Was Du Nicht über Mich Weißt by Mermi at Inkitt
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Was du nicht über mich weißt

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Summary

Maeve Hayes hat ihr Leben ziemlich genau so eingerichtet, wie sie es haben will. Ein Job mit Metall statt Menschen. Eine eigene Wohnung. Eine metallic-lila R1. Keine unnötigen Fragen. Und ganz sicher keine Rennfahrer. Dann begegnet sie Ace Scuderi. Er ist schnell, erfolgreich und ein bisschen zu überzeugt von sich selbst. Maeve braucht nach seinem Rennen nur wenige Sätze, um ihm zu erklären, wo er Zeit verliert. Ace könnte sie ignorieren. Stattdessen sagt er: „Dann zeig’s mir.“ Was als Herausforderung beginnt, wird zu einem Rennen, das Maeve besser nie hätte fahren sollen. Nicht weil sie verliert. Sondern weil Ace danach weiß, dass etwas an ihrer Geschichte nicht stimmt. Je näher die beiden sich kommen, desto weniger reicht Maeves bisherige Antwort auf alles, was vor sechs Jahren passiert ist: Vergangenheit. Denn Ace will nicht wissen, wer sie einmal war. Er will wissen, wer sie ist. Und Maeve muss entscheiden, ob sie ihm genug vertraut, um ihm genau das zu zeigen. Bevor jemand anderes es für sie tut.

Genre
Romance
Author
Mermi
Status
Ongoing
Chapters
13
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 - Maeve Hayes

Kapitel 1

Maeve Hayes

Der Lichtbogen fraß sich weißblau durch den Spalt zwischen denbeiden Stahlplatten.

Funken spritzten über den Arbeitstisch, prallten an Maeves Lederhandschuhen ab und verglühten auf dem Betonboden.

Unter dem Schweißhelm war die Welt klein, laut und angenehm überschaubar. Metall. Hitze. Winkel. Abstand. Geschwindigkeit. Dinge, die sich berechnen ließen.

Maeve führte die Naht gleichmäßig bis zum Ende, ließ den Brenner auslaufen und blieb noch einen Moment vollkommen still stehen.

Dann klappte sie das Visier hoch.

„Wenn du das jetzt nochmal anschleifst, nur weil du dich langweilst, rede ich nicht mehr mit dir.“

Hinter ihr ertönte ein empörtes Schnauben.

„Ich langweile mich nie.“

Maeve drehte den Kopf.

Jens lehnte mit verschränkten Armen am Nachbartisch und sah auf die frisch gesetzte Naht, als hätte sie ihn persönlich beleidigt.

„Du hast gestern dreißig Minuten damit verbracht, einen Schraubenschlüssel zu suchen, der in deiner Hosentasche steckte.“

„Das war strategische Materialprüfung.“

„Natürlich.“

Maeve beugte sich vor und betrachtete die Naht noch einmal.

Gleichmäßiges Nahtbild. Sauberer Verlauf. Keine auffälligen Spritzer.

Jens trat näher, ließ den Blick daran entlangwandern und brummte.

Maeve hob eine Braue.

„Sag ruhig was Nettes. Ich kann damit umgehen.“

„Sieht gut aus.“

„Zu viel.“

„Sieht akzeptabel aus.“

„Besser.“

Jens schnaubte und ging zurück zu seinem Arbeitsplatz.

Maeve grinste kurz.

Die Halle vibrierte vom Dröhnen der Maschinen. Metall schlug auf Metall, ein Stapler piepte, die Absauganlagen rauschten über den Köpfen. Es roch nach warmem Stahl, Schleifstaub und viel zu altem Kaffee.

Maeve mochte diesen Ort.

Nicht jeden Tag. Nicht jede Schicht. Und definitiv nicht jeden Menschen darin.

Aber sie mochte die Klarheit.

Wenn etwas schief war, sah man es. Wenn eine Naht schlecht war, konnte man sie prüfen. Wenn ein Bauteil nicht passte, lag es nicht daran, dass es plötzlich seine Meinung geändert hatte.

Menschen waren da deutlich anstrengender.

