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Der erste Eindruck war Schmerz.
Ein dumpfer, allgegenwärtiger Druck erfüllte seinen Schädel und schien mit jedem Herzschlag gegen seine Schläfen zu pochen. Joe stöhnte leise. Zumindest glaubte er, dass er es tat. Seine Kehle fühlte sich trocken an, als hätte er seit Tagen nichts getrunken, während irgendwo in seiner Nähe ein medizinisches Gerät in gleichmäßigem Rhythmus piepte.
Er versuchte die Augen zu öffnen.
Das Licht traf ihn wie ein Schlag. Sofort schloss er die Lider wieder und verzog das Gesicht. Hinter seinen Augen pochte es schmerzhaft, sein Magen zog sich zusammen und für einen Moment glaubte er, sich übergeben zu müssen. Erst als die Übelkeit langsam nachließ, wagte er einen zweiten Versuch.
Diesmal gelang es ihm, die Augen offen zu halten.
Über ihm erstreckte sich eine weiße Zimmerdecke. Die Wände waren ebenso weiß. Rechts stand ein Infusionsständer, daneben blinkte auf einem Monitor ein grünes Licht im gleichmäßigen Takt. Ein Fenster ließ helles Tageslicht herein, das ihn trotz zusammengekniffener Augen zwang zu blinzeln.
Ohne zu wissen, woher diese Gewissheit kam, erkannte er die Umgebung sofort.
Krankenhaus.
Er lag in einem Krankenhausbett.
Die Erkenntnis hätte beruhigend sein sollen. Stattdessen hinterließ sie nur ein unangenehmes Gefühl, als würde ihm etwas Entscheidendes entgehen.
Joe.
Der Name war plötzlich da.
Nicht als Erinnerung. Er wusste ihn einfach. So selbstverständlich wie die Tatsache, dass Feuer heiß war oder Wasser nass. Sein Name war Joe.
Alles andere fehlte.
Er suchte nach einem Nachnamen. Nach einem Gesicht. Nach einer Stimme, die ihm vertraut vorkam. Nach irgendeinem Bild, das ihm verraten konnte, wer er war.
Nichts. Keine Familie, keine Freunde, keine Orte. Hinter seinem Vornamen begann eine Leere, die so vollkommen war, dass sie ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Verwirrt versuchte er, sich aufzurichten. Sein rechter Arm bewegte sich kaum. Etwas hielt ihn zurück.
Joe runzelte die Stirn und zog vorsichtig daran. Leder spannte sich über seinem Handgelenk.
Für einen Augenblick begriff er nicht, was er sah.
Langsam hob er den Kopf.
Ein breiter Lederriemen verband sein Handgelenk mit dem Bettgestell.
Er bewegte den linken Arm.
Dasselbe.
Nun richtete sich sein Blick auf seine Beine.
Auch seine Fußgelenke waren mit breiten Gurten am Bett befestigt.
Joe starrte die Riemen an.
Menschen wurden nicht ohne Grund an Krankenhausbetten fixiert.
Vorsichtig zog er erneut daran, diesmal ohne Kraft, fast so, als hoffte er, beim genaueren Hinsehen doch noch eine Erklärung zu entdecken. Doch die Gurte saßen fest.
Sein Blick wanderte durch das Zimmer.
Auf einem kleinen Tisch standen ein Wasserkrug und ein Plastikbecher. Auf der Fensterbank befand sich eine Vase mit Blumen, deren Blüten bereits zu welken begonnen hatten. Ansonsten wirkte der Raum beinahe gewöhnlich. Ruhig. Gepflegt.
Nur er selbst schien nicht hineinzupassen.
Er schloss kurz die Augen und versuchte sich zu erinnern. Irgendetwas musste doch geschehen sein.
Sobald er nach einer Erinnerung griff, löste sie sich auf, bevor sie Gestalt annehmen konnte. Es war, als würde sein Verstand ins Leere greifen.
Langsam begann er zu begreifen, dass ihm nicht einzelne Erinnerungen fehlten.
Es fehlte sein ganzes Leben.
Das monotone Piepen des Monitors drängte sich immer stärker in sein Bewusstsein. Joe zwang sich, ruhiger zu atmen. Panik würde ihm keine Antworten geben.
Er wusste, was ein Krankenhaus war. Er wusste, wie Infusionen funktionierten und weshalb Patienten an Monitore angeschlossen wurden. Sein Wissen war also nicht verschwunden.
Nur alles, was ihn selbst betraf, schien ausgelöscht worden zu sein.
Allein dieser Gedanke ließ seinen Puls schneller schlagen.
Er ließ den Blick erneut durch das Zimmer gleiten. Er war allein.
Erst jetzt bemerkte er das schmale Fenster neben der Tür.
Dahinter saß ein uniformierter Polizist.
Mehr konnte Joe zunächst nicht erkennen. Der Mann saß regungslos auf seinem Stuhl und blickte in unregelmäßigen Abständen den Flur entlang. Gelegentlich fiel sein Blick auch zur Tür des Krankenzimmers.
Zu seiner Tür.
Joe spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
Er wusste nicht, weshalb ein Polizist vor seinem Zimmer saß.
Er wusste nicht einmal, weshalb er selbst hier lag.
Der Uniformierte hob den Kopf.
Ihre Blicke trafen sich.
Für den Bruchteil einer Sekunde schien der Mann innezuhalten. Dann stand er auf, schob den Stuhl geräuschlos zurück und verschwand den Flur hinunter, ohne das Zimmer zu betreten.
Joe sah dem Uniformierten nach, bis dieser am Ende des Flures verschwand.
Die Stille kehrte sofort zurück. Das gleichmäßige Piepen des Monitors war wieder das lauteste Geräusch im Zimmer. Für einen Moment fragte er sich, ob der Mann überhaupt zurückkommen würde oder ob er jemanden holen wollte.
Er musste nicht lange warten.









Wenn man nicht mehr weiß wer man ist, woher man kommt, alle Erinnerungen einfach fort...