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Was Blut fordert

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Summary

Die Fortsetzung von "Zwischen Leinwand und Unterwelt" Giulia und Diego haben für ihre Liebe gekämpft, gegen Erwartungen rebelliert und gelernt, einander zu vertrauen. Doch in einer Welt, in der Blut über Loyalität entscheidet, hat jede Entscheidung ihren Preis. Ihnen wird alles genommen und mit jeder neuen Wahrheit, gerät Giulias Welt ins Wanken. Während Rafael alles daran setzt, Giulia und Diego zu finden, kämpfen sie darum, einander nicht zu verlieren. Doch manche Wunden entstehen nicht auf der Haut. Finden sie den Weg zurück zueinander? Denn obwohl das Blut längst getrocknet ist, fordert es seinen Preis.

Genre
Romance
Author
YaraLumi
Status
3h ago
Chapters
15
Rating
n/a
Age Rating
18+

Tick Tack

Das Messer lag leicht in meiner Hand, während ich Esteban musterte. Seine entspannte Haltung würde nicht mehr lange anhalten, dessen war ich mir sicher. Mit einem Lächeln im Gesicht, ließ ich die scharfe Klinge über seinen Nacken gleiten. Zufrieden verfolgte ich, wie sich die Härchen der Reihe nach aufstellten.

„Möchtest du nicht hinterher gehen?“, fragte er mich und sah mich mit hochgezogener Augenbraue über die Schulter hinweg an. Ich verdrehte die Augen, bevor ich gemächlich in seine Haut schnitt und die ersten Tropfen Blut zum Vorschein brachte. Wie zu erwarten, zeigte er keinerlei Reaktionen. Doch das störte mich nicht sonderlich. Irgendwann fingen sie immer an, den Schmerzen entkommen zu wollen oder um Gnade zu betteln. Dass es nichts bringen würde, verstand sich von selbst.

Nach einer winzig kleinen Kostprobe wandte ich mich ab und ließ meinen Blick über die bescheidene Ansammlung von Folterwerkzeugen gleiten. Für gewöhnlich bevorzugte ich mein Messer, gegen ein bisschen Abwechslung sprach allerdings auch nichts. Zudem war das aus psychologischer Sicht äußerst effektiv. Zwar konnte Esteban, zumindest bis zu einem gewissen Grad, verfolgen, was ich tat, dennoch blieb für ihn alles weitere offen.

Ich ließ meine Finger über die unterschiedlichen Griffe der Messer gleiten. Über die Vertiefungen, wo sich teilweise noch Rückstände von Blut befanden. Über Erhöhungen, die den Grib verbesserten. Lange und kurze, breite und schmale Klingen lagen in Reih und Glied. Perfekt angeordnet, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Im Vergleich zu den Hilfsmitteln in anderen Kellern, waren diese hier äußerst sauber. Nur wenige Rückstände von Blut, befanden sich noch in manchen Rillen des Holzes. Das schwache Licht spiegelte sich in den verschieden großen Klingen und zeigte, wie gut sie behandelt wurden. Meine Finger glitten über die Messer, ehe ich eines in die Hand nahm. Es lag leicht in meiner Hand, die Klinge war nicht zu lang, dennoch groß genug, um großen Schaden anzurichten.

Mein Blick glitt erneut über Esteban. Dieser Mann war mir ein Rätsel und ich mochte es nicht, im Ungewissen zu sein. Nicht zu verstehen, wie genau ein Mensch tickte. Was ihn dazu brachte, zu handeln, wie er es tat.

Ein Messer gab mir die Möglichkeit besser verstehen zu können. Die Reaktionen auf die Reize, die es auf den menschlichen Körper aussetzte, waren faszinierend und unterschiedlich. Es gab jene, die es direkt mit der Angst zu tun bekamen. Andere dagegen blieben cool, bis sie es nicht mehr waren. Nur die wenigsten Menschen ließen sich davon nicht beeindrucken. Egal was man damit anrichtete. Indem ich die Klinge benutzte, trat ich in den persönlichen Raum ein. Eine Grenze, die man für gewöhnlich nicht ohne Erlaubnis überschritt. Das dies hier keine gewöhnliche Situation war, musste ich vermutlich nicht verdeutlichen.

Dieser Mann hatte über Monate, wenn nicht sogar schon Jahre hinweg, meine Familie auf verschiedensten Arten terrorisiert und in Gefahr gebracht. Es war Blut geflossen. So viel Blut. Zu viel Blut. Es war an der Zeit Esteban zu demonstrieren, was genau es für Folgen hatte, wenn man sich mit den Castillos anlegte.

Ich schlenderte um den Stuhl herum. Esteban saß entspannt, die Augen starr nach vorne gerichtet. Er hielt es nicht für nötig, den Blick zu heben. Das war nicht ungewöhnlich. Viele Menschen konnten es in solch einer Situation nicht. Doch er tat es nicht aus Angst.

Er wirkte anteilnahmslos.

Auf meiner Stirn bildete sich eine steile Falte. Wie war das möglich? Was ging in seinem Kopf vor, dass er die Umstände derart ausblenden konnte?

Er musste wissen, was er mit seinem Handeln losgetreten hatte. Was ihm bevorstehen würde. Doch warum ließ ihn das so kalt?

So viele Fragen, auf die ich noch keine Antwort hatte.