„Maeve!“

Sie schloss für einen winzigen Moment die Augen.

Manche Menschen allerdings waren vor allem laut.

„Nein.“

„Du weißt doch gar nicht, was ich will!“

Maeve legte den Brenner ab und drehte sich langsam um.

Clarissa kam quer durch die Halle auf sie zu, obwohl sie hier eigentlich nichts verloren hatte. In einer Hand hielt sie zwei Pappbecher, in der anderen ihr Handy. Ihr blondes Haar war zu einem unordentlichen Knoten gebunden, ihr Gesichtsausdruck so begeistert, dass Maeve schon wusste, dass gleich irgendetwas Unnötiges passieren würde.

„Du darfst hier nicht rein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Ich habe Sicherheitsschuhe.“

Maeves Blick glitt nach unten.

Tatsächlich.

„Woher hast du die?“

„Ausgabe.“

„Warum gibt dir jemand aus der Ausgabe Sicherheitsschuhe?“

Clarissa lächelte breit. „Charme.“

„Bestechung.“

„Charme.“

„Bedrohung.“

„Du klingst neidisch.“

„Ich bin zutiefst beeindruckt.“

Clarissa hielt ihr einen der Becher hin.

Maeve nahm ihn. „Kaffee?“

„Kakao.“

Maeve sah sie an.

Clarissa zuckte mit den Schultern. „Du trinkst Kaffee nur, wenn du wirklich verzweifelt bist.“

Maeve nahm einen Schluck.

Warm. Süß. Viel zu viel Kakao.

Perfekt.

„Was willst du?“

„Zeit mit meiner liebsten Person verbringen.“

„Was willst du?“

Clarissa legte sich eine Hand aufs Herz. „Diese Unterstellung verletzt mich.“

Maeve schwieg.

Clarissa hielt es fünf Sekunden aus.

„Okay, ich brauche was.“

„Überraschend.“

„Samstag.“

Maeve wandte sich wieder dem Bauteil zu. „Nein.“

„Maeve.“

„Samstag ist mein Samstag.“

„Das ergibt sprachlich erschreckend wenig Sinn.“

„Für mich schon.“

Clarissa entsperrte ihr Handy. „Du hast doch gar nichts vor.“

Maeve warf ihr einen Seitenblick zu. „Ich habe sehr viel vor.“

„Was?“

„Nichts.“

„Das ist nicht sehr viel.“

„Wenn man es richtig macht, schon.“

Clarissa trat näher. „Bitte.“

Maeve deutete auf sie. „Dieses Wort funktioniert bei mir nicht.“

„Doch. Ich muss es nur oft genug sagen.“

„Dann funktioniert irgendwann meine Fluchtreaktion.“

„Samstag ist das Rennen.“

Maeve hielt inne.

Nur sehr kurz.

So kurz, dass Clarissa es nicht bemerkte.

„Welches Rennen?“

Clarissa starrte sie an. „Welches Rennen?“

„War eine Frage.“

„Das Rennen.“

„Hilft enorm.“

„Ace Scuderi.“

Maeve blinzelte einmal.

Clarissa machte eine ausladende Bewegung, als hätte sie gerade den Namen eines Staatsoberhaupts genannt.

Maeve wartete.

Clarissa ebenfalls.

„Und?“, fragte Maeve schließlich.

„Und?“

„Ja.“

„Maeve.“

„Clarissa.“

„Ace. Scuderi.“

„Ich hab den Namen beim ersten Mal verstanden.“

„Du weißt nicht, wer das ist?“

Maeve nahm noch einen Schluck Kakao. „Motorradfahrer.“

Clarissas Mund fiel auf. „Motorradfahrer?“

„Fährt er Auto?“

„Nein, natürlich nicht, aber—“

„Dann war es korrekt.“

„Er ist nicht irgendein Motorradfahrer.“

„Das behaupten Motorradfahrer gern.“

Clarissa griff nach ihrem Handy. „Oh mein Gott.“

„Was?“

„Ich muss dir offensichtlich Bildung vermitteln.“

„Ich habe zwei Abschlüsse.“

„Irrelevant.“

Clarissa hielt Maeve das Handy direkt vors Gesicht.

