als sie nach Nordwall zu Hauptmann Winter versetzt wurde und dort mit einem Elitetrupp einen Terroranschlag aufgedeckt, den Tuhota das Handwerk gelegt und damit den Frieden und die Sicherheit unserer Stadt bewahrt hat. Dabei soll sie den frauenhassenden Kommandanten gezähmt und die Liebe ihres Lebens gefunden haben. Deshalb sind heute nicht nur all ihre Freunde zu dieser Feier eingeladen, sondern auch die Öffentlichkeit und somit auch wir.
Ihr kennt die Geschichte der Scharfschützin noch nicht? Dann empfehle ich euch: Lasst sie euch doch vorher erzählen, in meinem Buch:
»Sniper 1 - Die Scharfschützin«
Doch da diese Geschichte von Sam & Max weit in der Vergangenheit spielt, ist dies nicht zwingend nötig. Denen, die Samantha ausschließlich hier und jetzt bei ihrer Geschichte begleiten wollen, möchte ich ein wenig von der Welt erzählen, in der wir uns befinden. Wer das Buch gelesen hat kann direkt zum Prolog springen, da er dieses Wissen schon hat.
1. Zeit
Wir befinden uns in einer Welt, die wir ausgebeutet und selbst zerstört haben. In der Vorzeit, das ist die Zeit vor dem Dritten Weltkrieg, hat unsere Welt unter Überbevölkerung gelitten und um die abnehmenden Ressourcen gekämpft anstatt sich um den Klimawandel zu kümmern, der durch die Lebensweise ihrer Bewohner statt dessen noch gefördert wurde. Als dieser verheerende Krieg vor über 100 Jahren endete hatte man zumindest das erste Problem radikal gelöst. Große Teile der Bevölkerung waren ausgerottet und das Wetter zwang die übrig gebliebenen Personen, sich auf das Überleben der Menschheit zu konzentrieren.
2. Umwelt
Heute haben sich viele Landstriche in Wüsten verwandelt und andere sind mit dem ansteigenden Meeresspiegel untergegangen. Das Wetter ist unbeständig und schwankt zwischen großer Hitze im Sommer und eisiger Kälte im Winter, immer wieder unterbrochen von unvorhersehbaren Unwettern und anderen extremen Wetterlagen. Viele Ressourcen sind heute verbraucht oder unerreichbar für uns. Dafür ist der Müll der Vorzeit zu einer neuen und wichtigen Materialquelle geworden. Neben der Wasserentgiftung und -aufbereitung wurde Abbau und Recycling des Mülls aus der Vorzeit zu einem weiteren, lebenswichtigen Wirtschaftszweig unserer Welt.
3. Ressourcen
Wasser ist heute ein knappes Gut, vor allem sauberes Trinkwasser. Der überall in der Welt gelagerte Atommüll in den doch nicht so sicheren Endlagern, insbesondere bei einem Krieg, hat ganze Meere und Seen und sogar das Grundwasser radioaktiv verseucht, dafür waren weder Bomben noch aktive Atomkraftwerke notwendig. Trinkwasser bekommt man heute nur noch in Kanistern und Flaschen geliefert, weil es extra entgiftet werden muss, aber auch für alles andere muss das Wasser erst aufbereitet werden. Deshalb wird die Wassernutzung heute streng reglementiert und Wassermissbrauch ist eines der am härtesten bestraften Verbrechen, ein Wiederholungstäter gilt sogar als Landesverräter und Staatsfeind.
Was wir reichlich produzieren können ist Strom. Sonnen- und Windkraft sind hier die stärksten Stromlieferanten. Unsere Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Erfinder haben großartiges geleistet, in der Entwicklung von Speichermedien für den Strom und stromsparende Nutzung dieser Energie. Sie gehören heute zu den angesehensten Personen in unserer neuen Welt.