„Das Anwesen wird angegriffen.“

Ich ballte meine Hände zu Fäusten. Meine Gedanken waren so laut, dass ich die sich nähernden Schritte nicht gehört hatte.

„Diego schafft das schon.“

Nicht für eine Sekunde ließ ich meinen Blick von Esteban ab. Er sah mich an. Seine blauen Augen schienen zu funkeln.

„Wir erreichen ihn nicht.“ Die Nervosität in der Stimme war keineswegs zu überhören. Meine Nackenhaare stellten sich auf. Das konnte doch nicht wahr sein.

Ohne zu zögern, drehte ich mich um und verließ den Raum.

„Tick Tack“, murmelte Esteban hinter meinem Rücken und ließ mich schneller gehen. Mir gefiel das nicht. Ganz und gar nicht.

Ich setzte mich auf mein Motorrad, startete den Motor und raste davon. Der Wind presste sich aggressiv gegen mein Visier, während jeder einzelne Rufton auf meiner Brust lastete.

„Komm schon, geh ran“, murmelte ich vor mir her.

Als Diego es nicht ranging, versuchte ich es bei Ria. Mit demselben Erfolg. Mein Griff um den Lenker wurde fester. Die Tachonadel stieg immer höher.

Ich musste nach Hause. Sofort.

Nach Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, fuhr ich auf das Gelände. Beim Absteigen riss ich mir den Helm vom Kopf und…

Stille.

Keine Schüsse. Keine Befehle. Keine Schreie. Nur ohrenbetäubende Stille.

Ich schluckte, als ich mir einen groben Überblick verschaffte. Zunächst wirkte die Umgebung unscheinbar, bis… ich Blut entdeckte. Mein Kiefer spannte sich an, als ich nach und nach mehr Männer am Boden liegen sah.

Unsere Männer.

Mein Kiefer knackte.

Gerade, als ich einen vorsichtigen Schritt zum Anwesen machen wollte, hörte ich das Heulen von mehreren Motoren. Da keine Deckung in Sichtweite war, zog ich meine Waffe aus dem Holster und hob sie. Es war unrealistisch, dass ich das überleben würde, dennoch würde ich nicht kampflos untergehen. Ich atmete noch ein letztes Mal tief durch und korrigierte meinen Stand, als der erste Wagen um die Ecke bog.

Erleichtert ließ ich meine Waffe sinken und verfolgte, wie immer mehr Männer der Familie eintrafen.

Miguel war einer der Ersten, der ausstieg und auf mich zu kam.

„Was weißt du bisher?“, fragte er mich, die Hand bereits an seiner Waffe liegend.

„Santiago hat mir von einem Angriff erzählt. Bin selbst gerade erst gekommen.“

Mit hochgezogener Augenbraue ließ er seinen Blick über die Umgebung gleiten.

„Ruhig hier… zu ruhig.“

Genau das war es, was mir Sorgen bereitete. Hätte ich unsere Männer in ihren Blutlachen nicht entdeckt, hätte ich Santiagos Info für falsch gehalten. Mit einem flauen Magen stellten Miguel und ich Teams auf, die sich auf dem Grundstück verteilen und einen Überblick verschaffen sollten.

Während Miguel das Außengelände sicherte, betrat ich das Anwesen. Langsam schob ich die bereits offenstehende Tür auf. Eine Spur der Verwüstung zog sich durch das Untergeschoss. Zersplittertes Glas säumte den Boden, teilweise getränkt in dunkelroter Flüssigkeit. Wir gingen an leblosen Körpern vorbei und sicherten jeden einzelnen Raum.

Wir verhielten uns weitestgehend ruhig und kommunizierten mit Handzeichen. Als wir an der Treppe ankamen, schickte ich ein paar der Männer nach oben, während ich in Begleitung nach unten ging. Nach und nach teilten wir uns auf die Räumlichkeiten auf, ohne auch nur eine Menschenseele zu finden.

Ich betrat das Heimkino und ging an den versteckten Schubladen mit Wegwerfhandys und anderem elektronischen Zeug sowie Schränken mit Waffen vorbei. Neben einer Wandlampe blieb ich stehen, den Blick starr auf die großflächige Leinwand gerichtet, die sich über die ganze Wand erstreckte. Ich musste nur diesen einen Knopf unter der Lampe drücken, um zu erfahren, ob Diego, Ria und Giulia dort waren. Ob sie es geschafft hatten, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Ich zögerte.

Ich mochte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn dies nicht der Fall war. Wie viele Leichen den Weg säumen würden. Wie viel Blut die Straßen benetzen würden.

Ich schüttelte die Gedanken von mir ab, atmete tief durch und drückte. Beobachtete, wie sich die versteckte Tür langsam und lautlos öffnete und grelles Licht zutage brachte. Einzig und allein mein Atem, der schwer über meine Lippen kam, durchbrach die noch immer herrschende Stille. Jeder einzelne Muskel meines Körpers war zum Zerreißen angespannt. Und dann ging ich auf die offenstehende Tür zu. Trat über die Schwelle und ließ meinen Blick durch den verborgenen Teil des Anwesens gleiten. Sekündlich schwand die Hoffnung, in ein erleichtertes Gesicht zu blicken, dass unsere Ankunft herbeigesehnt hatte. Ich biss die Zähne so fest, bis mein Kiefer knackte.

Sie waren nicht hier.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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