„Ace Scuderi.“

Auf dem Bildschirm lief ein kurzer Clip.

Rennstrecke. Tribüne. Motorengeräusch. Eine Maschine in Schräglage, so tief, dass das Knie des Fahrers über den Asphalt strich. Schneller Schnitt. Eine Gerade. Noch eine Kurve.

Maeve sah keine drei Sekunden hin.

„Der Eingang ist zu früh.“

Clarissa zog das Handy zurück. „Was?“

Maeve blickte sie an.

Stille.

„Was?“, wiederholte Clarissa.

Maeve trank demonstrativ aus ihrem Becher. „Nichts.“

„Du hast gesagt, der Eingang ist zu früh.“

„Hab ich?“

„Ja.“

„Dann wird er wohl zu früh sein.“

Clarissa schob ihr das Handy wieder hin. „Wo?“

Maeve warf einen flüchtigen Blick auf den Clip.

Verdammt.

„Da.“

„Wo da?“

„Vor der Linkskurve.“

„Das ist alles vor der Linkskurve.“

Maeve atmete durch die Nase aus.

„Er setzt die Maschine zu früh rein. Dadurch muss er am Scheitel länger korrigieren und verliert beim Rausbeschleunigen ein bisschen Linie.“

Clarissa sagte nichts.

Maeve sah langsam zu ihr.

Das war ein Fehler gewesen.

Kein großer.

Aber einer.

Clarissas Augen verengten sich. „Woher weißt du sowas?“

Maeve zuckte mit einer Schulter. „Man sieht es.“

„Ich sehe einen Mann auf einem Motorrad.“

„Das ist tragisch.“

„Maeve.“

„Ich fahre selbst.“

„Auf der Straße.“

„Physik ändert sich nicht, nur weil jemand Sponsoren auf dem Leder hat.“

Clarissa musterte sie noch einen Moment. Maeve hielt ihrem Blick stand.

Schließlich sah Clarissa wieder auf das Handy. „Also findest du ihn schlecht?“

Maeve lachte leise. „Nein.“

„Aha.“

„Ich habe gesagt, dass er eine Kurve zu früh anfährt. Nicht, dass er schlecht ist.“

„Also ist er gut.“

„Er fährt international. Ich nehme an, das passiert nicht, weil er hübsch im Leder aussieht.“

Clarissa grinste. „Du findest ihn hübsch.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Aber auch nicht bestritten.“

Maeve griff nach ihrem Schweißhelm. „Geh arbeiten.“

„Ich arbeite.“

„Du stehst in meiner Halle und belästigst mich.“

„Das ist Teamarbeit.“

„Du bist nicht in meinem Team.“

„Emotional schon.“

Maeve setzte den Helm auf.

Clarissa hob schnell beide Hände. „Samstag!“

Maeve klappte das Visier herunter. „Nein.“

„Du hast noch gar nicht richtig darüber nachgedacht!“

„Doch.“

„Fünf Sekunden!“

„Reicht.“

„Bitte!“

Maeve zündete den Lichtbogen.

Clarissa sprang erschrocken einen halben Schritt zurück.

Maeve grinste unter dem Helm.

Problem vorerst gelöst.

Zwei Stunden später stand Maeve vor ihrem Spind und zog die Arbeitsjacke aus.

Clarissa war verschwunden.

Das bedeutete leider nicht, dass das Thema erledigt war. Nur, dass Clarissa irgendwo Energie sammelte.

Maeve band ihr dunkelbraunes Haar neu zusammen, zog die Lederjacke über und nahm den Helm vom oberen Fach.

Draußen lag der Parkplatz im späten Nachmittagslicht.

Ihre Yamaha stand weiter hinten.

Die R1 war nicht dezent.

Das war Absicht.

Lila Metallic glänzte über Tank und Verkleidung, je nach Licht fast schwarz, dann wieder tief violett. Kein unnötiger Schnickschnack. Gepflegt. Technisch exakt so, wie Maeve sie wollte.