Ebenfalls verändert hat sich die Nahrungsmittelproduktion. In der Stadt sind Anbauflächen begrenzt und nur wenige Lebensmittel können noch außerhalb der Gewächshäuser angebaut werden, die sich unter den gläsernen Dächern der Hochhäuser befinden. Der Überfluss, den es in der Vorzeit gegeben hat, ist daher einer bedarfsorientierten Planwirtschaft gewichen. Die Tierhaltung hat eine noch größere Einschränkung erfahren. Die Rechnung zwischen Tierhaltungskosten, negativen Auswirkungen und Nutzen ist wichtiger denn je. Vor allem Tiere die alles fressen, viel liefern und wenig Platz benötigen, wie Hühner, Ziegen und eine besondere, kleine Schweinerasse, sind jetzt in der Tierhaltung zu finden. Rinder hingegen sind so gut wie ausgestorben bis auf einige wild lebende Herden im Außenland.
4. Lebensraum – Stadt
Auf der ganzen Welt gibt es nur noch wenige, große neue Städte die im Grunde jeweils aus einem riesigen, stetig wachsenden Gebäude bestehen, die als Zufluchtsstätten vor dem unberechenbaren Klima gegründet wurden. Und weil es nahe lag, wurden sie nach dem ehemaligen Kontinent benannt auf dem sie stehen. Deshalb heißt unsere Hauptstadt, Europa!
Eine Stadt besteht aus hohen Häuserblöcken die nah beieinander stehen und alle miteinander verbunden sind. Dabei gibt es drei Ebenen, welche die früheren Straßen ersetzen. Die Tiefwege im Keller beherbergen ein modernes U-Bahn-System das komplett automatisiert und hochtechnisiert ist und über Gondeln funktioniert, die einzelne Haltepunkte auf Anforderung ansteuern und sich sonst auf den Wegen zu einer riesigen Schlange zusammen finden. Außerdem gibt es hier unterirdische Radwege, die auch von Elektro-Rollern und Rollschuhläufern benutzt werden. Die mittlere Ebene ist durchzogen von einem Netz aus Laufbändern die Fußgänger schnell und bequem von A nach B bringen und es gibt noch einen Hochweg, der nur für Fußgänger frei gegeben ist.
Sämtliche Gebäude sind klimatisiert und kaum jemand geht noch nach draußen, wenn er es nicht muss oder es einer der seltenen, angenehmen Tage ist.
5. Verbindungen zu anderen Orten
Reisen und Lieferungen zu anderen Städten und Außenposten erfolgen ebenfalls über die Schienen und mit Schiffen über das Wasser. Eine Renaissance hat das Pferd erfahren. Für kürzere Reiserouten ins Umland und den Transport ist es bestens geeignet und am Ende ist es voll verwertbar. Ebenfalls als Zug- und Lasttier im Umland wird der Hund genutzt. Es soll in der Vorzeit winzige Hunde gegeben haben, die als Haustiere gehalten wurden. Heutzutage gibt es nur noch die großen Hunde, die der Polizei helfen, Verbotenes aufzuspüren oder zu Servicehunden ausgebildet werden. Einige Leute, die in der Außenwelt leben, halten sich auch noch gefährliche Wachhunde, die sind in der Stadt aber ebenso verboten wie rein zum Spaß gehaltene Tiere. Ein Tier, das nicht zur Ernährung oder anderen Zwecken der Nutzung gehalten wird, ist ein Ressourcenfresser und nicht erlaubt.
6. Armee
Auf der ganzen Welt gibt es nur noch wenige, große neue Städte, zwischen denen Friede herrscht, denn man ist viel zu sehr auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Jede Stadt hat etwas, was die anderen brauchen oder wollen.
Trotzdem kommen wir noch immer nicht ohne Armeen aus. Grund dafür ist vor allem der Umstand, dass man in den neuen Städten Verbrecher nicht ohne Gegenleistung mit sowieso knappen Ressourcen versorgen will. Neben Zwangsarbeit und Hinrichtungen wurde Verbannung wieder populär. Dadurch haben sich außerhalb der großen Städte Gemeinschaften gebildet, die aus dem Abschaum der Menschheit bestehen und nun nur schwer unter Kontrolle zu bringen sind. Diese Terroristen und Verbrecher im Zaum zu halten, Reisende und Lieferungen zwischen den Städten abzusichern und andere Siedlungen in der Außenwelt, die von Freigeistern bewohnt werden, vor ihnen zu schützen, ist nicht leicht und die Hauptaufgabe der heutigen Armee. Ein notwendiger, aber weder beliebter noch besonders anerkannter Job in unserer Gesellschaft.