Jens stand zwei Reihen weiter an seinem Kombi.

„Irgendwann kaufst du dir noch ein vernünftiges Fahrzeug!“

Maeve setzte den Helm auf. „Hab ich doch!“

„Mit Dach!“

„Dann wird sie schwerer!“

„Und trocken!“

Maeve hob das Visier. „Feigling.“

9Jens zeigte ihr den Mittelfinger.

Maeve grinste, klappte das Visier herunter und schwang sich auf die Maschine.

Der Motor sprang sofort an.

Das vertraute Geräusch vibrierte durch den Rahmen in ihre Beine.

Maeve atmete einmal aus.

Dann fuhr sie los.

Keine Show. Kein unnötiges Hochdrehen. Sie brauchte niemandem etwas zu beweisen.

Die ersten Kilometer führten aus dem Industriegebiet auf eine breitere Landstraße.

Maeve kannte jede Kurve.

Sie setzte die Maschine sauber um, hielt die Linie ruhig,

beschleunigte kontrolliert aus den Bögen heraus. Ihre Bewegungen waren klein. Präzise. Fast beiläufig.

Sechs Jahre waren genug Zeit, um sich neue Gewohnheiten anzutrainieren.

Genug Zeit, um aus Geschwindigkeit einfach Bewegung zu machen.

Aus Instinkt Routine.

Und aus Erinnerung etwas, das meistens dort blieb, wo es hingehörte.

Hinten.

Ihre Wohnung war still.

Maeve mochte das.

Sie stellte den Helm auf die Kommode, zog die Stiefel aus und warf den Schlüssel in die kleine Keramikschale neben der Tür.

Treffer.

„Talent.“

Niemand antwortete.

Noch besser.

Am Ende wurde es Pasta.

Später saß Maeve in Jogginghose und altem Shirt auf dem Sofa.

Der Fernseher lief, auf dem Couchtisch lag neben zwei Büchern ein angefangenes Häkelprojekt.

Sie nahm es auf.

Drei Maschen. Vier. Fünf.

Ihr Handy vibrierte.

Maeve ignorierte es.

Noch drei Maschen.

Erneutes Vibrieren.

Dann nochmal.

Maeve schloss kurz die Augen. „Du bist schlimmer als Werbung.“

Sie nahm das Handy.

Sieben Nachrichten.

Natürlich.

Clarissa: Samstag.

Clarissa: Nur zur Erinnerung.

Clarissa: Falls du plötzlich Gedächtnisverlust hast.

Clarissa: Ich habe Karten.

Maeve stoppte.

Maeve: Du hast WAS?

Die Antwort kam sofort.

Clarissa: Karten

Maeve: Ich hasse dieses Gesicht.

Clarissa: Du liebst mich.

Maeve: Zusammenhang?

Clarissa: Sehr großer Zusammenhang.

Maeve legte den Kopf an die Sofalehne.

Eine neue Nachricht.

Clarissa: Ich will da wirklich hin.

Maeves Finger blieben über dem Display stehen.

Dann kam noch eine.

Clarissa: Und allein ist langweilig.

Da war es.

Nicht Ace Scuderi.

Nicht das Rennen.

Nicht Motorräder.

Clarissa.

Sie würde vermutlich auch allein fahren. Aber sie wollte Maeve dabei haben.

Und das war etwas anderes.

Maeve blickte zurück aufs Handy.

Maeve: Wie lange?

Drei Punkte erschienen sofort.

Clarissa: DEN GANZEN TAG

Maeve verzog das Gesicht.

Maeve: Falsche Antwort.

Clarissa: Vormittags bis abends.

Maeve: Noch schlimmer.

12Clarissa: Ich kaufe Essen.

Maeve: Echtes Essen?

Clarissa: Ja.

Maeve: Keine Selleriesticks?

Eine längere Pause.

Maeve grinste.

Clarissa: BURGER.

Maeve: Interessant.

Clarissa: Und Pommes.

Maeve ließ das Handy auf ihren Bauch sinken.

Sie hätte nein sagen können.

Eigentlich wollte sie nein sagen.

Sie hatte keinen Grund, sich einen ganzen Tag zwischen Menschen zu stellen, die bei jedem vorbeifahrenden Motorrad schrien, als würde damit gerade die Weltgeschichte neu geschrieben.

Und sie hatte noch weniger Grund, freiwillig an eine Rennstrecke zu gehen.

Sie war seit Jahren auf keiner gewesen.

Nicht wirklich.

Motorräder waren etwas anderes.

Ihre R1 war etwas anderes.

Straßen waren etwas anderes.

Das hier wäre professioneller Rennsport.

Boxen. Startaufstellung. Motoren, die durch den Brustkorb gingen. Der Geruch von heißem Gummi.

Maeves rechte Hand blieb still auf dem Häkelstück liegen.

Ihr Auge zuckte einmal.

Nur kurz.

Sie blinzelte.

Dann nahm sie das Handy wieder hoch.

Maeve: Eine Bedingung.

Clarissa antwortete sofort.

Clarissa: ALLES.

Maeve: Du zwingst mich nicht, irgendeinen Fahrer anzuschreien.

Clarissa: Okay.

Maeve: Keine Fanartikel.

Clarissa: Okay.

Maeve: Kein „Maeve, stell dich mal neben das Poster“.

Clarissa: Das ist sehr spezifisch.

Maeve: Clarissa.

Clarissa: Okay

Maeve atmete aus.

Noch konnte sie es lassen.

Einfach Nein schreiben.

Samstag zuhause bleiben. Serie. Buch. Motorrad. Ein normaler Tag.

Ein guter Tag.

Genau das, was sie wollte.

Dann erschien eine neue Nachricht.

Clarissa: Also kommst du mit?

Maeve sah lange auf den Satz.

Sechs Jahre.

So lange hatte sie Abstand gehalten.

Nicht aus Angst.

Das sagte sie sich zumindest.

Sondern weil dieser Teil ihres Lebens vorbei war.

Abgeschlossen.

Sie hatte sich ein neues gebaut.

Eines, das funktionierte.

Maeve Hayes hatte eine Wohnung, die sie mochte. Einen Beruf, in dem sie gut war. Eine Maschine, die ihr gehörte. Eine Freundin, die zu laut war und meistens unangekündigt auftauchte.

Sie hatte Ruhe, wenn sie Ruhe wollte.

Freiheit.

Eigene Entscheidungen.

Nichts fehlte.

Und genau deshalb konnte sie auch einen verdammten Samstag an einer Rennstrecke verbringen, ohne dass daraus irgendetwas wurde.

Maeve tippte.

Maeve: Ja.

Keine zwei Sekunden später klingelte ihr Handy.

Maeve nahm ab. „Nein.“

Clarissa kreischte so laut, dass Maeve das Telefon vom Ohr wegziehen musste.

„DU KOMMST MIT!“

„Ich bereue es bereits.“

„Das wird so gut!“

„Das sagst du jetzt.“

„Und du wirst Ace lieben.“

Maeve griff wieder nach ihrer Häkelnadel. „Unwahrscheinlich.“

„Warte ab.“

„Clarissa.“

„Ja?“

„Ich komme wegen dir.“

Am anderen Ende wurde es kurz still.

Dann klang Clarissas Stimme weicher. „Ich weiß.“

Maeve lächelte unwillkürlich. Nur ein bisschen.

„Gut.“

„Aber wenn du ihn siehst—“

Maeve legte auf.

Das Handy klingelte sofort erneut.

Sie schaltete es lautlos und nahm ihre Maschen wieder auf.

Im Fernseher hatte sich der Streit inzwischen offenbar erledigt.

Jetzt küssten sich dieselben beiden Menschen in derselben Küche.

Maeve schüttelte den Kopf. „Völlig bescheuert.“

Sie häkelte weiter.

Samstag würde sie mit Clarissa zu einem Rennen fahren.

Mehr nicht.

Nur ein Samstag.

Nur eine Strecke.

Nur eine Welt, mit der Maeve Hayes längst nichts mehr zu tun hatte.

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