Darüber hinaus entstand auf einer großen Insel westlich von Europa mit Namen Britanika eine Art Gefängnis für die Verbrecher, für die die Todesstrafe nicht in Frage kam, die man aber auch auf keinen Fall im Umland der Stadt haben wollte. Diese Möglichkeit zur Abschiebung scheint den Richtern in Europa all zu oft eine bessere Lösung, als die Todesstrafe, die nicht von allen Einwohnern akzeptiert wird. Dadurch hat sich dort aber eine eigene Gesellschaft gebildet, die, wenn sie zu stark wird, der Stadt wirklich Probleme machen könnte. Um das zu verhindern und die Gefangenen zu kontrollieren gibt es zum einen Richt-End, eine Befestigung auf einer kleineren Insel wiederum westlich von Britanika, sowie Nordwall und Middtown, zwei Außenposten der Armee auf der Insel.
Der Armee stehen einige Leichthubschrauber mit elektrischem Antrieb zur Verfügung, um Gefangene sicher und schnell nach Richt-End zu verlegen und von dort nach Britanika abzuschieben. Außerdem dienen sie der schnellen Verlegung von einzelnen Soldaten und kleineren Truppen sowie der Versorgung ihrer Vorposten.
7. Lebensraum Außenwelt
Länder wie es sie in der Vorzeit gab, existieren heute nicht mehr. Die Grenzen zwischen den einzelnen Siedlungen werden heute durch die Natur gezogen und spielen keine Rolle mehr. Doch vereinzelt haben sich Freigeister und Nationalisten in kleinen Siedlungen im Außenland zusammen gefunden um außerhalb der Stadt ihr Glück zu versuchen. Dort halten sich Rassismus und Sprachen teilweise noch aufrecht, während beides in der Stadt weitgehend ausgestorben ist, weil man sich dort gegenseitig braucht.
Immer wieder versuchen auch einzelne Familien allein in der rauen Natur zu überleben und meist haben sie keine andere Wahl. Wer dort draußen lebt, gilt erst einmal als potentieller Terrorist. Jeder von dort könnte ein Abkömmling von verbannten Verbrechern und somit ein Schläfer sein, der in die Stadt gelangen will, um Schaden anzurichten und Terror zu verbreiten. Deshalb werden in der Regel nur Kinder bis sechs Jahre und Leute aus anderen Städten oder Vorposten in der Stadt aufgenommen.
Um draußen zu überleben, gibt es ein paar Dinge, die man beachten muss. Generell sind auch für diese Menschen die Zeiten, in denen sie sich draußen aufhalten können, begrenzt. Um es trotzdem tun zu können, muss man zunächst einmal seine Haut und seine Atemwege vor der radioaktiven Luft schützen. Dies geschieht vor allem mit spezieller Kleidung, einer besonderen Schutzcreme und Medikamenten. Darüber hinaus benötigt man Zugang zu entgiftetem Wasser.
Größere Siedlungen besitzen in der Regel eigene Wiederaufbereitungsanlagen. Einzelne Familien haben es da meist schwerer, aber es gibt Händler, die ihr Geld damit verdienen, diese Familien mit dem Nötigsten zu versorgen. Dafür erhalten sie im Austausch besondere Lebensmittel, zum Beispiel einige spezielle Obstsorten, Pilze und Nüsse aber auch manche besondere Fleischsorte, und was sonst noch in der Stadt selten und daher heiß begehrt ist. Die meisten Familien verdingen sich allerdings als Müllsammler und Verwerter.
So - damit solltet ihr einen ersten Überblick über die Welt bekommen haben, wie sie heute ist. Dann lasst uns mal den Festsaal betreten.








